Retro der Woche 9/2013

Und schon wieder gilt es, mit einem Glückwunsch zum Geburtstag zu beginnen: Am gestrigen Samstag (23. Februar) konnte Gerd Wilts den Beginn des nächsten Lebensjahrs feiern: Von mir und sicher allen Lesern hier alles Gute fürs neue Lebensjahr!

Gerd Wilts ist der Vater und Betreiber der Problem Data Base, einer schier unerschöpflichen Quelle nicht nur für Retrofreunde. Verschiedene Sammlungen sind in der Zwischenzeit dort digitalisiert und stehen damit der problemschachlichen Allgemeinheit  zur Verfügung: Sei es die berühmte “Niemann-Hilfsmatt-Sammlung”, seien es die Felber’schen Miniaturen oder die Reflexmatts von Paul Valois, um nur einige zu nennen.

Schon 1991, also gerade mal als Twen, hat Gerd Wilts zusammen mit Andrej Frolkin das Buch “Shortest Proof Games — The Rubik’s Cube of a Chess Player” veröffentlicht: A collection of more than 160 Shortest Proof Games. Damit waren die meisten der bis dahin erschienenen dualfreien Beweispartien erfasst — allein daran kann man ermessen, welch gigantische Entwicklung dieses Genre in den letzten gut 20 Jahren genommen hat. Das Büchlein der beiden, heute eine längst vergriffene Rarität, hat sicherlich nicht unwesentlich dazu beigetragen.

In dem Buch ist unsere heutige Aufgabe der Woche von Gerd Wilts als Original erschienen.

Gerd Wilts
31 Shortest Proof Games 11/1991
Beweispartie in 17 Zügen (14+16)

Beginnen wir wie üblich mit der Inventur: Schwarz hat noch “alle Mann an Bord”, während bei Weiß optisch der d- und der g-Bauer fehlen.
Weiterlesen

Werner Keym

Heute gehen herzliche Glückwünsche nach Meisenheim am Glan, wo Werner Keym Geburtstag feiert.

Lieber Werner, für dein neues Lebensjahr wünsche ich dir (sicher im Namen aller Mitleser) alles Gute, Gesundheit, alles, was du dir selbst wünscht — und uns allen weiterhin so geistreiche und “eigenartige” Schachprobleme, wie wir sie so von dir mögen.

Aus “Eigenartige Schachprobleme”, deinem faszinierenden Buch, das du 2010 den Schwalbe-Mitgliedern geschenkt hast, habe ich beinahe wahllos ein Stück herausgegriffen, das ich hier zum Anschauen, Knobeln und Lösen vorstellen möchte.

Werner Keym
Stuttgarter Zeitung 2002
Weiß nimmt den letzten Zug zurück und setzt mit einem nicht-identischen Zug matt. Wie viele solche Rücknahmezüge gibt es jeweils? (3+2)   
b)-d) gedreht um 90/180/270° (wK c2/b6/f7)

Die Lösungen will ich im Detail gar nicht verraten, knobelt sie selbst aus, viel Spaß dabei! Verraten sei nur die Anzahl der Lösungen: 5-3-1-0.

Retro der Woche 8/2013

Die Autoren des heutigen “Retro der Woche” sind den meisten sicher besonders als Studien-Verfassern bekannt; die Endspielspezialisten unter euch kennen bestimmt die bahnbrechenden Analysen von Troizkj zum Endspiel KSS-KB, aber beide haben auch Retros komponiert: Korolkow gelegentlich (in der PDB finden sich 45 Aufgaben von ihm), während Troizkj einer der ersten bedeutenden Retro-Komponisten überhaupt war: Er ist bereits mit 14 Aufgaben im 1915 von Dawson und Hundsdorfer herausgegebenen Buch “Retrograde Analysis” vertreten und hat auch später noch einige Retros gebaut.

Das Stück, das ich heute ausgesucht habe, ist recht leicht zu lösen, aber sehr hübsch.

Andrej Troizkj & Wladimir Korolkow
problem 1957, 1. Preis
Ist die Stellung legal? (9+12)

Offensichtlich ist der weiße König im Feindesland eingeklemmt; ihn gilt es herauszuholen. Dem steht aber der schwarze Turm auf f7 entgegen: Der muss erst nach draußen gebracht werden, bevor der König über h7 wieder ins Freie kommen kann. Ein sofortiges 1.– Tf8-f7 nebst Th8-f8 und Th-h8 funktioniert nicht, da Weiß dann keinen Retrozug hat. Geht aber etwa 1.– Kf8xSe8 ? Um das zu beantworten, schauen wir uns die Stellung genauer an:
Weiterlesen

Schwalbe Oktober 2012 erschienen

“Endlich” möchte man sagen ist das Oktoberheft 2012 der Schwalbe erschienen: Verschiedene Umstände hatten zu dieser Verzögerung geführt; nun ist aber zu erwarten, dass die Dezemberausgabe (und auch das Februarheft 2013)  relativ zügig erscheinen werden.

