Retro der Woche 12/2015

Heute möchte ich nicht nur eine tolle Aufgabe vorstellen, sondern auch noch einen Vergleich mit einem anderen Stück anstellen, das der Autor direkt bei seinem Urdruck als Basis benannt hatte. Dennoch vergab Preisrichter Gerd Wilts für dieses — wie man deswegen zunächst meinen sollte nicht allzu originelle — Problem den ersten Preis im Informalturnier einer weltweit sehr angesehenen Retro-Rubrik.

Silvio Baier
StrateGems 2010, nach Michel Caillaud, 1. Preis
Beweispartie in 28,5 Zügen (15+11)

 

Offensichtliche Züge oder Schlagfälle durch Schwarz zu zählen ist schnell erledigt und nicht ergiebig, darum kümmern wir uns zunächst um die Züge der weißen Steine. Sofort fallen im Diagramm die drei schwarzfeldrigen weißen Läufer auf: Zwei Umwandlungen haben wir also schon erkannt.

Zählen wir nun die offensichtlichen Züge von Weiß; dabei lassen wir zunächst die schwarzfeldrigen weißen Läufer außer Betracht. Damit sehen wir 3+1+4+1+4+3=16 Züge, dies impliziert bereits den Doppelschritt des wBd4. Somit bleiben noch 13 Züge für die schwarzfeldrigen weißen Läufer.

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Stand der FIDE-Alben

Mit dem Erscheinen der nächsten FIDE-Alben geht es voran:

Die Indexerstellung für das Album 2007-2009 ist in allen Gruppen abgeschlossen, so dass das Korrekturlesen begonnen werden konnte. Dann ist es ja auch kein langer Weg mehr bis zum Druck.

Für das Album 2010-2012 fehlen nur noch die Ergebnisse der Zweizüger- und der Märchenabteilung; damit ist dieses Album im Zeitplan.

Hoffen wir also, dass die Alben bald vorliegen!

Retro der Woche 11/2015

Wenn es eines Beweises bedarf, dass Retro-Aufgaben nicht unbedingt eine „Forderung“ im klassischen Problemsinne benötigen, dann ist das Stück, das ich heute vorstellen möchte, ein hervorragendes Beispiel. (Bei der Lösungsbeschreibung stütze ich mich auf Anmerkungen von Andrej Kornilow und Henrik Juel.)

Harry Goldsteen
Probleemblad 1989, nach Andrej Frolkin, Superpreis
#1 (4+14)

 

Natürlich ist Weiß am Zug, da sein König im Schach steht, und das (sogar dualisitische) Matt mittels 1. exf8=D/T# lockt nun wirklich niemanden hinter dem Ofen hervor — aber darum geht es natürlich gar nicht.

Die spannende Frage ist natürlich, wie denn der Retroknoten im Norden aufgelöst werden kann, wie die weißen Steine denn wieder nach Süden gelangen können. Schwarz muss im letzten Zug natürlich den Springer von h7 nach f8 gezogen haben: Dabei kann er keinen weißen Stein geschlagen haben, da dies sofort zum Retropatt führt, da Weiß nun nur R 2.Le8xTf7 hat, und schon ist es vorbei.

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Einladung zum WCCC 2015

Der 58. World Congress on Chess Compositon (WCCC), wie immer verbunden mit der World Chess Solving Championship (WCSC), die nun zum 39. Male ausgetragen wird, findet dieses Jahr in Polen, genauer gesagt in Ostroda (etwa 200 Kilometer nördlich von Warschau) statt.

Der Termin liegt in diesem Jahr vergleichsweise früh: Offizieller Anreisetag ist Samstag, der 1. August; der Kongress endet am Freitag, den 7. August, wobei der folgende Sonnabend der offizielle Abreisetermin ist.

Das Programm mit Hinweisen zu den Anmeldeformalitäten und Hotelpreisen findet ihr natürlich im Internet zum Download.

Wechsel bei “Schach”

Bei der Zeitschrift Schach gibt es einen Wechsel des Redakteurs für die Rubrik “Probleme und Studien”: Nachdem diese lange hervorragend von Udo Degener geleitet worden war, geht sie mit dem Aprilheft 2015 an Franz Pachl über, der als großmeisterlicher Komponist, aber auch als Spaltenleiter und Buchautor sicherlich allen gut bekannt ist.

