Retro der Woche 02/2026

Jetzt im Januar kann The Problemist, die Zeitschrift der „British Chess Problem Society“ auf 100 Jahre Bestehen zurückblicken — auch von dieser Stelle herzliche Glückwünsche an die Britischen Freunde! Wesentlich getragen wurde diese Gründung inhaltlich von Thomas R. Dawson, den wir alle auch als Retro-Spezialisten kennen, als den Erfinder der eindeutigen Beweispartie. Er hätte sicher auch seine Freude gehabt an der letztjährigen Neuvorstellung des Australiers Geoff Foster im Problemist: Verteidigungs-Beweispartie.

Wie kann sich Schwarz gegen das Erreichen der Zielstellung verteidigen? Indem er beliebig zieht! Also muss logischerweise das Zugrecht für Schwarz eingeschränkt werden: Er zieht nur zum Schlag. Kann er also legal schlagen, so muss er das tun. Hat er mehrere Züge zur Auswahl, so entscheidet er, welchen Schlag er durchführt.

Schauen wir uns das an einem Beispiel an, dessen Lösung jetzt im Januar-Heft des Problemist (in elektronischer Form pünktlich am Neujahrstag erschienen) veröffentlicht wurde.

Geoff Foster
The Problemist 2024
Verteidigungs-Beweispartie in 17 Zügen, Schwarz zieht nur zum Schlag (2+14)

 
Nur noch zwei weiße Steine stehen auf dem Brett, Schwarz hat also 14mal gezogen! Zu sehen ist nur ein einziger Bauernschlag, allerdings kann ja der f5-Bauer von h7 gekommen sein, um dadurch auch den Turm zu befreien. Daher können, müssen wir davon ausgehen, dass die beiden schwarzen Steine im Südwesten sich ziemlich „durchgefressen“ haben müssen. Da können wir sofort erkennen, dass der letzte Schlag dort vom Turm stattgefunden haben muss: Hätte er schon auf b2 geschlagen, wenn es noch na a2 gegangen wäre, hätte er natürlich mit dem Turm dort geschlagen und sich damit erfolgreich verteidigt.

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Stelvio 4.3

Das Jahr fängt ja gut an:

Reto Aschwanden hat heute die neue Version 4.3 seines Beweispartie-Prüfprogramms Stelvio veröffentlicht; es kann wie immer über die Stelvio-Seite heruntergeladen werden.

Wesentliche Neuerung in dieser Version ist eine neue Option für die Strategie-Analyse sowie kleinere Fehlerbehebungen. Genaues kann man wie immer der Dokumentation entnehmen.

2026

Allen Retrofreunden wünsche ich
ein gutes und friedliches neues Jahr 2026!

Auch zu Beginn dieses neuen Jahres möchte ich wieder mit euch zusammen in der Geschichte der Retroanalyse 100 Jahre zurückblicken.

Zunächst sei daran erinnert, dass im Januar 1926 die erste Ausgabe des Problemist, der Zeitschrift der “British Chess Problem Society” erschien. Das ist nach der Schwalbe die zweite Zeitschrift einer Problemschachvereinigung, die nun schon ihren 100. Geburtstag feiern konnte — herzliche Glückwünsche dazu auf die Insel!

Und dann schauen wir wie im letzten Jahr wieder auf Funkschach, wo die Schwalbe auch im Jahr 1926 Unterschlupf finden konnte — nach dem weiteren Zusammenschluss mit dem Deutschen Wochenschach allerdings nicht mehr so exklusiv-großzügig wie bis Oktober 1925. Doch auch im Jahr 1926 erschienen weiter interessante Artikel, auch aus unserem Lieblings-Gebiet der Retroanalyse.

So erschien im Heft 44 (31.10.1926) auf Seite 660 ein kurzer Beitrag von Albrecht Brandis über Wenigsteiner-Hilfsrückzüger: Weiß und Schwarz nehmen einen Zug zurück, dann Hilfsmatt oder Hilfspatt in einem Zug. Das Rückspiel sollte aus zwei Entschlägen bestehen, das Vorwärtsspiel sollte schlagfrei gestaltet sein.

Eine der Beispielaufgaben bringe ich hier zum Aufwärmen im neuen Jahr:

Albrecht Brandis
Funkschach 31.10.1926
-1w – 1s, dann h=1 (1+2)

 

Wie üblich werde ich in etwa einer Woche hier die Lösung veröffentlichen.

 

 

Lösung

R: 1. Ke2xSe1! Lh1xDf3, dann 1. Sg2 Dg3=

Interessant, welche Diskussionen diese Aufgabe noch in der PDB (P1113144) hervorrief: So wies Andrew Buchanan darauf hin, dass Verführungen wie R: 1.Ke2-e1? Lg2xDf3+,Lg4xDf3+ dann 1.Lg2-h3,Lg4-h3 Dxh3= an “Dead Reckoning” (automatisches Remis bei zu geringem Material zum Mattsetzen) scheitern — also ein historisch erstes Beispiel für diese Regelung?

Daran hatte Albrecht Brandis (trotz gleicher Initialen!) sicher nicht gedacht; in seinem tabellarisch gehaltenen Beitrag zu Funkschach hatte er doppelten Entschlag im Rückspiel und schlagfreies Vorwärtsspiel explizit gefordert. Ein Blick in die PDB (A=’Brandis’ AND G=’Retro’) liefert auch alle 10 Aufgaben aus seinem Beitrag.