ChessBase und Retros

Frederic Friedel, Computerschach-Urgestein und Mitgründer von ChessBase (“Fritz”, Datenbanken) hat kürzlich auf deren Website eine kleinen Einführung in Retroanalyse (Retro chess — simply entertaining) gegeben. Das ist schon bemerkenswert, da Problemschach im Allgemeinen auf der ChessBase Seite keine so große Rolle spielt, sieht man von Weinhachtsrätseln und gelegentlichen Berichten von John Nunn zu Löseturnieren ab.

Noch bemerkenswerter ist, dass diesem Artikel noch eine Rezension des Keym-Buchs “Chess problems out of the box” folgte. Beide Beiträge sind sehr lesenswert!

Und bei entsprechendem positiven Feedback (z.B. durch zahlreiche Klicks…) können wir vielleicht hoffen, dass dort, einer der weltweit bedeutendsten Schachnachrichten-Sites der Welt, in Zukunft häufiger Problemschachbeiträge im Allgemeinen und solche zur Retroanalyse im Besonderen häufiger erscheinen? Das wäre sehr schön!

Retro der Woche 37/2018

Von den französischen Retro-Lösemeisterschaften hatte ich im August zwei Aufgaben in der Rubrik „für zwischendurch“ vorgestellt Zwischendurch 54 und Zwischendurch 55). Daraus zu schließen, dort würden überwiegend relativ einfach gestrickte Aufgaben verwendet, wäre aber verfehlt, wie das heutige Stück euch sicher überzeugen wird.

Roberto Osorio & Jorge J. Lois
Phénix 2016
Beweispartie in 16,5 Zügen (15+14)

 

Hier bringt uns das Zählen der sichtbaren schwarzen Züge offensichtlich nicht weiter – wie schaut es bei Weiß aus? Hier sehen wir 2+2+5+0+2+2=13 Züge. Dabei gehen wir davon aus, dass [Ke1] über d2 nach c3 gelangt ist; Weiß könnte aber auch lang rochiert haben: Das würde einen Königszug mehr erfordern, allerdings einen Turmzug weniger, wir hätten dann 3+2+4+0+2+2=13.

So oder so bleiben vier weiße Züge noch frei – wirklich?

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Retro der Woche 36/2018

Heute möchte ich wieder eine schon etwas ältere Beweispartie (20 Jahre) vorstellen, die aus mehreren Gründen bemerkenswert ist.

Michel Caillaud
Probleemblad 1998, 2. Preis ex aequo
Beweispartie in 22,5 Zügen (13+12)

 

Das häufig sehr hilfreiche Zählen der sichtbaren Züge bringt uns hier nicht viel weiter: Bei Weiß sind es 1+0+0+1+0+4=6 Züge, bei Schwarz ein paar mehr, aber auch nicht erschöpfend viele: 4+1+0+0+1+2=8 — plus die eines Umwandlungsläufers. Vielleicht hilft uns ja die Überlegung weiter, wo der entstanden sein könnte?! Nicht auf d1: Dort wäre er nicht weggekommen. Auch nicht auf f1 oder h1: Das würde mindestens vier Schlagfälle erfordern, aber bei Weiß fehlen nur drei Steine.

Also entstand er auf b1.

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Günter Büsing wieder da!

Nein, Günter Büsing war natürlich nicht von der Bildfläche verschwunden, aber lange konnte man von ihm keine neuen Aufgaben sehen: keine Hilfsmatts, speziell auch keine Beweispartien, mit denen er sich — orthodox und märchenhaft — früher recht intensiv beschäftigt hat.

Um so mehr habe ich mich gefreut, vor ein paar Tagen ausführliche Post mit einigen Urdrucken für Die Schwalbe bekommen zu haben — und mit einem Beitrag “für zwischendurch”.

Günter Büsing
Original
Beweispartie in 7 Zügen, zwei Lösungen

 

Natürlich haben beide Lösungen viele Züge gemeinsam, dennoch sind die Königswege hübsch, wie ich finde! viel Spaß beim Lösen, einen schönen Start ins erste Herbstwochenende wünsche ich euch!

Erinnerung: Brand-Gräfrath-120

Denkt bitte daran: Am 20. Oktober 2018 ist Einsendeschluss für das Brand-Gräfrath-120 Thematurnier der Schwalbe:

Gefordert sind (ohne Märchenschach, ohne A-nach-B, ohne Schach-960) OHNE Bauernumwandlungen in zwei Abteilungen: klassische Retros und Beweispartien; es steht ein Preisfonds von 500 EUR zur Verfügung.

Einsendungen bitte an Turnierdirektor Hans Gruber (Mail: hans.gruber(at)ur.de). Die genaue Ausschreibung könnt ihr auf der Schwalbe-Website finden.

