Februarheft der Schwalbe

Heute hatte ich das neue Schwalbe-Heft im Briefkasten, dies ist ein ganz besonderes Heft: Nicht nur, dass es das erste des Bandes XXXII ist (übrigens liegt schon das Inhaltsverzeichnis von Band XXXI = 2013-2014 bei — eine phänomenale Leistung von Bernd Schwarzkopf!), es ist auch das erste in der Ägide von Stefan Höning als Schriftleiter.

Für uns Retrofreunde ist wieder eine Menge Lesestoff dabei: Neben den Lösungsbesprechungen zum Augustheft 2014 und neun wie ich meine sehr abwechslungsreichen Urdrucken findet ihr zwei bereits etwas länger ausstehende Preisberichte: Einmal Schachmathematik/Sonstiges der Jahrgänge 2007-2009 von Günter Lauinger und dazu gut passend der Retro-Bericht für das Jahr 2008.

Letzter ist so ausführlich, dass er nur in einer Kurzfassung (“nur” knapp acht Seiten!) erscheinen konnte. Günther Weeth hat den Priesbericht, den Richter Nicolas Dupont auf Französisch eingereicht hatte, nicht nur komplett ins Deutsche übersetzt, sondern “nebenbei” noch die nun in der Schwalbe veröffentlichte Kurzfassung erstellt. Die Langtexte könnt ihr entweder auf der Schwalbe-Seite oder hier sowohl auf Französisch als auch auf Deutsch herunterladen. Ich kann euch das ausführliche Studium der Aufgaben nur ans Herz legen und wünsche euch viel Spaß dabei!

Ein neuer VRZ-Typ

Verteidigungsrückzüger kennt man in der Proca– und in der Høeg-Form (wenn wir jetzt einmal den „Märchen-VRZ“ vom Typ friedlich außer Acht lassen, der ja nichts anderes ist als „VZR, Ohneschlag“).

Nun sind Klaus Wenda und Andreas Thoma auf den Gedanken gekommen, diese beiden Typen zu verknüpfen — und damit haben sie den Typ Klan entwickelt. Die Entstehung des Namen ist nun sicher auch schon klar; hätten sie zur Namensgebung statt ihrer Vornamen ihre Nachnamen genommen, hieße der Typ nun vielleicht „Wetho“.

In einem Aufsatz (pdf-Datei) stellen sie diese Idee nun gleich mit einigen interessanten Aufgaben vor, und ich freue mich riesig, dass sie mir die Gelegenheit gegeben haben, den hier im Blog als Originalbeitrag zu veröffentlichen. Und nun seht ihr vielleicht auch, dass die ausführliche Beschäftigung mit dem VRZ Høeg im letzten Retro der Woche kein Zufall war?

Ich wünsche euch jedenfalls viel Freude an der Lektüre und hoffe, dass der eine oder andere sich nun mit dieser interessanten neuen Variante des Verteidigungsrückzügers beschäftigt. Klar, über gute Urdrucke für Die Schwalbe freue ich mich auch immer…

Nachtrag 23.8.2015:
Hier findet sich nun die 2. Auflage des Aufsatzes, in dem einige Unkorrektheiten behoben worden sind.

Die Schwalbe Dezember 2014

Gestern lag bei mir das Dezemberheft der Schwalbe im Briefkasten: Neben (natürlich!) Urdrucken und Lösungsbesprechungen gibt es für uns Retro-Freunde einen kleinen Artikel von Bernd Schwarzkopf (als Fortsetzung zu dem im April-2014-Heft) zu Tempoverlustspielen.

Zwei weitere mehr oder weniger orthodoxe Artikel fand ich sehr interessant, da sie Themen anschneiden, die auch in Retro-Problemen eine Rolle spielen können (wer findet Beispiele dazu? Für Hinweise bin ich dankbar!): “En-passant-spezifische Logik” von Erik Zierke und “100 Jahre Wechseltürme” von Arno Tüngler.

Natürlich findet sich noch anderer interessanter Lesestoff im Heft — viel Spaß dabei!

2015

Allen Retrofreunden wünsche ich
ein gutes neues Jahr 2015!

Das neue Jahr 2015 könnte man als „Jahr der Retroanalyse“ bezeichnen!

Warum? Für mich ist doch jedes Jahr ein Jahr der Retroanalyse, warum also besonders 2015?

Im Jahre 1915, also vor einhundert Jahren, veröffentlichten Thomas Rayner Dawson und Willem Hundsdorfer in der berühmten White’schen Christmas Serie das Buch Retrograde Analysis, die erste systematische Untersuchung dieser Gattung. Es hat stark zur Verbreitung des Gedankenguts retroanalytischer Probleme beigetragen. Im Internet findet sich dieses Buch als pdf-Datei (19 Megabyte); schaut einmal hinein!

Dort wurden nicht nur bereits veröffentlichte Retros systematisch untersucht, sondern auch einige Originalaufgaben veröffentlicht, die die jeweilige Thematik untermauern sollten.

Besonders erwähnenswert empfinde ich den dort als Nr. 20 publizierten Urdruck:

Niels Høeg
Retrograde Analysis 1915, Nr. 20
Was waren die letzten Züge? (16+10)

 

Die Stellung lässt sich nur durch die Rücknahme dreier weißer en passant Schläge auflösen; ein heute noch bestehender Rekord.

