Retro der Woche 52/2012

Der Brite Henry Anthony Adamson (21.1.1871-21.8.1941) war einer der ersten bedeutenden Retrokomponisten, der sich mit den heutigen klassischen Auflöse-Themen beschäftigte; das heutige „Retro der Woche“ erschien am 23.12.1928, also genau vor 84 Jahren.

Die Aufgabe erscheint auch heute noch recht komplex; wie interessant und richtungsweisend muss sie zu Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gewirkt haben! Mario Richter fasst dies treffend in seinem Kommentar zur Aufgabe in der PDB zusammen: „The problem realizes several ideas, which are later presented in a more elaborated manner by others: Ceriani-Chain, several shields á la Volet, rook manoeuvres on the first ranks á la Fabel and others.“

Henry A. Adamson
Hamburgischer Correspondent 23.12.1928
Letzter Zug von Weiß? (13+14)

Die Lösung habe ich weitgehend der PDB übernommen; aber so schwer erscheint mir das Stück nicht, dass ihr nicht eigene Lösungsversuche unternehmen solltet: Ich glaube, das lohnt sich!

Es fehlen 2wS und 1wB [a2], 1sS und ein sB [h7]; ein sS ist auf d3, der wS auf c3 geschlagen worden. wBd3 ist [e2], es geschah also e2xSd3. Wäre Bd3 nämlich der [c2], so müssten die weißen Bb5 und c4 von a und b kommen, was das Fehlen von drei schwarzen Steinen als Schlagobjekte bedingen würde. Der schwarze Bauernschlag nach c3 kann nur von b aus erfolgt sein, da bei d4xSc3 im ganzen drei weiße Figuren entschlagen werden müssten, während nur zwei Schlagfälle frei sind. Sonst müsste unter den Opfern auch [a2] sein, der jedoch nicht auf der c- oder d-Linie fallen konnte, weil er nur geradlinig zu ziehen und nie zur Umwandlung gelangen vermochte, ohne zwei weitere schwarze Bauernschlagfälle zu bedingen. Somit sind auch die Bauern b5 und c4 geradlinig vorgegangen, sodass also Bc3 von b4 aus schlagen musste. Danach reicht die Zahl und Art der weißen Opfer nicht aus, die drei schwarzen Bauern e4, d5, c6 anders als geradlinig zurückzunehmen.

sK kann wegen der weißen Bauernstellung nur über die b- und c-Linie auf seinen jetzigen Platz gelangt sein. Der linksseitige geschlossene Figurenknoten lässt sich rückwärts nur auflösen durch Befreiung der weißen Figuren durch die von dem schwarzen König besetzte Hauptpforte, nämlich das Feld e2. Dazu muss der schwarze König auf die erste Reihe gebracht und der wLc2 herausgespielt werden. Soll der sK die 1. Reihe betreten können, so müssen beide Türme nach links kritisch ziehen und auf e1 verstellt werden. Als Sperrstein kommt nur ein weißer Springer in Frage, da der eine schwarze auf d3 gefallen ist und der andere noch nicht herausgespielt werden kann. Der also benötigte S muss entschlagen werden. Da einer der weißen Türme nach c1 muss, wird die Rücknahme von Kc2-c1 erforderlich, was wiederum die Räumung von c2 durch den Läufer bedingt. Das Betreten des Feldes d1 durch diesen L ist aber nur möglich, wenn der sK vorübergehend auf e1 stehen kann, wozu Einsperrung der weißen Türme auf g1 und h1 erforderlich ist. Hierzu wird der zu entschlagende wS benötigt, der also nur durch h4xSg3 geschlagen worden sein kann. Dieser seinerseits muss durch die wD entschlagen werden. Der doppelte Entschlag konnte nur auf g3 geschehen. Das Rückspiel zeigt die Notwendigkeit, den S in größter Nähe von f1 und durch den h-Bauern möglichst viel Tempozüge zu haben, die nur in diesem günstigsten Falle gerade ausreichen, das drohende Retropatt zu verhindern. So muss der letzte Zug des Weißen Dg3-b8!! gewesen sein und nicht nur der letzte von Weiß, sondern der letzte Zug überhaupt. Der Zug 1.Dg3-b8 ist als Antikritikus festgelegt, wie die ideegemäße Verführung 1.Tg1-d1? (kritisch) zeigt, die dreimal nur an der Undurchlässigkeit eines schwarzen Bauern (c7-c6, d6-d5, e5-e4) scheitert.
Eine großartige Darstellung des III.Klüver-Themas: Schwarz könnte als Retrozug nur die Bewegung eines Steines ausführen, durch die eine weiße langschrittige Figur abgesperrt werden würde. Weiß hat daher mit dieser Figur antikritisch zu ziehen, um im weiteren Verlauf durch Entschlag eines schwarzen Steines Schwarz aus dem drohenden Retropatt zu befreien. (F. Palatz, 18 Die Schwalbe, Juni 1929, S.245).

Das lässt sich also etwa wie folgt auflösen, wobei die thematisch wichtigen Züge eindeutig sind, ansonsten die Reihenfolge der Rücknahmen (sB-Züge) vertauscht werden kann:

1.Dg3-b8 c7-c6 2.Tg1-d1 d6-d5 3.Dh3xBg3 h4xSg3 4.Sf1-g3+ Ke1-e2 5.Ld1-c2 d7-d6 6.Lh5-d1 Ke2-e1 7.Lg6-h5+ Ke1-e2 8.Kc2-c1 Ke2-e1 9.Se3-f1 e5-e4 10.Tc1-g1 e6-e5 11.Td1-h1 h5-h4 12.Sg4-e3 h6-h5 13.Se5-g4 h7-h6 14.Sf3-e5 Kf1-e2 15.Se1-f3+ Kg1-f1 16.Lh5-g6 Kh1-g1 17.Le2-h5 Kg1-h1 18.Lf1-e2 Kh1-g1 19.Sf3-e1 Kg1-h1 20.Sg5-f3+ Kh1-g1 21.Te1-d1 Kg1-h1 usw.

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