Retro der Woche 51/2022

In meiner Kurz-Rezension des FIDE-Albums 2016–2018 hatte ich Thierry Le Gleuher erwähnt. Er hat nicht nur die Lösungen der Retro-Abteilung gestaltet, sondern ist auch mit fünf Aufgaben (davon einer Gemeinschaftproduktion mit Tom Volet) im Album vertreten. Eines dieser Stücke, das über das WCCI ins Album gekommen war, möchte ich hier vorstellen; es hatte mich schon bei der Publikation in der Schwalbe sehr gut gefallen. Bei den Angaben zur Lösung stütze ich mich fast komplett auf die Angaben des Preisrichters Hans Gruber ab.

Thierry Le Gleuher
Die Schwalbe 2018, 2. ehrende Erwähnung
Letzte 47 Einzelzüge? (14+12)

 

Die schwarzen Bauern auf a2 und b2 können nicht die beiden fehlenden weißen Läufer durch Kreuzschlag axb/bxa auf Feldern verschiedener Farbe geschlagen haben. Der Versuch, die Stellung rasch mit e7xLf6+ aufzulösen, erfordert die Rücknahme sBcxwLb und einen schlagfreien Marsch des [Ba7] nach a2; Weiß musste daher axb und bxa schlagen; da von den fehlenden schwarzen Bauern aber nur einer ohne Schlagfall umwandeln konnte und ein Schlagobjekt auf g6 benötigt wird, wäre dies illegal.

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FIDE-Album 2016 — 2018

Vorgestern fand ich im (präziser: neben dem) Briefkasten mein erstes Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr: Das neue FIDE-Album 2016 — 2018.

Das ist wahrlich „schwere Literatur“ (beinahe 1,6 Kilogramm!), in der auf X + 899 Seiten (!) 1984 (!) Probleme aus dem Drei-Jahres-Zeitraum, darunter 112 (!) Retros, vorgestellt werden.

Mein besonderes Augenmerk liegt natürlich auf Teil H, den Retros. Dort finde ich es als besonders erfreulich, dass die Lösungen (durchgängig figurine Notation) relativ ausführlich gehalten sind und deren verständliche Wiedergabe teilweise durch Hilfsdiagramme unterstützt wird. Hierfür gilt dem „Indexer“ Thierry le Gleuher ganz besonderer Dank — ebenso wie Peter Gvozdjak, der diesen Luxus im Album umgesetzt hat. Dass der frühere Luxus dreisprachiger Lösungsangaben bei diesem Umfang schon länger nicht mehr beibehalten werden konnte (hätte sicherlich zusätzliche 150-200 Seiten eingebracht), ist völlig klar; die englischen Kommentare sind durchgängig gut verständlich.

Spannend finde ich immer, aus welchen Haupt-Quellen die aufgenommenen Stücke stammen. Bei den Retros nimmt Die Schwalbe mit 26 zitierten Aufgaben den Spitzenplatz ein, gefolgt vom leider nun eingestellten StrateGems mit 17. Aber auch vier Aufgaben aus den Retroblog-Thematurnieren haben den Weg ins Album gefunden.

Das Album ist traditionell technisch hervorragend gelungen (klare Diagramme, stabil wirkende Bindung, schweres Papier — nur ein Lesebändchen vermisse ich bei dem Umfang ein wenig) und kann zum (angemessenenen!) Preis von 54 € zzgl. Versandkosten etwa über Ralf Krätschmer, den Bücherwart der Schwalbe (ralf.kraetschmer[at]t-online.de] bezogen werden — dass es in den Fundus eines jeden Problemfreundes gehört, bedarf keiner zusätzlichen Erwähnung.

Natürlich werde ich noch auf das eine oder andere Stück aus dem Album, soweit ich es hier bisher noch nicht besprochen habe, eingehen.

FIDE-Album bis 1. August

Nun wird es allerhöchste Zeit, noch Aufgaben für das FIDE-Album 2019-2021 einzusenden: Endgültiger Einsendeschluss ist Montag, der 1. August.

Die genauen Regularien und formalen Voraussetzungen findet ihr in der Ausschreibung; Direktor der Retro-Abteilung und damit Empfänger eurer Einsendungen ist Vlaicu Crișan (vlaicu_crisan(at)yahoo.com). Richter sind dann Dmitrij Baibikov, Silvio Baier und Henrik Juel.

Viel Erfolg wünsche ich euch!

FIDE-Album 2019-2021

Gestern erschien auf der WFCC-Seite die Ausschreibung für das FIDE-Album 2019-2021 für hochklassige Aufgaben, die in diesem Zeitraum urgedruckt wurden. Einsendeschluss ist der 1. Juni 2022.

An den Regelungen und Bedingungen hat sich im Vergleich zum letzten Album nicht viel geändert, so bleibt die generelle „30-Aufgaben“ weiterhin gültig, ebenso die halbautomatische Übernahme von mit mindestens 8 Punkten bewerteten Einsendungen zum WCCI; Aufgaben des 11.WCCT gehören erst in das Folgealbum 2022-2024.

