Retro der Woche 05/2026

Kürzlich bemerkte ich zufällig, dass seit 1978 jedes Jahr (ok, 2026 lassen wir noch außen vor) mit mindestens einer Aufgabe hier im Blog vertreten ist. Da habe ich natürlich nach einem Retro aus 1977 gesucht — und bin auch sehr gut fündig geworden: Mit einem Stück, das gleichzeitig eine meiner Lieblings-Märchenschachbedingungen nutzt, nämlich Gitterschach. Damit haben wir uns hier im Blog schon beschäftigt, und aus dem einschlägigen Artikel übernehme ich gleich die Definition:

„Das Brett ist in 16 2×2 Zonen aufgeteilt, und jeder Zug muss die Zone wechseln (mindestens eine Gitterlinie überqueren), Start- und Zielfeld eines jeden Zuges liegen also in unterschiedlichen Zonen.“

Alexandr A. Klibanski & Nikita M. Plaksin
feenschach 1977, 2. Preis
Gitterschach a) Wo wurden die fehlenden Steine geschlagen? Welches war der erste Zug des b) sK / c) wK? (13+10)

 
Beginnen wir zum Warmwerden mit Frage c). Im Normalschach könnte der weiße König über f1, d1 bzw. 0-0-0 oder durch 0-0 nach g1 gekommen sein. Da zwischen e1 und f1 keine Gitterlinie liegt, ist dieser Weg hier ausgeschlossen. Und auch der große Marsch „außen herum“ via b2 klappt nicht, denn von h2 hätte der weiße König nie nach g1 kommen können. Also beantwortet sich die Frage c), die nachträglich durch Preisrichter bernd ellinghoven aufgrund eines Kommentars von Löser Bernd Schwarzkopf in die Forderungen aufgenommen worden war, mit 1.0-0. Letzter Zug war Db1xXd1+.

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Retro der Woche 04/2026

In der letzten Woche hatte ich hier eine Beweispartie, die eines meiner Lieblingsthemen zeigt, vorgestellt, und heute will ich euch eine „klassische Auflöse-Aufgabe“ eines meiner Lieblings-Autoren vorstellen.

Einige Aufgaben von Sergej Wolobujew (18.11.1958–4.8.2020) hatte ich bereits 2011 in Andernach vorgestellt, nachdem ich ihn kurz zuvor „für mich entdeckt“ hatte; daraus entstand ein Aufsatz für feenschach (Heft 189, Juli 2011, S.109—111). Die heute ausgesuchte Aufgabe war in dem Vortrag bzw. Aufsatz nicht vertreten.

Sergej L. Wolobujew
Narodnoje Obrasowanije 1988, 1. Preis
#1 (13+15)

 
Wir wissen ja, dass die Forderung „#1“ eigentlich nichts anderes bedeutet, als dass man die Stellung auflösen solle, speziell um zu zeigen, wer in dieser Stellung am Zug ist. Denn ansonsten beantwortet sich die Frage ja sehr einfach: „Ist Weiß am Zug, so 1.Sc6#, ist hingegen Schwarz am Zug, so 1.— Sxd3#.“ Diese aus heutiger Sicht eher verbergende Forderung war der damaligen Ablehnung nicht partiekonformer Forderungen in der damaligen UdSR geschuldet: Das traf sowohl „Hilfsmatt in 2 Zügen“ wie auch „Löse die Stellung auf“ — da ist doch „#1“ viel orthodoxer …

Schauen wir zunächst einmal nach möglichen Schlagfällen: Schwarz spielte offensichtlich axb, und der schwarze g-Bauer muss Richtung Westen geschlagen haben: Entweder zwei Mal (g7xf6xe5 oder nur einmal (g7xf6), dann aber muss der f-Bauer nach e geschlagen haben. Damit sind alle drei schwarzen Schläge erklärt — nicht aber, wie der fehlende weiße h-Bauer verschwunden ist, der nicht direkt geschlagen werden konnte: Er selbst muss also umgewandelt haben: das geht nur auf g8, was gleichzeitig den einzigen weißen Schlagfall erklärt.

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Frohe Weihnachten 2025!

Frohe Weihnachten
Schöni Wienacht
Merry Christmas
Zalig Kerstfeest
Feliz Navidad
Buon Natale
Joyeux Noël
Мирного та щасливого Різдва Христового
С Рождеством
Христос се роди
メリークリスマス
圣诞节快乐
Glædelig Jul
Hyvää Joulua
God Jul

Euch allen wünsche ich ein schönes, ein ruhiges, ein frohes, ein besinnliches, ein gesundes und ganz besonders ein friedliches Weihnachtsfest 2025!