Retro der Woche 35/2018

Vorbemerkung: Das heutige „Retro der Woche“ ist ein Gastbeitrag meines Sachbearbeiter-Kollegen Arnold Beine, der für Die Schwalbe die Märchenschach-Abteilung betreut. Und ein wenig märchenhaft ist auch sein Beitrag; herzlichen Dank dafür, Arnold!

Seit etwa einem Jahr findet man in den Retro-Abteilungen diverser Zeitschriften Diagramme, die aussehen wie ein — quadratisches — Nest mit Ostereiern. Die Eier zu finden ist nicht das Problem, aber den Inhalt zu erkunden, hält manche Überraschung bereit — also ein Nest mit Überraschungseiern. Die vermutlich erste Darstellung dieser Art stammt vom rumänischen Autor Vasile I. Tacu (1910-1993) und soll heute hier vorgestellt werden.

Vasile I. Tacu
Europe Echecs 1991
Stellung nach dem 6. Zug von Schwarz, #1; 31 unbestimmte Steine

 

Worum geht es? Im Diagramm ist eine Stellung abgebildet, die nach dem 6. schwarzen Zug entstanden ist. Allerdings weiß man nur, welche Felder besetzt sind; aber von dem jeweiligen „Besetzer“ kennt man weder Farbe noch Steinart. Alles ist wie unter einem Nebelschleier verhüllt. Man weiß aber noch etwas: In dieser Stellung ist ein #1 möglich. Aus diesen wenigen Informationen soll der Löser die zur Diagrammstellung gehörige Beweispartie und den anschließenden Mattzug rekonstruieren.

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bernd ellinghoven 65

Heute feiert bernd ellinghoven seinen 65. Geburtstag, und dazu gehen herzliche Glückwünsche nach Aachen. Im Namen aller Leser hier wünsche ich dir für dein neues Lebensjahr zunächst einmal Gesundheit, und dann weiterhin viel vielseitige Schach-Kraft!

Ihr alle kennt bernd als Hilfsmatt-Revolutionär, als jahrzehntelangen Vertreter der Schwalbe beim WFCC (Früher PCCC), der internationalen Problemschach-Vereinigung, als ebenso jahrzehntelangen Herausgeben von feenschach. bernd ist aber auch ein ausgewiesener Freund und Kenner unserer Lieblings-Problemart, und eine Aufgabe, die er zusammen mit Klaus Wenda gebaut hat, möchte ich heute vorstellen.

bernd ellinghoven & Klaus Wenda
feenschach 1989, 3. Lob
Letzter Zug? Madrasi (9+4)

 

Madrasi (entnommen dem Schwalbe-Märchenschachlexikon): Wird ein Stein (außer König) von einem gleichartigen Stein des Gegners beobachtet, wird er gelähmt und verliert während der Beobachtung jede Zugmöglichkeit und Wirkung außer seinerseits gegnerische gleichartige Steine zu lähmen. Eine Rochade (=Königszug) mit einem gelähmten Turm ist möglich. Ein doppelschrittig ziehender Bauer ist e. p.-schlagbar.

Ich zitiere die damalige Lösung von Alexander Ettinger; spielt sie in Ruhe nach und prüft, wenn euch Madrasi neu ist, bei jedem Zug, warum er unter dieser Bedingung möglich ist: “Alle Hochachtung – ich war schon fast verzweifelt, denn Schwarz hat überhaupt keinen letzten Zug, und für Weiß hatte ich nur Kxg1 oder Sxh2 in Betracht gezogen (und dann hätte Schwarz wieder keinen letzten Zug), bis der Groschen fiel: Der letzte wZug war 0-0! mit dem Rückspiel Kg2-g3, Sg4-h2, Kg3-g2, Tf1-f2, Tg2-e2+, S-g4, Ld1-e2, S-, La6(z.B.)-e2, S-, Kf4-g3, e2-e3 usw. Ja, sogar Humor kann man bei guten Retros finden!”

Ein anderes Märchen-Retrostück von bernd (Co-Produktion mit Hans Peter Rehm) findet ihr in dessen Ladatio zu seinem 75. Geburtstag.

Auch wenn er keinen “runden” Geburtstag feiert: Auch Hans Gruber herzliche Glückwünsche zu seinem heutigen Geburtstag!

Murfatlar-Turnier beim WCCC

Neben dem bereits erwähnten Champagner-Turnier gibt es beim WCCC in Ohrid ein weiteres Retro-Turnier, ausgerichtet von Paul Rãican: Im ersten Murfatlar-Turnier geht es um Beweispartien mit Berolinabauern — die ziehen diagonal und schlagen vertikal “nach vorn”; sie können mit anderen Märchenbedingungen, nicht aber Märchensteinen kombiniert werden. Das Turnier ist offen auch für Nicht-Kongressteilnehmer, Einsendeschluss ist der 3. September 2018.

Die genauen Bedingungen mit zwei Beispielaufgaben findet ihr auf der WCCC-Turnierseite zum Download. Viel Spaß und Erfolg beim Komponieren!