Retro der Woche 20/2020

Am letzten Dienstag hatte ich an den zehnten Todestag von Alexander Kisljak (27.12.1938—5.5.2010) erinnert und schon angekündigt, dass ich heute ein weiteres seiner klassischen Retros vorstellen werde.

Dazu habe ich eine Aufgabe herausgesucht, die nun 20 Jahre alt ist; ein feines Widmungs-stück für Hans Gruber, der damals 40 Jahre alt wurde. Und der hat für dieses Jahr ja schon seine Geburtstagsfeier in Andernach angekündigt…

Alexander Kisljak
feenschach 2000, 1. Preis, Hans Gruber zum 40. Geburtstag
Löse die Stellung auf! (14+11)

 

Die Frage, die sich bei Aufgaben dieser Art stets als erste stellt („Wer beginnt mit der Rücknahme?“), ist hier leicht beantwortet: Weiß beginnt, denn der schwarze König steht durch Tg3 im Schach. Dieses Schach kann nur durch einen Entschlag zurückgenommen werden, und damit sind durch die weiteren vier Bauernentschläge von Weiß (axb, exd, fxe, gxf) alle fünf fehlenden schwarzen Steine erklärt.

Bei Schwarz sehen wir einen Bauernschlag [hxg6], der zweite fehlende Stein ist direkt aus dem Diagramm noch nicht zu erklären.

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Alexander Kisljak

Heute vor zehn Jahren starb der Ukrainer Alexander Kisljak (27.12.1938—5.5.2010), der vor allen Dingen durch seine klassischen Auflöse-Aufgaben berühmt wurde; ich werde im kommenden Retro der Woche darauf eingehen.

Er war auch ein hervorragender Schreiber sehr guter Artikel: Wer beispielsweise Die Schwalbe aus den 1980er Jahre besitzt, dem kann ich nur empfehlen, noch einmal „Die Verfolgung eines retroanalytischen Themas“ (Februar 1987) und „Die Verfolgung eines retroanalytischen Themas geht weiter“ (August 1989) hervor zu holen.

1993 veröffentlichte er eine kleine Schrift „Поверженный монарх“ (The Monarch Overturned, Der König stürze) mit 64 Beweispartien, in denen der schwarze König auf jedem Feld mattgesetzt wurde: Locker-leicht und hübsch; ein Beispiel daraus habe ich „für zwischendurch“ herausgesucht.

Alexander Kisljak
The Monarch Overturned, 1993
Beweispartie in 9,5 Zügen (14+15)

 

 

Die Lösung findet ihr hier wie immer in etwa einer Woche.

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Hier nun die sicher nicht so schwer zu findende Lösung dieser hübschen Aufgabe:

Lösung

Platzwechsel von sD und sK.

Retros im FIDE-Album 2016-2018

Die Retro-Richter waren mal wieder die schnellsten…

Gestern sind auf der WFCC-Seite die Ergebnisse der Retro-Auswahl für das neue FIDE-Album veröffentlicht worden: Ein Rekord von 112 Aufgaben hat es geschafft (davon 30 über das WCCI und ein Stück als Sieger des 10. WCCT), das liegt aber nicht an besonders großzügigen Richtern — es hat mir mit Nicolas Dupont, Andrej Frolkin und Kostas Prentos als Richtern sehr viel Spaß gemacht, den Auswahlprozess zu (beg)leiten –, sondern an der hervorragenden Qualität der eingereichten Aufgaben: Es waren kaum schwache Stücke dabei, und das macht den Richtern natürlich auch mehr Spaß, als wenn viele (unter)durchschnittliche bewertet werden müssten.

Die meisten Aufgaben (19) konnte Michel Caillaud ins Album bekommen. Wegen möglicher Gemeinschaftsaufgabe entspricht diese Anzahl häufig nicht den erreichten Albumpunkten; bei Michel sind es 17.

Es folgen Andrej Frolkin (18/12,33), Nicolas Dupont (17/15,67), Roberto Osorio (14/7), Silvio Baier (12/9,67), Joaquim Crusats (11/7,83) und Dmitry Baibikov (10/9,5) als diejenigen mit einer zweistelligen Aufgabenanzahl im Album.

Seht bitte von Detail-Nachfragen ab: Die darf und werde ich bis zur Veröffentlichung des Albums nicht beantworten.

Retro der Woche 19/2020

Ich hatte es ja vor zwei Wochen schon angekündigt: Zu der dort vorgestellten Aufgabe will ich heute noch ein „Vergleichsstück“ vorstellen – nicht, um selbst diesen Vergleich mehr oder weniger vollständig durchzuführen, sondern um euch einzuladen, das selbst zu machen, also die Aufgabe vom 19. April noch einmal hervor zu holen und gedanklich neben das heutige Stück zu stellen. Das ist sicherlich sehr spannend für euch selbst, und wenn ihr dann eure Ergebnisse im Kommentar postet, auch für andere Le/öser.

