Retro der Woche 37/2026

Bei den Beweispartien scheint die Steigerung bei der mehrfachen Darstellung von Themen immer schwieriger zu werden. Im Retro der Woche 33/2026 hatten wir uns mit der Vierfach-Darstellung des Prentos-Themas beschäftigt — der Sprung von der Drei- auf die Vierfachsetzung ist schon so etwas wie Bob Beamons Weitsprung bei den olympischen Spielen 1968 in Mexico City …

Daher werden immer neue Möglichkeiten der Darstellung gesucht, etwa kombiniert mit anderen Themen. Heute wollen wir uns anschauen, was die beiden argentinischen Beweispartie-Spezialisten sich ausgedacht haben, dessen Ergebnis den zweiten Preis im Phénix-Retroturnier 2024, auf das wir letzte Woche bereits eingegangen waren, erreichte.

Jorge Lois & Roberto Osorio
Phénix 2024, 2. Preis
Beweispartie in 34 Zügen (13+11)

 

Die Inventur zeigt uns, dass bei Schwarz neben dem offensichtlich zu Hause geschlagenen [Lc8] noch die vier Königsflügel-Bauern fehlen. Ähnlich schaut es bei Weiß aus: [Lf1] fehlt zusammen mit zwei Bauern das Königsflügels.

Besonders auffällig aber ist der weiße Bauer auf a7: Der hat auf seinem Weg dorthin, von e2 kommend, vier Steine geschlagen: die vier fehlenden schwarzen Bauern können es nicht gewesen sein, also können wir hier eine Häufung von Umwandlungen und Opfer entweder der Original- oder der Umwandlungssteine erwarten, da ja nur Material auf dem Brett steht, das auch im Figurenkasten vorhanden ist.

Zählen wir die weißen sichtbaren Züge, so kommen wir auf 3+1+4+3+5+8=24, bei Schwarz nur auf 1+0+2+0+3+2=8. Das aber sollte uns nicht zu sehr erschrecken, denn wir hatten ja schon vier Umwandlungen mit 20 zusätzlichen Zügen einkalkuliert. Somit bleiben Schwarz nur sechs Züge, um vier Steine loszuwerden — mit anderen Worten: Schwarz muss sich sputen.

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WCCC Retro-Löseturnier

In den letzten Jahren ist es bei den Weltproblemschachtreffen WCCC feste Tradition geworden, neben den regulären Löseturnieren inoffiziell solche für Retros und Märchenaufgaben auszurichten — diese beide Arten des Problemschachs werden bei den offiziellen Turnieren ja nicht berücksichtigt.

Ich hatte wieder das Vergnügen und die Ehre, die Aufgaben für das Retro-Turnier festzulegen und dann auch das Turnier selbst zu leiten.

Gestern Nachmittag (10. August, 16:30 Uhr) trafen sich in Magdeburg 27 Problemisten, um sich mit den Retros lösend zu beschäftigen: alte Hasen, aber auch einige, die erstmals an einem Retro-Turnier teilnahmen. Spaß gemacht hat es offenbar — und an diesem Spaß möchte ich euch natürlich teilhaben lassen:

Schaut euch dazu die Erklärungen zu den Aufgaben sowie die Aufgaben selbst an; tretet damit in den virtuellen Wettkampf mit den Magdeburger Lösern und Löserinnen ein. Wenn ihr wollt, nehmt euch 90 Minuten Zeit, um die Aufgaben so gut wie möglich zu lösen — wie viele Punkte hättet ihr erreicht, wie hättet ihr abgeschnitten?

In einer Woche veröffentliche ich hier die Lösungen und das dann sicher schon offizielle Endergebnis — dann könnt ihr euren Platz selbst herausfinden.

Viel Spaß dabei!

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Wer schon auf der WCCC-Seite gespickt hat, hat natürlich die Lösungen und Ergebnisse bereits gefunden …

Retro der Woche 33/2026

Vor drei Wochen hatte ich es hier ja schon angedeutet, dass ich noch einmal auf das Thema „Häufung von Prentos-Umwandlungen“ zurückkommen wollte, und mit dem Hinweis auf den heutigen Tag konnte man vielleicht auf den Gedanken kommen, dieser Beitrag habe nun etwas mit dem gestern gestarteten WCCC in Magdeburg zu tun und/oder mit dem August-Schwalbe-Heft.

Zum Start des WCCC gestern ist auch die August-Schwalbe erschienen, daher „und“ …

Neben vielen anderen interessanten Beiträgen in diesem Heft gibt es auch den Artikel „Vierfachdarstellungen des Prentos-Themas in orthodoxen Beweispartien“ von Silvio Baier, in dem er das vorstellt, was man nach meinem erwähnten „Retro der Woche“ vielleicht schon erwarten konnte — das macht aber die Sensation nicht kleiner, denn er berichtet nicht nur von einer Darstellung, sondern gleich von sechs!

