Retro der Woche 34/2026

In den letzten Wochen hatte ich einige Retro-Preisträger aus der französischen Zeitschrift Phénix vorgestellt, und diese kleine Serie möchte ich heute mit einem weiteren klassischen Retro fortsetzen.

Mit Dmitrij Baibikov und Thomas Volet haben sich zwei Spezialisten für klassische Retros zusammengefunden, und das Ergebnis ist, nicht gerade überraschend, höchst attraktiv, wie ich finde.

Dmitrij Baibikov & Thomas Volet
Phénix 2022, 3. Preis
Löse auf! (13+15)

 

Bei Weiß fehlen die Dame und die beiden Springer, bei Schwarz fehlt nur ein Springer. Und der wurde offensichtlich mittels e6xSf7 geschlagen, denn der schwarze Bauer auf f6 kann nicht von e7 gekommen sein: Schwarz schlug offensichtlich axb, und dann auch noch, da ja [Bc2] hinter einen schwarzen gelangt sein musste, ohne selbst noch mangels Schlagopfer selbst geschlagen zu haben, cxd und dxc.

Wie können wir denn die Stellung auflösen? Dazu muss e6xSf7 zurück genommen werden, wonach sich die Stellung relativ einfach weiter öffnen lässt.

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Deutschland Löse-Weltmeister

Beim 49. WCSC, der Weltmeisterschaft im Lösen von Schachproblemen, konnte sich Deutschland in Magdeburg nach 2002 wieder den Mannschaft-Weltmeistertitel sichern. Das Team Arno Zude, Ulrich Voigt und Boris Tummes konnte sich bei gleicher Punktzahl mit der deutlich besseren Lösezeit knapp, aber verdient gegen Serien-Weltmeister Polen durchsetzen; auf dem dritten Platz landete Serbien.

Arno Zude sicherte sich in der Einzelwertung Platz drei und bei den Senioren den ersten Platz. Die hervorragenden Ergebnisse von Ulrich Voigt sicherten ihm sowohl im Open als auch im WCSC jeweils eine Großmeister-Norm; nach Wertungszahl gehört er bereits heute zur Weltspitze. Und auch Boris Tummes kann mit seinem 13. Platz in der Einzelwertung zufrieden sein.

Auch die Teams “Deutschland 2” (Pfannkuche, Czeremin, Rein) sowie “Deutschland 3” (Glöckler, Leib) konnten prima Ergebnisse erzielen, wobei das Einzel-Ergebnis des erst 14jährigen Christian Glöckler mit 56,5 Punkten bemerkenswert ist.

Ein tolles Gesamtergebnis also; die Dateils findet ihr auf der WCCC-Lösungsturnier-Seite.

WCCC Retro-Löseturnier

In den letzten Jahren ist es bei den Weltproblemschachtreffen WCCC feste Tradition geworden, neben den regulären Löseturnieren inoffiziell solche für Retros und Märchenaufgaben auszurichten — diese beide Arten des Problemschachs werden bei den offiziellen Turnieren ja nicht berücksichtigt.

Ich hatte wieder das Vergnügen und die Ehre, die Aufgaben für das Retro-Turnier festzulegen und dann auch das Turnier selbst zu leiten.

Gestern Nachmittag (10. August, 16:30 Uhr) trafen sich in Magdeburg 27 Problemisten, um sich mit den Retros lösend zu beschäftigen: alte Hasen, aber auch einige, die erstmals an einem Retro-Turnier teilnahmen. Spaß gemacht hat es offenbar — und an diesem Spaß möchte ich euch natürlich teilhaben lassen:

Schaut euch dazu die Erklärungen zu den Aufgaben sowie die Aufgaben selbst an; tretet damit in den virtuellen Wettkampf mit den Magdeburger Lösern und Löserinnen ein. Wenn ihr wollt, nehmt euch 90 Minuten Zeit, um die Aufgaben so gut wie möglich zu lösen — wie viele Punkte hättet ihr erreicht, wie hättet ihr abgeschnitten?

In einer Woche veröffentliche ich hier die Lösungen und das dann sicher schon offizielle Endergebnis — dann könnt ihr euren Platz selbst herausfinden.

Viel Spaß dabei!

