feenschach erschienen!

Vier Tage hat die feenschach-Lieferung per Post von Aachen nach Bornheim gebraucht — das entspricht ziemlich genau einem Schnitt von einem Kilometer pro Stunde. Aber nun ist sie angekommen — ein toller Start in den Advent.

Entschädigt werdet ihr für die lange Wartezeit (nicht nur wegen der Post) durch drei tolle Hefte sowie das beiliegende Inhaltsverzeichnis für Band XXXIII (2013-2014), das wie immer Bernd Schwarzkopf sorgfältig erstellt hat.

Die 148 Seiten der Hefte 212 bis 214 bieten jede Menge tollen Lese- und Lösestoff; für uns Retro-Freunde möchte ich unter vielen Beiträgen nur “New Fairy Types Based on a Twinning Form” von Chris Tylor und Andrej Frolkin (f-212, S.54-77 — in Andernach war ich schon kurz auf diesen Artikel eingegangen) und sofort anschließend “Tea, biscuits, and help retractors. Mrs W. J. Baird is having company” von Adrian Storisteanu hervorheben. Darüber hinaus gibt es noch jede Menge kurze und längere Beiträge, Preisberichte, Urdrucke, Fotos zu genießen: Viel Spaß dabei!

Nachtrag 28.11.15:

Zwischenzeitlich wurde der Einsendeschluss für die Lösungen zu Heft f-213 auf den 29. Februar 2016 festgelegt!

Für zwischendurch (9)

Aus gewöhnlich sehr gut unterrichteten Kreisen habe ich gehört, dass drei feenschach-Hefte auf dem Weg zu ihren Lesern sind, dass die Dezember-Schwalbe gerade gedruckt wird: Das wird eine schöne Advents-Zeit!

Um euch das Warten ein wenig zu verkürzen, eine wie ich finde sehr nette Kleinigkeit, bei dem die Zwillinge schon etwas miteinander zu tun haben…

MMartin Hoffmann
Schweizerische Schachzeitung 1989
Beweispartie in 4,0 Zügen; b) -sDd8 (15+16)

 

Viel Spaß beim Lösen!

Retro der Woche 48/2015

Heute möchte ich etwa 25 Jahre zurück gehen und eine Aufgabe vorstellen, die mir als ich sie zum ersten Mal gesehen hatte, sofort sehr gut gefallen hatte. Ich könnte mir vorstellen, dass es euch ähnlich geht.

Im heutigen Diagramm scheint ein wenig schwarze Farbe zu fehlen — da müssen wir also selbst nachhelfen und zunächst 15 oder 16 Steine (es fehlt a insgesamt nur ein Klotz) schwarz färben, um dann in der „korrigierten“ Stellung die Beweispartie zu lösen.

Andrej Frolkin
The Problemist 1989, 3. Preis (1998-1990)
Färbe für eine Beweispartie in 17,5 Zügen (31+0)

 

Schauen wir uns die Bauernstruktur an, so sehen wir nur auf der e-Linie drei Bauern und auf der f-Linie einen. Damit ist klar, dass die fehlende Dame mittels fxe geschlagen wurde, dass Bf2 von anderer Farbe als der Schläger sein muss.

Wir haben also ganz sicher auf der e-Linie entweder zwei weiße Bauern — dann ist Bf2 schwarz — oder zwei schwarze Bauern, und dann ist Bf2 weiß. Nun betrachten wir die beiden Alternativen genauer.

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Verspätete Glückwünsche

Reichlich verspätet, aber besonders herzlich gehen Geburtstags-Glückwünsche nach Buenos Aires zu Jorge Joaquin Lois, der am 6. November sein 60. Lebensjahr vollendet hat. Bekannt ist er besonders als großartiger Komponist von Beweispartien; nach ihm ist das Lois-Thema (Platzwechsel “hin und zurück”) benannt.

Ich möchte heute von ihm eine schon etwas ältere, vielleicht nicht so bekannte Augabe vorstellen, die einen lustigen Klapptür-Mechanismus zeigt:

Jorge Joaquin Lois
Gianni-Donati-50-Turnier 2003, ehr. Erw.
Beweispartie in 15,5 Zügen (15+13)

 

Hier die witzige Lösung:

1.e3 g6 2.Lb5 Lg7 3.Lc6 dxc6 4.e4 Lf5 5.e5 Sd7 6.e6 Se5 7.exf7+ Kd7 8.fxg8=L Sf7 9.Lxh7 Ke6 10.Lg8 Th4 11.Lh7 Dh8 12.Lg8 Dh5 13.Lh7 Th8 14.Lg8 Th6 15.Lh7 Sh8 16.Lg8+.