Ein wenig erinnert mich das an die Geschichte des orthodoxen Babson-Tasks: Erst Jahrzehnte lang für nicht darstellbar gehalten, dann zeigte sich, dass es doch geht — und sogleich entstanden auch andere Grund-Schemata, die dieses schwierige Thema bewältigen.

Schauen wir uns doch die Erstdarstellung aus dem Februar-Heft der Schwalbe an:

Silvio Baier, Reto Aschwanden & Jochen Schröder
Die Schwalbe 2026
Beweispartie in 24,5 Zügen (14+11)

 

Wie vor drei Wochen Homebase-Stellung, dieses mal bei Schatz — also zählen wir die sichtbaren weißen Züge: Das sind 4+1+5+3+3+5=21 — vier Züge frei!? Zunächst erkennen wir, dass in drei Zügen sowohl [Ta1] als auch [Th1] nach g4 gelangen können, dass auch beide in zwei Zügen nach g2 kommen können.

Und dann fällt sicher auf, dass der schwarze Königsturm fehlt: Den muss also der nun auf e5 stehende Springer abgeholt haben. Statt nur zwei Züge benötigte der also (mit Zwischenstop auf f4 oder e5 weitere vier Züge, um auf h8 zu schlagen — und damit sind alle weißen Züge erklärt, keine mehr frei.

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Retro der Woche 32/2026

In der gerade erschienen Ausgabe 3/2026 von Probleemblad ist die Ausschreibung zum Dirk-Borst-64 Geburtstagsturnier veröffentlicht: Gefordert sind NICHT-eindeutige Beweispartien mit der Forderung „Stellung nach dem n. Zug von Weiß (oder Schwarz)“ Zusätzliche Forderungen und/oder Bedingungen sind zulässig, nicht aber Märchenfiguren. Eine Beispiellösung soll angegeben werden, in der aber weder Zugfolge noch Züge eindeutig sein müssen.

Maximal 4 Aufgaben bis zum 24. Mai 2027 an Hans Uitenbroek (jc.uitenbroek(at)gmail.com). Preisrichter sind Dirk Borst und Hans Gruber, die 400,– € an Preisgeldern verteilen werden.

Die Ausschreibung enthält drei Beispiele, von denen ich eines heute vorstellen möchte:

Wolfgang Dittmann
feenschach 1987, 2. Preis
Stellung nach dem 38. Zug von Weiß. Wie oft zog der schwarze König? Schlagschach (16+14)

 

Nein, das ist kein Druckfehler im Südosten … In der Ausschreibung ist nur eine nackte Beispiel-Lösung ohne die Verführung angegeben, die Aufgabe ist aber, glaube ich, ohne Erläuterungen nur schwer verständlich. Und wer könnte die Lösung besser erläutern als der Autor selbst? Daher zitiere ich hier seine Besprechung aus „Der Blick zurück“ (S. 263-264) fast unverändert:

Hier hängen sowohl das Thema (Tempoverlustmanöver des sK) als auch die thematische Verführung von der Festlegung der Zügezahl ab. Ihretwegen muss Weiß sich beeilen: Die vollen 38 Züge benötigt er, weil (bei wBb5 und sBc7-c5) die Schlagalternative für Weiß, die den e. p.-Schlag vermeidet, nur lauten kann: wKb4xSa4! Der zweite sS wird im letzten Zug auf c6 geschlagen. Weiß muss viel rangieren, um seinen K nach b4 zu bringen, und entsprechend viel muss für die Rückkehr der weißen Figuren geschehen (man beachte, dass das Diagramm wTg1 und wSh1 enthält!). Die Pointe der Aufgabe liegt in der Frage, was Schwarz, der fast beliebig viele Wartezüge hat, eigentlich in der Zwischenzeit tut. Es sieht so einfach aus: Der eine S opfert sich auf a4 (von b6 kommend), der andere später auf c6 (von e5 kommend); im Übrigen führt Schwarz nur Wartezüge aus.

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Retro der Woche 30/2026

In seinem Abschlussvortrag beim Jubiläumskongress zum 100. Geburtstag der Schwalbe ihn Essen 2024 stellte Silvio Baier Beweispartien mit Dreifachsetzung des Prentos-Themas vor, bei der alle Umwandlungssteine von einem einzigen Offizier geschlagen werden; der Vortrag kann im Kongressbuch „100 Jahre Schwalbe“ nachgelesen werden.

Der allgemeine Rekord an Prentos-Umwandlungen lag schon lange bei drei, umso bemerkenswerter, dass auch diese Einschränkung in vielfältiger Weise dreifach gesetzt werden kann.

