Retro der Woche 43/2026

Am 10. Oktober hatte ich auf den Preisbericht des Kostas-Prentos-Geburtstagsturnier aufmerksam gemacht und angekündigt, darauf zurück zu kommen — damit will ich heute beginnen.

Gefordert waren jede Art von Retroproblemen, in denen ein Original-Offizier A (nicht umgewandelt) von einem anderen Offizier B geschlagen wird; später wandelt ein Bauer der Partei von A in einen Stein vom Typ A um.

Den ersten Platz gewann ein bemerkenswert zeitökonomischer Allumwandlungs-Task von Christoph Fieberg: herzlichen Glückwunsch dazu! Als Aufgabe zum Lösen eignet sich das Stück vielleicht weniger — schaut es euch direkt im Preisbericht an.

Die zweitplatzierte Aufgabe zeigt das Thema „nur“ zwei Mal, aber auf bemerkenswerte Weise; ich lade euch herzlich ein, euch selbst mit der Aufgabe zu beschäftigen.

Mark Kirtley
Kostat-Prentos-60-Turnier, 2. Preis
Beweispartie in 18.0 Zügen (14+14)

 

„Ein äußerst originelles Konzept“ schreibt der Jubilar in seinem Preisbericht und beschreibt die Aufgabe weiter, wobei ich zumindest einige Details hier auslasse, um nicht allzu viel vorab zu verraten: „Zwei … Figuren werden zu Hause von … Figuren geschlagen, die später… Zudem werden zwei … Bauern zu Figuren derselben Art wie die Opfer umgewandelt.“

Bemerkenswert ist ja schon, dass von der Schlagbilanz zumindest drei der vier Offiziere auf der gegnerischen Grundreihe durch Umwandlung entstanden sein könnten — aber alle vier könnten auch die Originalsteine sein. OK, dies scheidet aus, weil wir ja das Turnierthema kennen …

Warum hat es überhaupt Umwandlungen gegeben? Die fehlenden weiß-schwarzen Bauernpärchen standen ja auf benachbarten Reihen; das Schlagen ist dann häufig die einfachste Sache, erst einmal einen loszuwerden.

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Retro der Woche 42/2026

Gestern ging eine Ära zu Ende: Letztmalig erschien in der Stuttgarter Zeitung ein Urdruck. Die Schachrubrik dort hatte eine große Tradition: Seit mehr als 75 Jahren hatte sie einen hervorragenden Ruf, wurde beinahe 50 Jahre lang bis zu seinem Tod von Theo Schuster (3. April 1911 bis 1. September 1998) geleitet, seitdem, also seit 28 Jahren, von Harald Keilhack.

Keilhack, ein starker Partiespieler mit höchster ELO-Zahl über 2.300 und auch jetzt mit über 60 Jahren noch über 2.200, hat nicht nur kompetent von Partieschach-Turnieren berichtet, sondern stets auch sein Augenmerk aufs Problemschach gerichtet. Und speziell in seinen „Weihnachtsrätseln“ mit stets weit über den Verbreitungsraum der StZ reichendem internationalen Teilnehmerkreis hat er sich auf populäre, dennoch inhaltsreiche Retros konzentriert — auch, weil die eben nicht per Computer „gelöst“ werden können. Wichtige Autoren waren, sicher nicht nur wegen des „Lokalkolorits“, Günther Weeth und besonders Werner Keym, auch natürlich Josef Haas.

Konsequenterweise erschien gestern als letzter Urdruck (Nr. 5533) ein zum Lösen einladendes Retrostück von Werner Keym.

Werner Keym
Stuttgarter Zeitung 10.10.2026
Ergänze den schwarzen König, dann Matt in zwei Zügen. Wie viele Lösungen? (14+4)

 

Hier kann man natürlich alle (wenn ich mich nicht verzählt habe: 21) Felder, auf denen der schwarze König nicht im Schach stünde, ausprobieren. Und wenn man dann sein Prüfprogramm fragt, sollte man ja die Lösung finden? So viel sei schon verraten: Wer das glaubt, kennt aber Werner Keym schlecht …

Versuchen wir es also lieber „thematisch“: Ein potenzielles Feld für den schwarzen König springt gleich ins Auge, wenn man sich die weißen Steine im Südwesten anschaut, und da findet sich auch schnell ein Matt.

