Retro der Woche 12/2026

Im Oktober letzten Jahres konnten wir die Sensation verkünden, dass Reto Aschwanden mit seinem Stelvio Prüfprogramm die Korrektheit der berühmten 57,5 zügigen Beweispartie von Dmitri W. Pronkin und Andriy Frolkin nachweisen konnte. Damit sollten deutlich kürzere Beweispartien doch immer und leicht prüfbar sein?

Dass dies ein Trugschluss wäre und warum das so ist, will ich heute mit einem Beispiel aus dem Urdrúckteil der Schwalbe vom August letzten Jahres diskutieren.

Andriy Frolkin & Serhiy I.Tkatschenko
Die Schwalbe 2025
Beweispartie in 16 Zügen, Michel Caillaud gewidmet (5+8)

 
Die Aufgabe ist ziemlich kurz, die Autoren geben jedoch an, dass das Stück (nur) bis zum 13. Zug mit Stelvio geprüft ist, und auch Silvio Baier weist darauf hin, dass sich diese Beweispartie vollständiger Prüfung widersetze. Woran liegt das?

Ein „Brute Force“ Lösen ist bei nicht extrem kurzen Beweispartien ausgeschlossen: Im Schnitt gibt es in einer legalen Schachstellung etwa 30 Züge — damit etwa 30^32 16-zügige (32 Halbzüge!) Partien, das sind etwa 1,85 * 10^47 Partien. Könnte ein Computer in einer Sekunde eine Million Partien spielen, bräuchte er immer noch 1,85 * 10^41 Sekunden für alle. Ein Jahr hat im Schnitt etwa 31,6 Millionen Sekunden, wir brauchten also 5 * 10^33 Jahre für alle 16-zügigen Schachpartien. Und dann ist es auch egal, wenn davon vielleicht 90% bereits vorher wegen Matt beendet wären …

Daher suchen Prüfprogramme stets am Anfang nach möglichst umfangreichen Möglichkeiten, den „Spielbaum“ zu beschneiden, die durchschnittliche Zügezahl also so weit wie möglich zu reduzieren. So machen wir es hier auch meist, indem wir Überlegungen über die Stellung anstellen und daraus Schlussfolgerungen für den Lösungsablauf ziehen, bevor wir über konkrete Lösungszüge nachdenken.

Neben „impliziten“ Schlüssen (Schwarz hat 15 Steine, daher muss Weiß exakt einmal schlagen) sind das vor allen Dingen Feststellungen über Bauernstrukturen (… , dieser Schlag musste also mittels bxc3 erfolgen) und Abhängigkeiten von Zugreihenfolgen (g6 konnte erst nach Lh7 gespielt werden).

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Stelvio 4.3

Das Jahr fängt ja gut an:

Reto Aschwanden hat heute die neue Version 4.3 seines Beweispartie-Prüfprogramms Stelvio veröffentlicht; es kann wie immer über die Stelvio-Seite heruntergeladen werden.

Wesentliche Neuerung in dieser Version ist eine neue Option für die Strategie-Analyse sowie kleinere Fehlerbehebungen. Genaues kann man wie immer der Dokumentation entnehmen.

Stelvio 4.2

Wie schrieb Reto Aschwanden doch so schön zu seiner neuen Stelvio Version 4.2?
“Ein paar Verbesserungen da und dort, neben einem hässlichen Bug weniger…”

Der Fehler trat gelegentlich bei der Parallelisierung auf, und die Verbesserungen resultieren aus den noch tieferen Strategie-Analysen, die Reto im Zusammenhang mit der Prüfung der 57,5 Züge langen Beweispartie eingeführt hat.

Mehr Details gibt es natürlich in der Dokumentation, die wie immer lesenswert ist!

Beweispartie in 57,5 Zügen Co+

Kürzlich konnte Reto Aschwanden die Sensation vermelden: Es ist ihm mit seinem Prüfprogramm Stelvio gelungen, die Korrektheit der berühmten Beweispartie in 57,5 Zügen von Dmitri W. Pronkin und Andriy Frolkin nachzuweisen.