Bis Ende letzten Jahres hat Franz die großartige und international angesehene Problem-Rubrik der ROCHADE-EUROPA geleitet. Mit dem Herausgeberwechsel wurde nun diese Spalte erst ohne Vorankündigung eingestampft und dann unter neuer Leitung “wiederbelebt” — wenn man das noch eine “Problemspalte” nennen mag, in der nun ein paar Nachdrucke ohne Quellenangabe (!) aufgewärmt werden.

Franz freut sich für “Schach” natürlich auf gute Urdrucke (speziell auf orthodoxe Zwei-, Drei- und Mehrzüger); schickt sie an Franz Pachl, Ungsteiner Straße 12, D-67067 Ludwigshafen oder per Mail an fpa.levinho(at)web.de.

Retro der Woche 10/2015

Zur Zeit arbeite ich gerade am Preisbericht 2014 für die französische Zeitschrift Phénix, und da ist es auch mal wieder interessant anzuschauen, was dort in der Vergangenheit publiziert wurde.

15 Jahre vor meinem Berichtszeitraum erschien dort unser heutiges Retro der Woche, und diese Aufgabe fasziniert mich immer wieder — euch wird sie auch gefallen, da bin ich mir sicher!

Michel Caillaud
Phénix 1999, 1. Preis
Beweispartie in 25,5 Zügen (15+13)

 

Auch wenn nicht allzu viele Züge direkt offensichtlich erscheinen, können wir den dann nahe liegenden Gedanken „Umwandlungen“ schnell ad acta legen, wenn wir uns die Schlagbilanz anschauen: Bei Weiß fehlt nur die Dame, die offensichtlich auf f6 geschlagen wurde. Für den einzig fehlenden Bauern, [Bb7] bleibt nun kein notwendiges Schlagobjekt, da er wegen des wBb2 nicht auf seiner Linie schlagfrei umwandeln konnte.

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Kleine Problemschachtreffen

Samstage sind immer hervorragend geeignet für Problemschach-Treffen: So findet regelmäßig, jeweils am zweiten Samstag im Monat, das Treffen des mpk (Münchener Problemkreis), der schon über 50 Jahre alt ist, in Haar bei München statt.

Aber es gibt natürlich auch gelegentlich kleinere, nicht offizielle Treffen: So heute in Neuss bei Hans-Peter Reich und auch in Kiel bei Hartmut Laue. Das ist doch herrlich, bei einem Stück Kuchen, einer Tasse Kaffee gemütlich über Schachprobleme zu diskutieren, gemeinsam unserem herrlichen Hobby zu frönen.

Vielleicht macht ihr das ja auch einmal in eurer Umgebung: Ein toller Nachmittag ist garantiert!

Gerd Wilts hat Geburtstag

Herzliche Glückwünsche nach München an Gerd Wilts zu seinem heutigen Geburtstag und im Namen aller Leser hier alles Gute für das neue Lebensjahr!

Gerds Verdienste um das Problemschach, speziell unser Lieblingsgebiet kann man gar nicht in wenigen Sätzen zusammenfassen, drum beschränke ich mich auf einige Stichpunkte: Er hat 1991 zusammen mit Andrej Frolkin das Buch Shortest Proof Games — The Rubik’s Cube of a Chess Player veröffentlicht, das stark zur Popularisierung dieses heutigen Hauptgebietes der Retroanalyse beigetragen hat, er hat die PDB aufgebaut und weiterentwickelt, er betreibt sie ebenso wie die Website der Schwalbe — leider kommt er neben diesen Aktivitäten sowie Familie und Beruf viel zu selten zum Komponieren und Richten.

Eine kleine, sehr hübsche Aufgabe von ihm soll euch zum Selbstlösen anregen:

Gerd Wilts
Phénix 1998
Letzte 16 Einzelzüge? (9+9)

 

Die fehlenden schwarzen Steine sind bereits durch die drei weißen Bauern c7, e3 und f3 erklärt, daher kommen wBa7 und wBc6 schlagfrei von a2 bzw. c2. Damit sind auch die schwarzen Schläge prinzipiell klar: neben fxg und exd6 müssen die sBa6a5c5 ihre weißen Kollegen durchlassen; dafür benötigen sie zusammen fünf Schläge.

Damit ist auch klar, wer mit der Rücknahme beginnt:

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