Retro der Woche 50/2016

Vor gut 10 Jahren hat sich Dmitri Baibikov intensiv mit Retros beschäftigt, in denen zunächst fehlende Steine zu ergänzen waren und dann die Stellung aufgelöst werden sollte. Besonders, wenn nichts über die Art und Anzahl der zu ergänzenden Steine gesagt ist, finde ich das eine sehr attraktive Forderungskombination.

Ein Beispiel habe ich für heute herausgesucht.

Dmitri Baibikov
Problem Paradise 2004-2005, 1.-2. Preis
Ergänze Steine und löse die Stellung auf. (12+13)

 

Wir sehen im Diagramm 25 Steine sowie je zwei Bauernschläge durch Weiß und durch Schwarz. Da der weiße König durch Läufer und Dame im Schach steht, müssen zwei Steine ergänzt werden, um die beiden Schachs aufzuheben. Denn auch der schwarze König steht (durch wSh3) im Schach, sodass wir wissen, dass Weiß mit der Rücknahme beginnen muss.

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Jorge Joaquin Lois 70

Ganz herzliche Glückwünsche gehen heute nach Buenos Aires in Argentinien, wo Jorge Joaquin Lois heute seinen 70. Geburtstag feiert. Die Spezialgebiete von Jorge sind Hilfmatts und natürlich Beweispartien, wo er häufig mit Roberto Osorio zusammenarbeitet.

Ein Gemeinschaftsstück der beiden möchte ich hier auch zeigen: An dieser eigentlich „kleinen“ Aufgabe gefällt mir, wie Schwarz „mittendrin“ plötzlich umschaltet muss…

Roberto Osorio & Jorge Joaquin Lois
StrateGems 2007, 2. Lob
Beweispartie in 16 Zügen (13+16)

 

1.f3 Sc6 2.Kf2 Sd4 3.Kg3 Sxe2+ 4.Kg4 Sg3 5.Se2 Sxh1 6.Sg3 Tb8 7.Le2 Ta8 8.Dg1 Tb8 9.Sf1 Sg3 10.Dc5 Se4 11.d4 Sc3 12.Ld2 Sxa2 13.Le1 Sb4 14.Ta6 Ta8 15.Tc6 Sa6 16.Sfd2 Sb8.

Rundlauf des schwarzen Damenspringers mit raffiniert eingewobenem Turm-Pendel — sehr attraktiv!

Lieber Jorge, im Namen aller Retrofreunde wünsche ich dir für dein kommendes Lebensjahr(zehnt) alles Gute — und heute eine schöne Geburtstagfeier!

Die Schwalbe XII/2016

Am Samstag lag das neue Heft der Schwalbe bei mir im Briefkasten. Jede Menge interessanten Lesestoff gerade für uns Retrofreunde gibt es wieder: Neben den (leider nur) sechs Urdrucken — Nachschub ist also dringend erwünscht! — gibt es den Preisbericht 2013 bis 2015 zu Schachmathematik und sonstigen Aufgaben von Bernd Schwarzkopf, einen Artikel von Nicolas Dupont „Geschlagene Pronkinsteine in ökonomischen orthodoxen Beweispartien“, und auch mein Güstrow-Vortrag über „Retro-Retraktoren“ ist hier in erweiterter Form veröffentlicht.

Viel Spaß bei der Lektüre, beim Lösen/Kommentieren und beim Einsenden guter Urdrucke für Die Schwalbe!

Retro der Woche 49/2016

In seiner Rubrik des The Problemist hat Bernd Gräfrath im aktuellen Novemberheft 2016 drei Aufgaben aus seinem StrateGems Preisbericht für Beweispartien 2014 vorgestellt. Eine weitere Aufgabe aus diesem Preisbericht habe ich für heute ausgesucht.

Silvio Baier
StrateGems 2014, 2. Preis
Beweispartie in 27 Zügen. (14+12)

 

Schauen wir uns das Diagramm an, so fällt auf, dass nur Bauern fehlen. Außerdem sehen wir zwei Schlagfälle durch Weiß und ebenfalls zwei durch Schwarz – letztere erklären die fehlenden weißen Steine.

Damit wissen wir schon, dass mindestens eine weiße Umwandlung stattgefunden hat: Theoretisch kann neben dxe3 und exf3 noch axbxc oder hxgxf geschehen sein, sodass ein weißer Bauer geschlagen worden sein kann – für zwei fehlen Schlagobjekte.

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Mansube bei der WM

In der letzten Nacht ist die Partieschach-Weltmeisterschaft in der „Verlängerung“ (vier Schnellpartien) entschieden worden, nachdem es zwischen Magnus Carlsen und Sergej Karjakin sozusagen nach 90 Minuten (12 Partien) 6:6 gestanden hatte. Nach drei der Schnellpartien führte Carlsen mit 2:1, ihm reichte also eigentlich ein Remis zur Titelverteidigung. Der Schluss der vierten Schnellpartie war allerdings spektakulär — er erinnert mich an mittelalterliche Mansuben.

Magnus Carlsen — Sergej Karjakin
WM 2016, 4. Schnellpartie
Nach dem 48. Zug von Schwarz. (8+8)

 

Schwarz droht einfach Dg2#, und Weiß entschließt sich zu einem „Racheschach“, nach dem aber [Tc1] auf der ersten Reihe zur Verteidigung fehlen wird, da nun auch z.B. Ta1+ droht?! Nein, das ist alles präzise berechnet.

49.Tc8+ Nun ist die „beste“ Verteidigung, die noch am längsten aushält, 49.– Lf8, weiter dann 50.Txf8+ Kxf8 51.Txf7+ Ke8 (51.– Kg8 52.Tf8+ Kh7 53.Df5+) 52.Tf8+ Kd7 53.Df7+ Kc6 54.Tc8+ Kb5 55.Dc4+ Ka5 56.Ta8# — das schaut wie eine klassische Mansube aus. Aber Schwarz ließ ein noch spektakuläreres Ende zu: 49.– Kh7 50.Dh6+!!, und Schwarz wird im nächsten Zug matt: 50.–Kxh6/gxh6 51.Th8/Txf7#.

Hat es ein solch „problemschachliches Ende“ eines Weltmeisterschaftskampfes schon einmal gegeben?