Retro der Woche 20/2017

Am letzten Freitag konnte Andrej Frolkin seinen 60. Geburtstag feiern, und deshalb habe ich natürlich für heute eine weitere Aufgabe von ihm herausgesucht. Sie ist exakt 30 Jahre alt und hat sogar inhaltlich ein wenig mit dem am Freitag vorgestellten Stück zu tun.

Andrej Frolkin
Die Schwalbe 1987, 3. Preis
Letzte 34 Einzelzüge? (15+10)

 

Ein paar Details der Stellung sieht man recht schnell:

Der fehlende weiße Springer wurde mittels axb geschlagen; zwei Schläge durch Weiß (dxc, cxb) sind ebenfalls sofort sichtbar.

Und klar ist, dass Schwarz mit der Rücknahme beginnen muss, denn der weiße König steht im Schach. Da sBd3 nicht entschlagen kann, haben wir schon 1/34 der Lösung: R: 1.d4-d3+.

Dann wird es aber ein wenig komplizierter, wenn wir uns überlegen, wie der Knoten im Westen aufgelöst werden kann.

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Andrej Frolkin 60

Ganz herzliche Glückwünsche gehen heute nach Kiew, wo Andrej Frolkin seinen 60. Geburtstag feiert.

Andrej ist ein unglaublich aktiver Problemist – zum Glück überwiegend im Retrobereich unterwegs, aber auch im Hilfsmatt und Märchenschach. Daraus resultiert auch seine breit gefächerte Kompositionstätigkeit: Einerseits ist er einer der „Urväter“ der eindeutigen Beweispartie, andererseits ein großartiger Komponist von klassischen Auflöse-Retros und Verteidigungsrückzügern – und dabei lässt er auch kreative Märchenretros nicht außen vor.

Gleichzeitig ist er ein begnadeter Autor: Seine vielen tiefsinnigen und doch sehr gut lesbaren Artikel, gerade in feenschach und Die Schwalbe, seine vielen, kenntnisreich und gleichzeitig rasend schnell erstellten Preisberichte, sein mit Gert Wilts schon 1991 herausgegebene Buch über eindeutige Beweispartien, seine aktive Mitarbeit am Album und WCCI trugen und tragen zur weiteren Popularisierung der Retroanalyse bei.

Lieber Andrej, ich bin sehr glücklich, mit dir bereits viel zusammengearbeitet zu haben und freue mich auf noch viele gemeinsame Projekte mit dir. Jetzt wünsche ich dir im Namen aller Blog-Leser für dein neues Lebensjahr(zehnt) alles erdenklich Gute!

Zur Feier des Tages habe ich ein klassisches Retro von Andrej ausgesucht, das schon mehr als 30 Jahre alt ist:

Andrej Frolkin
Die Schwalbe 1986
Vor 37 Einzelzügen musste rochiert werden (16+11)

 

R: 1.Se8-f6+ d5-d4 2.De7-d8 d6-d5 3.De2-e7 d7-d6 4.Dd1-e2 e2-e1=L 5.g2-g3 e3-e2 6.Le5-h2 e4-e3 7.Lc3-e5 e5-e4 8.La2-b1 e6-e5 9.Tb1-b2 e7-e6 10.Lb2xBc3 c4-c3 11.Lc1-b2 c5-c4 12.b2-b3 c6-c5 13.Lb3-a2 c7-c6 14.La4xBb3 b4-b3 15.Kh2-h3 b5-b4 16.Sh3-g1 b6-b5 17.Lb5xBa4 a5-a4 18.Kg1-h2 a6-a5 19.0-0 a7-a6 20.Lf1-b5 Kg4-h5 21.e2xSf3+ etc.

Die Aufgabe war im Rahmen des 173. Thematurniers der Schwalbe entstanden, bei dem es um verschiedene Retro-Tasks ging.

Neuer Wettbewerb

Der Schachverband Württemberg fördert erfreulicherweise das Problemschach — und dabei besonders die Retroanalyse oder benachbarte Bereiche.

So wird im aktuellen Verkündigungsorgan des SVW wieder ein gut dotiertes Konstruktionsturnier ausgeschrieben; dieses Mal geht es um Schlagschach.

