Retro der Woche 42/2026

Gestern ging eine Ära zu Ende: Letztmalig erschien in der Stuttgarter Zeitung ein Urdruck. Die Schachrubrik dort hatte eine große Tradition: Seit mehr als 75 Jahren hatte sie einen hervorragenden Ruf, wurde beinahe 50 Jahre lang bis zu seinem Tod von Theo Schuster (3. April 1911 bis 1. September 1998) geleitet, seitdem, also seit 28 Jahren, von Harald Keilhack.

Keilhack, ein starker Partiespieler mit höchster ELO-Zahl über 2.300 und auch jetzt mit über 60 Jahren noch über 2.200, hat nicht nur kompetent von Partieschach-Turnieren berichtet, sondern stets auch sein Augenmerk aufs Problemschach gerichtet. Und speziell in seinen „Weihnachtsrätseln“ mit stets weit über den Verbreitungsraum der StZ reichendem internationalen Teilnehmerkreis hat er sich auf populäre, dennoch inhaltsreiche Retros konzentriert — auch, weil die eben nicht per Computer „gelöst“ werden können. Wichtige Autoren waren, sicher nicht nur wegen des „Lokalkolorits“, Günther Weeth und besonders Werner Keym, auch natürlich Josef Haas.

Konsequenterweise erschien gestern als letzter Urdruck (Nr. 5533) ein zum Lösen einladendes Retrostück von Werner Keym.

Werner Keym
Stuttgarter Zeitung 10.10.2026
Ergänze den schwarzen König, dann Matt in zwei Zügen. Wie viele Lösungen? (14+4)

 

Hier kann man natürlich alle (wenn ich mich nicht verzählt habe: 21) Felder, auf denen der schwarze König nicht im Schach stünde, ausprobieren. Und wenn man dann sein Prüfprogramm fragt, sollte man ja die Lösung finden? So viel sei schon verraten: Wer das glaubt, kennt aber Werner Keym schlecht …

Versuchen wir es also lieber „thematisch“: Ein potenzielles Feld für den schwarzen König springt gleich ins Auge, wenn man sich die weißen Steine im Südwesten anschaut, und da findet sich auch schnell ein Matt.

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Stelvio 4.6

Leider erst mit zwei Tagen „Verspätung“ wegen des „Schwalbe-Wochenendes“ komme ich dazu, Reto Aschwandens neue Version 4.6 von Stelvio bereitzustellen. Sie enthält einige funktionale Erweiterungen (erlaubt unter bestimmten Umständen, Inkorrektheiten deutlich schneller zu finden) sowie Verbesserungen an den Lösungs-Ausgaben und ist daher allen Nutzern zur Aktualisierung empfohlen — schaut in diesem Zusammenhang speziell nach den Neuigkeiten der Version 4.6!

Retro der Woche 41/2026

Heute geht in Görlitz das Jahrestreffen der Schwalbe zu Ende, und da will ich noch einmal auf das diesjährige Andernach-Treffen, das vor genau 20 Wochen endete, zurückkommen. Direkt anschließend konnte ich noch nicht vom Retro-Märchen-Thematurnier berichten, da der Preisbericht noch nicht ganz fertiggestellt war — und anschließend ist es mir durchgerutscht, davon zu berichten. Das soll nun heute nachgeholt werden.

Zur Einstimmung empfehle ich euch, noch einmal den Bericht im Retro der Woche 21/2026 nachzulesen; dort wird auch die Bedingung des Thematurniers erläutert:

Beim #C-Schach (C=Color) wechseln nach einem Mattzug alle Steine, die den König bedrohen, die Farbe und das Spiel wird fortgesetzt, es sei denn, dieser Wechsel führt zu einem Selbstschach.

Beinahe traditionell entstanden auch beim diesjährigen Andernach-Thematurnier besonders bei den Retros bemerkenswert gute Probleme; das Siegerstück möchte ich euch heute vorstellen.