Retro der Woche 33/2026

Vor drei Wochen hatte ich es hier ja schon angedeutet, dass ich noch einmal auf das Thema “Häufung von Prentos-Umwandlungen” zurückkommen wollte, und mit dem Hinweis auf den heutigen Tag konnte man vielleicht auf den Gedanken kommen, dieser Beitrag habe nun etwas mit dem gestern gestarteten WCCC in Magdeburg zu tun und/oder mit dem August-Schwalbe-Heft.

Zum Start des WCCC gestern ist auch die August-Schwalbe erschienen, daher “und” …

Neben vielen anderen interessanten Beiträgen in diesem Heft gibt es auch den Artikel “Vierfachdarstellungen des Prentos-Themas in orthodoxen Beweispartien” von Silvio Baier, in dem er das vorstellt, was man nach meinem erwähnten “Retro der Woche” vielleicht schon erwarten konnte — das macht aber die Sensation nicht kleiner, denn er berichtet nicht nur von einer Darstellung, sondern gleich von sechs!

Ein wenig erinnert mich das an die Geschichte des orthodoxen Babson-Tasks: Erst Jahrzehnte lang für nicht darstellbar gehalten, dann zeigte sich, dass es doch geht — und sogleich entstanden auch andere Grund-Schemata, die dieses schwierige Thema bewältigen.

Schauen wir uns doch die Erstdarstellung aus dem Februar-Heft der Schwalbe an:

Silvio Baier, Reto Aschwanden & Jochen Schröder
die Schwalbe 2026
Beweispartie in 24,5 Zügen (14+11)

 

Wie vor drei Wochen Homebase-Stellung, dieses mal bei Schatz — also zählen wir die sichtbaren weißen Züge: Das sind 4+1+5+3+3+5=21 — vier Züge frei!? Zunächst erkennen wir, dass in drei Zügen sowohl [Ta1] als auch [Th1] nach g4 gelangen können, dass auch beide in zwei Zügen nach g2 kommen können.

Und dann fällt sicher auf, dass der schwarze Königsturm fehlt: Den muss also der nun auf e5 stehende Springer abgeholt haben. Statt nur zwei Züge benötigte der also (mit Zwischenstop auf f4 oder e5 weitere vier Züge, um auf h8 zu schlagen — und damit sind alle weißen Züge erklärt, keine mehr frei.

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Magdeburg

68. WCCC, 49. WCSC

Morgen geht es los im Maritim-Hotel in Magdeburg: Das 68. WCCC (World Congress of Chess Composition) mit dem 49. WCSC (World Chess Solving Championship). Bis zum 15. August treffen sich dort über 200 Problemschach-Freunde aus der ganzen Welt zum Lösen, Komponieren, Tagen, Feiern, Freundschaften erleben.

Ich freue mich darauf — und ich freue mich besonders, viele von euch dort persönlich zu treffen.

Eine gute Anreise wünsche ich euch, bis bald, bis Magdeburg!

Retro der Woche 32/2026

In der gerade erschienen Ausgabe 3/2026 von Probleemblad ist die Ausschreibung zum Dirk-Borst-64 Geburtstagsturnier veröffentlicht: Gefordert sind NICHT-eindeutige Beweispartien mit der Forderung “Stellung nach dem n. Zug von Weiß (oder Schwarz)” Zusätzliche Forderungen und/oder Bedingungen sind zulässig, nicht aber Märchenfiguren. Eine Beispiellösung soll angegeben werden, in der aber weder Zugfolge noch Züge eindeutig sein müssen.

Maximal 4 Aufgaben bis zum 24. Mai 2027 an Hans Uitenbroek (jc.uitenbroek(at)gmail.com). Preisrichter sind Dirk Borst und Hans Gruber, die 400,– € an Preisgeldern verteilen werden.

