Retro der Woche 6/13

Beim Stöbern in der Problem Data Base, die von Gerd Wilts großartig betrieben wird, ist mir die Auflöse-Aufgabe eines Autors aufgefallen, den ich bisher nicht bewusst wahrgenommen hatte. Kennt jemand von ihm weitere Retros? Das Stück gefällt mir sehr gut, und es scheint mir nicht allzu schwierig zu lösen zu sein — daher ist es vielleicht genau richtig als neues „Retro der Woche“.

Yehuda Veisberg
7135 Fairy Chess Review II/1947
Letzter Zug? (Weiß am Zug) (10+10)

Gesucht wird also der letzte Zug des Schwarzen. Beide Seiten haben noch all ihre acht Bauern, so dass Umwandlungen kein Thema sein können. Beginnen wir wie üblich mit der Betrachtung der Schlagbilanz:

Der schwarze Bauer c2 kommt von h7, sBf6 natürlich von g7 und hat dabei den fehlenden schwarzfeldrigen Läufer des Weißen geschlagen. Diesen Zug kann Schwarz aber erst zurücknehmen, wenn der eigene schwarzfeldrige Läufer nach Hause zurückgekehrt ist.

Der weiße Bauer auf a7 kommt von f2, darüber hinaus wurde irgendwo der schwarze weißfeldrige Läufer geschlagen.

Der Retroknoten im Südwesten kann nur durch d2-d3 aufgelöst werden, aber vorher muss der wLc1 nach Hause zurückkehren; dies erfordert, siehe oben, dass sLf8 vorher zu Hause ist. Daher darf Weiß auch nicht a3-a4 zurücknehmen, da dies wTa1 nicht nach Hause kommen ließe (bei h3-h4 gilt das offensichtlich auch für wTh1).

Weiß kann also im Moment nur entschlagende Züge des Bauern auf a7 zurücknehmen und muss dabei, um nach f2xXe3 nicht retropatt zu sein, dann seinen schwarzfeldrigen Läufer wieder in Besitz haben. Daher muss Weiß diesen möglichst rasch heimkehren lassen.

Vernachlässigen wir zunächst den letzten schwarzen Zug, so müssen wir mit 2.b6xLa7 die Rücknahme starten, und dann geht es weiter: 2.– Lb8-a7 3.c5xXb6 Lf4-b8 4.d4xXc5 Lh6-f4 5.e3xXd4 Lf8-h6 6.f2xXe3 g7xLf6 genau rechtzeitig! 7.Lg5-f6 bel. 8.Lc1-g5 Kc4-b3 9.d2-d3+ etc.

Nun fehlt aber noch der letzte schwarze Zug: d7-d5 würde den sTa8 nicht mehr heimkommen lassen (der Weg über die h-Linie ist durch sLf8 versperrt), d6-d5 oder c7-c6 würden den entschlagenen Läufer auf seinem Sprint nach Hause bremsen, bleibt also nur ein Zug des Se6: Käme er von c5 oder d4, bremste er den weißen f-Bauern aus, käme er von c7, f4, g5, g7 oder f8, würde er den sLf8 auf seinem Heimweg behindern — beides mit der fatalen Folge eine Retropatt des Weißen.

Also bleibt als letzte Zug nur 1.– Sd8-e6!!, was das virtuelle Springerrad komplettiert.

Dem Kommentar von Thomas Rayner Dawson („Very pretty“) kann ich mich nur anschließen: Ein sehr elegantes Stück, wie ich finde!

2 thoughts on “Retro der Woche 6/13

  1. Das ist wirklich eine wunderbare Aufgabe. Vielen Dank! Für mich war der Schwierigkeitsgrad gerade recht; nach etwa 30 Minuten sah ich plötzlich fast schlagartig, was hier abgeht. Sehr schön, wie der sS effektiv nur von d8 aus kommen kann, ohne zu stören!

  2. Hello Thomas,
    look once again at PDB (P0005279). After I placed a longer solution, there is a chat started, with reference to other problems of this composer. Just accidentally I found that problem and now I see it here again!!

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