Retro der Woche 36/2025

Noch einmal möchte ich auf den Preisbericht des Champagne-Turniers 2025 zurückkommen: Dort ging es ja um das Thema Platztausch, und es hat mich überrascht, wie viele originelle Aufgaben dazu eingereicht wurden.

Den zweiten Platz in der Beweispartie-Abteilung belegt ein bemerkenswertes Stück von Rustam Ubaidullajew — bemerkenswert nicht nur wegen des reinen Inhalts, sondern auch, weil es nicht vollständig Computer-prüfbar war, und das bei „nur“ 29 Zügen.

Rustam Ubaidullajew
Champagne-Turnier 2025, 2. Preis Abt. A
Beweispartie in 29 Zügen (14+14)

 
Wenn man ein wenig auf die Stellung schaut, fallen gleich mehrere Besonderheiten auf. Speziell die schwarzen Offiziere im weißen Lager: Wie sind die Türme, wie der Läufer hineingelangt? Erster Verdacht: Mit frühem b4 können die Türme via b3, der Läufer über b2 eingestiegen sein. Vielleicht ist auch einer der Türme als Umwandlungsstein (h7-h3xg2-g1=T) entstanden? Auf diesem Wege könnte auch der weiße Turm auf h8 dem Südkäfig entkommen sein.

In dem Zusammenhang ist dann auch sehr interessant, welche Steine fehlen: Das sind bei Weiß Dame und ein Springer, bei Schwarz ebenfalls die Dame sowie [Bh7].

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Endgültiger Preisbericht

Im Mai hatte Reto Aschwanden den Preisbericht zu seinem Geburtstagsturnier veröffentlicht; bis zum Ende der Einspruchsfrist gab es nur einen Hinweis, der bereits im kurzfristig aktualisierten Bericht erwähnt wurde.

Nun könnt ihr hier den endgültigen Bericht finden; nochmals viel Spaß beim Studieren!

Retro der Woche 33/2025

Am Mittwoch hatte ich auf den Preisbericht des Champagne-Turniers 2025 hingewiesen und versprochen, darauf zurück zu kommen: Voilà!

Preisrichter Éric Pichouron, der seine Rolle aus den letzten Turnieren mit Direktor Michel Caillaud getauscht hat, hat fast alle eingereichten Aufgaben in seinem Bericht erwähnt, das sind in der Abteilung A (Beweispartien) gleich 21 Probleme. Ungewöhnlich für das Champagne-Turnier ist, dass alle vier Preisträger orthodoxe Aufgaben sind: Das geht also immer noch!

Der erste Preis ging in die Niederlande: Wer im Mai in Andernach war, konnte Joost dort kennenlernen.

Joost Michielsen
Champagne-Turnier 2025, 1. Preis Abt. A
Beweispartie in 21 Zügen (15+13)

 
Bei Schwarz sieht man nur drei Züge des[Bf7], bei Weiß etwas mehr: 0+2+4+3+4+5=18 — aber auch damit sind noch drei Züge frei. Aber das relativiert sich alles:

Bei Weiß fehlt [Bh2], bei Schwarz fehlen die beiden Läufer sowie [Bc7]. Die Läufer starben beide zu Hause (die wegzuschlagen bleiben nur drei Züge — da ahnt ihr sicher schon, wie das passiert ist?), aber der Bauer konnte nicht auf der d-Linie geschlagen werden, denn dazu fehlt ihm ein Schlagobjekt.

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FIDE-Album 2022-2024

Langsam wird es Zeit: Einsendeschluss der Aufgaben für das FIDE Album 2022-2024 ist der 1. September, das ist schon in etwa drei Wochen!

Wer seine Aufgaben, speziell seine Retros, noch nicht eingesendet hat, sollte dies möglichst schnell erledigen: Sendet dazu eure Retros an den Direktor Silvio Baier, Mail-Adresse: silvio.baier(at)gmx.de — und eure Aufgaben für die anderen Gruppen natürlich an die dortigen Direktoren. Und die Regeln für die Einsendung solltet ihr im Zweifel noch einmal nachschlagen.

Ihr könnt das Thema dann für euch abhaken — und ihr helft gleichzeitig dem Direktor und den Richtern, möglichst zügig mit der Auswahl der Aufgaben beginnen zu können! Und das wiederum beschleunigt die Album-Produktion …

Erbärmlich

Aktualisiert am 11.8.2025!

Im September letzten Jahres hatte der Schachverband Württemberg sein regelmäßiges Thematurnier ausgeschrieben; gefordert waren erbärmliche Zugpaare in einer möglichst kurzen Partie. Was ist damit gemeint?

Übersieht man ein direktes Matt, ist das mindestens peinlich. Erlaubt der stattdessen gespielte Zug dann aber noch dem Gegner ein einzügiges Matt, so ist dieser Zug wahrlich erbärmlich. Gefordert waren zwei erbärmliche Züge in einer fiktiven, möglichst kurzen Partie direkt hintereinander.