Dankenswerter Weise lässt er uns mit seinem für diesen Blog geschriebenen Artikel an der Geschichte dieser historischen, noch vor wenigen Jahren für absolut undenkbar gehaltenen Leistung der Verifizierung des 57.5-Beweispartie Längenrekords teilhaben: Der Computer-Laie bekommt einen gut nachvollziehbaren Eindruck von der Komplexität dieser Prüfung, und der Spezialist erhält zusätzliche Hinweise zur ausgefeilten Lösestrategie von Stelvio.

Und wir alle lernen nebenbei noch etwas über die richtige Lagerung von Wein …

Stelvio 4.1

Heute hat Reto Aschwanden eine neue Version von Stelvio veröffentlicht: Version 4.1 steht zum Download bereit.

Die neue Version enthält weitere Verbesserungen in der Strategieanalyse und damit potenziell eine weitere Beschleunigung der Prüfung speziell längerer Beweispartien, aber auch die Behebung eines “horrible bug”, der unter gewissen Umständen in Version 4.0 dazu führen konnte, dass eine Aufgabe fälschlich als korrekt ausgewiesen wurde.

Hintergründe und Empfehlungen, wie ihr damit umgehen könnt, gibt Reto speziell in der WhatsNew Datei — hier solltet ihr also unbedingt hineinschauen!

Stelvio 4.0

Nach längerer Zeit hat Reto Aschwanden heute eine neue Version von Stelvio veröffentlicht: Version 4.0 steht zum Download bereit.

Das Hochzählen der “Major Version” ist vollkommen berechtigt, es gibt viele Neuerungen. Die bedeutendste ist sicherlich, dass nun Prüfer-Angaben zu den von Stelvio verwendeten Strategien möglich sind. Damit verliert ein “korrekt”-Ergebnis natürlich das Prädikat “Computer-geprüft”. Heute schreibt man dafür ja gern HC+ (checked by human and computer).

Deshalb gilt meine Standard-Empfehlung Lest das Handbuch! bei dieser Version doppelt und dreifach!

Stelvio 2.0

Ja, ist denn heut’ schon Weihnachten?

Eigentlich nicht, wenn man auf den Kalender schaut — für die Freunde der orthodoxen Beweispartien aber in gewisser Weise schon, denn Reto Aschwanden hat heute die Version 2.0 von Stelvio, seinem Prüfprogramm für Beweispartien, veröffentlicht.

Bei einem Versionswechsel kann man schon damit rechnen, dass sich am Programm eine ganze Menge getan hat — und dem ist auch so:

Beispielsweise kann Stelvio nun unter gewissen Umständen notwendigen Schachschutz erkennen. Für Aufgaben, die den für einen der Könige benötigen, kann das eine drastische Beschleunigung der Tests bedeuten, da ein Schachschutz meist mehrere ansonsten freie Züge erfordert.

Allgemein hat Reto auch die Strategieanalyse verbessert und noch wirkungsvoller gemacht, ebenso die Parallelisierung der Prüfungen.

Insgesamt also eine Menge “Tuning unter der Motorhaube”, das den Versionssprung sicherlich gerechtfertigt. Mehr Details findet ihr wie immer in der Dokumentation.

Stelvio 1.6

Reto Aschwanden hat die Version 1.6 seine Beweispartie-Prüfprogramms Stelvio veröffentlicht. Ihr könnt sie wie immer von der Stelvio-Seite herunterladen!

Dieses Mal liegt der Schwerpunkt auf zusätzlicher Information für den Prüfer Reto schreibt dazu: “Hauptsächliche Neuigkeit ist die Visualisierung der Strategie-Suche, damit man eine Ahnung bekommt, ob man noch 10 Jahre oder nur noch 10 Sekunden warten muss, bis alle Strategien gefunden wurden.”

Hier könnt ihr schon mal einen Screenshot dazu sehen: