Retro der Woche 44/2026

Im letzten Retro der Woche habe ich begonnen, einige Aufgaben aus dem Kostas-Prentos-Geburtstagsturnier vorzustellen. Angefangen hatte ich mit einer orthodoxen Beweispartie, heute möchte ich das höchstplatzierte Märchen-Retro, ebenfalls eine Beweispartie, vorstellen.

„make&take“ ist eine ziemlich wilde Märchenbedingung, die das Schwalbe-Lexikon so definiert, wobei ich viele Feinheiten erst einmal weglasse: „Ein Schlagzug besteht aus der Zusammensetzung eines Normalschachschlags und eines nichtschlagenden Zuges. Ein Stein X wird durch einen Stein Y der anderen Partei geschlagen, indem Y zunächst einen nichtschlagenden Zug in der Gangart von X ausführt und daran anschließend, aber als Bestandteil desselben Zuges, den Stein X gemäß Normalschachregeln schlägt. Ohne einen vorangehenden make-Teil kann kein Schlag ausgeführt werden.“

Das ist schon ziemlich vogelwild; damit ist ein Narrenmatt scheinbar im ersten schwarzen Zug möglich, zum Beispiel 1.g2-g3 Bb7-g2xf1=T#?! Der schwarze b-Bauer will den weißen Läufer schlagen, zieht dazu also nichtschlagend wie ein Läiufer, um ihn dann nach Bauern-Manier zu schlagen. Da nach der Umwandlung der weiße König keinen schlagfreien Turmzug hat, ist es also matt? Nein, denn auch Schwarz hat ja für den Umwandlungsturm keinen schlagfreien Zug à la König, um dann als Turm zu schlagen. Andererseits ist nun welcher Stein gefesselt?

Jochen Schröder
Kostas-Prentos-60-Turnier, 6. Preis
Beweispartie in 9.5 Zügen, make&take (12+11)

 

Mit diesen Überlegungen wissen wir schon eine Menge über den letzten weißen Zug, denn der schwarze König steht im Schach (D-g7xKf7). Also muss die Dame nach h8 gezogen haben. Und sie muss dort durch Umwandlung entstanden sein. Kann sie nicht als Dame schlagend dorthin gelangt sein? Nein, denn sie hätte immer erst nach g7 ziehen müssen — und von dort hätte natürlich bereits der schwarze König im Schach gestanden.

Stünde allerdings der wTc8 auf g3, so wäre als letzter Zug Tg7-g3+ möglich gewesen — ihr sehrt schon, da gehen die verrücktesten Sachen!

Vielleicht versucht ihr noch herauszufinden, ob wTc8 oder sLc1 notwendig Umwandlungssteine sein müssen oder ob sie auch als Originalsteine dorthin gezogen haben könnten?

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Retro der Woche 43/2026

Am 10. Oktober hatte ich auf den Preisbericht des Kostas-Prentos-Geburtstagsturnier aufmerksam gemacht und angekündigt, darauf zurück zu kommen — damit will ich heute beginnen.

Gefordert waren jede Art von Retroproblemen, in denen ein Original-Offizier A (nicht umgewandelt) von einem anderen Offizier B geschlagen wird; später wandelt ein Bauer der Partei von A in einen Stein vom Typ A um.

Den ersten Platz gewann ein bemerkenswert zeitökonomischer Allumwandlungs-Task von Christoph Fieberg: herzlichen Glückwunsch dazu! Als Aufgabe zum Lösen eignet sich das Stück vielleicht weniger — schaut es euch direkt im Preisbericht an.

Die zweitplatzierte Aufgabe zeigt das Thema „nur“ zwei Mal, aber auf bemerkenswerte Weise; ich lade euch herzlich ein, euch selbst mit der Aufgabe zu beschäftigen.

Mark Kirtley
Kostat-Prentos-60-Turnier, 2. Preis
Beweispartie in 18.0 Zügen (14+14)

 

„Ein äußerst originelles Konzept“ schreibt der Jubilar in seinem Preisbericht und beschreibt die Aufgabe weiter, wobei ich zumindest einige Details hier auslasse, um nicht allzu viel vorab zu verraten: „Zwei … Figuren werden zu Hause von … Figuren geschlagen, die später… Zudem werden zwei … Bauern zu Figuren derselben Art wie die Opfer umgewandelt.“

Bemerkenswert ist ja schon, dass von der Schlagbilanz zumindest drei der vier Offiziere auf der gegnerischen Grundreihe durch Umwandlung entstanden sein könnten — aber alle vier könnten auch die Originalsteine sein. OK, dies scheidet aus, weil wir ja das Turnierthema kennen …

Warum hat es überhaupt Umwandlungen gegeben? Die fehlenden weiß-schwarzen Bauernpärchen standen ja auf benachbarten Reihen; das Schlagen ist dann häufig die einfachste Sache, erst einmal einen loszuwerden.

