Retro der Woche 13/2020

Auch im Problemschach gibt es immer wieder die Jagd nach Rekorden – seien das etwa Häufungen bei Umwandlungen oder seien das Längenrekorde.

Auch für Beweispartien gibt es verschiedene Längenrekorde — heute möchte ich euch den aktuellen für schlagfreie vorstellen.

Thierry Le Gleuher
Phénix 1997, 3. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 40,5 Zügen (16+16)

 

Dass die Aufgabe „nur“ eine ehrende Erwähnung erhielt, lag sicher auch daran, dass zu der Zeit der Längenrekord noch auf 43 Züge stand , der aber im Jahr 2019 gekocht wurde (siehe P0002554) — und damit rückte unsere heutige Aufgabe nach oben.

Natürlich entfallen hier Hilfen durch Doppelbauern, die es nicht geben kann, da noch „alle Mann an Bord“ sind. Dafür gibt es aber andere Anhaltspunkte, an denen wir uns bei der Lösungssuche orientieren können.

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Neuer Längenrekord!

Das heute erschienene Schwalbe-Februarheft wartet mit einer Sensation auf:

Andrej Frolkin und Werner Keym haben den Längenrekord eindeutiger Beweispartien verbessert!!

Sie haben dabei das Schema des bisherigen Rekords, der bei 57,5 Zügen stand (siehe PDB P0000136), genommen, und den beiden ist es in etwa achtmonatiger intensiver Arbeit gelungen, zwei weitere Halbzüge herauszukitzeln, womit sie den Rekord auf 58,5 Züge erhöhen!

Um mit Oliver Kahn zu sprechen: „Hier ist das Ding!“

Dmitri Pronkin, Andrej Frolkin, Werner Keym
Die Schwalbe 2017
Beweispartie in 58,5 Zügen (14+14)

 

In dem Schwalbe-Artikel erläutert Werner Keym die Lösung ausführlich; hier will ich sie unkommentiert wiedergeben in der Hoffnung, dass ihr euch ein wenig damit beschäftigt, um die Motivation einzelner Manöver herauszufinden. Die Autoren bitten übrigens darum, die Aufgabe intensiv zu prüfen!

1.a4 h5 2.a5 h4 3.a6 h3 4.axb7 hxg2 5.h4 d5 6.h5 d4 7.h6 d3 8.h7 dxc2 9.d4 a5 10.Lh6 c1=T 11.e4 Tc5 12.Se2 Th5 13.e5 c5 14.e6 Sc6 15.b8=T a4 16.Tb4 a3 17.Ta4 c4 18.b4 c3 19.b5 c2 20.b6 c1=T 21.b7 Tc4 22.b8=T Da5+ 23.T8b4 Lb7 24.Sbc3 O-O-O 25.exf7 e5 26.Tc1 Lc5 27.f8=T a2 28.Tf3 a1=T 29.Sa2 g1=D 30.Tfa3 Dg6 31.f4 De8 32.f5 g5 33.f6 g4 34.f7 g3 35.f8=T g2 36.Tf5 g1=T 37.Lf8 Tg7 38.Sg3 e4 39.Ld3 e3 40.O-O e2 41.T1c3 e1=T 42.Lc2 Te3 43.d5 T8d7 44.d6 Tdf7 45.d7+ Kb8 46.Dd6+ Ka8 47.Dc7 Sge7 48.d8=T+ Sc8 49.Td7 Thg8 50.h8=T Tae1 51.Th6 T1e2 52.T1f2 Tce4 53.Kf1 Ld4 54.Tfc5 Se5 55.Thb6 Sd6 56.Sf5 Sdc4 57.Sd6 Sb2 58.T3c4 Sf3 59.Db8+.

Wer nun die Geschichte der Beweispartie-Längenrekorde ein wenig nachverfolgen möchte, den lade ich zu einer Tour durch die PDB ein:

Es begann 1913 mit Thomas R. Dawson und 15,0 Zügen (P0002274), wobei er anmerkte „I expect this task to go much further.“ — er sollte Recht behalten!

Nach dem 2. Weltkrieg beschäftigte sich Karl Fabel intensiv mit dem Längenrekord, und er fand ein sehr ergiebiges Schema und damit 1947 einen neuen Rekord von 41,5 Zügen (P0001427); dieses Schema haben dann Michel Caillaud 1982 auf 47,0 Züge (P0002337) und fünf Jahre später Karl-Heinz Bachmann auf 48,0 Züge (P0002277) gesteigert. Dann folgte 1989 der schon erwähnte Riesensprung auf 57,5 Züge, der nun 28 Jahre später um einen weiteren Zug überboten wurde.

Meine Frage nicht nur an Andrej und Werner: Haltet ihr 60 Züge für möglich? (Man wird doch noch träumen dürfen…)

Nachtrag 11.02.2017: Der vollständige Artikel zu dieser Aufgabe ist nun im Internet auf der Schwalbe-Seite (unter „Leseproben aus der Schwalbe“) aufrufbar.