Wie immer gibt es acht Abteilungen; Direktor der Abteilung H (Retros) — an den erfolgen die Einsendungen — ist Vlaicu Crișan (Mail: vlaicu_crisan(at)yahoo.com), die Richter sind Dmitrij Baibikov, Silvio Baier und Henrik Juel.

Übrigens sind wieder viele deutsche Problemisten aktiv bei den Vorbereitungen des Albums: Udo Degener und Martin Minski als Direktoren für Zweizüger bzw. Studien sowie als Richter Ralf Krätschmer (n#), Torsten Linß (h#>3), Franz Pachl (Märchen) und der schon erwähnte Silvio Baier bei „unseren“ Retros.

Retro der Woche 51/2021

Nachdem ich vor drei Wochen hier den Fabel’schen Längenrekord von 1947 und letzte Woche dessen Überbietung von Michel Caillaud aus dem Jahre 1982 vorgestellt hatte, will ich heute die Geschichte der Beweispartie-Längenrekorde weitererzählen.

Karl-Heinz Bachmann verbesserte 1987 mit einigen technischen Kniffen in ähnlichem Schema den Rekord auf 48 Züge (P0002277) – und dann kam ein Riesensprung: Dimitri Pronkin und Andrej Frolkin schraubten den Rekord auf unglaubliche 57,5 Züge!

Das konnte natürlich nur mit einer gänzlich anderen Grundidee funktionieren, denn das Fabel-Schema hatten Caillaud und Bachmann großartig ausgeschöpft. Pronkin und Frolkin hatten die aberwitzig erscheinende Idee, das Thema mit einer Anhäufung von Umwandlungen anzugehen.

Dimitri Pronkin und Andrej Frolkin
Die Schwalbe 1989, Preis
Beweispartie in 57,5 Zügen (14+14)

 

Eine auf den ersten (und auch noch den zweiten und dritten) Blick schier unglaubliche Stellung mit jeweils acht Türmen – die beiden anderen Bauern müssen jeweils geschlagen werden, um Schneisen für die Umwandlungsbauern zu schaffen. Also nicht nur ein Längenrekord, sondern auch eine materialökonomische Aufgabe, die durch die Einheitlichkeit der Umwandlungen und die „aristokratische“ Stellung ohne Bauern nicht einfach „nur“ ein unglaublicher Rekord ist, sondern auch seine ästhetischen Reize hat.

Wie kann man die Aufgabe lösen?

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feenschach-Urdrucke vorab

feenschach wirft wieder seine Schatten voraus: Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Hefte 246 und 247 druckfrisch in die Post kommen.

Um aber sicher die Schlusstermine für das FIDE-Album 2019-2021 und WCCI zu treffen, stehen die Urdrucke schon auf der feenschach-Seite zum Download bereit — darunter sind auch 20 Retros! Viel Spaß und Erfolg beim Lösen!

Und wo Urdrucke sind, sind auch Bemerkungen und Berichtigungen nicht weit: Auf hier gibt es eine Aktualisierung, die neue B&B-Datei deckt die Jahrgänge 2008 bis 2021 ab, auch die ist auf der feenschach-Seite zu finden.

WCCI 2019-2021 Ankündigung

Kürzlich wurde das WCCI (World Championship in Composing for Individuals) auf der WFCC-Seite angekündigt. Wie immer wird es in den acht üblichen Kategorien ausgerichtet; jeder ist eingeladen, zu diesen Kategorien vier bis sechs eigene Aufgaben per Mail im PDF-Format an den Turnierdirektor Valery Kopyl (email: v.kopyl(at)i.ua) bis zum 20.1.2022 einzusenden, die in den Jahren 2019 bis 2021 veröffentlicht worden sind; Gemeinschaftsaufgaben (das verrät schon das „I“) sind nicht zugelassen.

Die Aufgaben werden von fünf Richtern „wie beim Skispringen“ wie im FIDE-Album bewertet, das beste und schlechteste Resultat wird gestrichen. Aufgaben, die acht Punkte und mehr erreichen, sind fürs Album vorqualifiziert. Die Richter der Retro-Abteilung sind: Dmitrij Baibikov (ISR), Vlaicu Crișan (ROU), Andrej Frolkin (UKR), Thierry Le Gleuher (CAN) und Vidmantas Satkus (LTU).

Schaut euch bitte die genauen Regeln auf der oben verlinkten Seite an; viel Erfolg wünsche ich euch bei dem Wettkampf!

Neue Titelträger

Auch wenn das WCCC, das internationale Problemschachtreffen, in diesem Jahr wegen Corona abgesagt werden musste, hat die WFCC Subkommission für die Vergabe von Titeln dennoch per Videokonferenz getagt und aufgrund der Auswahlen für das neue FIDE-Album neue Titel vergeben. Ich nenne hier nur die neuen deutschen Titelträger:

  • Kompositions-Großmeister: Martin Minski
  • Internationaler Kompositionsmeister: Michael Barth
  • FIDE Kompositionsmeister: Klaus Förster

Ihnen gelten meine herzlichen Glückwünsche ebenso wie allen anderen, von denen ich besonders unseren Retrofreund Joaquim Crusats erwähnen möchte, der den FM-Titel erreicht hat.

Eine komplette Auflistung aller neuen Titelträger findet ihr auch der WFCC-Seite.