Für zwischendurch

Folgende Kleinigkeit ist mir vor ein paar Tagen über den Weg gelaufen; ich finde, die ist ideal für die Frühstücks- oder Mittagspause! Außerdem passt sie gut zum morgigen französichen Nationalfeiertag.

Alexandre Leroux
Retro Championnat de France, RIFACE 2015
Ergänze zu einer Beweispartie in 7 Zügen (2+1)

 

Im ersten Moment verblüffend, dass das eindeutig gehen soll? Dann wird aber schnell klar, dass unbedingt 3.– Xxd2 4.Kxd2 geschehen musste. Nun fragt sich nur, was ist X, woher kam X und warum gehen nicht andere Schläge auf d2? Verblüffende Eindeutigkeit!

Viel Spaß beim Knobeln, und viellleicht zeigt ihr das Stück ja auch euren Schachfreunden, die sonst mit Retro nicht so viel am Hut haben? Nein, die Lösung verrate ich hier nicht…

Retro der Woche 29/2015

Beweispartien mit „Homebase“ Diagrammstellungen, wo also zumindest eine Seite all ihre Steine in der Partieanfangsstellung stehen hat, wirken auf mich immer besonders attraktiv, denn eigentlich müsste diese Partei ja gar nicht ziehen!

Aber davor kann sie sich ja nicht drücken — und häufig ist es auch erforderlich zu ziehen, nämlich um etwa einige eigene Steine aktiv loswerden zu können. So auch bei dem Stück, das ich heute ausgewählt habe.

Michael Barth
Die Schwalbe 2012, 3. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 19 Zügen (12+15)

 

Bei Weiß fehlen vier Bauer, alle anderen weißen Steine stehen auf passenden Feldern der Partieausgangsstellung — das muss ich so vorsichtig formulieren, denn theoretisch könnten ja auch die Springer oder gar die Türme ihre Plätze getauscht haben.

Bei Schwarz fehlt nur ein Bauer, und es sind keine Doppelbauern vorhanden, die etwas über das Verschwinden der fehlenden weißen Bauern verraten könnten.

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Märchen-Retro-Preisbericht

Die tolle Märchenschach-Seite Julia’s Fairies von Julia Vysotska pflegt auch eine (Märchen-) Retroabteilung für Urdrucke — wie heißt das richtige Wort hierfür im Internet, denn „gedruckt“ wird da ja nichts?

Nun ist der erste Preisbericht, er umfasst die Jahre 2013 und 2014, erschienen: Von 26 Original-Aufgaben erwiesen sich zehn als inkorrekt, von den verbleibenden hat Preisrichter Hans Gruber sechs ausgezeichnet.

Das ist selbstverständlich sehr lesenwerte Lektüre (ebenso „selbstverständlich“ auf Englisch…); viel Spaß dabei!

Retro der Woche 28/2015

Wenn ein Löser kommentiert, die Lösung sei uninteressant, muss man als Preisrichter schon gute Gründe haben, dem Stück trotzdem den einzigen Preis in einem wahrlich nicht schwach besetzten Turnier zuzuerkennen — vor allen Dingen, wenn man dem Kommentar zumindest teilweise zustimmen muss.

Aber um es schon vorwegzunehmen: Dieser „Vorwurf“ kann sich höchstens an das schwarze Spiel richten.

Andrej Frolkin & Joaquim Crusats
StrateGems 2013, Preis
#1 vor 8 Zügen, VRZ Proca (10+15)

 

Im Verteidigungsrückzüger (VRZ) nehmen Weiß und Schwarz abwechselnd Züge zurück, dabei ist es Ziel von Weiß, eine Stellung zu erreichen, in der er die Vorwärts-Forderung (meist und so auch hier: #1) umsetzen kann, Schwarz versucht dies durch seine (natürlich legalen) Rücknahmen zu verhindern. Beim Typ Proca entscheidet die zurücknehmende Partei, ob und welchen Stein sie entschlägt.

Betrachten wir zunächst die Schlagbilanz: Bei Schwarz fehlt nur ein Stein, der auf der e-Linie geschlagen worden ist. Drei Schläge weißer Steine durch schwarze Bauern sind offensichtlich (axb, bxc, f7xe6), und mindestens zwei weitere Schläge sind erforderlich für die Umwandlung der beiden fehlenden schwarzen Bauern [Bg7] und [Bh7] für Th1 und Lg1.

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Retro der Woche 27/2015

In dieser Woche hatte ich hier im Blog auf das diesjährige WCCC und die dort regelmäßig ausgeschriebenen Turniere hingewiesen.

Eines dieser Turniere mit schon langer Tradition ist das von Michel Caillaud durchgeführte, in dem es keine hochprozentigen, sondern hochwertige Preise, nämlich Champagner, zu gewinnen gibt.

