Retro der Woche 33/2014

Heute möchte ich euch eine „rätselhafte“ Beweispartie vorstellen, die sicherlich nicht ganz leicht zu lösen ist, die mir sehr gut gefällt wegen ihres Themas.

Wer die Aufgaben von Thierry ein wenig kennt, könnte vielleicht schon zumindest die Richtung des Inhaltes erraten? Und diese mögliche Vermutung wird ja noch durch die Diagrammposition verstärkt: Es könnte irgend etwas mit Rochade zu tun haben?!

Thierry Le Gleuher
British Chess Magazine 1993, 2. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 24 Zügen (15+15)

 

Zunächst einmal bietet die Stellung keine besonderen Anhaltspunkte: Besonders spektakulär sind die geschehenen Schlagfälle nicht, dass sie sofort einen Großteil der Lösung verraten: Der [wLc1] als einziger fehlender weißer Stein wurde auf f6 geschlagen, und somit bleibt für den einzigen fehlenden schwarzen Stein, den [sBc7] nur, dass er auf seiner Linie von einem weißen Offizier geschlagen wurde.

Nun sollten wir uns wie üblich mit der minimalen Zügezahl zumindest einer Partei beschäftigen:

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Popeye App

Habt ihr euch schon mal gewünscht, das Löseprogramm Popeye auf eurem Smartphone zu haben? Dann kann euch nun geholfen werden – zumindest teilweise.

Dafür solltet ihr ein Android-Handy oder -Tablet haben (mindestens Version 3.0) – und auch dann bekommt ihr Popeye nicht direkt auf euer Smartphone…

Diyan Kostadinov hat die App ChessComposer entwickelt, und in der neuesten Version 3.1 kann sie auch Probleme mittels Popeye lösen. Aber nicht direkt auf dem Handy, sondern die App kann via Internet Verbindung aufnehmen zur „Server-Version“ von Popeye, nämlich Ankona: Dorthin schickt ChessComposer die Aufgabe und holt sich vom Server anschließend die Lösung.

Dies ist natürlich eingeschränkt (eine Schlagschach-Beweispartie von zehn oder elf Zügen kann auch auf einem schnellen PC schon mal 24 Stunden oder länger dauern) auf wenige Züge mit direkten oder Hilfs-Forderungen, aber auch mit Märchenfiguren und -bedingungen.

Diyan bietet zwei Versionen seine App an: eine funktional eingeschränkten, die kostenfrei ist, sowie die 10 Euro teure Vollversion, die natürlich deutlich mehr kann.

Aber beide eignen sich etwa, um Diagramme zu erfassen und als Bilddatei abzuspeichern: für „zwischendurch“ und „unterwegs“ sicherlich auch gelegentlich sehr nützlich.

Schaut euch die App einmal an, ladet zunächst einmal die freie Version auf euer Smartphone oder Tablet – viel Spaß damit!

 

Retro der Woche 32/2014

Es ist schon sehr bemerkenswert, wenn in einem Kompositionsturnier, das für alle Problemarten offen ist, ein Retro ganz vorn landet, besonders, wenn es sich um logische, neudeutsche Thematik handelt.

Das ist nun gerade Manfred Rittirsch in der Gruppe B des Hans Peter Rehm Jubiläumsturniers von feenschach und Die Schwalbe anlässlich seines 70. Geburtstags gelungen (Preisrichter: der Jubilar zusammen mit bernd ellinghoven) – herzlichen Glückwunsch, Manfred!

Worum ging es in dem Turnier? Um die Darstellung des „Rehmers“ in möglichst origineller Form.

Manfred Rittirsch
Rehm-70 Jubiläumstunier, Gruppe B, 2014, 1. Preis
Beweispartie in 11,5 Zügen (14+15)

 

Der Erfinder und Jubilar erläutert selbst das Thema im Preisbericht:

Der Einfall seinerzeit (1990) war nicht die Umgehung einer Linienfigur durch eine andere, um im Vergleich zum Probespiel die richtige Reihenfolge zweier Linienfiguren mit gleicher Zugart herzustellen, sondern diese Umgehung durch einen antikritischen Zug der am Schluss „vorderen“ Figur auf der Themalinie erst zu ermöglichen.

Eine „richtige“ Reihenfolge kann sinnvoll als solche nur genutzt werden, wenn beide Figuren dann längs der Themalinie „nach vorn“ verwendet werden, was nur durch einen Bahnungszug der vorderen Figur für die hintere möglich ist.

Damit ergeben sich als Bestandteile des Themas:

1. Antikritikus der Figur, die am Schluss „die vordere“ werden soll.
2. Periführung (um die andere Figur „hinter“ die kritisch ziehende zu bringen).
3. Bahnungszug der „vorderen“ Figur.

Inzwischen akzeptiert man die Bestandteile 2. & 3. als Rehmer (schon das war zur
Entstehungszeit wohl eher selten dargestellt), und spricht von „vollständigem Rehmer“, wenn 1. hinzukommt. 2. setzt voraus, dass ein Probespiel vorhanden ist, in dem die eine Themafigur auf der falschen Seite der anderen landet, was durch die Periführung korrigiert wird. Ein Rehmer wirkt besonders eindrucksvoll, wenn die umgehende Figur auf der Themalinie auf der falschen Seite der anderen startet.

