Retro der Woche 22/2015

Häufig findet man in Retros eine Vorwärts-Forderung wie „#1“, um dem Problem einen „orthodoxen Anstrich“ zu geben, in der Hoffnung, dadurch vielleicht mehr Interessenten für die Retroanalyse zu finden. Dies war in den Frühzeiten der Retroanalyse, als sie sich noch nicht als eigenständige Problemgattung emenzipiert hatte, sicherlich eine sehr natürliche Überlegung.

Wenn man jetzt solch eine Forderung findet, sollte man immer den genauen Sinn hinterfragen — so auch beim heutigen Beispiel.

Leonid M. Borodatow
Die Schwalbe 1974
#1 — Welches waren die letzten 7 Einzelzüge? (15+6)

 

Hier ist für Schwarz überhaupt kein Matt zu sehen, und das durch Weiß ist so schwer auch nicht zu finden – also reine „orthodoxe Camouflage“? Nein, sicherlich nicht, denn das Matt verrät auch etwas über die Vergangenheit der Stellung: Weiß kann Matt setzen, ist also gemäß der Forderung am Zug — und damit hat Schwarz zuletzt gezogen.

Und nun können wir uns mit der Retroanalyse der Stellung beschäftigen.

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Schwalbe-Tagung 18.-20.9.2015

Die diesjährige Schwalbe-Tagung findet, organisiert von Ronald Schäfer, vom 18. bis zum 20. September im Aalener Römerhotel in  73433 Aalen-Treppach statt.

Bis zum 1. Juni sind dort für die Teilnehmer Zimmer zu Sonderkonditionen reserviert — nutzt also, soweit noch nicht geschehen, möglichst die Pfingsttage noch rasch zur Anmeldung im Hotel und bei Ronald (bei ihm auch, wenn ihr eine andere Unterkunft wählt!), der sich auch über eure Vorschläge und Beiträge für das schachliche Programm freut!

Alle notwendigen Informationen zum Tagungshotel, den Preisen, dem Programm auf der Tagung und touristischen Attraktionen in der Gegend findet ihr auf der entsprechenden Schwalbe-Seite — wir sehen uns in Aalen?!

 

Ander-Nach-Bericht

Nun ist das Problemschachtreffen in Andernach schon wieder ein paar Tage zu Ende, und noch ist hier kein Bericht dazu erschienen. Das will ich ganz kurz nachholen:

Wir haben uns wieder im Ratskeller getroffen, dem früheren Restaurant von Organisator (mit bernd ellinighoven zusammen) Zdravko Maslar. Heute ist es kein Restaurant mehr, sondern eine (Raucher-) Gaststätte, in der wir aber den Saal ungestört und rauchfrei für uns hatten. Wieder hatten sich etwa 50 Teilnehmer eingefunden, unter ihnen erstmals Ralf Krätschmer — kaum zu glauben, dass er vorher noch nie da gewesen war!

Wie üblich ein “Programm ohne Programm” mit Zeit zur Dikussion mit vielen “alten” Bekannten und Freunden über Schach im Allgemeinen, Retro im Besonderen, über Gott und die Welt — und doch habe ich dort etwas erlebt, was vielleicht noch nie, aber zumindest lange nicht mehr passiert ist: Sämtliche Programmpunkte (Vorträge, Lösungsturnier) begannen auf die Minute pünktlich! So habe ich am Freitagabend den Beginn der Vorträge verpasst, da ich erst um drei Minuten nach neun vom Abendessen zurück gekommen war. Neu war auch der Ausflug zum “Runden Turm” in Andernach, der seit einiger Zeit für interessante Führungen mit tollem Blick über das Rheintal geöffnet ist.

Einige der Vorträge werden in feenschach erscheinen, ich selbst hatte aus einem langen Aufsatz von Andrej Frolkin und Chris Tylor einige Ideen und Aufgaben vorgestellt.

Auch die Ergebnisse des Kompositions- und des Lösungsturniers werdet ihr in feenschach nachlesen können — und heute solltet ihr euch schon mal den 5. bis 8. Mai des kommenden Jahres  im Kalender blocken: Andernach 2016!

RIFACE 2015

Das traditionelle Probelmschachtreffen in Frankreich findet wie immer am Pfingstwochenende statt, dieses Mal nicht in Messigny wie in den letzten Jahren, sondern in Saint-Germain au Mont d’Or bei Lyon.

Wie immer gibt es verschiedenen Kompositionsturniere, die auch für Nicht-Teilnehmer offen sind; Einsendungen bis zum 24. Mai 15:00 Uhr (Pfingstsonntag) per Mail an RIFACE.2015(at)gmail.com.

Die Themen für Hilfsmatt, Märchen und Retro könnt ihr hier im Blog herunterladen; viel Spaß und Erfolg!

Retro der Woche 21/2015

Heute möchte ich mal wieder ein wenig in die „Frühgeschichte der Beweispartien“ schauen — und wir sollten daran denken, dass diese Phase vor etwa 30 bis 35 Jahren war; deren bedeutendster Protagonist war sicherlich der junge Michel Caillaud.

Hier nun eines seiner großartiegen Stücke von vor 30 Jahren:

Michel Caillaud
Europe Echecs 1985, 2. Preis
Beweispartie in 26,5 Zügen (14+11)

 

Auffällig ist sofort die Homebase der schwarzen Steine: Es fehlen genau fünf Bauern. Die Stellung der weißen Steine ist nicht ganz so übersichtlich, und daraus werden wir nun versuchen, ein paar Schlüsse für die Lösung zu ziehen.

