Pünktlich zum Andernach-Treffen ist eine neue Version von Popeye erschienen; sie enthält neben Fehlerkorrekturen auch einige neue Märchenfiguren und Bedingungen.
Viel Spaß damit!
Pünktlich zum Andernach-Treffen ist eine neue Version von Popeye erschienen; sie enthält neben Fehlerkorrekturen auch einige neue Märchenfiguren und Bedingungen.
Viel Spaß damit!
Während etwa bei Hilfsmatt-Aufgaben heutzutage mehrere Lösungen selbstverständlich sind, ist bei Beweispartien noch immer eine Lösung der Standard.
Dies ist nicht nur eine Folge davon, dass sich mehrere Lösungen in Beweispartien deutlich schwerer darstellen lassen als etwa in einem Hilfsmatt-Dreizüger, sondern auch, weil es bei den Beweispartien fast immer erforderlich ist, dass sich verschiedene Züge in den einzelnen Lösungen wiederholen: Irgendwie müssen ja alles Steine auf ihre Zielposition kommen.
Besonders interessant finde ich persönlich Beweispartie-Zwillinge, in denen sich die Lösungen ausschließlich durch ihre Zugzahl unterscheiden: Hier stellt sich natürlich die Frage, weshalb in der “längeren” Lösung nicht einfach ein Tempo verloren werden könne?
Schauen wir uns einmal eine aktuelle Aufgabe der Retro-Sachbearbeiters von StrateGems an:
Hier geht das “Themen-Raten” recht schnell, wenn wir erst einmal die Schlagfälle analysiert haben: Der fehlende schwarze Läufer wurde auf h3 geschlagen, die beiden fehlenden weißen Steine auf c6 und f6, dabei der Läufer f1 auf c6, während der andere fehlende Stein auf f6 starb. Der Bauer von b2 kann dort natürlich nicht direkt dort geschlagen worden sein, musste sich also schlagfrei auf b8 umwandeln und sich dann selbst auf f6 opfern (Ceriani-Frolkin Thema) oder den Stein, der auf f6 geschlagen wurde, auf dessen Ursprungsfeld ersetzen (Pronkin Thema).
Weiterlesen
Quasi eine Fortsetzung zum letzten Retro der Woche bildet die heutige Aufgabe: Sie erschien direkt hinter dem Stück aus der letzten Woche. Auch hier sei wieder ein Löser-Kommentar an den Anfang gestellt, dieses Mal von Ronald Schäfer: “Bei meinem Sohn ist gerade Schiffe versenken angesagt, das ist die dazugehörige Neuerung: Pferde versenken.” Schauen wir uns also an, was er damit meint?!
Hier bietet es sich wieder an, weiße Züge zu zählen: Da sehen wir sofort (mindestens) vier Bauernzüge, ebenso viele Springerzüge, und die Läufer haben mindestens sechs Mal gezogen. König und Dame haben dem ersten Anschein zusammen nur drei Mal gezogen, aber genaueres Hinschauen zeigt, dass sie vier Züge brauchen: Die Dame kommt nur in drei Zügen nach h2, wenn ihr königlicher Nachbar in einem Zug nach f1 gelangt ist; wenn sie es in zwei Zügen schafft, muss der König sie via f2 durchgelassen haben.
Weiterlesen
Zum heutigen Retro der Woche schrieb Silvio Baier folgenden Löserkommentar:
“Zu sehen ist doppelter Anti-Pronkin mit Schlag der Themafiguren. Das ist schon sehr schwer darzustellen, aber hier werden zusätzlich auch noch die UW-Figuren von Figuren (nicht Bauern geschlagen), so dass alle weißen Schlagfälle nicht aus der Bauernstellung hergeleitet werden können. Das ganze Prozedere wird wie üblich in solchen Fällen durch die schwarze Rochade motiviert und die Zug(reihen)folge durch den genialen Einschub von a5 eindeutig gemacht. Das ist für mich eine perfekte BP.”
Also offensichtlich eine gute Aufgabe, die wir uns nun genauer anschauen wollen.
Keine Doppelbauern verraten etwas über Schlagfälle, und bei Weiß sieht man nur einen einzigen Zug. Wie also vorgehen, wenn wir nach der Lösung suchen?
Sinnvoll ist es sicherlich zu überlegen, wo denn die fehlenden weißen Steine geschlagen worden sind, und dazu zählen wir die schwarzen Züge. Die von Silvio angesprochene (lange) Rochade ist für Schwarz erforderlich, um seine Steine in nur 17 Zügen auf die Diagrammposition zu bringen. Aber wie hilft uns das, etwas über die Schlagfelder der fehlenden Steine heraus zu bekommen?
Nun, die fehlenden schwarzen Bauern sind demnach auf ihren Ursprungsfeldern entstanden: Sie hatten ja keine Zeit zu ziehen! Damit steht fest, dass Weiß irgendwann axb7 und dxc7 gespielt haben muss. Können die Bauern dann dort geschlagen worden sein?
Weiterlesen
Platzwechsel finde ich meist sehr attraktiv, besonders, wenn sie unauffällig sind. Springer und Türme beispielsweise können ihre Plätze tauschen, ohne dass man dies der Diagrammstellung unbedingt sofort ansieht.
Aber auch unterschiedliche Figuren können “unsichtbar” ihre Plätze tauschen — wenn sie dies gleich zwei Mal tun, also quasi zunächst “hin” und anschließend wieder “zurück”.
