Retro der Woche 38/2018

Traditionell hatte Michel Caillaud beim WCCC wieder sein traditionelles Champagner-Turnier ausgerichtet – in diesem Jahr war der Valladão-Task gefordert: In einer Aufgabe kommen alle drei „Sonderzüge“ (Rochade, Umwandlung und en passant Schlag) vor. Das Turnier hatte zwei Gruppen: Beweispartien und andere Retros.

Heute möchte ich eine Aufgabe der „anderen Retros“ vorstellen, in der kommenden Woche kommt eine Beweispartie.

Marko Klasinc
Champagner-Turnier 2018, Abteilung B, 2. Preis
(-w & #2)* (11+12)

 

Die knapp geschrieben Forderung besagt, dass Weiß einen Zug zurücknimmt und dann in zwei Zügen mattsetzt. Dabei gibt es ein Satzspiel, d.h. Weiß kann die Mattforderung sofort erfüllen.

Schnell sieht man dieses Satzmatt 1.Dg8# — und sofort verfällt man auf die Idee, irgendeinen weißen Zug zurückzunehmen, um dann sofort Dg8# vorwärts zu spielen.

Aber so einfach ist das nicht: R 1.f2xXe3 ist illegal, da es die sDh1 einmauern würde, und R 1.d2xYe3? würde a7xZb8=L und c2-c1=L bedingen. Das aber ist illegal, da es zu viele schwarze Schläge erfordern würde: Lc1 und Th1 wurden auf der ersten Reihe geschlagen, und [Bh7] musste umwandeln, um verschwinden zu können, da alle fehlenden schwarzen Steine von Bauern geschlagen wurden.

Also suchen wir nach R 1. X und v: 1.X, droht 2.Dg8# — aber Schwarz kann sich dann mit 1.— OOO retten?!

Also muss Weiß einen solchen Rücknahmezug suchen, der die schwarze lange Rochade ausschließt. Die Idee ist, einen ep-Schlag zurückzunehmen: Dann ist einer der schwarzen Läufer offensichtlich ein Umwandlungsstein und wollen dann versuchen zu beweisen, dass wegen der Schlagfälle Weiß auf a8 umwandeln musste – und damit wäre die schwarze Rochade illegal.

Versuchen wir R 1.dxe6 ep und v: 1.dxe6 ep. (droht 2.Dg8#), aber Schwarz kann sich überraschend mit OOO verteidigen: Wieder ist sLc1 ein Umwandlungsläufer, und wir hatten doch oben schon gesehen, dass dann die lange Rochade illegal sei? Stimmt – aber hier ist die Situation etwas anders, denn es muss ja nicht c2-c1=L? zurückgenommen werden, sondern es geht auch f2xTg1=L! Und damit muss [Ba2] nicht einmal umwandeln, und die schwarze Rochade bleibt zulässig.

R 1.cxd6 ep! und v: 1.cxd6 ep! gxh6 2.De7#, 1. – OOO? illegal.

Nun ist sLd1 ein Umwandlungsläufer, da ja [Lc8] zu Hause geschlagen werden musste. Gleichzeitig muss [Ba2] umwandeln, da Schwarz alle Schläge mit Bauern machen musste (axb6, exd, hxgxfxg1=X, [Ba2 hat aber auch keinen Schlag mehr übrig ([Lc8] starb zuhause, dann noch cxd, dxe und fxe), musste also auf a8 umwandeln, was die schwarze Rochade illegal macht.

Sehr hübsch, wich ich finde!

Einige hatten Michel wegen es gewählten Thema kritisiert: Der Valladão-Task sei schon viel zu sehr bearbeitet worden. Dazu schrieb er im Preisbericht:

Das stimmt wie für viele Kompositionsthemen … Andererseits hat mir der Komponist des zweiten Preises der Abteilung B mitgeteilt, dass das Turnier ihn nach 35 Jahren Pause angeregt habe, wieder ein Retro zu komponieren. Schon aus diesem Grunde mag ich die Themenwahl nicht bedauern …

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