Retro der Woche 35/2017

Während des WCCC in Dresden ist das FIDE-Album 2010-2012 erschienen. Die Retros sind dieses Mal „nur“ mit 63 Aufgaben vertreten, aber das sind 63 Knüller -– ich kann euch das Album natürlich auch wegen der anderen Rubriken nur ans Herz legen.

Ein Stück möchte ich dabei heute herausgreifen, das mich einfach ob seiner Eleganz begeistert.

Silvio Baier
Orbit 2010
Beweispartie in 18 Zügen (13+13)

 

Sofort fällt die weiße Homebase Position auf, sodass wir im Moment noch nichts über geschehene weiße Züge aussagen können.

Anders schaut es bei Schwarz aus: Hier zählen wir 4+2+5+0+0+5=16 Züge; zwei schwarze Züge sind also frei. Wirklich?

Weiterlesen

Retro der Woche 34/2017

Im letzten Retro der Woche hatte ich den Sieger der Beweispartien-Gruppe im diesjährigen „Champagner-Turnier“ von Michel Caillaud vorgestellt. Heute kommt nun, sicher nicht besonders verblüffend, der Sieger der „andere Retros“ Gruppe. Wir erinnern uns: Thema war der „verallgemeinerte“ (Anti-) Pronkin: Ein Feld wird im Laufe der Lösung sowohl von einem Originalstein als auch von einem Umwandlungsstein gleichen Typs und gleicher Farbe betreten.

Besonders schön fand ich es, dass ich in Dresden sowohl Roberto Osorio, Co-Autor bei der Beweispartie, als auch Joaquim Crusats endlich einmal persönlich kennen lernen konnte: So viel Mail-Kontakt hatten wir schon, aber uns noch nie persönlich getroffen.

Joaquim Crusats
Champagner-Turnier Dresden 2017, 1. Preis
Löse die Stellung auf (15+13)

 

Der einzig fehlende weiße Stein wurde auf der c-Linie geschlagen. Weiß schlug exf und hxg, ferner musste Weiß noch seinen [Ba2] loswerden, dazu muss er umgewandelt haben, was einen weiteren weißen Schlag erfordert:

Weiterlesen

Retro der Woche 33/2017

Beim traditionellen „Champagner-Turnier“, das Michel Caillaud regelmäßig zu den WCCC-Treffen ausschreibt, ging es in diesem Jahr anlässlich es Dresdener Treffens um den „verallgemeinerten (Anti-) Pronkin: Ein Feld wird im Laufe der Lösung sowohl von einem Originalstein als auch von einem Umwandlungsstein gleichen Typs und gleicher Farbe betreten. Für dieses Turnier wurden die normalen Pronkins (Umwandlungsstein betritt Feld der Partieausgangsstellung des entsprechenden Originalsteins) und Anti-Pronkin (Originalstein betritt Umwandlungsfeld des entsprechenden Umwandlungssteins) ausgeschlossen.

Michel hat das Turnier in zwei Gruppen ausgeschrieben: Beweispartien und andere Retros. Heute schauen wir uns die siegreiche Beweispartie an.

Jorge J. Lois & Roberto Osorio
Champagner-Turnier Dresden 2017, 1. Preis
Beweispartie in 18 Zügen (12+14)

 

Über die weißen Züge können wir aufgrund des Diagramms nicht allzu viel sagen, aber wegen des Themas können wir schon davon ausgehen, dass die beiden fehlenden weißen Bauern thematisch umgewandelt haben.

Weiterlesen

Retro der Woche 32/2017

Heute beginnt das WCCC in Dresden – und heute feiert das WCCC Kommissionsmitglied Thomas Maeder aus Bern in der Schweiz seinen 50. Geburtstag. Auch von dieser Stelle, auch im Namen aller Leser, herzliche Glückwünsche und alles Gute für das nächste halbe Jahrhundert!

Sicher kennen viele von euch Thomas von WCCC Treffen oder aus Andernach – und sicher noch mehr als den Pflegevater von Popeye: Gerade erst ist eine neue Version herausgekommen.

Thomas ist auf vielen Gebieten kompositorisch und schreibend tätig (er ist z.B. Mitherausgeber von idee&form), besonders als Hilfsmatt- und Märchenspezialist bekannt, aber auch an Retros wagt er sich gelegentlich, meist in Gemeinschaftsproduktionen anlässlich von Schachtagungen.

Ein solches Produkt wollen wir uns heute ansehen.

Markus Ott & Thomas Maeder
Champagne-Turnier Turku 1995, Preis
Beweispartie in 12,5 Zügen (14+14)

 

Die übliche Inventur hilft uns hier nicht so sehr weiter: Bei Weiß sehen wir 0+3+0+1+2+2=8, bei Schwarz sind es 4+0+0+3+0+1=8 Züge.

