Retro-Wenigsteiner

Auf der Seite von Julia’s Fairies hat Andreas Thoma 15 Retro-Wenigsteiner (ihr werdet euch nicht wundern, dass es sich um Anticirce-Verteidigungsrückzüger handelt?!) veröffentlicht, die ihr direkt ansehen oder herunterladen könnt.

Die drei Seiten enthalten auf der ersten die Diagramme, auf der zweiten Lösungshinweise und auf der dritten die Lösungen. Also solltet ihr zunächst nur die erste, ggf. die zweite Seite anschauen, wenn ihr euch mit den Aufgaben befassen wollt!

Retro der Woche 25/2017

Heute möchte ich mit euch einen Blick in die Geschichte der Retroanalyse werfen; begeben wir uns gedanklich also 45 Jahre zurück.

Die heutige Aufgabe muss damals wie eine Bombe eingeschlagen sein – warum?

Nikita Plaksin
Sowjetskaja Moldawija 1972, 1. Preis
Welches war der letzte Zug? (11+13)

 

Betrachten wir zunächst wie üblich die Schlagbilanzen: Schwarz muss in seinem letzten Zug mit der Dame geschlagen haben, denn anders ist das Schachgebot im Diagramm nicht zu erklären. Darüber hinaus stammt sBa5 von c7, sBd2 von e7 sowie sBg6 von h7 – damit sind alle fehlenden weißen Steine erklärt.

Auch die Schlagfälle durch Weiß können wir rasch erkennen: [Lc8] wurde zu Hause geschlagen, [Bb2] hat auf die c-Linie geschlagen. Schwarz kann [Bf2] nicht direkt geschlagen haben, er muss sich also umgewandelt haben – das kann nur auf der e-Linie erfolgt sein, und damit ist auch der dritte fehlende schwarze Stein erklärt.

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Für zwischendurch (33)

Auf den letzten Beitrag für zwischendurch habe ich eine Menge positiver Reaktionen erhalten, drum will ich diese Rubrik wieder etwas häufiger bringen: Nicht so schwere, werbewirksame Retros — allerdings ohne Lösung veröffentlicht.

Ronald Turnbull
The Problemist Supplement 1993
Beweispartie in 7,5 Zügen (15+15)

 

Das dürfe sehr leicht zu lösen sein, aber ein netter kleiner Gag verbirgt sich darin… Viel Spaß beim Lösen!

Retro der Woche 24/2017

Die italienische Schachzeitung Sinfonie Scacchistiche feierte ihren 50. Geburtstag mit einem Jubiläumsturnier in acht Kategorien; in einer von ihnen waren Beweispartien gefordert.

Preisrichter Marco Bonavoglia setzte das folgende Stück auf den ersten Platz, es folgten Aufgaben von Roberto Osorio & Jorge J. Lois (2. Preis) sowie Antonio Garofalo & Enzo Minerva (Ehrende Erwähnung).

Michel Caillaud
Sinfonie Scacchistiche JT50 2016, 1. Preis
Beweispartie in 23 Zügen (14+14)

 

Sowohl bei Weiß als auch bei Schwarz fehlen jeweils zwei Bauern. Die beiden weißen Doppelbauern auf dem Königsflügel können aber die fehlenden schwarzen Bauern nicht direkt geschlagen haben. Daraus können wir sofort schließen, dass die beiden schwarzen Bauern sich umgewandelt haben, um sich anschließend selbst im Osten zu opfern oder schwarze Opfersteine zu ersetzen.

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Für zwischendurch (32)

Genau ein Vierteljahr ist es her, dass ich hier die letzte „Für zwischendurch“ Aufgabe vorgestellt hatte. Heute nun eine neue, die allerdings auch schon 48 Jahre alt ist…

Josef Kricheli
FEENSCHACH 1969, Lob
-(w+s), dann h=1; 2 Lösungen (1+1)

 

Weiß und Schwarz nehmen also jeder einen Zug zurück, und dann erfolgt im Vorwärtsspiel ein Hilfspatt in einem Zug. Dass man bei den Rücknahmen nicht komplett entschlagfrei vorgehen kann, ist sicher sofort einsichtig?

Viel Spaß beim Knobeln!

