SVW-Preisbericht

Die gerade herausgekommene 31. Ausgabe (Dezember 2020) von Problemschach für Tiger enthält den Preisbericht zum 9. Problemschachwettbewerb des SVW; die Ausschreibung dazu war im Mai 2020 auch hier veröffentlicht worden.

Diesmal war es möglich, die Aufgabenstellung theoretisch vollständig zu analysieren. In 33 Zügen (und nicht schneller) können die geforderten 60 Besuche erledigt werden. Das schafften zwei Teilnehmer. Über den Sieg entscheidet das sekundäre Kriterium
(schnellstmöglich 59 Besuche). Der Sieger beweist sogar, dass seine Partie in allen nachgelagerten Kriterien das Optimum darstellt. Unglaublich! Auch den sehr ausführlichen Beweis von Martin Hintz dazu findet ihr hier zum Lesen und herunterladen.

Wie immer gibt es auch in dieser „Tiger-Ausgabe“ einige weitere interessante Aufgaben; auch dabei viel Spaß beim Le/ösen!

Übrigens: Die alten Ausgaben des „Tigers“ findet ihr auf den Seiten des Münchener Problemkreises (mpk).

Retro der Woche 52/2020

Kürzlich hatte ich schon auf die vielen Beiträge im Dezember-Doppelheft der Schwalbe hingewiesen, die für uns Retro-Freunde besonders interessant sind. Darunter ist „natürlich“ auch der Preisbericht der 2015er Urdrucke von Mario Richter.

Den 1. Preis von Nicolas Dupont und Silvio Baier hatte ich bereits im Retro der Woche 33/2019 vorgestellt: die volle Punktzahl hat er im FIDE-Album erhalten.

Heute soll es nun um den 3. Preis gehen, ein deutlich kürzeres Stück, das damit hoffentlich auch mehr zum Selbstlösen einlädt?!

Silvio Baier
Die Schwalbe 2015, 3. Preis
Beweispartie in 21 Zügen (13+13)

 

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PDB und LaTeX

Schon lange nutzen zum Beispiel die Schwalbe und feenschach das Textsatzsystem LaTeX zur Herstellung ihrer Zeitschriften. LaTeX ist nicht nur frei verfügbar für quasi alle Betriebssysteme und bietet hervorragende Druckergebnisse, sondern ist auch modular erweiterbar. Solche Erweiterungen gibt es etwa für das Setzen der Schwalbe oder auch allgemein für das Setzen von Problemschachdiagrammen: Dort sind die Anforderungen ja etwas anders als beim Partieschach.

Nun hat Gerd Wilts in der PDB die Möglichkeit implementiert, selektierte Probleme als LaTeX-Dateien herunterladen und dann entsprechend bearbeiten zu können. Dazu müsst ihr wie üblich mit Abfragen Aufgaben auswählen, und nach Drücken des „Suchen“ (bzw. „Search“) Buttons findet ihr im Anzeigefenster ganz oben den Hinweis auf „LaTeX-Download“.

Um die heruntergeladene Datei dann bearbeiten zu können, benötigt ihr eine lauffähige LaTeX-Version sowie das Zusatzpaket Schwalbe-Chess, das zugrunde liegende diagram-Paket sowie die notwendigen Fonts.

Für schon etwas erfahrene LaTeX-Nutzer sehr empfehlenswert!

Retro der Woche 51/2020

Auf das gerade erschienene Schwalbe-Doppelheft hatte ich schon hingewiesen. Nun möchte ich ein Beispiel aus dem dort erschienenen Artikel Passagiertürme – neue „erster Zug?“ Ökonomierekorde von Andrej Frolkin und Andrew Buchanan vorstellen.

Man sollte meinen, „erster Zug?“ Darstellungen für Türme seien unmöglich, da man ja jede Partie etwa mit dem „Tänzchen“ 1.Sa3 Sa6 2.Tb1 Tb8 3.Ta1 Ta8 4.Sb1 Sb8 einleiten kann, ohne dass sich dies beweisen oder widerlegen lässt. Da kam Andrej Frolkin auf den Gedanken, dass man doch die Rochade als Königszug anzusehen habe, und wenn die durchgeführt ist, ist gezeigt, dass der mit-rochierende Turm noch nicht gezogen hat.

Wenn man also nachweisen kann, dass beispielsweise der letzte Zug eines Turms von seinem Rochade-Zielfeld ausging, dann die Rochade zurückgenommen werden musste, dann war der letzte Zug dieses Turms gleichzeitig sein erster: In der Rochade zieht der Turm nicht selbst, sondern ist quasi ein Passagier des Königs – daher der Titel des Artikels.

Andrej Frolkin & Andrew Buchanan
Die Schwalbe 2020
Erster Zug des wTf8? (14+9)

 

Betrachten wir zunächst die Stellung, bevor wir die Rücknahmen in Angriff nehmen: Schwarz schlug c7xb6 und fxe; bei Weiß fehlen ein Turm und der schwarzfeldrige Läufer. Die weißen Umwandlungen: c8=L, fxg8/e8=L. Weiß schlug fünfmal mit Bauern (axbxa, bxc > c8=L, f7xg8/e8=L sowie g2xBh3 ([Bh7] kann seine Linie ja nicht verlassen haben); die schwarzen Original-Läufer wurden zuhause geschlagen.

