Retro der Woche 08/2026

Ich kann nicht widerstehen: Nachdem ich vor zwei Wochen nach den beiden erstplatzierten Stücken (bereits in den Ausgaben 02/2023 bzw. 03/2023) des Yoav Ben-Zvi Gedenkturniers , gefordert waren Beweispartien mit zweckreinen Bahnungen bzw. Räumungen, auch schon das Stück auf Platz drei vorgestellt hatte, kann ich mir nun die Präsentation des (nur) viertplatzierten Problems nicht verkneifen, gerade weil mir das auch besonders gut gefällt.

Doch seht selbst: Ich bin sicher, dass ihr das überschwängliche Lob des Preisrichters Hans Gruber über die Qualität des Turniers nun noch eher nachvollziehen könnt.

Andrij Frolkin
Yoav Ben-Zvi Gedenkturnier 2022, 4. Preis
Beweispartie in 21 Zügen (13+15)

 
Bei Weiß sehen wir nur fünf erforderliche Züge im Diagramm — das ist schon erschreckend wenig. Bei Schwarz schaut es dann schon „beruhigender“ aus: 2+2+3+5+4+5=21 — alle schwarzen Züge sind also noch sichtbar.

Bei Schwarz fehlt damit nur der g-Bauer, der zuhause geschlagen worden sein muss, denn für ihn ist kein Zug mehr übrig. Es kann auch nicht der schwarze f-Bauer fehlen, denn dann hätte sBg7 zwei Züge bis f5 benötigt — einer mehr, als zur Verfügung steht.

Bei Weiß vermissen wir im Diagramm den weißfeldrigen Läufer und die f- und g-Bauern. Dem stehen zwei sichtbare Schlagfälle b7xc6xd5 entgegen, mit denen die weißen Bauern aber nicht direkt beseitigt werden konnten. Also hat zumindest der weiße f-Bauer nach Schlag auf g7 anschließend auf g8 umgewandelt.

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Retro der Woche 07/2026

Die klassischen Auflöse-Retros von Luigi Ceriani sind für mich immer wieder ein Genuss! Viele sind recht komplex, aber andere auch so, dass ein noch nicht sehr erfahrener Retrofreund sie doch sehr gut nachvollziehen und vielleicht auch lösen kann: Ich kann versprechen, das macht Spaß!

Ein relativ sparsames Stück von ihm möchte ich euch heute zeigen.

Luigi Ceriani
Vittorio de Barbieri Gedenkturnier 1943, 1. Preis
Erster Zug der schwarzen Dame? (9+12)

 
Obgleich elf Steine fehlen, ist kein einziger Schlag eines Bauern sichtbar; zunächst sind nur einige wenige Details klar: der weiße Turm auf a2 konnte sein Zuhause nicht verlassen, wir werden uns Gedanken machen müssen, wie beie Seiten ein Retropatt vermeiden, und dass zuletzt die schwarze Dame gezogen hat, ist klar, da sie dem weißen König Schach bietet; sie kann also nur von d8 kommen und muss dabei geschlagen haben, denn ohne eine auf e8 entschlagene Figur wäre Weiß sofort retropatt, da er c2-c3 nicht zurücknehmen kann, da dies den schwarzen König aussperren würde. Was wurde denn auf e8 entschlagen?

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Retro der Woche 49/2025

Normalerweise tut man so etwas ja nicht, aber ein wenig will ich heute spoilern: Wenn nicht noch völlig unvorhergesehene Dinge passieren, wird es vor Weihnachten noch die jeweils letzten Schwalbe und feenschach Hefte des Jahres 2025 geben. Und daher nehme ich mir schon mal die Freiheit, heute ein klassisches Retro vorzustellen, zu dem im Heft 264 die Lösung erscheinen wird:

Gerald Ettl
feenschach 2024
Letzte 15 Einzelzüge? (11+14)

 

Schauen wir nach Auffälligkeiten im Diagramm:

Sofort fällt der dritte weiße Turm auf, der also durch Umwandlung entstanden sein muss. Sehr auffällig ist auch der schwarze Bauer a2: Er kommt offensichtlich von f7 und hat auf seinem Weg alle fehlenden weißen Steine geschlagen.