Retro der Woche 47/2015

Vor zwölf Jahren, im November 2003, starb der Stuttgarter Retrokomponist Josef Haas (*28. Januar 1922), der etwa 250 Retros komponiert hat, mit Karl Fabel, Luigi Ceriani und auch Werner Keym in engem Kontakt gestanden hatte. Beruflich war er Kriminalist beim LKA in Stuttgart, ein Spezialist für die kriminialtechnische Erfassung und Identifizierung von Schreibmaschinentypen und -schriften — also ziemlich nahe an der Retroanalyse!

Seine Spezialität waren Rücknahme-Retros mit folgendem Vorwärtsspiel, die häufig sehr verführungsreich und auch retroanalytisch sehr tief waren. Das Stück, das ein prominenter Möchte-gern-Löser mit „Ich sehe nur Verführungen, aber keine Lösung“ kommentierte, das der Autor als seine wahrscheinlich beste Rücknahmeaufgabe ansah, wollen wir uns nun anschauen und systematisch versuchen zu lösen.

Josef Haas
Die Schwalbe 1996, 4. ehrende Erwähnung
Weiß nimmt einen Zug zurück, dann #2 (15+9)

 

Leicht ist zu sehen, dass sBg5 den einzig fehlenden weißen Stein, einen Springer, geschlagen haben muss. Bei Weiß meint man im ersten Moment, dass er vier Mal geschlagen haben muss (bxcxd, gxf3, hxg3), aber das kann nicht stimmen, denn dann hätte Lg1 niemals auf dieses Feld ziehen können.

Also kommt Bg3 von g2, und die weißen Schläge waren etwas komplizierter, nämlich bxcxd, exf3 und hxgxfxe, also sechs weiße Bauernschläge.

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Für zwischendurch (8)

Heute, am elften im Elften, beginnt (nicht nur) im Rheinland die Karnevals-Session, die in diesem Jahr sehr kurz ist, da 2016 Ostern sehr früh liegt.

Zur Feier des Tages hier eine kleine Scherzaufgabe von Gurkenstein und Piepenbrink — diese Figuren aus der Feder von Karl Fabel mit ihren verrückten Einfällen kennt ihr sicher?

Karl Fabel
Welt, 3. Januar 1953
Matt in drei Zügen durch den auf h8 stehenden Turm (6+5)

 

Die Stellung ist natürlich in drei Zügen leicht zu lösen (1.Txh7+ Kxh7 2. Tg8 Kh6 3.Th8#), aber so einfach soll es natürlich nicht sein!

Heute verrate ich ausnahmsweise die Lösung, aber schaut euch die Stellung selbst erst einmal an und überlegt ganz kreativ, welchen Trick sich Gurkenbein hier ausgedacht hatte…

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Retro der Woche 46/2015

Heute möchte ich mit euch zurück in die „Jungsteinzeit“ der Beweispartien — in eine Zeit, als sich die Beweispartien als eigenständige Retro-Form etablierten, als man nämlich entdeckte, welche Reize in deren Eindeutigkeit stecken konnten.

Schauen wir uns die heutige Aufgabe also einmal genauer an.

Nikita Plaksin & Michel Caillaud
feenschach 1982, 1. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 25,5 Zügen (12+13)

 

Betrachtet man die Stellung ein wenig genauer, merkt man sofort, dass sTa2 ein Umwandlungsstein ist, denn über die erste Reihe konnte er wegen [Lc1] niemals nach a2 gelangt sein. Wegen des schwarzen Doppelbauern auf der a-Linie muss sich also [Bd7] auf a1 umgewandelt und dazu auf a2 [Ta1] geschlagen haben — und damit sind auch alle schwarzen Schlagfälle erklärt.

Bei Weiß fehlen neben [Ta1] noch [Bf2], [Bg2] und [Bh2], die allesamt nicht direkt geschlagen worden sein können; sie müssen sich also alle drei umgewandelt haben. Neben exXd3 stehen Weiß noch zwei Schläge zur Verfügung, und damit ist klar, dass sich die drei Bauern alle auf g8 umgewandelt haben.

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