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Retro der Woche 42/2026

Gestern ging eine Ära zu Ende: Letztmalig erschien in der Stuttgarter Zeitung ein Urdruck. Die Schachrubrik dort hatte eine große Tradition: Seit mehr als 75 Jahren hatte sie einen hervorragenden Ruf, wurde beinahe 50 Jahre lang bis zu seinem Tod von Theo Schuster (3. April 1911 bis 1. September 1998) geleitet, seitdem, also seit 28 Jahren, von Harald Keilhack.

Keilhack, ein starker Partiespieler mit höchster ELO-Zahl über 2.300 und auch jetzt mit über 60 Jahren noch über 2.200, hat nicht nur kompetent von Partieschach-Turnieren berichtet, sondern stets auch sein Augenmerk aufs Problemschach gerichtet. Und speziell in seinen „Weihnachtsrätseln“ mit stets weit über den Verbreitungsraum der StZ reichendem internationalen Teilnehmerkreis hat er sich auf populäre, dennoch inhaltsreiche Retros konzentriert — auch, weil die eben nicht per Computer „gelöst“ werden können. Wichtige Autoren waren, sicher nicht nur wegen des „Lokalkolorits“, Günther Weeth und besonders Werner Keym, auch natürlich Josef Haas.

Konsequenterweise erschien gestern als letzter Urdruck (Nr. 5533) ein zum Lösen einladendes Retrostück von Werner Keym.

Werner Keym
Stuttgarter Zeitung 10.10.2026
Ergänze den schwarzen König, dann Matt in zwei Zügen. Wie viele Lösungen? (14+4)

 

Hier kann man natürlich alle (wenn ich mich nicht verzählt habe: 21) Felder, auf denen der schwarze König nicht im Schach stünde, ausprobieren. Und wenn man dann sein Prüfprogramm fragt, sollte man ja die Lösung finden? So viel sei schon verraten: Wer das glaubt, kennt aber Werner Keym schlecht …

Versuchen wir es also lieber „thematisch“: Ein potenzielles Feld für den schwarzen König springt gleich ins Auge, wenn man sich die weißen Steine im Südwesten anschaut, und da findet sich auch schnell ein Matt.

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Stelvio 4.6

Leider erst mit zwei Tagen „Verspätung“ wegen des „Schwalbe-Wochenendes“ komme ich dazu, Reto Aschwandens neue Version 4.6 von Stelvio bereitzustellen. Sie enthält einige funktionale Erweiterungen (erlaubt unter bestimmten Umständen, Inkorrektheiten deutlich schneller zu finden) sowie Verbesserungen an den Lösungs-Ausgaben und ist daher allen Nutzern zur Aktualisierung empfohlen — schaut in diesem Zusammenhang speziell nach den Neuigkeiten der Version 4.6!

Retro der Woche 41/2026

Heute geht in Görlitz das Jahrestreffen der Schwalbe zu Ende, und da will ich noch einmal auf das diesjährige Andernach-Treffen, das vor genau 20 Wochen endete, zurückkommen. Direkt anschließend konnte ich noch nicht vom Retro-Märchen-Thematurnier berichten, da der Preisbericht noch nicht ganz fertiggestellt war — und anschließend ist es mir durchgerutscht, davon zu berichten. Das soll nun heute nachgeholt werden.

Zur Einstimmung empfehle ich euch, noch einmal den Bericht im Retro der Woche 21/2026 nachzulesen; dort wird auch die Bedingung des Thematurniers erläutert:

Beim #C-Schach (C=Color) wechseln nach einem Mattzug alle Steine, die den König bedrohen, die Farbe und das Spiel wird fortgesetzt, es sei denn, dieser Wechsel führt zu einem Selbstschach.

Beinahe traditionell entstanden auch beim diesjährigen Andernach-Thematurnier besonders bei den Retros bemerkenswert gute Probleme; das Siegerstück möchte ich euch heute vorstellen.

