Retro der Woche 49/2025

Normalerweise tut man so etwas ja nicht, aber ein wenig will ich heute spoilern: Wenn nicht noch völlig unvorhergesehene Dinge passieren, wird es vor Weihnachten noch die jeweils letzten Schwalbe und feenschach Hefte des Jahres 2025 geben. Und daher nehme ich mir schon mal die Freiheit, heute ein klassisches Retro vorzustellen, zu dem im Heft 264 die Lösung erscheinen wird:

Gerald Ettl
feenschach 2024
Letzte 15 Einzelzüge? (11+14)

 

Schauen wir nach Auffälligkeiten im Diagramm:

Sofort fällt der dritte weiße Turm auf, der also durch Umwandlung entstanden sein muss. Sehr auffällig ist auch der schwarze Bauer a2: Er kommt offensichtlich von f7 und hat auf seinem Weg alle fehlenden weißen Steine geschlagen.

Der Ost-Käfig kann nur durch die Rücknahme von g2-g4 geöffnet werden, dazu muss aber erst der noch zu entschlagende [Lf1] heimkommen.

Weiß schlug einmal auf die g-Linie, und der andere Schlag muss im Zusammenhang mit der Entwandlung des weißen Turm erfolgt sein. Warum?

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Dittmann-Buch

Nachtrag 29.11.25 20:00: Das Buch ist verkauft!

Aus den tiefsten Tiefen des Nachlasses von bernd ellinghoven ist noch ein Exemplar des heute bereits legendären Der Blick zurück von Wolfgang Dittmann aufgetaucht: Band 11 der EDITION feenschach-phénix, 2006, über 500 Seiten, davon etwa 200 Seiten Einführung in die Retroanalyse, etwa 300 Seiten Auswahl eigener Ausgaben.

Bevor dieser eigentlich längst vergriffene Band wieder auf der feenschach-Bücherliste auftaucht, soll er hier zunächst euch Retrofreunden exklusiv angeboten werden. Preis unverändert 40,–€ plus Versandkosten.

Wer Interesse daran hat, schicke mir eine E-Mail (t.brand(at)gmx.net) — “Wer zuerst kommt, mahlt zuerst” oder, um es negativ auszudrücken “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben”. Also: Die erste Mail gewinnt; ich gebe sie dann an Hans Gruber weiter, der leitet Rechnungsstellung und Versand in die Wege.

Retro der Woche 48/2025

Wenn ihr in den letzten drei Wochen diese Rubrik verfolgt habt, werdet ihr vielleicht erwarten, dass ich euch heute das erstplatzierte Retro des Problemist Turniers 2019-2020 vorstelle: Eine, wie wir drei Richter Hans Gruber, Ulrich Ring und ich uns schnell einig waren, sehr bemerkenswerte orthodoxe Beweispartie aus französischer Werkstatt — aber die hatte ich bereits als Retro der Woche 38/2025 vorgestellt. Darum heute ein ebenfalls hochoriginelles Stück, das wir auf den dritten Platz gesetzt haben.

Stephen Taylor
The Problemist 2020, 3. Preis 2019-2020
Beweispartie in 16 Zügen (15+14)

 
Bei solch einer recht kurzen Beweispartie erwartet man vielleicht nicht allzu viel spannenden Inhalt — doch lasst euch überraschen! Zunächst einmal zählen wir die sichtbaren Züge: Bei Weiß haben wir 2+2+3+3+3+3=16, alle weißen Züge sind also verbraucht. Bei Schwarz schaut das deutlich anders aus: 2+0+2+1+1+0=6: Zehn Züge sind also noch frei.

Was fehlt an Material im Diagramm? Bei Weiß nur der g-Bauer, der auch zu Hause geschlagen werden musste, da für ihn ja kein Zug mehr übrig ist, bei Schwarz fehlen der g- und der h-Bauer.

Wenn ihr euch nun überlegt, wie das Verschwinden eigentlich nur passiert sein kann, dann habt ihr vielleicht schon eine Thema-Idee?

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Retro der Woche 47/2025

Nach dem zweitplatzierten Stück im Probleemblad Preisbericht für die Jahre 2019 und 2020, das ich hier vor zwei Wochen vorgestellt hatte, möchte ich nun den ersten Preisträger nachreichen. Um schon einmal etwas zu spoilern: „And the winner is … the Retro editor himself!“

Roberto Osorio
Probleemblad 2020, 1. Preis 2019-2020
Beweispartie in 20 Zügen (14+14)

 
Eine völlig harmlos ausschauende Stellung, die man doch leicht in deutlich weniger als 20 Zügen erspielen kann? Der nahe liegende erste Gedanke, die auffällige schwarze Dame sei auf b1 aus dem [Ba7] entstanden, erledigt sich schnell, wenn man die schwarzen Doppelbauern auf der c- und f-Linie entdeckt hat, die für das Fehlen jeweils eines weißen Turms und Springers verantwortlich zeichnen.

OK, also wurde [Ba7] zu Hause geschlagen — und wo der fehlende schwarze Turm? Wenn ihr das nun versucht, werdet ihr feststellen, dass das so leicht gar nicht ist — dass sich diese so plausiblen Gedanken nicht umsetzen lassen.

