Retro der Woche 45/2012

Als ich die Einsendung der Franzosen Thierry Le Gleuher und Alain Brobecker für den Urdruckteil der Schwalbe sah, musste ich gleich an meine Jugendtage im Schachverein denken, wo wir beim Materialwart immer für Schnappatmung sorgten, wenn wir nach dem Training mal wieder auf den Gedanken kamen, ein kleines „Taschenspringer“ Blitzturnier zu organisieren.

Den Taschenspringer kennt ihr? Jeder Spieler bekommt vor der Partie einen zusätzlichen Springer seiner Farbe „in die Tasche“, den er dann im Laufe der Partie anstelle eines eigenen Zuges einsetzen kann — auch mit Schachgebot, auch mit Matt.

Diese Regel haben die beiden für eine Auflösungsaufgabe genutzt und sie mit einer sehr passenden Fragestellung verbunden:

Thierry Le<br /> Gleuher & Alain Brobecker
15242V Die Schwalbe Juni 2012
Geschichte
der Springer? Taschenspringer (14+15)
Weiterlesen →

Retro-Studie

Im letzten „Retro der Woche“ haben wir uns mit Aufgaben beschäftigt, die nach dem letzten Zug fragen — heute möchte ich zwei Kleinigkeiten vorstellen, die nach Gewinn fragen, wenn Weiß seinen letzten Zug zurückgenommen hat, also eine Kombination aus Retro und Studie. Die Aufgaben fielen mir heute Abend auf, als ich auf John Beasleys Website in seinen British Endgame Study News gestöbert habe.

Ein kleines Beispiel gefällig?

Stevan Djulinac
Mat 1982, Spezialpreis
Weiß nimmt einen Zug zurück und gewinnt (3+1)
Weiterlesen →

Retro der Woche 44/2012

Wieder gilt es, hier einen Glückwunsch zum Geburtstag zu veröffentlichen: Am 26. Oktober konnte Zdravko Maslar seinen 80. Geburtstag feiern.

Aus politischen Gründen kam er 1966 aus dem damaligen Jugoslawien nach Deutschland, wo er 1970 in Andernach am Rhein sein Restaurant „Balkan-Pik“ eröffnete.

Seit 1975 beherbergte er (bis zur Schließung seines Restaurants 1994) das jährliche Problemschachtreffen in Andernach, das heute noch immer von ihm organisiert am Christi-Himmelfahrt-Wochenende nun im Kolpinghaus, nicht weit von seinem früheren Restaurant entfernt, stattfindet: 2013 also zum 39. Male!
Weiterlesen →

Retro der Woche 43/2012

Auf diesem Weg wieder ein Glückwunsch zum Geburtstag: Am gestrigen Samstag konnte den Bernd Gräfrath feiern. Der Philosophie-Professor aus Mülheim/Ruhr ist ein begeisterter Retro-Fan, der u.a. mit verschiedenen Artikeln in Die Schwalbe speziell für Märchen-Beweispartien geworben hat.

Er hat von mir zu Anfang diesen Jahres die Proof Games and Retros Rubrik der Selected Problems in The Problemist übernommen: Dort werden (nicht nur) klassische Beweispartien und Retros vorgestellt und erläutert — sehr lesens- und empfehlenswert.

Darüber hinaus wird Bernd im kommenden Jahr die Retro-Urdrucke in der Schwalbe richten: Für die Bereitschaft auch auf diesem Wege noch einmal herzlichen Dank.
Weiterlesen →

Retro der Woche 42/2012

Das erste Original-Problem, das ich 2012 in der Schwalbe veröffentlichen konnte, ist ein ganz besonderes Auflösungsstück aus Frankreich: Ein neuer Längenrekord für eindeutige Rücknahmen in einer Stellung mit ausschließlich Bauern und Königen – solche Probleme hatte Peter Kniest als Kindergartenprobleme bezeichnet, Alain Bienabe nannte sie in seinem Kommentar republikanisch. Aber es kommt ja nicht auf die Bezeichnung an: Interessant sind sie auf alle Fälle!

Thierry Le Gleuher
15120 Die Schalbe 2012
Letzte 20 Einzelzüge? (9+8)
Die letzten zwanzig Einzelzüge sind eindeutig bestimmt – versucht euch einmal selbst an der Lösung, bevor ihr sie anschaut und versucht selbst eure retroanalytischen Schlüsse zu ziehen.