Viel interessanten Lesestoff gibt es selbstverständlich wieder, neun Retro-Urdrucke, von denen zwei Stücke der “Mathematik” Untergruppe zuzuordnen sind. Ich freue mich über jeden Kommentar zu den Aufgaben; besonders auch von Retrofreunden, die bisher ihre Lösungen und Kommentare noch nicht eingesendet haben? Ihr müsst ja nicht jede Aufgabe lösen…

Besonders hinweisen möchte ich auch auf die Bücher-Versteigerung, zu der die Liste dem Heft beiliegt. Da solltet ihr noch das eine oder andere Schätzchen finden?! Viel Erfolg beim Steigern!

Retro der Woche 7/13

Ebenso wie bei Aufgaben im Vorwärtsspiel gilt auch bei Retros die Faustregel: “Je länger desto schwieriger; je kürzer desto einfacher.” Eine Faustregel wäre keine Faustregel (sondern ein Gesetz im naturwissenschaftlichen Sinne), gäbe es keine Ausnahmen.

Solch eine Ausnahme könnte möglicherweise die heutige Aufgabe bilden? Wer die kommenden Tage nicht ausschließlich beim Straßenkarneval verbringt, mag sich das Stück vielleicht vornehmen, um es genauer zu studieren.

(Nachtrag 10.2.13 18:40 Uhr: Mario Richter hat mich dankenswerter Weise auf einen Diagrammfehler aufmerksam gemacht, den ich nun korrigiert habe: Vorher standen fälschlich weiße Bauern auf f2 und g4 statt, wie es richtig ist, auf f4 und g2; auch die Lösung habe ich angepasst!)

Unto Heinonen
StrateGems 2004 2. Preis
Beweispartie in 16,5 Zügen (12+12) C+

Was macht das Stück aus meiner Sicht zumindest auf den ersten Blick recht schwierig zu lösen? Wahrscheinlich, dass die offensichtlichen Züge weder von Schwarz noch von Weiß auch nur entfernt an die Anzahl der Züge in der Lösung heranreicht, außerdem gibt es keinen einzigen Doppelbauern, der irgendwelche Schlagfälle direkt erklären könnte.
Weiterlesen

Karneval

Nun tobt sie wieder, die Karnevals- oder Faschingzeit, und da möchte ich nicht hinten anstehen und auch hier mit einer lustigen, kuriosen Aufgabe aufwarten. Der Begriff “kurios” im Sine von “ungewöhnlich” passt gut, ich habe das Stück dem Büchlein Kurioses Schach von Karl Fabel entnommen (Südwestschach-Reihe Band 2 im Rau-Verlag, 3. Auflage 1975). Wer gelegentlich leichte und gleichzeitig geistreiche Unterhaltung schätzt, dem sei das Buch anempfohlen.

Karl Fabel
Fairy Chess Review 28.11.1939
Auf wieviel verschiedenen Feldern könnte der schwarze König sofort mattgesetzt werden? (7+6)

Hier lasse ich euch selbst zählen — nur eine Zusatzfrage sei erlaubt: Weshalb habe ich bei der Quelle wohl auch den genauen Erscheinungstag angegeben? (Hilfe: Das war nicht Rosenmontag!)?

Retro der Woche 6/13

Beim Stöbern in der Problem Data Base, die von Gerd Wilts großartig betrieben wird, ist mir die Auflöse-Aufgabe eines Autors aufgefallen, den ich bisher nicht bewusst wahrgenommen hatte. Kennt jemand von ihm weitere Retros? Das Stück gefällt mir sehr gut, und es scheint mir nicht allzu schwierig zu lösen zu sein — daher ist es vielleicht genau richtig als neues “Retro der Woche”.

Yehuda Veisberg
7135 Fairy Chess Review II/1947
Letzter Zug? (Weiß am Zug) (10+10)

Gesucht wird also der letzte Zug des Schwarzen. Beide Seiten haben noch all ihre acht Bauern, so dass Umwandlungen kein Thema sein können. Beginnen wir wie üblich mit der Betrachtung der Schlagbilanz:

Der schwarze Bauer c2 kommt von h7, sBf6 natürlich von g7 und hat dabei den fehlenden schwarzfeldrigen Läufer des Weißen geschlagen. Diesen Zug kann Schwarz aber erst zurücknehmen, wenn der eigene schwarzfeldrige Läufer nach Hause zurückgekehrt ist.
Weiterlesen