Der Ost-Käfig kann nur durch die Rücknahme von g2-g4 geöffnet werden, dazu muss aber erst der noch zu entschlagende [Lf1] heimkommen.

Weiß schlug einmal auf die g-Linie, und der andere Schlag muss im Zusammenhang mit der Entwandlung des weißen Turm erfolgt sein. Warum?

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Retro der Woche 43/2025

Ende September erschien die September-Ausgabe (263) von feenschach, und darin findet ihr auch die Lösungsbesprechung der Urdrucke des Heftes 256.

Der dortige Urdruckteil war, durch unsere Retro-Brille gesehen, erfreulich groß: 14 Aufgaben, und darunter waren immerhin drei klassische orthodoxe Auflöse-Aufgaben.

Eine davon m möchte ich euch heute zeigen.

Gerald Ettl
feenschach 2024
Letzte 21 Einzelzüge? (10+14)

 
Schauen wir zunächst nach der Bauernstruktur: Schwarz hat alle fehlenden weißen Steine mit seinen Bauern geschlagen: a4xb3, dxc und gxf, fxexd, wobei wir noch nicht erkennen können, welcher der sBf3 und sBc2 von f7 oder von g7 kommen. Bei Weiß sehen wir die Schläge cxd und g2xh3.

Und da bei Schwarz ein Turm und der h-Bauer fehlen, ist klar, dass der schwarze Bauer auf h3 starb, der Turm also auf der d-Linie.

Damit sind alle fehlenden Steine durch Bauern geschlagen worden.

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Retro der Woche 34/2025

In der letzten Woche hatte ich hier die erstplatzierte Beweispartie des diesjährigen Champagne-Turniers vorgestellt — heute soll es mit dem zweiten Platz der Abteilung B (sonstige Retros) weiter gehen, das traditionell zahlenmäßig deutlich schwächer besetzt war.

Hier konnte Andrij Frolkin mit einer klassischen Auflöse-Aufgabe überzeugen, der gar nicht so schwer zu lösen ist, wie es beim ersten Blick auf das Diagramm wirken könnte:

Andrij Frolkin
Champagne-Turnier 2025, 2. Preis Abt. B
Löse die Stellung auf (14+13)

 

Bei Schwarz fehlen ein Springer, ein Bauer (von g7 oder h7 kommend) sowie der schwarzfeldrige Läufer — und damit ist ein möglicher weißer Kreuzschlag auf der b- und c-Linie nicht möglich: das wären zusammen mit g2xh3 drei weißfeldrige Schlagfälle. Also hat dieser Kreuzschlag durch Schwarz stattgefunden — dabei fehlen bei Weiß nur zwei Bauern!

Die müssen also mittels exSd7 und fxLg (neben gxBh3) geschlagen haben, um sich dann auf d8 und g8 umzuwandeln.

Was hat auf d8 umgewandelt? Das ist entscheidend für die Auflösung des Nordwest-Knotens, die nur durch d7-d6 erfolgen kann, denn vorher muss Weiß e6xSd7 und d8=X zurücknehmen.

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Retro der Woche 32/2025

Beim vorgestrigen Hinweis auf das FIDE Album 2019-2021 hatte ich schon angemerkt, dass ich hier auf die eine oder andere Aufgabe dort zurückkommen würde. Damit will ich gleich heute beginnen.

Mich reizte das Stück von Joaquim Crusats und Andrij Frolkin schon wegen der bemerkenswerten Diagrammstellung: Alles spielt sich im Süden ab, und gleich fünf schwarze Damen lassen einen sofort fragen, ob die nun thematisch oder konstruktive Krücken sind? Nun, die Autorennamen deuten schon darauf hin, dass es bei den Umwandlungssteinen um thematischen Gehalt geht.

Joaquim Crusats & Andrij Frolkin
StrateGems 2020, 2. Preis
Ergänze einen schwarzen Springer auf einem Eckfeld und löse auf (11+12)

 

Wollen wir die Schlagbilanz untersuchen, sollten wir gedanklich bereits den dritten schwarzen Springer berücksichtigen. Damit haben wir dann noch drei schwarze Bauern und gleichzeitig fünf schwarze Umwandlungssteine. Die drei fehlenden schwarzen Steine sind durch axb, bxc und fxg erklärt.