Joost Michielsen
Thematurnier Andernach 2026, Abt. 2, 1. Preis
Beweispartie in 18 Zügen, #C-Schach (14+14)

 

Zählen wir ganz „orthodox“ die sichtbaren Züge bei Schwarz: 2+2+2+4+3+5=18: Damit sind alle schwarzen Züge erklärt — speziell schließen wir daraus, dass die fehlenden schwarzen [Be7] und [Lf8] zuhause geschlagen werden mussten: Für sie steht ja kein Zug mehr zur Verfügung.

Bei Weiß fehlt [Ba2], der durch den schwarzen Läufer auf seinem Weg nach b1 geschlagen worden sein kann. Spannender aber ist die Geschichte des [Bd2]: Er muss zumindest auf e7 geschlagen haben, da er auf der d-Linie durch Schwarz nicht beseitigt werden konnte.

Zählen wir auch die sichtbaren weißen Züge (und lassen wir dabei erst einmal wTa5 außen vor), so sehen wir 3+3+0+0+2+1=9. Wir wissen, dass [Bd2] mindestens vier Züge gemacht haben muss, ferner muss wTa5 irgendwie hinter die schwarze Bauernphalanx gekommen sein, und dafür benötigt er mindestens vier weitere Züge, sodass wir 17 weiße Züge sehen — und nun noch exakt einen Zug übrig haben, um sLf8 verschwinden zu lassen.

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Retro der Woche 39/2026

Silvio Baier hat nicht nur die vor einigen Tagen hier veröffentlichte Übersicht von Beweispartien mit der Themenverbindung „Ceriani-Frolkin und Pronkin“ zusammengestellt, sondern wesentlich selbst be- und erarbeitet.

Das wird schon an ein wenig Statistik deutlich: Von den 94 dort wiedergegebenen Aufgaben stammen 77 (!) aus seiner Dresdner Werkstatt, hinzu kommt eine Aufgabe, an der er als Co-Autor beteiligt war: Das ist ein „Eigenanteil“ von 83%!

Eines der neuesten Stücke aus dieser Veröffentlichung möchte ich heute mit euch zusammen anschauen:

Silvio Baier
The Hopper Magazine 2026
Beweispartie in 29,5 Zügen (14+11)

 

Zunächst fällt beim Blick aufs Diagramm der schwarze Umwandlungsläufer auf: Der muss aus dem [Ba7] entstanden sein, der dann mittels a2xXb1=L umwandelte: Der neu entstandene Läufer kann ja den Südwest-Käfig nie verlassen haben. Und zusammen mit dxYc6 sind beide schwarze Schlagfälle geklärt.

Bei Weiß fehlen nur zwei Bauern auf dem Königsflügel — die müssen sich also beide umgewandelt haben, um sich selbst in Westen schlagen zu lassen oder ein originales Schlagopfer zu ersetzen.

Rechnet man für die Schlagbilanz den sLa2 als a-Bauer, so stellt man fest, dass neben der Dame bei Schwarz genau die vier Bauern des Königsflügels fehlen. Drei Schlagfälle durch Weiß sehen wir auf b3, c3 und d3; die beiden anderen sind noch verborgen — wir hegen aber schon einmal den Verdacht, dass es sich hier um das Schlagen von Originalbauern handelt, die damit den Weg zur doppelten Umwandlung des Weißen freigeben.

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Ceriani-Frolkin und Pronkin

Silvio Baier beschäftigt sich schon lange intensiv mit „Beweispartien der Zukunft“ (FPG, Future Proof Games), speziell mit der Verbindung von Ceriani-Frolkin-Thema und Pronkin-Thema, wie einige Artikel von ihm aus der letzten Zeit belegen.

Nun hat er alle ihm bekannten dargestellten Kombinationen von CF/PR mit FPG-artigen Verteilungen (4+0 oder 2+2 und paarweisen Figurentypen bzw. AUW) zusammengestellt, die er dankenswerter Weise hier im Blog veröffentlicht. Eine hochinteressante Sammlung von 94 (bei dieser Themenverbindung quasi automatisch) hochklassigen Aufgaben — viel Vergnügen beim Studium und Nachspielen!

Denkovski-80-Gedenkturnier

Zum Gedenken an den 80. Geburtstag von Gligor Denkovski (20.8.1946–15.1.2015) schreibt sein Sohn Ivan ein Gedenkturnier aus; in Abteilung B sind orthodoxe Beweispartien (freies Thema) verlangt. Einsendungen bis zum 15.2.2027 an ihn (denkovski (at) hotmail.com); die Ausschreibung findet ihr hier.