Tempoverlustspiele

In Heft 265 der Schwalbe (Seite 358-368) hat Nikolai Beluchow einen groß angelegten Artikel über „Ortho-Rekonstruktionen“, wie Luigi Ceriani seine Erfindung genannt hatte, veröffentlicht; im darauf folgenden Heft (Nr. 266, S.438-440) folgte eine Ergänzung von Bernd Schwarzkopf unter dem Titel „Tempoverlustspiele“.

Bei beiden geht es um die gleiche Forderung, nämlich die Diagrammstellung mit der anderen Partei am Zug wiederherzustellen.

Bereits 1949 hatte Die Schwalbe hierzu ein Thematurnier ausgeschrieben; der Preisbericht erschien als „Sonderdruck“ der Schwalbe auf vier einzelnen Seiten, war aber den regulären Ausgaben nicht beigebunden und ist daher sicherlich vielen Problemfreunden bisher nicht bekannt.

Bernd Schwarzkopf hat nun eine Kopie des Preisberichts (Richter war Luigi Ceriani) besorgt, und die kann nun über die Schwalbe-Seite heruntergeladen werden. Viel Spaß bei der spannenden Lektüre!

 

3. Niederrheintreffen (NRT)

Am letzten Samstag (12. April 2014) traf sich der problemschachliche Niederrhein auf Einladung von Hans-Peter Reich bei ihm zu Hause — dies war schon das dritte diesbezügliche Treffen und ist damit für Rheinländer nun eine Traditionsveranstaltung.

Die Niederrhein-Grenzen waren ziemlich weit gefasst, so dass auch ich eingeladen war; darüber hinaus nahmen Ralf Binnewirtz, Bernd Gräfrath, Stefan Höning und Bernd Schwarzkopf teil.

Bei Kaffee, Tee und Kuchen wurde über Schach in allen Facetten sowie (wie bei solchen Treffen üblich) über Gott und die Welt diskutiert und philosophiert — mit anderen Worten: Die Zeit verging wie im Fluge!

Gleich zu Beginn haben wir per SMS Grüße an den Münchener Problemkreis geschickt, der sich zeitgleich (jeweils am 2. Sonnabend eines Monats) in Haar getroffen hat — die dortige Tradition ist schon ein wenig größer als die niederrheinische (mehr als 50 Jahre!). So kam von dort die Einladung, uns doch mit einer noch unveröffentlichten Studie zu beschäftigen, die dort gerade vorgestellt wurde.

Aus dem Studienumfeld hatte ich auch eine kleine Konstruktionsforderung aus einem der Dawson-Bücher mitgebracht: Bernd Schwarzkopf kam dabei zu einer verblüffend sparsamen Stellung. Vielleicht wird hieraus noch ein kleiner Artikel, dann komme ich später auf das Thema hier zurück, da auch Retro-Aspekte berührt werden.

Ein wunderschöner Nachmittag, früher Abend war es; ganz herzlichen Dank speziell an Hans-Peter für Vorbereitung und Bewirtung!

Retro der Woche 16/2014

Heute möchte ich mit euch zusammen einen Blick zurück in das Jahr 1989, also vor 25 Jahren werfen, eine klassische Auflöse-Aufgabe vorstellen, die mir immer noch sehr gut gefällt, auch wenn sie keine extrem spektakulären Themen enthält, auch wenn die Auflösung nicht in jedem Zug eindeutig vonstatten geht.

 

Alexander Kisljak (B. Klementjew gewidmet)
feenschach 1989, 2.-3. ehr. Erw.
Löse die Stellung auf (14+11)

 

Beginnen wir wie üblich mit der Schlagbilanz: Bei Weiß fehlen zwei Steine; einer wurde auf f6 geschlagen, und dann kann das Schachgebot im Diagramm nur durch einen Schlagfall, also TxXh2+ erklärt werden. Bei Weiß sieht man zunächst nur den Schlagfall dxe3. Da aber der [wBa2] fehlt, muss der sich umgewandelt haben. Das kann nicht auf a8 erfolgen, da er nicht am [sBa7] vorbeikommen konnte, also auf b8 umgewandelt hat. Der sBh4 kann nicht geschlagen haben, kommt also von h7 – und das bedeutet, dass zwei weiße Bauernschläge auf dem Königsflügel, genauer gesagt auf g und h, erfolgen mussten. Dabei konnte niemals der [sBc7] geschlagen werden, der sich auch nicht schlagfrei umwandeln konnte, also auf der c-Linie geschlagen wurde.

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Zwei Jahre

Gestern feierte Julias Märchenschachseite ihren zweiten Geburtstag — herzlichen Glückwunsch dazu an Julia Vysotska, die ihre Seite innerhalb kürzester Zeit zu einer der wichtigsten Problemschachseiten weltweit gemacht hat.

Sicher wisst ihr, dass dort regelmäßige Informalturniere für Märchenschach-Aufgaben veranstaltet werden — vielleicht wisst ihr auch, dass Julia dort seit kurzer Zeit auch ein (Märchen-)Retroturnier durchführt? Preisrichter für die Jahre 2013 und 2014 ist Hans Gruber.

Retro der Woche 15/2014

In der gerade erschienenen Ausgabe von StrateGems sind bereits meine beiden Preisberichte für die Beweispartien und die (sonstigen) Retros des Jahres 2013 erschienen. Von vorn herein hatte ich das hehre Ziel, die Berichte so schnell wie möglich zu erstellen, und dies klappte auch mit der Unterstützung des Sachbearbeiters Kostas Prentos ganz prächtig: Er hatte mir sehr schnell schon die Manuskripte der Lösungsbesprechungen zugesendet, so dass die Berichte dann gemeinsam mit den letzten Besprechungen publiziert werden konnten.