R 1.Td8-d7+ d7-d6 2.fxe6ep+ e7-e5 3.f4-f5+ Kd6-c7 4.bxc6ep+ c7-c5 5.b4-b5+ Ke6-d6 6.gxf6ep+ f7-f5 7. g4-g5+ usw.

Immer noch faszinierend!

Retro der Woche 49/2014

Wenn ein solcher Könner wie Silvio Baier einen offensichtlichen Umwandlungsstein im Diagramm einer Beweispartie stehen lässt, wenn dann dieses Stück auch noch die höchste Auszeichnung in einem bedeutenden Turnier gewinnt, dann muss diese Umwandlungsdame entweder thematisch sein — oder der Inhalt muss so originell sein, dass der Preisrichter sie deswegen akzeptiert.

Wenn ihr das Stück noch nicht kennt, dann ratet einmal, was nun der Grund ist?

Silvio Baier
FIDE World Cup 2011, 1. Preis
Beweispartie in 25,0 Zügen (10+14)

 

Bei Weiß sieht die Stellung sehr einfach aus: Home Base, also alle weißen Steine, die noch auf dem Brett zu finden sind, stehen auf ihren Standfeldern der Partieausgangsstellung.

Beginnen wir also mit dem Zählen der minimalen Züge bei Schwarz: Egal, welche der beiden schwarzen Damen Original oder Umwandlungsstein ist, bedurfte es mindestens dreier Damenzüge: entweder h1-h3 und d8-d6-h2 oder g1/h1-h2 und d8-d7-h3. Die Züge zur Umwandlung müssen wir nun den Bauernzügen zuschlagen. Damit haben wir offensichtlich 1+3+4+3+3+10=24.

Damit ist noch ein schwarzer Zug offen.

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Retro der Woche 47/2014

Vor wenigen Tagen jährte sich zum dritten Male der Todestag des Moskauer Retro-Spezialisten Andrej Kornilow (*4.5.1944 †14.11.2011). Ihm zum Gedenken habe ich heute eine Aufgabe von ihm herausgesucht.

Schaut euch auch noch einmal den großartigen Nachruf von Andrej Frolkin und Nikolai Beluchow auf ihn in feenschach 190, XII 2011, S. 229 bis 234 an. Und wenn ihr gerade dabei seid, dann holt auch sofort noch einmal das „Retro-Heft“ feenschach 192, III-IV 2012 hervor, das inhaltlich hauptsächlich von Andrej Kornilow und Andrej Frolkin bestritten worden war: Herrliche Lektüre für lange Herbstabende!

Andrej Kornilow
Redkie schanri plus 1997, Lob
Färbe die Steine. Letzte zwei Einzelzüge? (30+0)

 

Vor dem Finden der beiden letzten Züge gilt es also zunächst einmal, die genaue Stellung zu finden, das heißt herauszufinden, welche Steine Weiß und welche Schwarz sind. Doch bevor nun der Optimist dem Diagramm mit einem schwarzen Kugelschreiber zu Leibe rückt (der Pessimist nimmt sicher einen Bleistift) und mit dem Ausmalen beginnt, sollten wir zunächst einige retroanalystische Überlegungen bezüglich der Schlagfälle anstellen – und dann werdet ihr relativ schnell sehen, dass die Aufgabe gar nicht so schwer zu lösen ist!

Betrachten wir zunächst einmal die Stellung der Könige und der Steine, die sie beobachten, und mögliche Schlagfälle. Damit haben wir dann schon einen Großteil der Lösung gefunden.

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Computer komponieren

Dass Computer sehr gut Schach spielen können, wissen wir alle, auch, dass sie gut Schachprobleme lösen können. OK, noch nicht unbedingt Retros.

Datenbank-unterstütztes Komponieren von Schachaufgaben gibt es schon lange; ich erinnere nur an Helmut Mertes’ Hilfsmatt-Wenigsteiner, die er mit Hilfe eines Computers noch in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts generiert hatte, um dann veröffentlichungsreife Stellungen selbst herauszusuchen. Und ich erinnere an die recht konträren Diskussionen zu diesem Thema in diesem Jahr in Andernach.

Nun aber hat der Malaye Azlan Iqbal, der im Bereich computerbasierter Ästhetik und Kreativität forscht, ein Programm geschrieben, mit dem er, so der Grundgedanke, ästhetische Schachprobleme vom Computer komponieren lassen will.

Auf der Internet-Seite von Chessbase stellt er diesen Ansatz vor; dort sind auch vorausgehende Arbeiten verlinkt. Wer sich für das Thema interessiert, für den bietet sich sicherlich interessanter Lese- und Diskussionsstoff. Den Link habe ich übrigens auf MatPlus.Net gefunden.

mpk-Blätter

Gute Nachrichten aus München: Nachdem die monatlich erscheinenden mpk-Blätter des Münchener Problemkreises aus gesundheitlichen Gründen des bisherigen Herausgebers in diesem Jahr nicht erscheinen konnten, werden sie ab 2015 wieder aufleben: Rolf Kohring übernimmt nun die Herausgabe dieser kleinen, aber feinen Problemschachzeitung, die weit über ein “Vereinsblatt” hinaus geht, Informalturniere ausrichtet und sich überwiegend, aber nicht nur dem Märchenschach widmet.

Unterstützt Rolf (mpk-blaetter(at)gmx.de) mit Urdrucken, Kommentaren, Lösungen und sonstigen Beiträgen. Ihr könnt die Blätter im Internet kostenlos herunterladen.