Um den kleinen Käfig im Nordwesten zu öffnen, ist die Rücknahme von b7-c8=L und c6-c7 nötig, gefolgt von c7xb6. Ein Versuch, Lc6 oder Lg2 zu entwandeln, scheitert:

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Dezember-Schwalbe(n)

Das Dezemberheft der Schwalbe ist veröffentlicht — besser gesagt „die Hefte sind veröffentlicht“, denn wegen des umfangreichen guten Materials, das vorlag, ist es wieder ein Doppelheft geworden: 116 prall mit Problemschach gefüllte Seiten schließen gleichzeitig den mit Abstand umfangreichsten Band der Schwalbe-Geschichte ab.

Hier wird jeder reichlich Lesestoff finden; für uns Retrofreunde möchte ich nur ein paar Beiträge herausgreifen:

  • Retro-Preisbericht 2015, von Mario Richter
  • Passagiertürme — neue „erster Zug?“ Ökonomierekorde, von Andrej Frolkin und Andrew Buchanan (ich kann euch auch die englische Fassung dieses Beitrags wärmstens ans Herz legen!)
  • Ein alter und ein neuer En-passant-Trick, von Werner Keym
  • Zwei Jubiläen: David Hilbert und die Schwalbe, von Awani Kumar
  • Ökonomische Rekorde vom Typ „Equal Last Move“, von Werner Keym
  • Historisches zu einigen „Letzter Zug?“ Rekorden vom Typ C, von Werner Keym
  • Anticirce plus Circe im Verteidigungsrückzüger, von Günther Weeth

Darüber hinaus gibt es viele weitere interessante Beiträge aus allen Bereichen des Problemschachs, Lösungsbesprechungen und Urdrucke: Viel Spaß beim Lesen und Lösen!

Apropos Urdrucke: Gute (vor allen Dingen orthodoxe!) Urdrucke kann ich im Moment besonders gut gebrauchen!

Retro der Woche 50/2020

„Sichtbare Umwandlungssteine sollte man bei Beweispartien im Diagramm vermeiden.“ Ist ein häufig geäußertes „Glaubensbekenntnis“ vieler Retrofreunde; für sie werten solche Steine eine Aufgabe fast automatisch mehr oder weniger ab.

Darüber kann man diskutieren – aber wohl kaum über eine Ergänzung dieses Satzes: „— außer sie sind thematisch.“

Eine bemerkenswerte Aufgabe, in der die Umwandlungssteine thematisch sind, möchte ich euch heute zeigen.

Unto Heinonen
Probleemblad 2008, 1. Preis
Beweispartie in 39,5 Zügen (14+13)

 

Üblicherweise bin ich – nicht mal so sehr wegen der Umwandlungssteine – kein besonderer Freund solcher „formalen“ Themen, deren Reiz häufig im Wesentlichen in der Diagrammstellung, aber weniger in der Lösung liegen. Hier aber sieht es anders aus, denn es ist beeindruckend, wie neun(!) umgewandelte Bauern als Damen ihren Weg zurück auf ihr Ausgangsfeld finden.

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Doppel-Homebase

Beweispartien mit doppelter Homebase, wo also alle verbliebenen Steine auf den passenden Feldern der Partieausgangsstellung stehen, finde ich besonders einladend zum Lösen. Vielleicht geht es euch ja ähnlich?

Dann habe ich heute mal wieder „für zwischendurch“ etwas für euch! Sicher nicht allzu schwer, aber, wie ich finde, mit „viel Inhalt fürs Geld“ –- welche Themen habt ihr erkannt?

Jaques Rotenberg
Themes 64 1983
Beweispartie in 9 Zügen (12+13)

 

Wie immer findet ihr die Lösung in etwa einer Woche hier.

 

Lösung

Klar, zweimal Homebase, Pronkin-Läufer, der den rückgekehrten Umwandlungsspringer in Prentos-Manier schlägt. A forteriori haben wir natürlich auch noch das Phönix- und das Ceriani-Frolkin-Thema; Excelsiores sind bei Umwandlungen in Beweispartien natürlich stets automatisch zu finden.

Vielleicht regt euch das ja an, mal wieder einen kleinen Blick ins Retro-Lexikon zu werfen?

Retro der Woche 49/2020

Ein böser, weil so suggestiver, Tippfehler hatte sich im letzten Retro der Woche eingeschlichen: Nein, die Probleemblad-Redaktion hatte mich am 31. August 2010 (NICHT 2020!) ums Richten gebeten; der Bericht war dann im Oktober 2010 fertig.

Heute gehe ich auf das im Turnier bestplatzierte klassische Retro ein und stütze mich teilweise auf meine Kommentare im Preisbericht. Euch erwartet ein echtes „Verschiebestück“ in der Auflösung; bei dem die Musik fast ausschließlich im Südwesten spielt.

Harry Goldsteen
Probleemblad 2008, 1. ehrende Erwähnung
Matt? (13+11)

 

Die Inventur zeigt, dass für die Auflösung des Retroknotens im Südwesten keine Entschläge zur Verfügung stehen: Letzter Zug war offensichtlich Bd2xXc1=D#. Weiß hat drei offensichtliche Bauernschläge gemacht ([Be2], [Bf2] und [Bg2] schlugen jeweils nach links); darüber hinaus muss Weiß auf b und c überkreuz geschlagen haben, da Schwarz dazu wegen des Doppelbauern auf der d-Linie nicht imstande ist. Damit hatte Weiß fünf Bauernschläge, darunter auch die sBauern g und h, die sich beide auf g1 umgewandelt haben müssen, und damit sind alle Schläge erklärt. Bei Schwarz hat sich [Be7] nach c1 durchgeschlagen, ferner musste für die Umwandlung auf g1 auch hxg geschehen, und das erklärt alle drei Schläge durch Schwarz.

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