Weiterlesen →

Retro der Woche 41/2012

Der gerade auf der Jahresversammlung in Traunstein wiedergewählte erste Vorsitzende der Schwalbe, deutsche Vereinigung für Problemschach, ist auf diesem Gebiet mit allen Wassern gewaschen – das zeigt sich nicht nur an der beeindruckenden Liste der Problemgattungen, für die er den Titel „Internationaler Preisrichter der FIDE“ trägt: #n, Studien, S#, H#, Märchenschach, Retros und Schachmathematik.

Gleichzeitig ist er auch noch Chefredakteur von feenschach, arbeitet an der Problemkiste mit, um nur einige wesentliche regelmäßige Schach-Aktivitäten neben seiner Funktion bei der Schwalbe zu nennen.

Dass er dabei nicht allzu häufig zum Komponieren kommt, liegt nahe: Heute meistens (und auch da sehr erfolgreich) auf Schachtagungen, häufig im Team mit bernd ellinghoven und Hans Peter Rehm.

Weiterlesen →

WCCI 2010-2012 ausgeschrieben

Die World Federation for Chess Composition (WFCC) hat die Championship in Composing for Individuals (Weltmeisterschaft im Komponieren für Einzel-Autoren WCCI) für die Jahre 2010-2012 ausgeschrieben.

Alle Komponisten sind eingeladen, ihre maximal sechs besten veröffentlichten Aufgaben der Jahre 2010 bis 2012 pro Sektion #2, #3, #n, Studie, H#, S#, Märchen und Retro einzusenden. Die genauen Regeln, die sich gegenüber den bisherigen Turnieren ein wenig geändert haben (Einsendung von pdf-Dateien, neuer Modus für das Richten), sollten der oben angegebenen WCCI-Seite entnommen werden.

Trunierdirektor, an den die Aufgaben per Mail gesendet werden müssen, ist  Mike Prcic (Mail: tuzlak(at) aol.com); Einsendeschluss ist der 15. Februar 2013, das vorläufige Ergebnis soll am 1. September 2013 veröffentlicht werden.

 

 

Lange Reise, Teil 2

Die lange Reise geht weiter…

Den zweiten Platz im „Champagne“-Turnier in Kobe belegte ein Stück des hierzulande recht unbekannten Japaners Hitoshi Yanami, und hier macht sich der schwarze König auf die Reise, um die beiden weißen Türme auf ihren Standfeldern zu schlagen.

Hitoshi Yanami
Champagne-Turnier Kobe 2012, 2. Preis
Beweispartie in 23 Zügen (15+14)
Auch hier übernehme ich wieder den Kommentar aus StrateGems:
„According to Winchloe, a complete diagonal by a King is a novelty. The trick to start from h8 is nice. Travel on the 1st rank is a valuable thematical addition. I wish the composer could improve it to make a straight line (f1-g1-h1) in order to produce a more striking visual effect (even if with less thematic moves).“

1.d4 Sf6 2.Lh6 gxh6 3.g4 Lg7 4.Lg2 OO 5.Ld5 Kh8 6.Lb3 Sg8 7.d5 Lc3+ 8.bxc3 Kg7 9.Dd3 Kf6 10.Db5 Ke5 11.c4 Kd4 12.Sd2 Kc3 13.Se4+ Kb2 14.Kd2 Kxa1 15.Kc3 Kb1 16.Kb4 Kc1 17.Ka5 Kd1 18.c3+ Ke1 19.Ld1 Kf1 20.Sh3+ Kg2 21.Sf4+ Kxh1 22.Sg3+ Kg1 23.Sh1 Kf1.

Bei diesem Königsmarsch fällt mir sofort eine meiner Lieblingsaufgaben überhaupt ein, die ich hier einfach zeigen muss, auch wenn sie mit Retro nichts zu tun hat:

Norman Macleod
Mat 1983, 1. Preis
Matt in 8 Zügen (11+13)
Natürlich will Weiß die Batterie feuern, doch sofort geht das noch nicht, dafür ist ein Auf- und Ablaufen des weißen Königs erforderlich:

1.Kd5? [2.Kxc4#] c1=D! 2.Sxc1 Dxb2, deshalb 1,Kf3! [2.Kg4#] Th4 2.Kg2 [3.Kf1#] dxe2 3.Kf3 [4.Kxe2#] c1=S 4.Ke4 [5.Kf5#] Th5 5.Kd5 [6.Kxc4#] Db4 6.Kc6 [7.Kc7#] De7 7.Kb5+ Db7 8.Lxb7#.

Ein großartiges Meisterwerk, das mit 12 Punkten ins FIDE-Album aufgenommen wurde!