Retro der Woche 22/2017

Am heutigen Sonntag endet das traditionelle (Märchen-) Schachtreffen in Andernach, und daher habe ich für heute ein Märchen-Retro, eine Märchen-Beweispartie herausgesucht. Die hier geltende Bedingung „monochromes Schach“ wird im Schwalbe-Lexikon ganz einfach definiert: „Es sind nur Züge erlaubt und legal, deren Ausgangs- und Zielfeld von gleicher Farbe sind. Das gilt auch bei der Beurteilung von Matt und Patt.“ Das ist schon alles.

René J. Millour
Springaren 2007, 2. Preis
Beweispartie in 20,5 Zügen, monochromes Schach (13+7)

 

Einige Schlussfolgerungen für mögliche und unmögliche Züge kann man direkt aus der Bedingung ableiten.

So werden die Springer zu „Immobilien“, die nie ziehen können. So können die Könige direkt auf benachbarten Feldern stehen, da sie sich gegenseitig nie „bedrohen“ können: Der weiße König bleibt immer auf schwarzen, der schwarze König immer auf weißen Feldern. Und es gibt nur kurze Rochaden, da ja bei einer langen der beteiligte Turm die Felderfarbe wechseln würde. (Das ist allerdings Vereinbarungssache, denn wenn man die Rochade als reinen Königszug betrachtet, könnte man den Felderfarbwechsel des Turmes ignorieren. Das aber hätte merkwürdige Folgen für die Turmzüge.)

Ein ganz wichtiger Aspekt ist, dass Bauernzüge natürlich eingeschränkt sind: Bauern können nicht einen einfachen Schritt machen, da dabei dir Farbe gewechselt wird. Es funktionieren also nur der Bauerndoppelschritt am Anfang und anschließend nur Schläge.

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Retro der Woche 21/2017

Das Duo Frolkin / Prentos haben wir hier schon mehrfach gesehen, zum letzten Mal im Retro der Woche 45/2016, und von den beiden möchte ich euch heute eine weitere interessante Gemeinschaftsaufgabe vorstellen.

Andrej Frolkin & Kostas Prentos
Orbit 2013, 2. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 15,5 Zügen (15+13)

 

Bei einem kurzen Blick auf das Diagramm fallen sofort die beiden weißen Damen auf b8 und c8 auf, gleichzeitig steht der schwarze König im Schach. Daraus lassen sich doch sicherlich Rückschlüsse auf den Lösungsverlauf ziehen?!

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Marco Bonavoglia 64

Einen sehr “eckigen” Geburtstag, der aber für jenen Schachfan eigentlich der rundeste ist, feiert heute Marco Bonavoglia: Viele kennen ihn sicher beispielsweise aus Andernach und schätzen ihn auch als Retro-Freund, der schon lange in unserem Lieblingsbereich schöne Aufgabe, häufig verbunden mit Märchenbedingungen baut.

Ein schon etwas älteres Stück, das mir aber immer wieder hervorragend gefällt, habe ich zur Feier des Tages herausgesucht:

Marco Bonavoglia
feenschach 1986
Beweispartie in 11,5 Zügen, Schlagschach (16+15)

 

Die Frage ist natürlich, wie und wo der einzig fehlende Stein, der schwarze König, “herausoperiert” werden konnte, ohne dabei in andere Schlagfallen tappen zu müssen.

1.d3 Sf6 2.Kd2 g5 3.Ke3 Lh6 4.Ld2 0-0 5.Le1! Kh8 6.Lc3 Sg8 7.Lxh8 a5 8.Lc3 a4 9.Ld2 Sf6 10.Lc1 Th8 11.Kd2 Lf8 12.Ke1.

Da gibt es in so wenigen Zügen viel zu bestaunen: Jede Menge Rückkehren, Rochade, ein verblüffender Tempozug — immer wieder schön!

Lieber Marco, alles Gute wünsche ich dir zu deinem Geburtstag — und wir sehen uns in Andernach?!

Retro der Woche 20/2017

Am letzten Freitag konnte Andrej Frolkin seinen 60. Geburtstag feiern, und deshalb habe ich natürlich für heute eine weitere Aufgabe von ihm herausgesucht. Sie ist exakt 30 Jahre alt und hat sogar inhaltlich ein wenig mit dem am Freitag vorgestellten Stück zu tun.

Andrej Frolkin
Die Schwalbe 1987, 3. Preis
Letzte 34 Einzelzüge? (15+10)

 

Ein paar Details der Stellung sieht man recht schnell:

Der fehlende weiße Springer wurde mittels axb geschlagen; zwei Schläge durch Weiß (dxc, cxb) sind ebenfalls sofort sichtbar.

Und klar ist, dass Schwarz mit der Rücknahme beginnen muss, denn der weiße König steht im Schach. Da sBd3 nicht entschlagen kann, haben wir schon 1/34 der Lösung: R: 1.d4-d3+.

Dann wird es aber ein wenig komplizierter, wenn wir uns überlegen, wie der Knoten im Westen aufgelöst werden kann.

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Andrej Frolkin 60

Ganz herzliche Glückwünsche gehen heute nach Kiew, wo Andrej Frolkin seinen 60. Geburtstag feiert.