Der nun vorliegende Preisbericht (aktualisiert 11.8.2025!) verspricht schadenfrohe und kurzweilige Unterhaltung; viel Spaß dabei!

FIDE Album 2019—2021

Schwere Literatur ist das, was vorgestern bei mir angekommen ist: Das neue FIDE -Album für die Jahre 2019 bis 2021 bringt 1.628 Gramm auf meine Küchenwaage — Vorsicht also, wer im Bett darin lesen/lösen möchte, dass es einem nicht auf die Nase fällt!

Das Album enthält auf 819 Seiten insgesamt 1840 Aufgaben, davon (nur) 77 Retros, die aus 9540 (bei den Retros: 376) Einsendungen ausgewählt wurden. In allen Alben seit 1914 sind damit 29354 Stücke erschienen, dabei führen immer noch die Zweizüger (5864). Drei der Retros wurden hier im Blog urgedruckt!

Die umfangreichsten Abteilungen in der neuen Ausgabe sind Fairies, Hilfsmatts und Selbstmatts mit 383, 362 bzw. 270 Aufgaben, die mit Abstand meisten Einsendungen (2447) kamen für die Hilfsmatts.

Ich kann das neue Album nur wieder empfehlen: Nirgendwo gibt es solch eine breite Wiedergabe guter Aufgaben wie hier. Dafür ist allen an der Auswahl und Erstellung Beteiligten herzlich zu danken. Bei den Retros waren dies Direktor Vlaicu Crisan, die Richter Dmitry Baibikov, Silvio Baier und der zwischenzeitlich verstorbene Henrik Juel; den Index hat wieder Thierry Le Gleuher erstellt.

Natürlich werde ich hier noch auf die eine oder andere Aufgabe zurückkommen, aber persönlich freue ich mich schon besonders auf das Schmökern in der Studien-Abteilung …

Retro der Woche 30/2025

Nachtrag 26.7.25: Nach einem technischen Problem gestern hatte eine alte Fassung dieses Beitrags online gestanden. Das ist nun hoffentlich korrigiert …

Am 18. Juli habe ich hier den Preisbericht des diesjährigen Champagne-Turniers anlässlich des WCC in Alba Iulia angesprochen und dabei schon angekündigt, dass ich auf dieses Turnier noch zurückkommen werde — das kann ich heute noch nicht tun, da der Bericht noch nicht veröffentlicht ist.

Stattdessen habe ich heute eine Aufgabe aus dem letztjährigen Turnier herausgesucht, zu dem gerade noch Korrekturen veröffentlicht worden sind.

Traditionell wurde das Turnier wieder in zwei Gruppen ausgetragen: Beweispartien und sonstige Retros; in beiden Gruppen waren auch nicht-orthodoxe Stücke zugelassen. Und beide Abteilungen wurden von Märchen-Retros gewonnen …

Dennoch habe ich heute die bestplatzierte orthodoxe Beweispartie ausgesucht. Ofer Comay ist eher als Hilfsmatt-Verfasser bekannt; weitaus die meisten seiner Aufgaben in der PDB sind Hilfsmatts.

Ofer Comay
Champagne-Turnier 2024, 3. Preis Abt. A
Beweispartie in 19,5 Zügen (16+13)

 

Zumindest der Süden das Diagramms schaut ja eher wie ein klassisches Auflöse-Retro aus als eine Beweispartie — speziell der Südwesten mit den drei schwarzen Steinen und der ungewöhnlichen Anordnung der weißen Steine reizte mich sofort, die Aufgabe zu lösen.

Auch zeigen die Bauern überhaupt keine Spur von Schlägen: Nun, bei Weiß sind eh alle Mann an Bord, aber bei Schwarz fehlen ein Springer sowie [Bf7] und [Bg7]— ohne Bauernspuren sind sie verschwunden, können auch nicht von Bauern geschlagen worden sein.

Das Züge-Zählen hilft auch nicht sehr viel weiter: Bei Schwarz sehen wir 1+2+7+4+2+1=17 Züge — zwei sind also noch frei.

Und bei Weiß ist die Sache ja noch fataler: 0+0+2+2+0+4=8 das sind nur 40 Prozent der weißen Züge!

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Preisbericht Champagne-Turnier 2024

Update: Dank an Dirk Borst für den Hinweis auf ein heftiges Versehen …

Im Juni hatte ich hier die Ausschreibung zum Champagne-Turnier 2025 (Thema: Platzwechsel zweier Steine), und nun ist bereits das Update des Preisberichts 2024 erschienen!

Man sieht, dieser Bericht benötigte einen gewissen Reifeprozess, da sich eine Aufgabe zunächst als verbesserungs-resistent gegen die Nebenlösungen erwies — nun ist hoffentlich auch die korrekt.

Wieder einmal ein interessantes Turnier war das; es lohnt sich, den Preisbericht zu studieren — und wenn der 2025er Bericht erscheint, werde ich natürlich hier im Blog darauf eingehen!