Chronicles

Im Jahre 2011 haben Silvio Baier, Nicolas Dupont und Roberto Osorio das Die Schwalbe Sonderheft 250A veröffentlicht, in dem sie sich mit “Beweispartien der Zukunft” beschäftigten, also Beweispartien, die (mindestens) zwei Themen jeweils (mindestens) doppeln.

Schon in diesem Heft kündigten sie an, Fortsetzungen erscheinen zu lassen. Diese erscheinen nun in Form von “Chronicles” in StrateGems; die erste Ausgabe mit neuen Rekorden und Erweiterungen zu klassischen Ceriani-Frolkin Beweispartien, wobei alle Umwandlungen einheitlich in eine Steinart erfolgen.

Sie illustrieren diese Gruppe mit insgesamt 15 Beispielen, darunter auch unser Retro der Woche 18/2015. hier möchte ich aber eine andere Aufgabe vorstellen:

Michel Caillaud
Messigny 2010, 1.-2. Preis
Beweispartie in 21,5 Zügen (12+12)

 

Hier kommen zu den vier Ceriani-Frolkin-Springern noch die Rückkehren aller vier Original-Springer: 1.h4 a5 2.h5 a4 3.h6 a3 4.hxg7 axb2 5.a4 h5 6.a5 Sh6 7.g8=S h4 8.Sf6+ exf6 9.a6 Le7 10.axb7 Sa6 11.b8=S OO 12.Sc6 Sb8 13.Ta6 Kh7 14.Sa3 b1=S 15.Th2 Sc3 16.dxc3 Sg8 17.Lh6 h3 18.Da1 hxg2 19.Sh3 g1=S 20.Sb1 Sf3+ 21.exf3 dxc6 22.Sg1. Das ist dann in der Future Proof Game Notation:
CF(SS)&CF(ss)&SW(SS)&SW(ss)

Retro der Woche 18/2015

Das gerade erschienene Januar-Februar Heft 2015 von feenschach enthält den Preisbericht zum René J. Millour-70-Geburtstagsturnier, gemeinsam von feenschach und Die Schwalbe ausgerichtet; gefordert waren Aufgaben mit Umwandlungen, einem der Lieblingsthemen das Jubilars.

Er hat selbst gerichtet und seinen Bericht in drei Teile aufgeteilt: orthodoxe Aufgaben, Märchenaufgaben mit direktem Spiel und Märchenaufgaben mit Hilfsspiel.

Ziemlich überrascht und hoch erfreut war ich, als ich sah, dass der erste Preis der orthodoxen Abteilung an eine Beweispartie ging:

Nicolas Dupont und Silvio Baier
71. feenschach-TT 2015, 1. Preis
Beweispartie in 31 Zügen (12+14)

 

Dass wir es hier mit Umwandlungen zu tun haben, ist ja selbstverständlich: Das steht schon über dem Diagramm. Dennoch sind sie sehr gut verborgen, denn die bei Umwandlungs-Häufungen in Beweispartien üblichen Doppelbauern, die meist hervorragende Lösungsverräter sind, fehlen hier vollständig.

Man sieht im Diagramm nur, dass drei Schläge stattgefunden haben: Auf der a-, der b- und der d-Linie steht ein schwarzer Bauer unterhalb seines weißen Kollegen.

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Retro der Woche 17/2015

Besonders gern mag ich Beweispartien mit echtem Überraschungseffekt, und ich erinnere mich noch genau, wie ich mir die heutige Aufgabe begeistert angeschaut hatte, nachdem ich im Preisbericht von Hans Gruber schon die ersten Worte gelesen hatte: „Believe it or not: …“

Schauen wir uns doch einmal an, was diesen so erfahrenen Retro-Preisrichter überrascht hat.

Nicolas Dupont
The Problemist 2009-2010, 2. Preis
Beweispartie in 24.5 Zügen (14+15)

 

Wir sehen nur zwei weiße Züge, aber auffällig ist natürlich sofort der dritte schwarze Springer. Der muss aus dem fehlenden [Bb7] oder [Bc7] entstanden sein — irgendwo zwischen a1 und e1, da bei Weiß ja nur zwei Steine, nämlich [Ba2] und [Bc2], fehlen. c1 scheidet natürlich als mögliches Umwandlungsfeld aus wegen des eingemauerten [Lc1].

Direkte Bauernschläge sind im Diagramm nicht sichtbar, die Anzahl der weißen sichtbaren Züge ist nicht wirklich hilfreich, also betrachten wir die schwarzen Züge.

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Retro der Woche 16/2015

Am letzten Donnerstag hatte ich kurz auf das (noch vorläufiige) Ergebnis der Retroabteilung des 4. FIDE World Cup hingewiesen: Wieder einmal hat Silvio Baier ein bedeutendes Retro-Turnier gewinnen können!

Die Sieger-Aufgabe möchte ich heute vorstellen, aber dabei einmal nicht so intensiv wie sonst meist den möglichen Weg zur Lösungsfindung erläutern, sondern mehr die Lösung als solche diskutieren.