Zu Beginn der Rücknahme müssen wir natürlich das Schach gegen den weißen König aufheben, und das geht nur durch Entwandlung auf g1: direkt g2-g1=D+ oder mit Entschlag R: h2xXg1=D+. Im ersten Falle hat Weiß anschließend nur die Rücknahme e2-e3, und dann geht es schon nicht weiter, denn warum kann Schwarz nun nicht f3xYg2 zurücknehmen?

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Retro der Woche 31/2025

Mit dem bereits in der letzten Woche hier angesprochenen Juni-Heft der Schwalbe hat Jochen Schröder die ersten zwei Jahre seiner Retro-Sachbearbeiter-Tätigkeit erfolgreich hinter sich gebracht — und ich musste feststellen, dass ich hier noch keine Aufgabe von ihm vorgestellt hatte. Das muss sich natürlich ändern!

Und daher stelle ich euch heute eine Aufgabe vor, die er im letzten Jahr veröffentlicht hat, die er dann aber noch verändert, inhaltlich weiter geschärft hatte.

Jochen Schröder
Die Schwalbe 2024
Beweispartie in 11,5 Zügen, Königsdynastie (12+11)

 
In der Schwalbe wurde die hier verwendete Bedingung „Königsdynastie“ so definiert: „Ein König – außer wenn er königlich ist – kann geschlagen werden und jederzeit – auch zur Schachabwehr – durch Bauernumwandlung neu entstehen. Er ist genau dann königlich, wenn er der einzige König seiner Partei ist. Ein König darf nur dann rochieren, wenn er königlich ist und nicht gezogen hat, seit er zuletzt königlich wurde. Die anderen für die Rochade vorgeschriebenen Bedingungen bestehen weiter.“ Daraus folgt, dass es nur Schachgebote gibt, wenn der einzige König einer Partei bedroht ist — und wegen der Schlag-Regel für Könige wird beim klassischen „Matt“ weitergespielt und im nächsten Zug gegebenenfalls der König geschlagen, womit dann eine Partie beendet wäre, ist es der einzige König.

Zählen wir die weißen Züge, so stellen wir fest, dass theoretisch der wKg1 durch Umwandlung entstanden sein kann (5+7=12) — aber da schafft es Schwarz nicht, all seine Steine loszuwerden und gleichzeitig die fehlenden weißen zu schlagen.

Na ja, bei der Bedingung können wir natürlich auch Umwandlungen erwarten…

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Retro der Woche 28/2025

In den Beiträgen der letzten beiden Wochen hatte ich bereits Preisträger des 11. WCCI vorgestellt: jeweils eine Aufgabe des Drittplatzierten Andrij Frolkin und des „runner-up“, wie die Engländer so schön sagen, Dmitrij Baibikov.

Heute ist nun natürlich der Sieger an der Reihe, da stelle ich eine der Aufgaben, die Silvio Baier fürs WCCI eingesandt hatte, vor.

Silvio Baier
The Problemist 2022, 1. Preis
Beweispartie in 32,5 Zügen (12+14)

Soo viele Züge — und nur einer bei Weiß sichtbar? Das Thema können doch nur ein paar Umwandlungen bei Weiß sein — und vielleicht erinnert ihr euch an eine tolle Artikelserie von Silvio in der Schwalbe Dezember 2022 bis April 2023 zur Themenkombination “Je zwei Ceriani-Frolkins und Pronkins” — die ist übrigens immer noch lesens- und studierenswert.

Beim Blick aufs Diagramm könnte man auf den Gedanken kommen: „die a-, d- und h-Linie sind offen, da bieten sich doch Turm- und/oder Damen-Pronkins an?“ Brav haben ja die schwarzen Offiziere, die anfangs dort auf der 8. Reihe stehen, auch Platz geschaffen.

Nun gilt es also nur noch die zwei Ceriani-Frolkin-Steine zu bestimmen — und dann zu schauen, was Weiß mit den übrig gebliebenen Zügen machen muss?

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