Zwischen zwei Bissen in den Christstollen wollt ihr vielleicht diese nette Aufgabe lösen?

Hauke Reddmann
Die Schwalbe 1986
Weiß nimmt 1 Zug zurück, dann #2 (4+3)

 

Die Lösung findet ihr noch in diesem Jahr hier!

 

Lösung

Weiß nimmt b2-b4 zurück und spielt ihn dann vorwärts, um damit zu zeigen, dass Schwarz nun ep-Schlagen darf — hier sogar muss, da dies der einzig legale Zug für ihn ist.

Also R: 1.b2-b4 & vor: 1.b2-b4! cxb3ep 2. Sxb3#

Wohl erstmalige Darstellung dieser lustigen Idee in einer Miniatur.

Retro der Woche 51/2025

Im Juniheft 1939 der Schwalbe veröffentlichte Luigi Ceriani einen umfangreichen Aufsatz unter dem Titel „Höchstleistungen und Themen in exakten Rückzügern“ und führte dazu aus:

„Unter exakten Rückzügern versteht man Stellungen, aus denen sich die zuletzt ausgeführten Züge bis zum nten Zug sowohl hinsichtlich ihrer Art als auch hinsichtlich ihrer Reihenfolge genau ableiten lassen. … nahm ich mit die die Erforschung von zwei Themen bei exakten Rückzügern vor: Das Maximum von n im Zylinderschach und die am weitesten zurückliegende Rochade.“ (Im Zylinderschach sind die a- und die h-Linie als angrenzend gedacht, was den Namen sogleich erklärt.)

Dazu schrieb Ceriani das 33. Thematurnier der Schwalbe aus, in dem es um entsprechende Überbietungen gehen sollte.

Im Aufsatz konnte er eine Zylinderschach-Stellung mit 28 eindeutigen letzten Zügen vorstellen, im Preisbericht (Februar 1940) veröffentlichte er dann seine eigene deutliche Überbietung auf 35 Züge; hierzu hatte er ein orthodoxes Schema von Hugo August und Anton Trilling aus diesem Turnier verwendet; dieses Stück habe ich für heute ausgewählt.

Luigi Ceriani (nach H. August und A. Trilling)
Die Schwalbe 1940
Zylinderschach. Welches waren die letzten 35 Züge? (14+14)

 
Man kann Zylinderschach-Aufgaben prinzipiell analysieren wie orthodoxe, muss natürlich dabei solche möglichen Züge wie La4-g2 beachten. Der Zylinder erschwert auch das konstruieren von Käfigen, da die vertikalen Brettränder fehlen.

Bei Schwarz fehlen beide Türme, ein Bauer hat sich in einen Springer umgewandelt. Bei Weiß fehlen ein Springer und der schwarzfeldrige Läufer. Alle fehlenden Steine wurden von Bauern geschlagen: bxa7 und cxd7 bzw. bei Schwarz fxg6 und gxh6 — damit steht c1 als Umwandlungsfeld des dritten schwarzen Springers fest.

Der schwarze König steht im Schach, damit steht als erster Rücknahmezug Se8-c7+ fest — und so stehen Weiß im Moment nur Bauern-Rücknahmen zur Verfügung.

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Retro der Woche 49/2025

Normalerweise tut man so etwas ja nicht, aber ein wenig will ich heute spoilern: Wenn nicht noch völlig unvorhergesehene Dinge passieren, wird es vor Weihnachten noch die jeweils letzten Schwalbe und feenschach Hefte des Jahres 2025 geben. Und daher nehme ich mir schon mal die Freiheit, heute ein klassisches Retro vorzustellen, zu dem im Heft 264 die Lösung erscheinen wird:

Gerald Ettl
feenschach 2024
Letzte 15 Einzelzüge? (11+14)

 

Schauen wir nach Auffälligkeiten im Diagramm:

Sofort fällt der dritte weiße Turm auf, der also durch Umwandlung entstanden sein muss. Sehr auffällig ist auch der schwarze Bauer a2: Er kommt offensichtlich von f7 und hat auf seinem Weg alle fehlenden weißen Steine geschlagen.

Der Ost-Käfig kann nur durch die Rücknahme von g2-g4 geöffnet werden, dazu muss aber erst der noch zu entschlagende [Lf1] heimkommen.

Weiß schlug einmal auf die g-Linie, und der andere Schlag muss im Zusammenhang mit der Entwandlung des weißen Turm erfolgt sein. Warum?