Joost Michielsen
Thematurnier Andernach 2026, Abt. 2, 1. Preis
Beweispartie in 18 Zügen, #C-Schach (14+14)

 

Zählen wir ganz „orthodox“ die sichtbaren Züge bei Schwarz: 2+2+2+4+3+5=18: Damit sind alle schwarzen Züge erklärt — speziell schließen wir daraus, dass die fehlenden schwarzen [Be7] und [Lf8] zuhause geschlagen werden mussten: Für sie steht ja kein Zug mehr zur Verfügung.

Bei Weiß fehlt [Ba2], der durch den schwarzen Läufer auf seinem Weg nach b1 geschlagen worden sein kann. Spannender aber ist die Geschichte des [Bd2]: Er muss zumindest auf e7 geschlagen haben, da er auf der d-Linie durch Schwarz nicht beseitigt werden konnte.

Zählen wir auch die sichtbaren weißen Züge (und lassen wir dabei erst einmal wTa5 außen vor), so sehen wir 3+3+0+0+2+1=9. Wir wissen, dass [Bd2] mindestens vier Züge gemacht haben muss, ferner muss wTa5 irgendwie hinter die schwarze Bauernphalanx gekommen sein, und dafür benötigt er mindestens vier weitere Züge, sodass wir 17 weiße Züge sehen — und nun noch exakt einen Zug übrig haben, um sLf8 verschwinden zu lassen.

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Retro der Woche 39/2026

Silvio Baier hat nicht nur die vor einigen Tagen hier veröffentlichte Übersicht von Beweispartien mit der Themenverbindung „Ceriani-Frolkin und Pronkin“ zusammengestellt, sondern wesentlich selbst be- und erarbeitet.

Das wird schon an ein wenig Statistik deutlich: Von den 94 dort wiedergegebenen Aufgaben stammen 77 (!) aus seiner Dresdner Werkstatt, hinzu kommt eine Aufgabe, an der er als Co-Autor beteiligt war: Das ist ein „Eigenanteil“ von 83%!

Eines der neuesten Stücke aus dieser Veröffentlichung möchte ich heute mit euch zusammen anschauen:

Silvio Baier
The Hopper Magazine 2026
Beweispartie in 29,5 Zügen (14+11)

 

Zunächst fällt beim Blick aufs Diagramm der schwarze Umwandlungsläufer auf: Der muss aus dem [Ba7] entstanden sein, der dann mittels a2xXb1=L umwandelte: Der neu entstandene Läufer kann ja den Südwest-Käfig nie verlassen haben. Und zusammen mit dxYc6 sind beide schwarze Schlagfälle geklärt.

Bei Weiß fehlen nur zwei Bauern auf dem Königsflügel — die müssen sich also beide umgewandelt haben, um sich selbst in Westen schlagen zu lassen oder ein originales Schlagopfer zu ersetzen.

Rechnet man für die Schlagbilanz den sLa2 als a-Bauer, so stellt man fest, dass neben der Dame bei Schwarz genau die vier Bauern des Königsflügels fehlen. Drei Schlagfälle durch Weiß sehen wir auf b3, c3 und d3; die beiden anderen sind noch verborgen — wir hegen aber schon einmal den Verdacht, dass es sich hier um das Schlagen von Originalbauern handelt, die damit den Weg zur doppelten Umwandlung des Weißen freigeben.

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Ceriani-Frolkin und Pronkin

Silvio Baier beschäftigt sich schon lange intensiv mit „Beweispartien der Zukunft“ (FPG, Future Proof Games), speziell mit der Verbindung von Ceriani-Frolkin-Thema und Pronkin-Thema, wie einige Artikel von ihm aus der letzten Zeit belegen.

Nun hat er alle ihm bekannten dargestellten Kombinationen von CF/PR mit FPG-artigen Verteilungen (4+0 oder 2+2 und paarweisen Figurentypen bzw. AUW) zusammengestellt, die er dankenswerter Weise hier im Blog veröffentlicht. Eine hochinteressante Sammlung von 94 (bei dieser Themenverbindung quasi automatisch) hochklassigen Aufgaben — viel Vergnügen beim Studium und Nachspielen!