Beginnen wir mit der Inventur: Es fehlt ein Bauer sowie ein Springer. Der fehlende Bauer kann aufgrund der Positionen der weißen Steine [Ba2] oder [Bg2] sein. Können wir das im Zusammenhang mit den schwarzen Steinen bereits entscheiden?

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Tandem-Wettbewerb

Kennt ihr Tandem-Schach? Ich kann mich gut an meine Vereins-Zeit erinnern, wo wir das mit wachsender Begeisterung an den Trainingsabenden gespielt haben! Kennt ihr Tandem-Schach noch nicht?? Dann wird es höchste Zeit!

Auf alle Fälle solltet ihr euch den neuen Wettbewerb des Schachzeitung Württemberg (wieder organisiert von Wolfgang Erben) anschauen, der sich in diesem Jahr mit Tandem-Schach beschäftigt, bei dem es wieder attraktive Preise zu gewinnen gibt. Aber einfach ist er sicherlich nicht…

Hier könnt ihr die Ausschreibung herunterladen; Einsendeschluss ist der 30. November 2015.

Andernach

Von heute bis zum Sonntag findet in Andernach zum 41. Mal das Märchenschach-Treffen statt, das alljährlich aus Nah und Fern Problemisten anzieht. Wer sich noch kurzfristig zu einem Besuch, vielleicht nur an einem der Tage, entschließt, kommt zum Ratskeller (Hochstraße 33) in Andernach — “Uralt-Besucher” wird die Adresse noch bekannt vorkommen: Das ist das Lokal, das Zdravko Maslar bis zu seinem Ruhestand geführt hatte, in dem bis dahin die Treffen seit 1975 immer stattgefunden hatten.

Nicht nur die “reinen” Märchenschächer fühlen sich in Andernach wohl, auch viele “Orthodoxe” finden ihren Weg dorthin, und auch der Anteil der Retrofreunde ist dort hoch.

Bei den Märchenschach-Kompositionsturnieren werden auch immer wieder Retro-Turniere durchgeführt; zum Einstimmen hier der “Retro-Sieger” des Turniers 2012: Dabei ging es um (Märchen-) Beweispartien, die den “Kampf gegen die Bedingung” zeigen, in der also die Bednigung nicht genutzt wird, um ein Thema möglichst einfach darzustellen, sondern wo sich die Bedingung als Hindernis im Erreichen des Problemziels erweist.

Michel Caillaud
Andernach 2012, 1. Preis
Beweispartie in 23,5 Zügen, Madrasi (14+14)

 

Kurz sei die Bedingung Madrasi erklärt: Wird ein Stein (außer König) von einem gleichartigen Stein des Gegners beobachtet, wird er gelähmt und verliert während der Beobachtung jede Zugmöglichkeit und Wirkung außer seinerseits gegnerische gleichartige Steine zu lähmen. Eine Rochade (=Königszug) mit einem gelähmten Turm ist möglich. Ein doppelschrittig ziehender Bauer ist e. p.-schlagbar. Mit dem Zusatz “rex inklusiv” können sich auch Könige gegenseitig lähmen.

Lösung: 1.c4 Sa6 2.Da4 Tb8 3.Dc6 bxc6 4.Sh3 Tb3 5.Tg1 Ta3 6.bxa3 Sb8 7.Lb2 La6 8.Le5 Lb5 9.Ld6 exd6 10.Sc3 Df6 11.Td1 Df3 12.gxf3 La4 13.Tg3 Lc2 14.Sg1 Lg6 15.Lh3 Lh5 16.Lf5 d5 17.Lc2 Lg4! (Tempo) 18.La4 Lf5 19.Lb5 Lc2 20.La6 La4 21.Lb7 Lb5 22.La8 La6 23.Sb1 Lc8 24.Lb7

Preisrichter Hans Gruber schrieb dazu: “Das Problem ist thematisch, indem sehr hoher Aufwand nötig ist, um eine Madrasi-Lähmung des sLc8 vor dem letzten Halbzug zu vermeiden: Der sLc8 muss zum Königsflügel, mit zusätzlichem Tempozug (Lg4!). Der Autor hält das Problem mit dem verschleiernden letzten Einzelzug für besser als ohne ihn, auch wenn argumentiert werden könnte, dass der Inhalt nach 46 Einzelzügen gezeigt sei.”

Retro der Woche 20/2015

Vor ein paar Tagen habe ich mir die Original-Retros in einigen der letzten StrateGems Ausgaben angeschaut, und eines dieser Stücke möchte ich heute vorstellen, weil es mich ziemlich beeindruckt hat — und trotzdem ist für mich noch ein Wunsch bezüglich der Lösung offen…

Unto Heinonen
StrateGems 2014
Beweispartie in 21,5 Zügen (13+15)

 

Beginnen wir wie üblich mit der Schlagbilanz und der Inventur: Bei Schwarz snd zwei Bauernschläge sichtbar (axb und b7xc6), bei Weiß keiner — damit ist noch jeweils ein Schlag frei. Bei Schwarz fehlt nur ein Bauer ([Be7] oder [Bf7]), und bei Weiß fehlen [Lc1] sowie [Be2] und [Bf2].

Die weißen sichtbaren Züge sind schnell gezählt: 1+2+0+1+1+1=6 für Weiß und 0+2+5+3+4+5=19 für Schwarz.

Der letzte Zug ist das Schachgebot einer weißen Dame — kann die gerade auf f8 erwandelt worden sein? Nein, das geht nicht, denn dann hätte der letzte weiße Zug e7xXf8=D+ sein müssen, aber dieses „X“ kann nicht exisiteren, da [Bf7] nicht umgewandelt haben kann: So viele freie Züge hat Schwarz nicht.

In dem Zusammenhang fällt aber noch ein Detail auf:

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