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Retro der Woche 43/2025

Ende September erschien die September-Ausgabe (263) von feenschach, und darin findet ihr auch die Lösungsbesprechung der Urdrucke des Heftes 256.

Der dortige Urdruckteil war, durch unsere Retro-Brille gesehen, erfreulich groß: 14 Aufgaben, und darunter waren immerhin drei klassische orthodoxe Auflöse-Aufgaben.

Eine davon m möchte ich euch heute zeigen.

Gerald Ettl
feenschach 2024
Letzte 21 Einzelzüge? (10+14)

 
Schauen wir zunächst nach der Bauernstruktur: Schwarz hat alle fehlenden weißen Steine mit seinen Bauern geschlagen: a4xb3, dxc und gxf, fxexd, wobei wir noch nicht erkennen können, welcher der sBf3 und sBc2 von f7 oder von g7 kommen. Bei Weiß sehen wir die Schläge cxd und g2xh3.

Und da bei Schwarz ein Turm und der h-Bauer fehlen, ist klar, dass der schwarze Bauer auf h3 starb, der Turm also auf der d-Linie.

Damit sind alle fehlenden Steine durch Bauern geschlagen worden.

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Retro der Woche 41/2025

An diesem Wochenende findet in Leimen das Jahrestreffen der Schwalbe statt — und was passt da heute besser als ein Retro zweier wichtiger Gründungsmitglieder dieser Organisation?

Anton Trilling war der Essener Initiator (angeregt von Wilhelm Maßmann in Kiel) der Schwalbe-Gründung im Jahr 1924 und ihr erster Vorsitzender, Hugo August mit damals 21 Jahren jüngstes Gründungsmitglied; gerade er hat sich als hervorragender Retro-Komponist profiliert.

Hugo August & Anton Trilling
Die Schwalbe 1940, 33. Thematurnier
Die letzten 15 Züge waren Schachzüge! (11+14)

 

In dem immer noch lesenswerten Artikel „Höchstleistungen und Themen in exakten Rückzügern“ hatte Luigi Ceriani im Juniheft 1939 der Schwalbe (Seite 513–516) 13 Aufgaben mit aktuellen Längenrekorden vorgestellt, in denen also die letzten Züge vor Erreichung der Diagrammstellung eindeutig bestimmbar sein mussten. Hierzu schrieb er das 33. Thematurnier aus, in dem Überbietungen der im Aufsatz angegebenen Rekorde gefordert waren.

In diesem Aufsatz hatte Ceriani „unser“ Thema mit 10 Zügen dargestellt; er vermutete, dass 11 oder 12 gingen — mit 15 hatte er nicht gerechnet, wie er im Preisbericht im Februarheft 1940 der Schwalbe (Seite 513–516) bekannte.

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Retro der Woche 40/2025

Bei Märchen-Retros faszinieren mich besonders solche Bedingungen, die sehr einfach zu erklären und zu verstehen sind und interessante Auswirkungen auf die Retroanalyse und den Lösungsverlauf haben. Hierzu gehören für mich z.B. Längstzüger, Duellantenschach — und auch Gitterschach, bei dem das Brett in 16 2×2 Quadrate aufgeteilt ist, und bei jedem Zug müssen Start- und Zielquadrat unterschiedlich sein, d.h. es muss mindestens eine Gitterlinie überquert werden.

Ein wie ich finde großartiges Gitterschach-Retro war in feenschach 256 veröffentlicht; die Lösung wurde im gerade erschienenen Heft 263 (September 2025) publiziert.

Dmitrij Baibikov
feenschach 2024
Letzte 31 Einzelzüge? Gitterschach (14+12)

 
Wenn man sich etwas in die Bedingung hinein denkt, fällt schnell auf, dass eine Umwandlung mindestens drei Schlagfälle benötigt, ein König nie auf einem Eckfeld und ein weißer Bauer nie auf a6 oder h6 stehen kann.

Ich orientiere mich hier einfach an meinem Löser-Kommentar infenschach:

Gitterschach-Retros sind fast immer höchst interessant, und bei dem Autor kann man natürlich eine Menge erwarten! Wegen Bh2>f7 mit zwei Schlagfällen kann es keine Umwandlungen gegeben haben; die benötigen im Gitterschach mindestens drei Schläge (2-4x5x6-7×8). Damit müssen auch [Bb2] und [Bc2] irgendwo auf dem Damenflügel geschlagen worden sein, der letzte Zug 1.– Sh2-f1# erfolgte also schlagfrei.

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