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Retro der Woche 41/2026

Heute geht in Görlitz das Jahrestreffen der Schwalbe zu Ende, und da will ich noch einmal auf das diesjährige Andernach-Treffen, das vor genau 20 Wochen endete, zurückkommen. Direkt anschließend konnte ich noch nicht vom Retro-Märchen-Thematurnier berichten, da der Preisbericht noch nicht ganz fertiggestellt war — und anschließend ist es mir durchgerutscht, davon zu berichten. Das soll nun heute nachgeholt werden.

Zur Einstimmung empfehle ich euch, noch einmal den Bericht im Retro der Woche 21/2026 nachzulesen; dort wird auch die Bedingung des Thematurniers erläutert:

Beim #C-Schach (C=Color) wechseln nach einem Mattzug alle Steine, die den König bedrohen, die Farbe und das Spiel wird fortgesetzt, es sei denn, dieser Wechsel führt zu einem Selbstschach.

Beinahe traditionell entstanden auch beim diesjährigen Andernach-Thematurnier besonders bei den Retros bemerkenswert gute Probleme; das Siegerstück möchte ich euch heute vorstellen.

Joost Michielsen
Thematurnier Andernach 2026, Abt. 2, 1. Preis
Beweispartie in 18 Zügen, #C-Schach (14+14)

 

Zählen wir ganz „orthodox“ die sichtbaren Züge bei Schwarz: 2+2+2+4+3+5=18: Damit sind alle schwarzen Züge erklärt — speziell schließen wir daraus, dass die fehlenden schwarzen [Be7] und [Lf8] zuhause geschlagen werden mussten: Für sie steht ja kein Zug mehr zur Verfügung.

Bei Weiß fehlt [Ba2], der durch den schwarzen Läufer auf seinem Weg nach b1 geschlagen worden sein kann. Spannender aber ist die Geschichte des [Bd2]: Er muss zumindest auf e7 geschlagen haben, da er auf der d-Linie durch Schwarz nicht beseitigt werden konnte.

Zählen wir auch die sichtbaren weißen Züge (und lassen wir dabei erst einmal wTa5 außen vor), so sehen wir 3+3+0+0+2+1=9. Wir wissen, dass [Bd2] mindestens vier Züge gemacht haben muss, ferner muss wTa5 irgendwie hinter die schwarze Bauernphalanx gekommen sein, und dafür benötigt er mindestens vier weitere Züge, sodass wir 17 weiße Züge sehen — und nun noch exakt einen Zug übrig haben, um sLf8 verschwinden zu lassen.

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Retro der Woche 40/2026

Ich komme noch einmal auf den Retro-Preisbericht von Phénix für das Jahr 2024 zurück: Nachdem wir in den Retros der Woche 36 und 37 bereits zwei Preisträger, ein klassisches Retro und eine Beweispartie, gesehen hatten, soll nun ein orthodoxer Verteidigungsrückzüger folgen. Wir erinnern uns: Schwarz versucht mit seiner (natürlich nur legaler) Rücknahme zu verhindern, dass Weiß nach der angegebenen Retro-Zügezahl sein Vorwärts-Ziel erreichen kann. Beim Typ Proca bestimmt jede Partei selbst, ob ihr Rücknahmezug einen Schlagfall darstellt und bestimmt auch den entschlafenen Stein — natürlich gilt auch hierfür die Legalität als Voraussetzung.

Joaquím Crusats
Phénix 2024, Spezialpreis
-9 & #1 VRZ Proca (12+8)

 

Sieben der acht fehlenden schwarzen Steine können im Diagramm direkt nachvollzogen werden: Es fehlt [Lf8], der offensichtlich zu Hause geschlagen wurde, und die weißen Bauern haben sechs Mal geschlagen — wie genau, können wir nicht erkennen. Aber z.B. könnte einer der Bauern auf der c-Linie von a2 kommen, und wBd6 von h2: Insgesamt sind für die weiße Bauernstruktur mindestens sechs Schläge erforderlich.

Müsste Schwarz nach einem Warte-Rückzug, z.B. R: 1.e2-e3 mit 1.– h7-h6 antworten, wären wir schon am Ende: R: 2.Sh6xTg8 & vor 1.Sf7# — aber Schwarz nimmt natürlich schlauer 1.– Kh7-h8 zurück.