Nur ein Doppelbauer verrät einen Schlag: Weiß muss auf a3 [Dd8] geschlagen haben: Ansonsten fehlt bei Schwarz nur [Bg7]; der aber kann nicht umgewandelt und sich dann geopfert haben: Dafür sind doch nicht genug schwarze Züge frei.

Weiterlesen

Retro der Woche 31/2017

Preisrichter Thierry Le Gleuher war von der durchschnittlichen Qualität der Nicht-Beweispartien im Jahrgang 2015 von StrateGems weniger überzeugt als von der der Beweispartien. Daher vergab er nur einen Preis; der allerdings ist, wie ich meine, sehr sehenswert.

Andrej Frolkin
StrateGems 2015, Preis
Ergänze wS auf der 1. Reihe. Letztes notwendiges Schachgebot? (13+12)

 

Wenn wir nun die Analyse möglicher Schläge vornehmen, müssen wir berücksichtigen,dass Schwarz nur zwei Steine hat schlagen können – im diagramm fehlt ja noch der zu ergänzende weiße Springer.

Offensichtlich ist, dass Schwarz exd gespielt hat. Da Schwarz ja nur zwei Mal schlagen konnte, stammen alle anderen schwarzen Bauern von ihrer Reihe – nur bei sBg3 ist nicht klar, ob er von der g- oder der h-Linie stammt.

Weiterlesen

Retro der Woche 30/2017

Gern greife ich den Vorschlag von Roberto Osorio auf, die kleine „Ceriani-Frolkin-Reihe“ noch etwas fortzusetzen. Auch mit der für heute ausgewählten Aufgabe sind wir direkt am Puls der Zeit, denn erst seit 2015 gibt es nach dem Pionierstück (siehe Retro der Woche 28/2017) eine Menge weiterer „Sechsender“. Einen davon wollen wir heute anschauen.

Nicolas Dupont, Silvio Baier & Roberto Osorio
Probleemblad 2016
Beweispartie in 32,5 Zügen (12+10)

 

Auch hier beginnen wir wie üblich mit der Inventur:

Bei Weiß fehlen genau die vier Bauern des Königsflügels, bei Schwarz neben fünf östlichen Bauern noch [Lf8]. Schwarze Schlagfälle sind nicht sichtbar; bei Weiß sehen wir fünf Bauernschläge: c2xb3xa4 sowie d2xc3xb4xa5.

Das erscheint nun wegen der fehlenden Hinweise auf schwarze Bauernschläge sehr schwer lösbar, aber vielleicht können wir doch noch ein paar Partiedetails aus dem Diagramm ableiten? Dazu zählen wir zunächst wieder die sichtbaren Züge.

Weiterlesen

Retro der Woche 29/2017

Bei einigen Autoren kann man ein wesentliches Thema schon erraten, auch wenn man die Lösung der Aufgaben noch nicht kennt. Ein solcher Autor ist Tom Volet, der einen ganz eigenen Stil, der sein Lieblingsthema hat.

Thomas Volet
Die Schwalbe 2011 (V) 4. Preis, Dmitri Baibikow gewidmet
Löse die Stellung auf (13+14)

 

Beginnen wir wie üblich mit der Inventur: Schwarz hat mit seinen drei Bauernschlägen (axb, c7xd6xe5) alle fehlenden weißen Steine abgeräumt – das sind [Ba2], [Bb2] und [Bc2]. Von denen konnte nur der b-Bauer direkt geschlagen werden, und [Ba2] und [Bc2] mussten umwandeln. Die Umwandlungen mussten schlagfrei erfolgen, denn Weiß schlug die beiden fehlenden schwarzen Steine auf f3 und g7.

Bei Schwarz fehlt ein Turm sowie der h-Bauer, der aus den gleichen Gründen wie seine weißen Kollegen auf dem Damenflügel schlagfrei umwandeln musste.

Weiterlesen

Retro der Woche 28/2017

Wenn ihr die letzten drei „Retros der Woche“ verfolgt habt, dann ahnt ihr sicherlich, was heute folgt?! Richtig geraten, herzlichen Glückwunsch!

Michel Caillaud
Europe Echecs 1994, A. Frolkin und G. Wilts gewidmet
Beweispartie in 32,5 Zügen (12+11)

 

Schauen wir uns zunächst einmal an, was fehlt: Bei Weiß sind es genau die Bauern des Königsflügels, bei Schwarz fehlen ebenfalls die vier Bauern des Königsflügels, hinzu kommt ein schwarzer Turm.

Andererseits sind vier weiße Bauernschläge sichtbar: c2xb3xa4 und d2xc3xb4. Da Weiß keinen der fehlenden schwarzen Bauern direkt schlagen konnte, müssen sich (mindestens) drei schwarze Bauern umgewandelt haben, um entweder einen auf dem Damenflügel geschlagenen Offizier zu ersetzen oder sich selbst auf dem Damenflügel schlagen zu lassen. Als Opfer des vierten Bauernschlages bietet sich der fehlende schwarze Turm an.

Weiterlesen