Im letztjährigen Champagne-Turnier war das Thema „Gegenschachs“. Kurz nach dem Turnier gelang es Joaquim Crusats, den bestehenden Rekord an aufeinanderfolgenden Schachgeboten um ein weiteres Schach zu steigern; seine Aufgabe wurde im ersten Heft 2015 (SG69) von StrateGems veröffentlicht.

Joaquim Crusats
StrateGems 2015
Beweispartie in 19,5 Zügen (15+12)

 

Sofort fällt im Diagramm der schwarze Umwandlungsturm ins Auge, der uns gleich beim Finden der Lösung sicherlich helfen wird.

Zunächst aber wollen wir uns wie üblich mit Schlagbilanz und Zügezahlen beschäftigen.

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Retro der Woche 26/2015

In den letzten Jahren hatten einige Problemschachzeitschriften erfrelicherweise Retro-Informalturniere begonnen, so auch Orbit. Weniger erfreulich ist, dass diese Zeitschrift 2013 ihr Erscheinen einstellen musste.

Im Informalturnier 2008 zeichnete Preisrichter Hans Gruber dieses Stück mit einem Preis aus:

Nicolas Dupont
Orbit 2008, Preis
Beweispartie in 21,5 Zügen (14+14)

 

Beiden Seiten fehlen jeweils zwei Bauern, aber keine Doppelbauern verraten uns mögliche Schläge von Bauern. Also müssen wir versuchen, auf andere Weise der Lösung näher zu kommen. Versuchen wir es wie üblich mit dem Zählen der Züge.

Hierbei sind die weißen Züge zunächst einmal nicht so aussagekräftig: Wir erkennen im Diagramm nur 1+0+0+6+0+2=9 — es bleiben also 13 freie weiße Züge.

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RIFACE 2015 Retro-Turnier

Vor ein paar Tagen ist der Preisbericht des RIFACE 2015 Retro-Kompositionsturnier veröffentlicht worden. Gefordert waren Beweispartien mit der Bedingung „Anti Take&Make“ — hierbei verschwindet das Schlagopfer nicht vom Brett, sondern führt vom Schlagfeld aus einen weiteren Zug aus.

Aus dem Turnier möchte ich den vierten Platz vorstellen; der komplette Bericht kann als pdf-Datei aus dem Internet heruntergeladen werden.

Pascal Wassong & Axel Gilbert
St. Germain RIFACE 2015, 4. Platz
Beweispartie in 8 Zügen, Anti Take&Make (16+16)

 

Die Lösung:
1..Sf3 Sc6 2.Se5 Sxe5[Sc6] 3.g3 Sd3+ 4.cxd3[Sc5] Se4 5.dxe4[Sd6] Sf5 6.exf5[Ssh4] Sg6 7.fxg6[Se5] Sxc6[Sb8] 8.Lg2 Sxb8[Sa6]. Lustiger Diagonalmarsch des [Bc2] und witzige SxS-Schläge.

Retro der Woche 25/2015

Vorbemerkung: Ursprünglich hatte das Diagramm hier mit sKh1 gestanden — sorry, Druckfehler (leider auch in Die Schwalbe …), den ich nun korrigiert habe. Dank an Joaquim Crusats für den raschen Hinweis! 14.6.15 09:45

Heute jährt sich zum 82. Male der Geburtstag von Wolfgang Dittmann, und was liegt da näher, als hier das Siegerstück aus dem Dittmann-Gedenkturnier, das ja als Dittmann-80-Jubiläumsturnier geplant war, das wir zusammen richten wollten, vorzustellen? So musste ich es nach Wolfgangs Tod am 5. Februar 2014 allein richten — ich habe mich bemüht, das in seinem Sinne zu tun, und ich bin mir sicher, dass auch er viel Gefallen am Siegerstück gefunden hätte.

Joaquim Crusats & Andrej Frolkin
Wolfgang-Dittmann-Gedenkturnier 2015, 1. Preis
#1 vor 14 Zügen, VRZ Proca (16+7)

 

Im Verteidigungsrückzüger (VRZ) nehmen Weiß und Schwarz abwechselnd Züge zurück, dabei ist es Ziel von Weiß, eine Stellung zu erreichen, in der er die Vorwärts-Forderung (meist und so auch hier: #1) umsetzen kann, Schwarz versucht dies durch seine (natürlich legalen) Rücknahmen zu verhindern. Beim Typ Proca entscheidet die zurücknehmende Partei, ob und welchen Stein sie entschlägt.

Während alle anderen Haupt-Typen des Retrospiels (Auflöse-Aufgaben, Beweispartien) immer eine Kooperation von Schwarz und Weiß voraussetzen, bildet der VRZ eine Ausnahme, bildet er einen „Kampftyp“ wie direkte Mattaufgaben.

Wolfgang Dittmann hat sich intensiv mit den Möglichkeiten, das Spiel im VRZ mit logisch.neudeutschen Inhalten anzureichern beschäftigt, daher lag es nahe, im Turnier solche Stücke zu fordern; hierbei waren auch Märchenbedingungen zugelassen.

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