Nun gilt es einen Weg zu finden, Schwarz genau zu der „schlechten“ Rücknahme zu zwingen.

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Retro der Woche 39/2026

Silvio Baier hat nicht nur die vor einigen Tagen hier veröffentlichte Übersicht von Beweispartien mit der Themenverbindung „Ceriani-Frolkin und Pronkin“ zusammengestellt, sondern wesentlich selbst be- und erarbeitet.

Das wird schon an ein wenig Statistik deutlich: Von den 94 dort wiedergegebenen Aufgaben stammen 77 (!) aus seiner Dresdner Werkstatt, hinzu kommt eine Aufgabe, an der er als Co-Autor beteiligt war: Das ist ein „Eigenanteil“ von 83%!

Eines der neuesten Stücke aus dieser Veröffentlichung möchte ich heute mit euch zusammen anschauen:

Silvio Baier
The Hopper Magazine 2026
Beweispartie in 29,5 Zügen (14+11)

 

Zunächst fällt beim Blick aufs Diagramm der schwarze Umwandlungsläufer auf: Der muss aus dem [Ba7] entstanden sein, der dann mittels a2xXb1=L umwandelte: Der neu entstandene Läufer kann ja den Südwest-Käfig nie verlassen haben. Und zusammen mit dxYc6 sind beide schwarze Schlagfälle geklärt.

Bei Weiß fehlen nur zwei Bauern auf dem Königsflügel — die müssen sich also beide umgewandelt haben, um sich selbst in Westen schlagen zu lassen oder ein originales Schlagopfer zu ersetzen.

Rechnet man für die Schlagbilanz den sLa2 als a-Bauer, so stellt man fest, dass neben der Dame bei Schwarz genau die vier Bauern des Königsflügels fehlen. Drei Schlagfälle durch Weiß sehen wir auf b3, c3 und d3; die beiden anderen sind noch verborgen — wir hegen aber schon einmal den Verdacht, dass es sich hier um das Schlagen von Originalbauern handelt, die damit den Weg zur doppelten Umwandlung des Weißen freigeben.

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Retro der Woche 38/2026

Heute vor 85 Jahren wurde Klaus Wenda (13.9.1941–11.4.2026) geboren. Aus diesem Anlass möchte ich ein Retro von ihm vorstellen, das ein wenig untypisch ist für ihn.

Klaus hatte sich schon recht früh mit Märchen-Verteidigungsrückzügern beschäftigt, zunächst mit den Bedingungen Circe und Madrasi, bis er entdeckte, dass Anticirce besonders viele Möglichkeiten für sehr sparsame und inhaltsreiche Proca-Rückzüger bietet. Intensiv hat er hier zunächst mit Wolfgang Dittmann, später Günther Weeth und anderen gearbeitet und extrem interessante, originelle, aber auch höchst komplexe Aufgaben gebaut.

Ich möchte euch hier allerdings ein älteres Stück von ihm vorstellen: einen orthodox Rückzüger, bei dem auch „nur“ ein weißer Zug zurückgenommen werden soll. Eine Unterscheidung in „Hilfe-“ oder „Verteidigung-„Rückzüge erübrigt sich hier, da ja Schwarz am Retrospiel gar nicht beteiligt ist.

Klaus Wenda
diagrammes 1987, 4. ehrende Erwähnung
-1w, dann #2

 

Gleich auffällig ist natürlich die Rochadestellung des Schwarzen, aber auch die Stellung im Südwesten, speziell der schwarze Springer. Der kann in der momentanen Bauernkonstellation nur durch Umwandlung entstanden sein — oder wir nehmen d2-d3 zurück, wonach der Springer über d3 gekommen sein kann. In dem Fall muss Weiß seine lange Rochade zurücknehmen können — aber wie kann dann die Dame nach Hause zurück geholt werden?

Diese Frage sollten wir uns merken, aber zuerst wollen wir nach Matt-Möglichkeiten für den schwarzen König Ausschau halten.

Dafür steht die weiße Dame eigentlich bereits optimal- und stellen wir uns vor, der Läufer auf e6 wäre weiß (oder ein weißer Bauer), so droht rechts und links Grundlinienmatt — wenn sich Schwarz nicht einfach „röchelnd“ aus dem Staub machen könnte.

