Retro der Woche 41/2012

Der gerade auf der Jahresversammlung in Traunstein wiedergewählte erste Vorsitzende der Schwalbe, deutsche Vereinigung für Problemschach, ist auf diesem Gebiet mit allen Wassern gewaschen – das zeigt sich nicht nur an der beeindruckenden Liste der Problemgattungen, für die er den Titel “Internationaler Preisrichter der FIDE” trägt: #n, Studien, S#, H#, Märchenschach, Retros und Schachmathematik.

Gleichzeitig ist er auch noch Chefredakteur von feenschach, arbeitet an der Problemkiste mit, um nur einige wesentliche regelmäßige Schach-Aktivitäten neben seiner Funktion bei der Schwalbe zu nennen.

Dass er dabei nicht allzu häufig zum Komponieren kommt, liegt nahe: Heute meistens (und auch da sehr erfolgreich) auf Schachtagungen, häufig im Team mit bernd ellinghoven und Hans Peter Rehm.

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WCCI 2010-2012 ausgeschrieben

Die World Federation for Chess Composition (WFCC) hat die Championship in Composing for Individuals (Weltmeisterschaft im Komponieren für Einzel-Autoren WCCI) für die Jahre 2010-2012 ausgeschrieben.

Alle Komponisten sind eingeladen, ihre maximal sechs besten veröffentlichten Aufgaben der Jahre 2010 bis 2012 pro Sektion #2, #3, #n, Studie, H#, S#, Märchen und Retro einzusenden. Die genauen Regeln, die sich gegenüber den bisherigen Turnieren ein wenig geändert haben (Einsendung von pdf-Dateien, neuer Modus für das Richten), sollten der oben angegebenen WCCI-Seite entnommen werden.

Trunierdirektor, an den die Aufgaben per Mail gesendet werden müssen, ist  Mike Prcic (Mail: tuzlak(at) aol.com); Einsendeschluss ist der 15. Februar 2013, das vorläufige Ergebnis soll am 1. September 2013 veröffentlicht werden.

 

 

Lange Reise, Teil 2

Die lange Reise geht weiter…

Den zweiten Platz im “Champagne”-Turnier in Kobe belegte ein Stück des hierzulande recht unbekannten Japaners Hitoshi Yanami, und hier macht sich der schwarze König auf die Reise, um die beiden weißen Türme auf ihren Standfeldern zu schlagen.

Hitoshi Yanami
Champagne-Turnier Kobe 2012, 2. Preis
Beweispartie in 23 Zügen (15+14)

Auch hier übernehme ich wieder den Kommentar aus StrateGems:
“According to Winchloe, a complete diagonal by a King is a novelty. The trick to start from h8 is nice. Travel on the 1st rank is a valuable thematical addition. I wish the composer could improve it to make a straight line (f1-g1-h1) in order to produce a more striking visual effect (even if with less thematic moves).”

1.d4 Sf6 2.Lh6 gxh6 3.g4 Lg7 4.Lg2 OO 5.Ld5 Kh8 6.Lb3 Sg8 7.d5 Lc3+ 8.bxc3 Kg7 9.Dd3 Kf6 10.Db5 Ke5 11.c4 Kd4 12.Sd2 Kc3 13.Se4+ Kb2 14.Kd2 Kxa1 15.Kc3 Kb1 16.Kb4 Kc1 17.Ka5 Kd1 18.c3+ Ke1 19.Ld1 Kf1 20.Sh3+ Kg2 21.Sf4+ Kxh1 22.Sg3+ Kg1 23.Sh1 Kf1.

Bei diesem Königsmarsch fällt mir sofort eine meiner Lieblingsaufgaben überhaupt ein, die ich hier einfach zeigen muss, auch wenn sie mit Retro nichts zu tun hat:

Norman Macleod
Mat 1983, 1. Preis
Matt in 8 Zügen (11+13)

Natürlich will Weiß die Batterie feuern, doch sofort geht das noch nicht, dafür ist ein Auf- und Ablaufen des weißen Königs erforderlich:

1.Kd5? [2.Kxc4#] c1=D! 2.Sxc1 Dxb2, deshalb 1,Kf3! [2.Kg4#] Th4 2.Kg2 [3.Kf1#] dxe2 3.Kf3 [4.Kxe2#] c1=S 4.Ke4 [5.Kf5#] Th5 5.Kd5 [6.Kxc4#] Db4 6.Kc6 [7.Kc7#] De7 7.Kb5+ Db7 8.Lxb7#.

Ein großartiges Meisterwerk, das mit 12 Punkten ins FIDE-Album aufgenommen wurde!

Retro der Woche 40/2012

Die Schwalbe-Tagung 2012 in Traunstein steht vor der Tür – und vielleicht geht es euch ähnlich wie mir? Ich scharre schon ein wenig mit den Hufen, dass es langsam losgeht: Dass ich schon in Traunstein ein paar Tage Urlaub machen kann, dass dann am Freitag die Tagung beginnt.

Mit den Hufen scharren können auch manchmal Schachfiguren – bemerkenswert und lustig finde ich das besonders bei dem Problem, das ich für diese Vor-Schwalbe-Treffen-Woche ausgesucht habe.

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Lange Reise

Beim Welt-Problemschachtreffen im japanischen Kobe gab es wieder mehrere Kompositionsturniere; einige davon haben schon eine längere Tradition, dazu gehört auch das Retro “Champagne-Turnier”.