Retro der Woche 23/2017

Das (Märchen-) Schachtreffen in Andernach, das wie immer am verlängerten Himmelfahrts-Wochenende stattfand, war wieder gut besucht. Erfreulicherweise waren auch einige neue Besucher da, andererseits fehlten dieses Mal ein paar sonst immer gesehene Freunde.

Untern ihnen war auch Ulrich Ring, ein alter Haudegen schon der Frühzeit eindeutiger Beweispartien, wie man hier schon in den Retros der Woche 39/2012, 39/2013 und 27/2014 bewundern konnte. Darüber hinaus ist er auch ein anerkannter Hilfsmatt und Zweizüger-Spezialist, der aber auch tief ins Märchenschach eindringt und dabei auch ein hervorragender Koch ist.

Vor 20 Jahren in Andernach haben wir gemeinsam ein Konstruktionsthema bewältigt, das ich heute gern vorstellen möchte.

Dirk Borst, Thomas Brand, Hans-Peter Reich und Ulrich Ring
Andernach 1987, 1. Preis
Nach Vertauschen von zwei beliebigen Steinen bleibt die Stellung legal (14+14)

 

Dieses Konstruktionsturnier hatte Hans-Heinrich Schmitz ausgeschrieben. Uns vier reizte es schnell, das theoretische Maximum zu erreichen, was HHS im Vorfeld für unwahrscheinlich gehalten hatte, dass es funktionieren konnte.

Schnell sieht man, dass die erste und die achte Reihe frei bleiben müssen, da ein Tausch eines Bauern hierhin sofort die Stellung illegal machen würde. Außerdem muss man natürlich vermeiden, dass illegale Doppelschachs entstehen. Auch muss man höllisch aufpassen, dass keine illegalen Bauernstellungen entstehen.

Dieser letzte Gedanke zeigt übrigens auch, wieso 28 die maximal mögliche Steinzahl ist. „Der 29. wäre ein Bauer, und eine Partei hätte dann 7 Bauern auf dem Brett. Wenn da dann ein weißer Randbauer gegen einen schwarzen Randbauern getauscht wird, entsteht Unmögliches.“ So erklärte es Hans-Heinrich Schmitz in seinem Turnierbericht in feenschach 123, I-VI/1987, S. 34.

Warum müssen denn in der Stellung überhaupt Bauernlücken auftreten? Nun, der Tausch zweier Läufer kann sofort einen schwarzen und einen weißen Umwandlungsläufer nach sich ziehen (z.B. Le2<>Le3), und dafür müssen noch Bauern für die Entwandlung zur Verfügung stehen – und zwar für Umwandlungen auf weißen und auf schwarzen Feldern.

Und euch sei es zur eigenen Überlegung überlassen, wieso keine Bauern auf drei benachbarten Reihen stehen können?

Bei dem Wettbewerb wurde übrigens nur diese eine Aufgabe abgegeben – andere Konstrukteure hatten mitbekommen, dass wir bei 28 waren und dann ihre Bemühungen eingestellt, um sich dann auf andere Kompositionsturniere zu konzentrieren, zum Beispiel auf das Isardam-Turnier: Diese Märchenbedingung hatte einige Wochen zuvor beim Treffen der British Chess Problem Society erprobt worden war.

Hans Heinrich Schmitz hatte übrigens einen Geldpreis ausgelobt für sein Turnier: Den erhielten alle Teilnehmer in Form eines wie ein Hemd gefaltenen Zwanzig-DM-Scheins: Den habe ich heute noch, auch in Erinnerung an diesen großartigen Problemfreund!

38. RIFACE

Heute hat im französischen Saint-Germain au Mont d’Or das 38. RIFACE (encontre Internationale en France des Amateurs de Composition Echiquéenne) begonnen; das Treffen dauert bis zum Pfingstmontag.

Dort werden einige Kompositionsturniere ausgerichtet, an denen man sich auch beteiligen kann, wenn man nicht vor Ort ist. Einen Link auf das Thema des Retro-Turniers (sowie die der Hilfsmatt- und Märchenturniere) findet ihr nach 18:00 Uhr heute auf Julias Fairies.

Einsendungen bis Sonntag (4. Juni) um 15:00 Uhr an RIFACE.2017(at)gmail.com.