Heute geht in Görlitz das Jahrestreffen der Schwalbe zu Ende, und da will ich noch einmal auf das diesjährige Andernach-Treffen, das vor genau 20 Wochen endete, zurückkommen. Direkt anschließend konnte ich noch nicht vom Retro-Märchen-Thematurnier berichten, da der Preisbericht noch nicht ganz fertiggestellt war — und anschließend ist es mir durchgerutscht, davon zu berichten. Das soll nun heute nachgeholt werden.
Zur Einstimmung empfehle ich euch, noch einmal den Bericht im Retro der Woche 21/2026 nachzulesen; dort wird auch die Bedingung des Thematurniers erläutert:
Beim #C-Schach (C=Color) wechseln nach einem Mattzug alle Steine, die den König bedrohen, die Farbe und das Spiel wird fortgesetzt, es sei denn, dieser Wechsel führt zu einem Selbstschach.
Beinahe traditionell entstanden auch beim diesjährigen Andernach-Thematurnier besonders bei den Retros bemerkenswert gute Probleme; das Siegerstück möchte ich euch heute vorstellen.
Thematurnier Andernach 2026, Abt. 2, 1. Preis
Beweispartie in 18 Zügen, #C-Schach (14+14)
Zählen wir ganz „orthodox“ die sichtbaren Züge bei Schwarz: 2+2+2+4+3+5=18: Damit sind alle schwarzen Züge erklärt — speziell schließen wir daraus, dass die fehlenden schwarzen [Be7] und [Lf8] zuhause geschlagen werden mussten: Für sie steht ja kein Zug mehr zur Verfügung.
Bei Weiß fehlt [Ba2], der durch den schwarzen Läufer auf seinem Weg nach b1 geschlagen worden sein kann. Spannender aber ist die Geschichte des [Bd2]: Er muss zumindest auf e7 geschlagen haben, da er auf der d-Linie durch Schwarz nicht beseitigt werden konnte.
Zählen wir auch die sichtbaren weißen Züge (und lassen wir dabei erst einmal wTa5 außen vor), so sehen wir 3+3+0+0+2+1=9. Wir wissen, dass [Bd2] mindestens vier Züge gemacht haben muss, ferner muss wTa5 irgendwie hinter die schwarze Bauernphalanx gekommen sein, und dafür benötigt er mindestens vier weitere Züge, sodass wir 17 weiße Züge sehen — und nun noch exakt einen Zug übrig haben, um sLf8 verschwinden zu lassen.
Der noch freie Zug muss also e7xf8=X gewesen sein — und Weiß hat keinen Zug frei, seinen Umwandlungsstein von f8 wegzubewegen; er verschwindet anschließend also direkt von dort. Damit kennen wir schon ein zentrales Thema der Aufgabe: Schnoebelen-Umwandlung.
Nun ist natürlich die Frage, in welchen Stein sich der Bauer umwandeln muss — und das wollt ihr nun vielleicht selbst herausfinden? Die Zugfolge zu finden, ist gar nicht so schwer; trickreich ist besonders das weiße Turm-Manöver.
Und beim Lösen überlegt euch dann auch sofort, warum die Umwandlungsfigur X eindeutig ist — und was das mit der #C-Schach Bedingung zu tun hat, die ja bei unseren bisherigen Überlegungen noch überhaupt keine Rolle gespielt hat?
Zur Frage des Umwandlungssteins zitiere ich einfach aus dem Preisbericht von Hans Gruber und mir (268 feenschach, Juli 2026, S. 176):
„Eine großartige, märchenbedingungsspezifische Darstellung eines ‚reinen‘ Dame-Schnoebelens — mit diesem Begriff ist gemeint, dass anstelle der Damenumwandlung auch eine Dummyumwandlung erfolgen könnte, dass also die Damenumwandlung keinen Nebenzweck erfüllt außer der Beseitigung des Steins. Hier können wir die Probe aufs Exempel machen: Eine Turmumwandlung würde mattsetzen, der Turm würde umgefärbt und könnte nicht mehr innerhalb der erlaubten Zugzahl zurückgefärbt werden. Eine Läuferumwandlung würde 8.–~Ke7 verunmöglichen, eine Springerumwandlung analog 16.–~Ke6. Die Damenumwandlung hat den Nachteil, dass wegen des Matts die Umwandlungsdame umgefärbt wird. Damit das Thema erfüllt ist, darf sie nicht mehr ziehen, muss aber zurückgefärbt werden, also muss eine Königsbatterie aufgebaut werden. Das ist intellektuell ansprechend, schön anzusehen und erfrischend originell.“
Und wenn man sich dann noch einmal die Konstruktion anschaut, sieht man, wie gut eingesetzt der so harmlos ausschauende Zug Se7 ist!