Retro der Woche 31/2017

Preisrichter Thierry Le Gleuher war von der durchschnittlichen Qualität der Nicht-Beweispartien im Jahrgang 2015 von StrateGems weniger überzeugt als von der der Beweispartien. Daher vergab er nur einen Preis; der allerdings ist, wie ich meine, sehr sehenswert.

Andrej Frolkin
StrateGems 2015, Preis
Ergänze wS auf der 1. Reihe. Letztes notwendiges Schachgebot? (13+12)

 

Wenn wir nun die Analyse möglicher Schläge vornehmen, müssen wir berücksichtigen,dass Schwarz nur zwei Steine hat schlagen können – im diagramm fehlt ja noch der zu ergänzende weiße Springer.

Offensichtlich ist, dass Schwarz exd gespielt hat. Da Schwarz ja nur zwei Mal schlagen konnte, stammen alle anderen schwarzen Bauern von ihrer Reihe – nur bei sBg3 ist nicht klar, ob er von der g- oder der h-Linie stammt.

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Retro der Woche 30/2017

Gern greife ich den Vorschlag von Roberto Osorio auf, die kleine „Ceriani-Frolkin-Reihe“ noch etwas fortzusetzen. Auch mit der für heute ausgewählten Aufgabe sind wir direkt am Puls der Zeit, denn erst seit 2015 gibt es nach dem Pionierstück (siehe Retro der Woche 28/2017) eine Menge weiterer „Sechsender“. Einen davon wollen wir heute anschauen.

Nicolas Dupont, Silvio Baier & Roberto Osorio
Probleemblad 2016
Beweispartie in 32,5 Zügen (12+10)

 

Auch hier beginnen wir wie üblich mit der Inventur:

Bei Weiß fehlen genau die vier Bauern des Königsflügels, bei Schwarz neben fünf östlichen Bauern noch [Lf8]. Schwarze Schlagfälle sind nicht sichtbar; bei Weiß sehen wir fünf Bauernschläge: c2xb3xa4 sowie d2xc3xb4xa5.

Das erscheint nun wegen der fehlenden Hinweise auf schwarze Bauernschläge sehr schwer lösbar, aber vielleicht können wir doch noch ein paar Partiedetails aus dem Diagramm ableiten? Dazu zählen wir zunächst wieder die sichtbaren Züge.

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Retro der Woche 29/2017

Bei einigen Autoren kann man ein wesentliches Thema schon erraten, auch wenn man die Lösung der Aufgaben noch nicht kennt. Ein solcher Autor ist Tom Volet, der einen ganz eigenen Stil, der sein Lieblingsthema hat.

Thomas Volet
Die Schwalbe 2011 (V) 4. Preis, Dmitri Baibikow gewidmet
Löse die Stellung auf (13+14)

 

Beginnen wir wie üblich mit der Inventur: Schwarz hat mit seinen drei Bauernschlägen (axb, c7xd6xe5) alle fehlenden weißen Steine abgeräumt – das sind [Ba2], [Bb2] und [Bc2]. Von denen konnte nur der b-Bauer direkt geschlagen werden, und [Ba2] und [Bc2] mussten umwandeln. Die Umwandlungen mussten schlagfrei erfolgen, denn Weiß schlug die beiden fehlenden schwarzen Steine auf f3 und g7.

Bei Schwarz fehlt ein Turm sowie der h-Bauer, der aus den gleichen Gründen wie seine weißen Kollegen auf dem Damenflügel schlagfrei umwandeln musste.

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Retro der Woche 28/2017

Wenn ihr die letzten drei „Retros der Woche“ verfolgt habt, dann ahnt ihr sicherlich, was heute folgt?! Richtig geraten, herzlichen Glückwunsch!

Michel Caillaud
Europe Echecs 1994, A. Frolkin und G. Wilts gewidmet
Beweispartie in 32,5 Zügen (12+11)

 

Schauen wir uns zunächst einmal an, was fehlt: Bei Weiß sind es genau die Bauern des Königsflügels, bei Schwarz fehlen ebenfalls die vier Bauern des Königsflügels, hinzu kommt ein schwarzer Turm.

Andererseits sind vier weiße Bauernschläge sichtbar: c2xb3xa4 und d2xc3xb4. Da Weiß keinen der fehlenden schwarzen Bauern direkt schlagen konnte, müssen sich (mindestens) drei schwarze Bauern umgewandelt haben, um entweder einen auf dem Damenflügel geschlagenen Offizier zu ersetzen oder sich selbst auf dem Damenflügel schlagen zu lassen. Als Opfer des vierten Bauernschlages bietet sich der fehlende schwarze Turm an.

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Retro der Woche 27/2017

Im Retro der Woche vor zwei Wochen hatte ich eine Aufgabe aus dem Jahr 1972 vorgestellt und darauf hingewiesen, dass es noch neun Jahre dauerte, bis die Geschichte weiterging. Nun kommt heute eine Aufgabe aus dem Jahre 1982, und so ahnt ihr sicherlich schon, was kommt?

Andrej Frolkin
problem 1982, Pavlovic-Gedenkturnier, 1. ehrende Erwähnung
Löse die Stellung auf! (12+13)

 

Beim Blick auf die Stellung fällt sofort auf, dass der schwarze König im Schach steht, dass das nur durch einen Entschlag des wTd7 aufgehoben werden kann – und dass nach dem Entschlag Schwarz nur mit diesem entschlagenen Stein weiter zurücknehmen kann, da ihm ansonsten keine Rücknahmemöglichkeiten zur Verfügung stehen, da g7-g6 noch nicht zurückgenommen werden kann, da dies den [Lf8] ausschließen würde. Und auch f7xXe6 kann nach Wegzug des wK noch nicht zurückgenommen werden, wie wir gleich sehen werden.

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Retro der Woche 26/2017

Wir haben schon häufiger gesehen, dass sich in eindeutigen Beweispartien bestimmte Themen gehäufter darstellen lassen als in klassischen Retros. Der Grund liegt in dem „Zeitdruck“, der durch die Forderung vorgegeben ist und dadurch Manöver eindeutig machen kann, die ansonsten umgangen werden könnten.

In der letzten Woche hatte ich hier die erste Dreifachsetzung des Ceriani-Frolkin-Themas in einer klassischen Auflöse-Aufgabe vorgestellt. Heute wollen wir dieses Thema in der Beweispartie betrachten.

Michel Caillaud
Europe Echecs 1983, A. Hazebrouck gewidmet, 1. Preis
Beweispartie in 35,5 Zügen (13+12)

 

Betrachten wir zunächst wie üblich die Schlagbilanzen: Wir sehen, dass die vier fehlenden schwarzen Steine alle von weißen Bauern geschlagen wurden: dxexf und fxgxh. Sofort fällt auf, dass Schwarz über einen kompletten Satz seiner Offiziere verfügt. Es fehlen genau die vier Bauern auf dem Damenflügel, die aber von den weißen Bauern nicht geschlagen werden konnten.

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