Für Japan hatte Michel Caillaud als Thema “Die lange Reise” vorgegeben und in der Ankündigung gefragt: “Ratet, wie ich auf diese Idee gekommen bin?”

Der erste Preis ging nun lustiger Weise nicht an einen Europäer oder Amerikaner mit besonders langer Anreise, sondern an den heimischen Satoshi Hashimoto, der zeigt, wie lang eine Reise sein kann, nur um einen Bauern vom Brett zu nehmen, wie unglücklich dann die Heimkehr sein kann.

Satoshi Hashimoto
Champagne-Turnier Kobe 2012, 1. Preis
Beweispartie in 21,5 Zügen (15+14)

Den Kommentar zur Lösung entnehme ich dem Oktober-Dezember Heft 2012 von StrateGems:
“A clear winner. After a far-sighted introduction (sharp and short; the mark of happy few: Satoshi, Gianni, …) everything goes so easily (in appearance) with clockwork precision. As a result, the black white-squared Bishop is the only piece that can capture wPg2 and perform a 14 moves travel before being captured on its original square. Bravo!”

Damit ist auch die Lösung sicher nicht mehr schwer zu finden:
1.c4 e6 2.Da4 Df6 3.Dc6 Df3 4.exf3 b6 5.Ld3 La6 6.Lg6 Lb5 7.d3 La4 8.Ld2 Ld1 9.Lb4 Le2 10.Sd2 Lf1 11.Tc1 Lxg2 12.Tc3 Lf1 13.Ta3 Le2 14.Sf1 Ld1 15.Se2 La4 16.Tg1 Lb5 17.Tg4 La6 18.Seg3 Lc8 19.Ta6 b5 20.Tb6 Sa6 21.Tb8 h6 22.Txc8+.

Neue Titel

Beim 55. offiziellen Welt-Problemistentreffen (WFCC) im japanischen Kobe vom 15. bis 22. September 2012 wurden auch Titel verliehen; einige davon gingen nach Deutschland:

  • Internationaler Meister der Schachkomposition: Wolfgang Dittmann und Volker Zipf
  • FIDE-Meister der Schachkomposition:  Mirko Degenkolbe und Martin Minski
  • Meister der Schachkomposition ehrenhalber: Hermann Weissauer

Herzlichen Glückwunsch den neuen Titelträgern!

Darüber hinaus haben sich Hans Gruber und Thomas Brand für weiteres Arbeiten qualifiziert: als Internationale Preisrichter für Schachkomposition (Hans zusätzlich für n#, ich für Retro und Hilfsmatt).

Update 29.09.12

Alle neuen Titelträger findet ihr übrigens auf der Ergebnisseite des Kongresses.

Update 6.10.12

Norbert Geissler hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich bei der Zusammenstellung der neuen deutschen Titelträger zu sehr auf die (falschen) Angaben im Internet verlassen habe: Der neue internationale Meister der Schachkomposition Dieter Werner lebt und arbeitet zwar in der Schweiz, ist aber Deutscher — sorry, Dieter, dass ich das übersehen und auf der WFCC-Seite nur nach Germany geschaut hatte: Auch dir natürlich herzlichen Glückwunsch!

Retro der Woche 39/2012

Herzliche Glückwünsche gehen nachträglich nach Roßdorf bei Darmstadt, wo Ulrich Ring am Samstag (22.September) seinen Geburtstag feiern konnte.

Schon in jungen Jahren war er Zweizüger-Sachbearbeiter bei Die Schwalbe, dann haben sich aber seine Schwerpunkte Richtung Hilfsmatts und Retros (speziell den Beweispartien) verschoben, und so habe ich immer wieder viel Freude daran, mit Uli über unserer beiden Lieblingsgattungen im Problemschach (aber nicht nur darüber!) zu fachsimpeln und zu diskutieren. Das gemeinsame Eisessen (meist zusammen mit Hans Gruber) ist immer einer der Höhepunkte der Andernach-Treffen, und dort sind auch schon einige gemeinsame Preisberichte entstanden, dort haben wir schon heftig über feenschach und Fußball diskutiert…

In beiden seiner Spezialgebiete hat Uli hervorragende Aufgaben geschaffen; eine frühe Beweispartie möchte ich hier vorstellen:

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Index der FIDE-Alben

Als ich heute mal wieder durch die Seiten der World Federation for Chess Composition gestreift bin, ist mir der Index der FIDE-Alben aufgefallen:

Auf 165 Seiten hat Hannu Harkola aus seiner Datenbank eine Übersicht aller Komponisten aufbereitet, von denen Aufgaben in den FIDE-Alben  veröffentlicht worden sind. Zu jedem Komponisten sind all diese Aufgaben benannt, außerdem ist die mit jeder  Aufgabe erreichte Punktzahl (zur Erinnerung: 1 Punkt pro Aufgabe, 1,67 Punkte für Studien, jeweils geteilt durch die Anzahl der Autoren) vermerkt.

Somit kann hier die vollständige “Album-Biographie” eines jeden Autors einfach nachgeschlagen werden. Sicherlich nicht unbedingt als Bettlektüre zu empfehlen, aber eine wichtige Informationsquelle, für deren Publikation Hannu Harkola unseren Dank verdient.