Denkovski-80-Gedenkturnier

Zum Gedenken an den 80. Geburtstag von Gligor Denkovski (20.8.1946–15.1.2015) schreibt sein Sohn Ivan ein Gedenkturnier aus; in Abteilung B sind orthodoxe Beweispartien (freies Thema) verlangt. Einsendungen bis zum 15.2.2027 an ihn (denkovski (at) hotmail.com); die Ausschreibung findet ihr hier.

Retro der Woche 37/2026

Bei den Beweispartien scheint die Steigerung bei der mehrfachen Darstellung von Themen immer schwieriger zu werden. Im Retro der Woche 33/2026 hatten wir uns mit der Vierfach-Darstellung des Prentos-Themas beschäftigt — der Sprung von der Drei- auf die Vierfachsetzung ist schon so etwas wie Bob Beamons Weitsprung bei den olympischen Spielen 1968 in Mexico City …

Daher werden immer neue Möglichkeiten der Darstellung gesucht, etwa kombiniert mit anderen Themen. Heute wollen wir uns anschauen, was die beiden argentinischen Beweispartie-Spezialisten sich ausgedacht haben, dessen Ergebnis den zweiten Preis im Phénix-Retroturnier 2024, auf das wir letzte Woche bereits eingegangen waren, erreichte.

Jorge Lois & Roberto Osorio
Phénix 2024, 2. Preis
Beweispartie in 34 Zügen (13+11)

 

Die Inventur zeigt uns, dass bei Schwarz neben dem offensichtlich zu Hause geschlagenen [Lc8] noch die vier Königsflügel-Bauern fehlen. Ähnlich schaut es bei Weiß aus: [Lf1] fehlt zusammen mit zwei Bauern das Königsflügels.

Besonders auffällig aber ist der weiße Bauer auf a7: Der hat auf seinem Weg dorthin, von e2 kommend, vier Steine geschlagen: die vier fehlenden schwarzen Bauern können es nicht gewesen sein, also können wir hier eine Häufung von Umwandlungen und Opfer entweder der Original- oder der Umwandlungssteine erwarten, da ja nur Material auf dem Brett steht, das auch im Figurenkasten vorhanden ist.

Zählen wir die weißen sichtbaren Züge, so kommen wir auf 3+1+4+3+5+8=24, bei Schwarz nur auf 1+0+2+0+3+2=8. Das aber sollte uns nicht zu sehr erschrecken, denn wir hatten ja schon vier Umwandlungen mit 20 zusätzlichen Zügen einkalkuliert. Somit bleiben Schwarz nur sechs Züge, um vier Steine loszuwerden — mit anderen Worten: Schwarz muss sich sputen.

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WCCC Retro-Löseturnier

In den letzten Jahren ist es bei den Weltproblemschachtreffen WCCC feste Tradition geworden, neben den regulären Löseturnieren inoffiziell solche für Retros und Märchenaufgaben auszurichten — diese beide Arten des Problemschachs werden bei den offiziellen Turnieren ja nicht berücksichtigt.

Ich hatte wieder das Vergnügen und die Ehre, die Aufgaben für das Retro-Turnier festzulegen und dann auch das Turnier selbst zu leiten.

Gestern Nachmittag (10. August, 16:30 Uhr) trafen sich in Magdeburg 27 Problemisten, um sich mit den Retros lösend zu beschäftigen: alte Hasen, aber auch einige, die erstmals an einem Retro-Turnier teilnahmen. Spaß gemacht hat es offenbar — und an diesem Spaß möchte ich euch natürlich teilhaben lassen:

Schaut euch dazu die Erklärungen zu den Aufgaben sowie die Aufgaben selbst an; tretet damit in den virtuellen Wettkampf mit den Magdeburger Lösern und Löserinnen ein. Wenn ihr wollt, nehmt euch 90 Minuten Zeit, um die Aufgaben so gut wie möglich zu lösen — wie viele Punkte hättet ihr erreicht, wie hättet ihr abgeschnitten?

In einer Woche veröffentliche ich hier die Lösungen und das dann sicher schon offizielle Endergebnis — dann könnt ihr euren Platz selbst herausfinden.

Viel Spaß dabei!

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Wer schon auf der WCCC-Seite gespickt hat, hat natürlich die Lösungen und Ergebnisse bereits gefunden …