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Retro der Woche 37/2026

Bei den Beweispartien scheint die Steigerung bei der mehrfachen Darstellung von Themen immer schwieriger zu werden. Im Retro der Woche 33/2026 hatten wir uns mit der Vierfach-Darstellung des Prentos-Themas beschäftigt — der Sprung von der Drei- auf die Vierfachsetzung ist schon so etwas wie Bob Beamons Weitsprung bei den olympischen Spielen 1968 in Mexico City …

Daher werden immer neue Möglichkeiten der Darstellung gesucht, etwa kombiniert mit anderen Themen. Heute wollen wir uns anschauen, was die beiden argentinischen Beweispartie-Spezialisten sich ausgedacht haben, dessen Ergebnis den zweiten Preis im Phénix-Retroturnier 2024, auf das wir letzte Woche bereits eingegangen waren, erreichte.

Jorge Lois & Roberto Osorio
Phénix 2024, 2. Preis
Beweispartie in 34 Zügen (13+11)

 

Die Inventur zeigt uns, dass bei Schwarz neben dem offensichtlich zu Hause geschlagenen [Lc8] noch die vier Königsflügel-Bauern fehlen. Ähnlich schaut es bei Weiß aus: [Lf1] fehlt zusammen mit zwei Bauern das Königsflügels.

Besonders auffällig aber ist der weiße Bauer auf a7: Der hat auf seinem Weg dorthin, von e2 kommend, vier Steine geschlagen: die vier fehlenden schwarzen Bauern können es nicht gewesen sein, also können wir hier eine Häufung von Umwandlungen und Opfer entweder der Original- oder der Umwandlungssteine erwarten, da ja nur Material auf dem Brett steht, das auch im Figurenkasten vorhanden ist.

Zählen wir die weißen sichtbaren Züge, so kommen wir auf 3+1+4+3+5+8=24, bei Schwarz nur auf 1+0+2+0+3+2=8. Das aber sollte uns nicht zu sehr erschrecken, denn wir hatten ja schon vier Umwandlungen mit 20 zusätzlichen Zügen einkalkuliert. Somit bleiben Schwarz nur sechs Züge, um vier Steine loszuwerden — mit anderen Worten: Schwarz muss sich sputen.

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Retro der Woche 36/2026

Kürzlich erschien der Preisbericht der 2024-er Phénix Retros , den Andrij Frolkin sorgfältig und schnell wie immer erstellt hat. Er konnte fünf Aufgaben mit einem Preis und eine weitere mit einem Sonderpreis auszeichnen. Die sechs Stücke verteilen sich gleichmäßig auf Beweispartien, klassische Retros und Verteidigungsrückzüger — bemerkenswert, dass alle Aufgaben orthodox sind: Das ist heute recht selten, wo immer mehr Märchenretros bebaut und publiziert werden.

Michel Caillaud konnte mit jeweils einem Stück in diesen drei Kategorien den ersten, vierten und fünften Preis ergattern; ich möchte euch heute aus diesem Trio das klassische Auflöse-Retro vorstellen

Michel Caillaud
Phénix 2024, 5. Preis
Erster Zug des weißen Königs? (13+13)

 

Bei Weiß fehlen Dame, Turm und der weißfedrige Läufer, bei Schwarz die beiden Läufer und ein Bauer. Der Käfig im Westen lässt sich nur mit R: 1.Kb5-a5 d7xXc6+ auflösen. Es schaut so aus, als könne dazu der Käfig im Südosten relativ einfach geöffnet werden, um dabei dann die Voraussetzungen für die Öffnung der gesamten Stellung zu schaffen: Tg1-g2, g2-g3 nebst g3xYh2.

Das würde bedeuten, dass vor g2-g3 bereits [Dd1] und [Lf1] zu Hause auf der ersten Reihe sein müssten, da sie ansonsten illegal ausgesperrt wären. Damit bliebe für Y nur der zweite weiße Turm übrig, sodass dann im Südosten beide Türme eingemauert wären, ohne dass einer nach a1 gelangen könne — also illegal.

Deswegen kann der Südosten nur geöffnet werden durch Kreuzschlag der g- und h-Bauern. Der weiße Springer auf h1 zeigt, dass dort Schwarz nicht umwandeln konnte. Daher geschah h2xBg3 und g2xLh3; auf der anderen Brettseite a3xLb4, und Schwarz schlug a4xZb3.

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