Einsendeschluss ist der 30.11.17; Einsendungen gehen direkt an Wolfgang Erben (wolfgang.erben(at)svw.info), der den dortigen Problemteil so fantastisch leitet.

Ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg bei der Beschäftigung mit diesem Thema!

Retro der Woche 19/2017

Der Verfasser unseres heutigen „Retro der Woche“ ist nicht nur als ein hervorragender Komponist bekannt (davon können wir uns heute wieder überzeugen), sondern auch als Redakteur der Retro-Abteilung von Probleemblad sowie (Co-)Autor wichtiger Publikationen zu „modernen“ Beweispartien: Zum Beispiel das Schwalbe-Sonderheft 250A (August 2011) über „Future Proof Games“ sowie die fortsetzende Artikelreihe in StrateGems.

Roberto Osorio
Die Schwalbe 2014
Beweispartie in 19,5 Zügen (9+9)

 

So ist es nicht überraschend, dass wir auch hier „Zukunfts-Thematik“ zu erwarten haben, also mindestens die Doppelung zweier Themen. Aber das muss nicht heißen, dass die Aufgabe sehr schwer zu lösen ist: Versucht doch, bevor ihr weiterlest, vielleicht fünf oder zehn Minuten lang, die Stellung allgemein zu analysieren, ohne euch schon Gedanken über mögliche Zugfolgen zu machen. Vielleicht findet ir ja auch schon den einen oder anderen „Lösungsverräter“?

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Chessproblems.ca Nr. 11

Gestern ist die elfte Ausgabe des von Cornel Pacurar herausgegebenen Chessproblems.ca Bulletin veröffentlicht worden. Auf 100 Seiten (!) werden viele interessante Urdrucke und Artikel vorgestellt; gleich drei Beiträge befassen sich mit Retroanalyse:

  • Vlaicu Crisan & Paul Raican: Schnoebelen Theme in Shortest Proof Games
  • Jeff Coakley & Andrey Frolkin: Minimalism in Chess Rebuses
  • Cornel Pacurar: Proof Games Visualizations

Schaut dort vorbei, ladet das Heft herunter; viel Lesespaß für den (zumindest im Rheinland) verregneten 1. Mai kann ich euch versprechen!

Retro der Woche 18/2017

Ich bin immer wieder erstaunt, dass man mit dem eingeschränkten Material von nur Königen und Bauern doch interessante Retroaufgaben bauen kann. Peter Kniest nannte Aufgaben mit dieser Steinkonstellation bekanntlich „Kindergartenprobleme“, aber deren Komplexität muss sich nicht zwangsläufig auf „Kindergarten-Niveau“ beschränken.

Besonders Gerd Wilts und Thierry Le Gleuher beschäftigen sich gelegentlich mit Aufgaben dieser Art, und es ist immer wieder überraschend, wie viel Inhalt sie damit darstellen können. Vielleicht möchtet ihr euch noch einmal das Retro der Woche 42/2012 anschauen?

Heute aber natürlich eine andere Aufgabe.

Thierry Le Gleuher (nach Gerd Wilts)
Phénix 2014
Letzte 13 Einzelzüge? (9+9)

 

Ich lade euch herzlich ein, selbst Löseversuche anzustellen, bevor ihr weiterlest: Das Stück ist sicher eine ideale Aufgabe, selbst einmal klassische Retros zu lösen.

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Retros im FIDE-Album 2013-2015

Heute sind die Ergebnisse der Retro-Auswahl für das FIDE-Album 2013-2015 veröffentlicht worden. Von 339 eingesandten Aufgaben erzielten 301 (88,8%) mindestens 4,5 Punkte, und von denen kamen 27,5%, nämlich 83 Aufgaben ins Album — das zeigt die hohe Qualität der eingesandten Aufgaben.

Autor mit den meisten Aufgaben im Album ist Sivio Baier, gefolgt von Michel Caillaud und Andrej Frolkin mit 13, 12 bzw. 11 Aufgaben. Die meisten Punkte erhielt Michel, gefolgt von Silvio und Andrej mit 12, 11 bzw. 7,83 Punkten.