Retro der Woche 32/2016

Im letzten Retro der Woche 31/2016 war ich auf die besondere Situation des Preisberichts für das Jahr 1996 eingegangen und hatte dort eine ausgezeichnete Beweispartie vorgeführt. Heute nun möchte ich den ersten Preis der Abteilung I (Retros ohne Beweispartien) vorstellen.

Thomas Volet
Die Schwalbe 1996, 1. Preis Abt. I
Löse die Stellung auf! (15+12)

 

Lest ihr den Namen „Thomas Volet“ über einem Diagramm, könnt ihr zumindest ein Thema, das dargestellt wird, fast sicher annehmen: Thomas beschäftigt sich schon seit vielen Jahren intensiv mit Schachschutz in immer wieder neuen Ausprägungen. Dieses Thema wird uns hier natürlich auch begegnen, aber wir werden auch interessante Figurenmanöver bewundern können.

Beginnen wir allerdings wie üblich mit der Analyse der Schlagfälle:

Weiß fehlt nur ein Springer; der verschwand mittels c7xSb6; das ist wegen des sBa3 eindeutig.

Bei Schwarz fehlen vier Steine, die via e2xd3 sowie f2xe3xd4xc5 geschlagen wurden.

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Euclide 1.1

Kaum hatte ich hier die neue Version von Natch angekündigt, gibt es auch vom „Konkurrenzprodukt“ Euclide von Étienne Dupuis ein Update: In der Version 1.1 kann man Einschränkungen bezüglich der Lösung angeben, beispielsweise Euclide mitteilen, dass ein bestimmter Bauer auf einem bestimmten Feld in eine bestimmte Figur umgewandelt werden muss.

Mit diesen Möglichkeiten, die die Prüfdauer deutlich verkürzen können, muss man natürlich sehr vorsichtig umgehen, da man damit möglicherweise nicht nur viele Fehlversuche, sondern auch Nebenlösungen ausblenden kann. Sie hilft also besonders während des Kompositionsprozesses, ersetzt schlussendlich aber keine vollständige Prüfung. Auch wenn ihr das sonst nicht so mögt: Lest unbedingt vorher die Beschreibung dazu in der Hilfe-Datei durch!

Dennoch natürlich ein tolles Feature, das Euclide sicher noch attraktiver als bisher schon macht.

Retro der Woche 31/2016

Ich finde es immer wieder spannend, mir ältere Preisberichte anzuschauen, um zu sehen, wie sich seit dem Berichtszeitraum die Retroanalyse weiterentwickelt hat. Beim Schwalbe-Preisbericht für den Jahrgang 1996 können wir diese Betrachtung gleich zweimal anstellen, denn Ersatz-Richter Ronald Schäfer, der im letzten Jahr in Aalen die Schwalbetagung ausgerichtet hatte, erstellte den Bericht erst im Jahre 2006 – jeweils zehn Jahre Abstand sind sehr interessant!

Den ersten Preis der damals noch kleinen Beweispartie-Abteilung (nur 10 von 54 Aufgaben!) hatten wir uns bereits als Retro der Woche 3/2015 angeschaut, hier nun die zweitplatzierte Aufgabe.

Chris Patzke
Die Schwalbe 1996, 2. Preis Abt. II
Beweispartie in 16 Zügen, Zeroposition a) sD→f3, b)+wBe3 (13+14)

 

Die „Zeroposition“ ist nicht zum Lösen gedacht, sondern es müssen die jeweiligen Stellungsänderungen vorgenommen werden, bevor dann a) und b) gelöst werden können. Wenn man so will, ist die Zeroposition einfach ein Trick, zwei Stellungsänderungen bei der Zwillings-Angabe zu vermeiden…

Sofort fällt natürlich auf, dass der weiße König in Teil b) im Doppelschach steht – können wir daraus schon Schlüsse ziehen? In Teil a) liegt kein Doppelschach vor, aber auch da kann das Schachgebot nur so erklärt werden, wobei das Startfeld beim Turmschach noch nicht genau gesehen werden kann.

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Bernd Schwarzkopf 70

Heute gehen herzliche Glückwünsche zum „runden“ Geburtstag nach Neuss, wo Bernd Schwarzkopf seinen 70. Geburtstag feiert.

Bernd ist gebürtiger Westfale aus Wickede an der Ruhr und entstammt einer dortigen „Schach-Dynastie“, von denen ich selbst einige kennen gelernt hatte, als ich eine Zeit lang im Schachbezirk Iserlohn Partieschach gespielt hatte — lang ist’s her… Beruflich zog es ihn dann nach Düsseldorf, als er an der dortigen Universität im Rechenzentrum gearbeitet hat.

Schon früh fand Bernd vom „Partyschach“ zur Problemwelt (er ist seit 50 Jahren Schwalbe-Mitglied!) und war schon in jungen Jahren ein begeisterter Retro-Freund, wie die Aufgabe zeigt, die er vor genau 44 Jahren veröffentlicht hat.

Bernd Schwarzkopf
feenschach Juli 1972
-(w&s), dann ser-h#2, 2 Lösungen (1+1)

 

Neben fleißigem Komponieren, Lösen und Artikel schreiben macht sich Bernd im Hintergrund sehr um das Problemschach, seine Publikationen verdient: Wisst ihr, dass quasi alle Inhaltsverzeichnisse, die ihr von deutschen Problemschachzeitungen kennt, von Bernd mit bemerkenswerter Akribie erstellt werden?

Alles Gute, lieber Bernd, für das kommende Lebensjahrzehnt!

R: 1.Kb6:Ta6 Ta8:Ta6 & vor: 1.0-0-0 2.Td7 Ta8#
R: 1.Kb7:Ta6 Te6:Da6 & vor: 1.Kd8 2.Te8 Dd6#

Retro der Woche 30/2016

Im Retro der Woche 17/2016 hatte ich bereits den zweiten Preis des Schwalbe-Informalturniers 2014 vorgestellt. Heute möchte ich mich dem vierten Preis zuwenden, der ebenfalls beeindruckende, moderne Beweispartie-Thematik zeigt.

Nicolas Dupont & Silvio Baier
Die Schwalbe 2014, 4. Preis
Beweispartie in 30 Zügen (12+14)

 

In seiner unnachahmlichen Art bezeichnete Hans Gruber als Kommentator das Stück als „Eine der leichtesten Übungen seit langem!“, was er wie folgt erklärte: „Bei DER Kombination von Autoren kann man die Erwartungen gleich auf ‚Knüller‘ einstellen. Und sie werden nicht enttäuscht. … Grandios!!“

Dann wollen wir uns diesen Knüller doch genauer anschauen, bei dem keine Doppelbauern im Diagramm zu sehen sind, bei dem also die Schlagfälle zunächst gut verborgen sind.

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Champagner-Turnier

Traditionell richtet Michel Caillaud beim WCCC, das am 30. Juli in Belgrad beginnt, ein Retro-Kompositionsturnier in zwei Gruppen mit separatem Preisbericht aus; es ist nur für Teilnehmer am Kongress offen.

Thema ist Rundlauf A) in einer Beweispartie, B) in einem anderen Retro-Typ; in A) muss der Rundläufer anschließend geschlagen werden. Märchenbedingungen sind in A) und B) zugelassen.

Die genauen Bedingungen und auch Beispielaufgaben könnt ihr schon jetzt anschauen. Die Definition von „Rundlauf“ („A piece returns to a previously occupied square after it occupied at least 2 other squares.“) erscheint mir allerdings gewöhnungsbedürftig und kontra-intuitiv: Nach dieser Definition ist Sb1-c3-d5-c3-b1 ein Rundlauf?!

Für zwischendurch (22)

Mal wieder eine Kleinigkeit zum Lösen zwischendurch: Wenn ihr nicht im Urlaub seid, sondern arbeiten müsst, ist das ideal für die Frühstückspause. Lasst es euch munden!

Michel Caillaud & Mark Kirtley
Probleemblad 1999
Beweispartie in 6,5 Zügen (16+15)

 

Das ist doch auch sicherlich ein Appetithappen für euren Schachclub?

Retro der Woche 29/2016

Nachdem ich in den beiden „Retros der Woche“ 27/2016 und 23/2016 den aktuellen Rekord der eindeutigen letzten Züge (ohne Nutzung der 50-Züge-Regel) und dessen Vorgänger besprochen hatte, möchte ich nun dessen Vorgänger vorstellen: Eine Aufgabe, die den Rekord 53 Jahre lang hat halten können — das Stück ist nun genau 75 Jahre alt!

Hugo August
Die Schwalbe 1941
Welches waren die letzten 54 Einzelzüge? (13+14)

 

Der Autor Hugo August war auf den Tag 56 Jahre älter als ich; sein Todesdatum ist mir nicht bekannt. Schon in jungen Jahren fiel er durch Last-Move Rekorde auf und war dann besonders in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts einer der bedeutendsten Retro-Verfasser, der gelegentlich auch Gemeinschaftsaufgaben mit z.B. Karl Fabel und Luigi Ceriani veröffentlichte.

Wie können wir uns nun der Lösung dieser Aufgabe nähern?

Zunächst einmal fallen die beiden weißen Doppelbauern auf, die die beiden fehlenden schwarzen Steine erklären.

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