In der Beweispartie-Abteilung gab es 20 Aufgaben zu bewerten; bei der hohen Qualität konnte ich immerhin sechs davon, also 30 Prozent, in den Preisbericht aufnehmen. Heute möchte ich euch den ersten Preis aus diesem Turnier vorstellen.

 

Jorge Lois & Roberto Osorio
StrateGems 2013, 1. Preis
Beweispartie in 23 Zügen (12+12)

 

Eine schon optisch sehr einladende und elegante Stellung, bei der nur wBa5 als offensichtlicher Schlagtäter klar ist; er kommt von c2. Nun solltet ihr einmal versuchen, selbst das Thema der Aufgabe zu erraten – besser natürlich zu „erarbeiten“. So viel sei verraten: Es handelt sich um eine „Beweispartie der Zukunft“, in der also zumindest zwei Themen doppelt gesetzt sind.

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Wolfgang Dittmann zum Gedenken — Neufassung

Am 10. Februar hatten Andrej Frolkin und Joaquim Crusats hier eine Originalaufgabe zum Gedenken an Wolfgang Dittmann veröffentlicht, die von Mario Richter gekocht wurde — dazu schrieben die Autoren: „We are grateful to Mario Richter for reporting a cook in a previous version of the problem.“

Nun legen die beiden eine Neufassung vor, für die ich ganz herzliche „Danke!“ sage — und die ich euch zum Lösen und erneuten Prüfen wieder ans Herz legen möchte.

 

Andrej Frolkin und Joaquim Crusats
Original – Prof. Dr. Wolfgang Dittmann zum Gedenken
#1 vor 10 Zügen, Verteidigungsrückzüger Typ Proca (14+11)
 

Der Hauptplan ist wieder R 1.O-O-O & v. 1.Txa2#, doch das geht noch nicht, da Schwarz zunächst auf e1 entwandeln muss.

Damit ist dann die intendierte Lösung:

R: 1.Lf4-e5 g3-g2 2.h4-h5 g4-g3 3.h5-h6 g5-g4 4.Te3-e4 g6-g5 5.g3xSh4 Sg2-h4 6.h4-h5 Se1-g2 7.g3-g4 e2-e1=S 8.Le5-f4 (Rückkehr) f4-f3 9.Te4-e3 (Rückkehr) e3-e2 10.0-0-0 & v. 1.Txa2#.

Die Autoren merken noch zwei Punkte zur Lösung an:

White’s moves do not transpose on account that Black can only retract hxg if g is a white square.

The wB switchback is needed to prevent forward defenses by the bQ when there is a bP on e3.

Nun hoffe ich, dass dieses Mal alles OK bleibt!?

Retro der Woche 14/2014

Zunächst war die Idee aus der Not geboren, nämlich möglichst rasch und trotzdem mit hoher Qualität eine Menge ausstehender feenschach-Preisberichte mit Ersatzrichtern zu erledigen: Dadurch wurde das Richter-Dreamteam Gruber-Ring-Brand geboren.

Wir haben gemerkt, dass das gemeinsame Richten nicht nur effektiv war, sondern gleichzeitig unheimlich viel Spaß machte – und drüber hinaus auch sehr interessante Einblicke in die „Denke“ anderer Richter gab.

Und so haben wir anschließend nicht nur aus der Not heraus, sondern geplant mehrere Turniere (nicht nur für Retros, sondern auch für Hilfsmatt und Märchenschach) gemeinsam gerichtet; dabei haben wir stets die Aufgaben einzeln „bepunktet“ (ähnlich wie beim FIDE-Album) – meist war die Übereinstimmung verblüffend groß. Spannend waren dann eigentlich „nur“ noch die Diskussionen über die Aufgaben, wo die Abweichungen größer waren. Aber immer sind wir zu einer einvernehmlichen Reihung gekommen.

So auch beim feenschach Retro-Informalturnier 2012, aus dem ich heute eine Aufgabe vorstellen möchte, die meiner Meinung nach ideal zum Selbstlösen auch für noch nicht so erfahrene Retrolöser ist: Gerade die geforderte Eindeutigkeit der letzten Züge sollte es noch ein wenig einfacher machen.

 

Gerald Ettl
feenschach 2012 (A. Kornilow in memoriam), 4. Lob
Letzte 24 Einzelzüge? (15+12)

 

Wenn ihr lösen wollt, solltet ihr euch folgende Fragen stellen: Welche Steine fehlen? Wo wurden sie geschlagen? Gab es Umwandlungen, wenn ja: wo? Wie kann der Retroknoten aufgelöst werden? Was ist Voraussetzung dafür?

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Schwalbe und feenschach

Heute, am 25. März, hatte ich schon das April-Heft der Schwalbe im Briefkasten — und nicht nur das: Auch zwei feenschach-Hefte (f-204 und f-205) waren dabei!

Alle drei Hefte bieten großartigen Lese- und Lösestoff für uns Retrofreunde; nur ein paar Artikel möchte ich besonders erwähnen:

In der Schwalbe ein Einführungsartikel zu Anticirce-Procas von Andreas Thoma sowie der Beitrag von Bern Schwarzkopf zu Tempoverlustspielen; in feenschach zum Beispiel ein Artikel über eine Aufgabe von Karl Fabel, Preisbericht und Artikel zu A→B-Schach, zu Basisplänen in logischen VRZ-Procas, zu elsässischen Beweispartien — und bereits der Preisbericht zu den 2012er feenschach-Retro-Urdrucken.

Jede Menge interessante Themen also — viel Spaß!