Die Ausschreibung enthält drei Beispiele, von denen ich eines heute vorstellen möchte:

Wolfgang Dittmann
feenschach 1987, 2. Preis
Stellung nach dem 38. Zug von Weiß. Wie oft zog der schwarze König? Schlagschach (16+14)

 

Nein, das ist kein Druckfehler im Südosten … In der Ausschreibung ist nur eine nackte Beispiel-Lösung ohne die Verführung angegeben, die Aufgabe ist aber, glaube ich, ohne Erläuterungen nur schwer verständlich. Und wer könnte die Lösung besser erläutern als der Autor selbst? Daher zitiere ich hier seine Besprechung aus “Der Blick zurück” (S. 263-264) fast unverändert:

Hier hängen sowohl das Thema (Tempoverlustmanöver des sK) als auch die thematische Verführung von der Festlegung der Zügezahl ab. Ihretwegen muss Weiß sich beeilen: Die vollen 38 Züge benötigt er, weil (bei wBb5 und sBc7-c5) die Schlagalternative für Weiß, die den e. p.-Schlag vermeidet, nur lauten kann: wKb4xSa4! Der zweite sS wird im letzten Zug auf c6 geschlagen. Weiß muss viel rangieren, um seinen K nach b4 zu bringen, und entsprechend viel muss für die Rückkehr der weißen Figuren geschehen (man beachte, dass das Diagramm wTg1 und wSh1 enthält!). Die Pointe der Aufgabe liegt in der Frage, was Schwarz, der fast beliebig viele Wartezüge hat, eigentlich in der Zwischenzeit tut. Es sieht so einfach aus: Der eine S opfert sich auf a4 (von b6 kommend), der andere später auf c6 (von e5 kommend); im Übrigen führt Schwarz nur Wartezüge aus.

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Retros beim WFCC-70 Turnier

Gerade erst war der Einsendeschluss zum Jubiläumsturnier anlässlich des 70. Geburtstages der Welt-Problemschach-Organisation (früher PCCC, heute WFCC), da hat Preisrichter Andrij Frolkin bereits seinen vorläufigen Bericht zur Retro-Abteilung vorgelegt.

“Vorläufig”, da er noch anonymisiert den Retrofreunden zum Mitprüfen vorgelegt wird: Die geforderten klassischen Retros können halt (noch) nicht richtig mit dem Computer geprüft werden — von möglichen Antizipationen ganz zu schweigen.

Viel Spaß beim Analysieren und Prüfen — mein allererster, vorläufiger Eindruck sagt mir, dass das Niveau sehr hoch ist. Eure “Funde” schickt bitte bis zum 15. November 2026 an den Turnierdirektor Narayan Shankar Ram (wfcc70jt(at)gmail.com).

Bald geht es los!

In einer guten Woche, am 8. August, beginnt das Weltproblemschachtreffen in Magdeburg. Wer es bis dahin kaum abwarten kann, für den habe ich hier ein paar Internet-Tipps mit etwas ungewöhnlichen, aber um so interessanteren Inhalten:

In der englisch-sprachigen Ausgabe von ChessBase ist der Artikel Shifts and mirrors in a chess problem über einen Schwalbe-Urdruck von Werner Keym erschienen: über eine Studie ohne Diagramm, bei der natürlich auch Retro-Überlegungen eine Rolle spielen. Da lohnt es sich hineinzuschauen.

Der erst 14-jährige Christian Glöckler hat in Biel nicht nur seine erste Großmeister-Norm im Partieschach erfüllt, sondern auch das dortige Löseturnier erfolgreich auf Platz drei, mit nur einem Punkt Rückstand auf Platz eins, beendet. In einem Interview, das auf YouTube veröffentlicht wurde, erklärt er sein Interesse am Problemschach: höchst interessant! Übrigens spielt Christian nun das Dortmunder Sparkassen-Open, um dann zum Lösen nach Magdeburg zu kommen!

Wer jeden Tag eine problemschachliche Herausforderung, Unterhaltung sucht, den verweise ich auf Mustermatt, dem von Johannes Quack so großartig geführten YouTube-Kanal der Schwalbe. Jede Woche bringt er dort sehr abwechslungsreich einen Beitrag aus allen Bereichen des Problemschachs. Jetzt zur Ferienzeit gibt es mehr: Die Serie “30 Tage – 30 Rätsel”, von der heute Tag 5 ist. Jeden Tag kann eine Aufgabe gelöst werden, die sich eher an noch nicht so erfahrene Problemisten wendet, für die Experten aber sicher auch spannend und interessant ist. Lösung noch am gleichen Tag einsenden, und das mindestens fünf Mal, dann winken attraktive Preise. Viel Spaß und Erfolg!