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57. WCCC – Turnierausschreibungen

Das 57. WCCC (World congress of Chess Composition) vom 23. bis zum 30. August in Bern wirft seine Schatten voraus — auch bezüglich der ausgeschriebenen Kompositionsturniere. Viele davon sind auch offen für Teilnehmer, die nicht in Bern sind — nur die Übergabe der (meist flüssigen) Preise ist dann etwas schwieriger…

Eine laufend aktualisierte Übersicht der ausgeschriebenen Turniere findet ihr auf der WCCC Website; es lohnt, immer mal wieder dort zu schauen.

August-Schwalbe

Schon jetzt, Ende Juli, ist das August-Heft der Schwalbe erschienen, auch wenn die Zustellung bei dem einen oder anderen noch etwas dauern kann, da es mit der Adressdatei für den Versand technische Probleme gegeben hatte.

Viel Lese- und Lösestoff gibt es wieder: Zehn Retro-Urdrucke warten auf Beschäftigung — und ich auf eure Lösungen und vor allen Dingen Kommentare. Fünf Preisberichte finden sich im Heft, und auf einen davon werde ich, obgleich es kein Retro-Bericht ist, in Kürze zurückkommen.

Und dann möchte ich euch ganz besonders den sehr interessanten Beitrag von Günter Büsing über “Carlchen” ans Herz legen: Viel Spaß wieder am Heft.

Retro der Woche 31/2014

Heute möchte ich mal wieder einen Verteidigungsrückzüger vorstellen. Ihr erinnert euch: Hier kooperieren Schwarz und Weiß nicht, wie sonst bei Retroaufgaben, ob das nun Beweispartien oder Auflösungs-Aufgaben sind; hier will Weiß ein Vorwärtsziel erreichen – und Schwarz verteidigt sich dagegen, versucht also, dieses Ziel zu verhindern, natürlich stets mit legalen Zugrücknahmen.

Natürlich muss man hier festlegen, wie Entschläge zurückgenommen werden, und hier gibt es zwei verschiedene Typen des Verteidigungsrückzügers: Bestimmt die Partei, die einen Zug zurücknimmt, auch das mögliche Schlagopfer der Gegenseite, so sprechen wir vom Typ Proca. Bestimmt hingegen die Gegenpartei, welcher ihrer eigenen Steine entschlagen wurde, so sprechen wir vom Typ Hoeg.

Zeno Proca und Niels Hoeg haben quasi gleichzeitig im Jahre 1924 die Idee zu Verteidigungsrückzügern gehabt, sie hatten aber unterschiedliche Ideen zum Entschlag.

 

Alexander Jarosch
diagrammes 1999, 4. Lob
#1 vor 4 Zügen, VRZ Proca (3+13)

 

Ähnlich wie bei direkten Mattaufgaben kann es sinnvoll sein zu überlegen, welcher weiße Stein denn matt setzen könne?

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Buchempfehlung: Reverend

Für mich ist es immer ein besonderer Moment, wenn ich ein Heft, gar ein Buch in Händen halte, an dessen Erstellung, an dessen Satz und Layout ich mitgewirkt hatte. Den Inhalt kenne ich dann natürlich, auch das prinzipielle Layout kenne ich, aber trotzdem ist es faszinierend, das Heft, das Buch dann wirklich in Händen zu halten, darin blättern zu können, vielleicht Fotos zu bewundern, die ich vorher noch nicht gesehen hatte, weil sie erst beim Druck hinzugefügt worden sind.

Dieses tolle Gefühl konnte ich in dieser Woche bereits zwei Mal genießen: Dort habe ich ganz druckfrisch zwei neue Bücher aus der FEE=NIX Serie erhalten – eigentlich ein Buch in zwei verschiedenen Versionen…

Hans Peter Rehm und Stephan Eisert haben gemeinsam „Eines Reverends Einfall, der Geschichte machte“, von Herbert Grasemann 1981 veröffentlicht, neu herausgegeben und erweitert mit einem Aufsatz („Pläne, Spiele, Züge“, den beide 1977 in Die Schwalbe veröffentlicht hatten) sowie einer Auswahl von 82 neueren neudeutschen Problemen.

Herausgekommen ist eine großartige Zusammenstellung der Theorie und Geschichte neudeutscher Schachprobleme, hervorragend lesbar durch den tollen Stil sowohl von Grasemann als auch von Rehm und Eisert. Dass dabei natürlich auch hervorragende Probleme geboten werden, versteht sich von selbst.

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Retro der Woche 30/2014

Und weiter geht es mit dem Pronkin-Thema: Heute stelle ich euch die erste einfarbige Vierfachdarstellung dieses Themas in einer eindeutigen Beweispartie vor.

Ihr erinnert euch? Im Retro der Woche 27/2014 war es eine nun schon eigentlich 25 Jahre alte Dreifachsetzung des Themas, im folgenden Retro der Woche 28/2014 die erste, nun fünf Jahre alte einfarbige Pronkin-Allumwandlung.

Quasi ein Zwischenglied ist das heutige Stück, bei der – wen wundert es?? – der Springer zur Allumwandlung fehlt und durch einen zweiten Turm, normalerweise der am einfachsten darzustellende Pronkin-Stein, ersetzt wird.

Nicolas Dupont
Orbit 2005 (V), 1. Preis, zum Gedenken an Guy Dupont
Beweispartie in 31 Zügen (15+10)

 

Aber auch das ist natürlich alles andere als trivial, wie allein schon die Tatsache zeigt, dass das Stück mit 10,5 Punkten ins FIDE-Album gekommen ist.

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