Hier also nun das ausgezeichnete Meisterwerk:

Silvio Baier
4. FIDE World Cup 2015, 1. Platz
Beweispartie in 32.5 Zügen (14+14)

 

Man erkennt recht schnell, dass die fehlenden Bauern nicht direkt geschlagen worden sein können; da das ganze Offizierskorps noch vorhanden ist, müssen sich die jeweils zwei fehlenden Bauern umgewandelt haben.

So weit, so gut — und bei dem Autor nicht sonderlich überraschend: Wie können schon einmal ein „Proof Game of the Future“ vermuten, wo also zwei doppelt gesetzte Themen dargestellt werden.

Die Inventur lässt allerdings noch einige freie Züge zu, wenn wir die sichtbaren zählen: 1+0+6+2+2+3=14 bei Weiß, 2+0+5+2+2+4=15 bei Schwarz. Dann kann man noch vermuten, dass zumindest die Springer auf b1 und b8 gezogen haben müssen, um ihre westlichen Kameraden heraus zu lassen. Bei den benachbarten Läufern ist dies nicht so klar: sie können ja auch Umwandlungssteine sein, die die Original-Läuer ersetzen. Bei den Springern ist dies wegen der hohen erforderlichen Zügezahl deutlich unwahrscheinlicher.

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Retro der Woche 14/2015

Bereits vor einigen Wochen hatte ich hier eine Beweispartie des Australiers Peter Wong vorgestellt, in der es um Tempospiel geht. Wer nun vermutet, dies sei ein Thema, das Peter gern bearbeitet, so liegt der ziemlich richtig.

Drum heute ein weiteres Beispiel aus dieser Rubrik — mit diesem Hinweis und da das Stück nicht allzu lang ist, solltet ihr es unbedingt selbst lösen, falls ihr es noch nicht kennt.

Peter Wong
British Chess Magazine 1996, 2.-6. Platz
Beweispartie in 15,5 Zügen (15+13)

 

Das Zählen der im Diagramm sichtbaren Züge (0+0+2+0+2+2=6 bei Weiß, 1+0+0+0+4+4=9 bei Schwarz) hilft uns noch nicht viel weiter, aber schauen wir uns einmal an, welche Steine fehlen.

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Märchen-Beweispartien

Peter Fayers hat seine Sammlung von 500 Märchenschach-Beweispartien, angeordnet nach den verwendeten (und erklärten) Märchenbedingungen, publiziert; ihr könnt sie entweder direkt ansehen oder auch herunterladen (162 Seiten, pdf-Datei).

Ein kleines Beispiel gefällig?

Peter Fayers
Variant Chess 2010
Beweispartie in einem Zug (15+15), Superbauern, Glasgow Schach, Weiß muss Schach bieten

 

Superbauern ziehen vertikal beliebig weit, bis sie blockiert werden und schlagen diagonal. Beim Glasgow-Schach erfolgt die Umwandlung auf der vorletzten Reihe. Weiß muss, wenn er kann, Schach bieten.

1.Bxg7=S+ Lxg7. Könnt ihr euch eine kürzere Darstellung des Schnoebelen-Themas vorstellen? Ich auch nicht!

Peter freut sich über die Zusendung weiterer Beweispartien per Mail (fayers.peter(at)gmail.com), denn vollständig ist die Sammlung natürlich nicht.

Viel Spaß beim Lesen und Lösen — vielleicht kommt der eine oder andere von euch ja auch auf Ideen für eigene Märchen-Beweispartien?

Probleemblad und Problemist

In dieser Woche lagen sowohl das neueste Heft von Probleemblad (Januar bis März 2015) als auch von The Problemist (März 2015) bei mir im Briefkasten.

Neben den Urdrucken (Madrasi-Beweispartie, Hilfsretraktor sowie in der Märchenabteilung ein Anticirce Høeg-Retraktor) stellt auch Bernd Gräfrath in seiner “Proof Games and Retros” Rubrik in The Problemist wieder drei interessante Aufgaben vor; dieses Mal aus dem Schwalbe-Preisbericht 2012.

Ich hatte ja bereits darauf hingewiesen, dass Roberto Osorio (retro(at)probleemblad.nl) die Retro-Abteilung des Probleemblad übernommen hat. In seiner ersten Rubrik veröffentlicht er fünf Urdrucke (drei orthodoxe Beweispartien sowie zwei Anticirce-Procas), und eine der Beweispartien möchte ich hier (natürlich ohne Lösung!) vorstellen und euch damit zum Lösen animieren. Vielleicht seid ihr ja noch mehr motiviert, wenn ihr Robertos Einleitung lest (“surely hard to solve, with an extremely hidden maneuver”) und noch wisst, dass das Stück nicht Computer-geprüft ist.

Satoshi Hashimoto
Probleemblad 2015
Beweispartie in 22 Zügen (10+14)

10. WCCT

Die Ausschreibung zum 10. WCCT (World Chess Composition Tournament) ist nun veröffentlicht.

Wie ihr sicherlich wisst, ist dies kein Einzel- sondern ein Mannschafts-Kompositionsturnier, und jetzt endlich auch mit einer Retro-Abteilung. Dort sind orthodoxe Beweispartien mit Platzwechseln verlangt.

Sobald die organisatorischen Fragen in Deutschland über die Schwalbe geklärt sind, werde ich auch hierüber berichten — ihr könnt ja schon anfangen zu komponieren…