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Henrik-Juel-Gedenkturnier

Und sofort noch eine Turnierausschreibung, dieses Mal eine „echte“ Retro-Ausschreibung:

Der Dansk Skakproblem Klub schreibt das Henrik-Juel-Gedenkturnier aus: Gefordert sind orthodoxe Retros mit den Forderungen „Löse die Stellung auf“ oder „Letzte n Züge?“; Märchenbedingungen sind nicht zugelassen.

Einsendungen bis zum 31. August 2026 an Bjørn Enemark (bjorn.enemark(at)get2net.dk), Preisrichter, da freue ich mich sehr, bin ich.

Und hier findet ihr die genaue Ausschreibung.

Henrik Juel stand bis bis zu seinem Tod Anfang Januar meinem Blog sehr nahe; er war sicherlich der fleißigste Kommentator und Löser der Retros der Woche.

Da freue ich mich natürlich ganz besonders auf eure guten Einsendungen zum Gedenken an Henrik, zu diesem Turnier.

feenschach Thematurniere

feenschach hat kürzlich zwei Thematurniere ausgeschrieben, auf die hier noch nicht hingewiesen wurde. Beides sind keine expliziten Retro-Turniere, doch nach guter alter feenschach-Tradition sind dort natürlich auch Retros im Rahmen der Themenvorgabe gern gesehen.

3D-Schach (82. feenschach TT)

für Schachprobleme auf einem 3D-Schachbrett ausgeschrieben. Zulässig sind die klassischen Raumschachformen 5×5×5-Raumschach, Stereoschach und Alice-Schach. Beliebige Kombinationen mit anderen Märchenschachelementen sind erlaubt.

Preisrichter: Bernhard Geismann und Hans Gruber

Einsendungen: bis zum 5. April 2026 an t.brand(at)gmx.net

Ausschreibung zum Download

Erich-Bartel-Gedenkturnier (83. feenschach TT)

Eine Partei steht in der Diagrammstellung im Patt, am Ende der Lösung steht die andere Partei im Patt. Dabei ist die beliebige Verwendung von Märchenschachelementen erlaubt.

Preisrichter: Elmar Bartel, Hans Gruber, Bernd Schwarzkopf

Einsendungen: bis zum 21. August 2026 an t.brand(at)gmx.net

Ausschreibung zum Download

Ich freue mich schon auf eure Einsendungen!

Retro der Woche 46/2025

In der letzten Woche hatte ich den zweiten Preis aus dem Probleemblad-Retroturnier 2019—2020 mit einem Richter-Trio vorgestellt. Auch das parallele Turnier des Problemist fand unter den gleichen Rahmenbedingungen statt, nur war das Richter-Dreigestirn etwas anders zusammengesetzt: Gruber, Ring und Brand. Und auch aus diesem Turnier möchte ich zunächst den zweiten Preis vorstellen.

Andrij Frolkin & Jeff Coakley
The Problemist 2019, 2. Preis 2019-2020
Jeder Buchstabe repräsentiert einen anderen Figurentyp, Groß- und Kleinbuchstaben stehen für die unterschiedlichen Farben. Entferne alle Buchstaben eines Typs, um eine legale Stellung zu erhalten, bestimme die Position und den letzten Zug.

 
Andrij und Jeff sind sicherlich die größten Experten im Bereich dieser Art von „Buchstaben-Problemen“, hier sind sie aber unserer Meinung nach ganz besonders kreativ gewesen: Von den (nur) fünf unterschiedlichen Figurentypen muss auch noch einer komplett verschwinden, um eine legale, dann auch noch eindeutig ableitbare Stellung zu erhalten, in der auch noch der letzte Zug eindeutig war. Das ist schon großes Kino, besonders, wenn man dann sieht, wie logisch ableitbar die Lösung ist.

Je einmal in beiden Farben kommen nur G und I vor, ein Buchstabentyp muss also die Könige darstellen. Repräsentiert G die Könige, dann kann H weder Dame noch Turm oder Springer sein (beide Könige im Schach), auch nicht Läufer (illegales Schach e1-d2) oder Bauer (auf der 1. bzw. 8. Reihe) — H kann also bei G=König nicht legal eingesetzt werden. Aus den gleichen Gründen kann bei G=König auch N nicht legal eingesetzt werden. Es darf aber nur eine Steinart entfernt werden — also ist G nicht König, sondern I.

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14. SVW Problemschach-Wettbewerb

Sehr guter Tradition folgend, richtet der Schachverband Württemberg nun schon zum 14. Male seinen Problemschach-Wettbewerb mit immer wieder interessanten Themen aus. So dreht sich in diesem Jahr alles um Schach960 (Fischer-Random Chess, heute auch gern als „Freestyle Chess“ vermarktet).

Das soll uns egal sein — viel wichtiger sind die spannenden Fragen zum Schach960 und seinen Anfangsstellungen.

Ebenfalls traditionell ist die gute Ausstattung mit Preisen — für die beste Einsendung sind wieder 100 € ausgelobt, der Gesamt-Preisfond wird bei 250 bis 300 € liegen.

Die Ausschreibung erläutert neben den Aufgabenstellungen alle organisatorischen Regelungen; Einsendeschluss ist der 31. März 2026.