Andrej ist ein unglaublich aktiver Problemist – zum Glück überwiegend im Retrobereich unterwegs, aber auch im Hilfsmatt und Märchenschach. Daraus resultiert auch seine breit gefächerte Kompositionstätigkeit: Einerseits ist er einer der „Urväter“ der eindeutigen Beweispartie, andererseits ein großartiger Komponist von klassischen Auflöse-Retros und Verteidigungsrückzügern – und dabei lässt er auch kreative Märchenretros nicht außen vor.

Gleichzeitig ist er ein begnadeter Autor: Seine vielen tiefsinnigen und doch sehr gut lesbaren Artikel, gerade in feenschach und Die Schwalbe, seine vielen, kenntnisreich und gleichzeitig rasend schnell erstellten Preisberichte, sein mit Gert Wilts schon 1991 herausgegebene Buch über eindeutige Beweispartien, seine aktive Mitarbeit am Album und WCCI trugen und tragen zur weiteren Popularisierung der Retroanalyse bei.

Lieber Andrej, ich bin sehr glücklich, mit dir bereits viel zusammengearbeitet zu haben und freue mich auf noch viele gemeinsame Projekte mit dir. Jetzt wünsche ich dir im Namen aller Blog-Leser für dein neues Lebensjahr(zehnt) alles erdenklich Gute!

Zur Feier des Tages habe ich ein klassisches Retro von Andrej ausgesucht, das schon mehr als 30 Jahre alt ist:

Andrej Frolkin
Die Schwalbe 1986
Vor 37 Einzelzügen musste rochiert werden (16+11)

 

R: 1.Se8-f6+ d5-d4 2.De7-d8 d6-d5 3.De2-e7 d7-d6 4.Dd1-e2 e2-e1=L 5.g2-g3 e3-e2 6.Le5-h2 e4-e3 7.Lc3-e5 e5-e4 8.La2-b1 e6-e5 9.Tb1-b2 e7-e6 10.Lb2xBc3 c4-c3 11.Lc1-b2 c5-c4 12.b2-b3 c6-c5 13.Lb3-a2 c7-c6 14.La4xBb3 b4-b3 15.Kh2-h3 b5-b4 16.Sh3-g1 b6-b5 17.Lb5xBa4 a5-a4 18.Kg1-h2 a6-a5 19.0-0 a7-a6 20.Lf1-b5 Kg4-h5 21.e2xSf3+ etc.

Die Aufgabe war im Rahmen des 173. Thematurniers der Schwalbe entstanden, bei dem es um verschiedene Retro-Tasks ging.

Retro der Woche 19/2017

Der Verfasser unseres heutigen „Retro der Woche“ ist nicht nur als ein hervorragender Komponist bekannt (davon können wir uns heute wieder überzeugen), sondern auch als Redakteur der Retro-Abteilung von Probleemblad sowie (Co-)Autor wichtiger Publikationen zu „modernen“ Beweispartien: Zum Beispiel das Schwalbe-Sonderheft 250A (August 2011) über „Future Proof Games“ sowie die fortsetzende Artikelreihe in StrateGems.

Roberto Osorio
Die Schwalbe 2014
Beweispartie in 19,5 Zügen (9+9)

 

So ist es nicht überraschend, dass wir auch hier „Zukunfts-Thematik“ zu erwarten haben, also mindestens die Doppelung zweier Themen. Aber das muss nicht heißen, dass die Aufgabe sehr schwer zu lösen ist: Versucht doch, bevor ihr weiterlest, vielleicht fünf oder zehn Minuten lang, die Stellung allgemein zu analysieren, ohne euch schon Gedanken über mögliche Zugfolgen zu machen. Vielleicht findet ir ja auch schon den einen oder anderen „Lösungsverräter“?

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Chessproblems.ca Nr. 11

Gestern ist die elfte Ausgabe des von Cornel Pacurar herausgegebenen Chessproblems.ca Bulletin veröffentlicht worden. Auf 100 Seiten (!) werden viele interessante Urdrucke und Artikel vorgestellt; gleich drei Beiträge befassen sich mit Retroanalyse:

  • Vlaicu Crisan & Paul Raican: Schnoebelen Theme in Shortest Proof Games
  • Jeff Coakley & Andrey Frolkin: Minimalism in Chess Rebuses
  • Cornel Pacurar: Proof Games Visualizations

Schaut dort vorbei, ladet das Heft herunter; viel Lesespaß für den (zumindest im Rheinland) verregneten 1. Mai kann ich euch versprechen!

Retro der Woche 18/2017

Ich bin immer wieder erstaunt, dass man mit dem eingeschränkten Material von nur Königen und Bauern doch interessante Retroaufgaben bauen kann. Peter Kniest nannte Aufgaben mit dieser Steinkonstellation bekanntlich „Kindergartenprobleme“, aber deren Komplexität muss sich nicht zwangsläufig auf „Kindergarten-Niveau“ beschränken.

Besonders Gerd Wilts und Thierry Le Gleuher beschäftigen sich gelegentlich mit Aufgaben dieser Art, und es ist immer wieder überraschend, wie viel Inhalt sie damit darstellen können. Vielleicht möchtet ihr euch noch einmal das Retro der Woche 42/2012 anschauen?

Heute aber natürlich eine andere Aufgabe.

Thierry Le Gleuher (nach Gerd Wilts)
Phénix 2014
Letzte 13 Einzelzüge? (9+9)

 

Ich lade euch herzlich ein, selbst Löseversuche anzustellen, bevor ihr weiterlest: Das Stück ist sicher eine ideale Aufgabe, selbst einmal klassische Retros zu lösen.

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