Wie bei vielen Themen ist es auch hier der Fall, dass manche Darstellungen des Themas deutlich schwerer zu realisieren sind als andere.

Hiermit wollen wir uns heute beschäftigen.

Reto Aschwanden
The Problemist 2026
Beweispartie in 21 Zügen (12+14)

 

In der sehr eleganten Homebase-Stellung des Weissen sind keine Züge direkt zu erkennen, die sichtbaren des Schwarzen wollen wir rasch zählen: 2+2+4+5+3+5=21 — Schwarz hat also keine Züge mehr frei. Daraus können wir auch schließen, dass die schwarzen Bauern auf der 4. und 5. Reihe jeweils einen Doppelschritt gemacht haben, also nicht geschlagen haben können. Und damit wissen wir auch, dass [Bb7] und [Bh7] zuhause geschlagen wurden.

Die fehlenden weißen Bauern von der a-, der g- und der h-Linie können wegen der Stellung der schwarzen Offiziere nicht direkt geschlagen worden sein; sie müssen sich also umgewandelt haben

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Retro der Woche 29/2026

Vor fünf Jahren erschien der Preisbericht zum 17. Thematurnier von Phénix; das hatte sich der neuen Märchenbedingung „Breton“ (Bretonisches Schach) gewidmet und war für alle Problemgattungen offen. Es zeigte sich, dass man mit dieser Bedingung, eigentlich eher einer Bedingungsfamilie, auch klasse Retros bauen kann.

Aber zuerst die Definition für Breton, entnommen dem Märchenschachlexikon der Schwalbe: „Als Teil eines Schlagzuges wird neben dem Schlagopfer ein Stein derselben Art der Partei des Schlagtäters vom Brett entfernt, sofern einer vorhanden ist. Stehen hierfür mehrere Steine zur Auswahl, entscheidet die Partei des Schlagtäters, welcher Stein entfernt wird.“

Bei unserer heutigen Aufgabe haben wir es mit Breton adverse zu tun: Hier verschwindet, wie man vermuten kann, zusätzlich ein Stein derselben Art der Partei des Schlagopfers.

Michel Caillaud (wer sonst?) steuerte für dieses Turnier das bestplatzierte Retro bei.

Michel Caillaud
Phénix 17. Thematurnier 2021, 4. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 26 Zügen, Breton advers (11+16)

 

Trotz der ganz neuen Märchenbedingung nicht allzu schwer zu lösen, finde ich — und das wollen wir uns nun anschauen, wie wir da vorgehen können.

Wie üblich schauen wir danach, was fehlt? Das sind bei Weiß vier Bauern sowie die Dame — und sichtbare weiße Züge; wir haben also eine weiße Homebase.

Bei Schwarz sind noch alle Mann an Bord, auffällig ist natürlich die Bauernstruktur, die zeigt, dass die schwarzen a- bis e-Bauern jeweils „nach Osten“ geschlagen haben.

Und damit haben wir eigentlich das Problem schon ideenmäßig gelöst!

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Retro der Woche 27/2026

Gestern hatte ich hier im Blog auf die Kompositionsturniere im Rahmen des WCCC 2026 in Magdeburg hingewiesen und dabei besonders das traditionelle Champagne Retro-Turnier erwähnt, das schon seit vielen Jahren Michel Caillaud und Éric Pichouron gemeinsam in wechselnden Rollen als Direktor bzw. Preisrichter ausrichten.

Die beiden können aber nicht nur gemeinsam organisieren, sondern auch erfolgreich komponieren. Als Beispiel möchte ich euch eine ziemlich kurze Beweispartie der beiden vorstellen, mit der sie vor fünf Jahren den zweiten Preis im Phénix Retro-Informalturnier gewinnen konnten.

Éric Pichouron & Michel Caillaud
Phénix 2021, 2. Preis
Beweispartie in 15 Zügen (13+15)

 

Na, wenn das keine Stellung ist, die gleich zum Lösen einlädt, dann weiß ich es auch nicht: überschaubare Zügezahl, weiße Home Base Stellung, und bei Schwarz eine Menge sichtbare Züge, die wir auch gleich zählen wollen:

Wir sehen 2+0+3+3+2+5=15 schwarze Züge — also alle, die Schwarz ausgeführt hat!

Nun könnte man einwenden, dass meine drei gezählten Züge des sTc3 aber reichlich bemessen seien, er könne ja schließlich auch über a3 in zwei Zügen nach c3 gelangt sein. Richtig — aber dann müssen wir zwei Züge für [sBa7] ansetzen, damit der dem Turm Platz schaffen kann: In Summe ändert sich also nichts.

Diese beiden Steine sind damit auch die einzigen, deren Weg nicht komplett eindeutig aus dem Diagramm abzulesen ist.

Und daraus kann man schon eine ganze Menge mehr ableiten!

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