Die beiden Argentinier, die unsere heutige Aufgabe gebaut haben, haben sich mit dieser Art des Platzwechsels, mit diesem sehr anspruchsvollen Thema schon intensiv beschäftigt. Versucht doch einfach mal, anhand der Diagrammstellung zu tippen, welche zwei Steine ihre Plätze getauscht haben und welches Manöver dies erforderlich gemacht hat.
Irgendwie scheint sich ja etwas auf der langen Diagonale h1-a8 abzuspielen: Könnte das vielleicht mit den Platzwechseln zusammenhängen?
Aber betrachten wir doch zunächst einmal die Bauernstruktur, mögliche Bauernschläge: sichtbar ist nur g7xh6: wer könnte sich dort geopfert haben?
Weiterlesen
Am letzten Wochenende habe ich den Retro-Urdruckteil für das Aprilheft der Schwalbe zusammengestellt: Zehn Aufgaben wird es dort geben: Eine Textaufgabe, drei Verteidigungsrückzüger (zwei mit Anticirce, einer mit einer anderen Circe-Art) sowie sechs Beweispartien, eine davon mit einer Märchenbedingung.
Gestern hatte ich das neue Heft von StrateGems im Briefkasten, darin neun Retro-Urdrucke: drei Anticirce-Procas und sechs orthodoxe Beweispartien.
Ist das nun nur die aktuelle Frühjahrsmode oder ein allgemeiner Trend, der Retros auf Beweispartien und Märchenprocas reduziert? Das wäre sehr schade — das wäre auf Dauer auch langweilig, wie ich finde.
Also meine Anregung, Bitte, Aufforderung an die Komponisten: Vernachlässigt die “klassischen Themen” der Retroanalyse nicht! Auch dort gibt es noch viel zu entdecken, viele “strategische” Ideen lassen sich dort sicherlich noch darstellen! Wo bleiben also klassische Auflöse-Aufgaben, wo bleiben gute Illegal Clusters, wer versucht sich mal wieder an Høeg-Verteidigungsrückzügern? Wer überträgt solche klassischen Themen weiter ins Märchenschach?
Ich würde mich riesig freuen, wenn ich für die Schwalbe mehr solcher Einsendungen bekäme, ich würde mich riesig freuen, wenn ich auch in anderen Zeitungen, ob nun als Leser, Löser oder Preisrichter, mehr solcher Aufgaben sähe!
Gelegentlich nutzen Komponisten “Spezialregeln”, um ihre Aufgaben korrekt zu bekommen; speziell in den Frühzeiten des Problemschachs waren Forderungen wie “Matt in 26 Zügen, ohne einen Bauern zu ziehen” gar nicht so selten. Wenn dies nicht einfach nur dazu diente, Nebenlösungen auszuschalten, sondern wesentlich zum Inhalt der Aufgabe beitrug, war dies natürlich von ganz anderer Qualität.
So ist auch heute die Einschätzung der Verwendung von Märchenbedingungen nicht nur in der Retroanalyse, sondern auch in Vorwärtsproblemen: Die Bedingungen müssen inhaltlich gerechtfertigt sein.
Die sehr einfach zu verstehende Bedingung “Duellantenschach” (Definition aus dem Schwalbe Märchenlexikon: Der einmal gewählte Stein des Startzuges einer Partei muss auch alle folgenden Züge seiner Partei bestreiten. Ist dies nicht mehr möglich, bringt ein neuer Startzug einen neuen Duellanten ins Spiel. Die Schachwirkung aller Steine bleibt normal erhalten.) kann natürlich dazu “missbraucht” werden, einfach Duale zu vermeiden. Sie kann aber natürlich auch thematisch genutzt werden, beispielsweise um Ablösungen zu thematisieren.
Dies habe ich vor einiger Zeit in einer Beweispartie versucht; allzu schwer sollte sie nicht zu lösen sein.
Bei Schwarz haben, das sieht man schnell, neun verschiedene Steine gezogen — also hat es nach jedem schwarzen Zug einen Duellantenwechsel gegeben, und damit ist auch das Thema der Aufgabe schon klar. Nun gilt es also “nur” noch, einerseits die Reihenfolge der Duellantenwechsel zu finden und dafür die Begründungen zu entdecken.
Weiterlesen
Seit einiger Zeit bin ich mit der Bewertung der über achtzig Einsendungen zur Retro-Abteilung des WCCI 2010-2012 beschäftigt. Das ist eine sehr spannende Aufgabe, die gleichzeitig den angenehmen Nebeneffekt hat, dass ich darunter auch die eine oder andere Aufgabe finde, die für die Wochen-Rubrik gut geeignet erscheint.
Einige Aufgaben, die ich hier bereits veröffentlicht habe, habe ich auch bei den Einsendungen wiedergefunden. Heute möchte ich als “neues” Stück eine Beweispartie von Nicolas Dupont aus Lille vorstellen:
Das ist nicht nur wegen der recht hohen Zügezahl nicht einfach zu lösen: Weder kommen wir mit der reinen Betrachtung der Schlagfälle weiter noch mit dem Zählen der weißen und/oder schwarzen Züge. Allerdings fehlen auf beiden Seiten je drei Bauern, die ich aber im Zentrum nicht gegenseitig geschlagen haben können — Umwandlungs-Thematik ist also klar.
Weiterlesen