Silvio Baier, Version Roberto Osorio
Die Schwalbe 2015
Beweispartie in 30,5 Zügen (13+10)

 

Wahrscheinlich sofort springt der schwarze Bauer a2 ins Auge: das muss der [Bd7] sein, der sich bis zur a-Linie durchgefressen hat. Gleichzeitig fehlen bei Weiß „nur“ drei Bauern, die aber [Bd7] zumindest nicht alle selbst entsorgt haben konnte; wir können also mit drei weißen Umwandlungen rechnen?

Zählen wir einmal die sichtbaren weißen Züge: 4+1+1+4+3+5=18 –- es sind also „nur“ 13 Züge frei, Weiß kann also nur zwei Umwandlungen gespielt haben, einen der fehlenden Bauern muss also der schwarze Eindringling selbst geschlagen haben.

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Andernach-Treffen 2020

Wie angesichts der Corona-Pandemie zu befürchten war, muss das Andernach-Treffen 2020, das für den 21. bis 24. Mai geplant war, abgesagt werden.

Aber die gute Nachricht: Ein Nachholtermin ist schon geplant!!

Hierzu die Information von Organisator bernd ellinghoven:

Das 46. Märchenschachfreundetreffen in Andernach, 21.–24. 5. 2020, ist storniert – es soll aber 2020 keinesfalls ausfallen, sondern nur verschoben werden.

In Absprache mit dem „Stammbaum“ & aufgrund derzeitiger Gesetzgebung, die momentan die Versammlungsfreiheit stark einschränkt, insbesondere die Öffnung von Restaurants & Gaststätten nicht erlaubt & angesichts vieler geschlossener Grenzen wollen wir das Treffen (vorerst) auf den 21.–23. 8. 2020 verschieben – falls uns bis dahin nicht die 2. oder gar 3. Corona-Infektionswelle überrollt. Der Termin hätte den lukullischen Vorteil, daß Hans Gruber alle dann (also bis Montag) noch anwesenden Teilnehmer am Sonntag-Abend ins „Bellini“ einladen würde, um in seinen 60. Geburtstag am 24.8. hineinzufeiern. Zimmer-Stornierungen dürften kein Problem sein. -be-

Ich hoffe und freue mich drauf, dass sich viele von uns im August in Andernach werden treffen können!

Alles andere als Mittelmaß

Pünktlich zum heutigen Feiertag ist ein neues Problem-Buch erschienen, das ihr sicher mit Freude zur Hand nehmen werdet:

Werner Keym hat „Anything but Average“ veröffentlicht, und der Titel trifft es sehr gut, wie ich finde. Es erinnert im Aufbau ein wenig an das längst vergriffene „100 Classics of the Chessboard“ von Anthony Dickins und Hilmar Ebert, bringt also 100 wahrlich nicht mittelmäßige Probleme „quer durch alle Abteilungen“, darunter auch einige herausragende Partien (!) und dann noch 275 weitere großartige Stücke, die ihr teilweise vielleicht kennt (auch aus Werners letztem Buch“Chess Problem out of the Box“), auf alle Fälle gibt es viele neu aufgenommene Stücke und weit über 100 zusätzliche Verweise auf die PDB. Natürlich gibt es auch wieder viel aus unserer „Lieblingsabteilung“…

Lesespaß vom Feinsten in leicht verständlichem Englisch; auf der Buch-Website findet ihr nicht nur die (verblüffend niedrigen) Preise und Bestellmöglichkeiten, sondern ihr könnt euch 20 Seiten vorab anschauen, und ich bin sicher, ihr seid genauso begeistert wie ich, der das Glück hatte, die Druckfahne schon sehen zu können: Das war Genuss pur, und ich freue mich schon, wenn ich das Buch dann „in Papier'“ in Händen halten kann. Zur Lesefreude auf der Couch trägt auch der hervorragende Buchsatz von Ralf Binnewirtz bei: Mit vielen Hilfsdiagrammen findet sich die Lösungen zu den Aufgäben immer auf derselben Doppelseite.

Eine hübsche Kleinigkeit, die ich noch nicht kannte, möchte ich hier als (einhundertstes!) „Zwischendurch“ Diagramm vorstellen; wie immer gibt es die Lösung hier in einer Woche.

Zwi Roth
Al-Hamishmar 1970, Lob
Weiß nimmt einen Zug zurück, dann #1; b) 180 Grad gedreht (5+1)

 

 

 

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Lösungen

a) zurück O-O und vor 1.Th3#

b) zurück dxe6ep und vor Td8# — nach den Kommentaren zu urteilen nicht so leicht wie gedacht?!

Rochade und ep-Entschlag, beide Male mit Idealmatt: viel Inhalt für nur sechs Steine!