Neue Homebase-Beweispartien

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Im Oktober letzten Jahres hatte ich auf 562 Parties Justificatives Homebase von Christian Poisson hingewiesen, in dem er Homebase-Beweispartien mit verschiedenen Märchenbedingungen vorstellte –- hauptsächlich, um WinChloe zu testen.

Nun hat er eine Fortsetzung herausgegeben: 87 Nouvelles Parties Justificatives Homebase, das wiederum kostenlos im Internet zur Verfügung steht.

Eine Beweispartie möchte ich euch heute “zwischendurch” zeigen; wie üblich reiche ich in etwa einer Woche hier die Lösung nach.

Christian Poisson
87 Nouvelles Parties Justificatives Homebase 2020
Beweispartie in 4,5 Zügen, Kannibalenschach (13+13)

 

 

Kannibalenschach ist im Schwalbe-Lexikon so definiert:
„Jede Partei schlägt nur eigene Steine (außer ihren König), nicht die gegnerischen, verfügt aber weiterhin über die “normale” Schachwirkung ihrer Steine auf den gegnerischen König.“

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Hier nun die sicher nicht allzu schwere

Lösung

1.Txh2 Lxb7 2.Txg2 Dxb8 3.Txf2 Dc8 4.Th2 Lxc8 5.Th1

Retro der Woche 24/2020

Rekordkonstruktionen zur Darstellung besonders sparsamer Stellungen mit eindeutigem letzten oder auch ersten Zug eines bestimmten Steines sind häufig technisch beeindruckende Aufgaben, die aber kaum Anreiz zum Lösen verbreiten, da sie aus Lösersicht schnell zu durchschauen sind.

Besonders reizvoll finde ich solche Aufgaben, die technische Brillanz und Lösespaß miteinander verbinden; eine solche Aufgabe möchte ich euch heute vorstellen.

Johannes M. Ott
feenschach 1982
Erster Zug des wTc8? (5+11)

 

Rasch erkennt man, dass der weiße König nur über g6-f7-e8 ins schwarze Lager gelangen konnte. Das schließt die Rücknahme von h6-h7 und von f7xXe6 erst einmal vollständig aus.

Der schwarze König kann im letzten Zug nicht einfach von d8 (illegales Doppelschach) oder von e8 (davor ging nicht d7xc8=T wegen illegalen Schachs durch den d7-Bauern) kommen. Weiß hat also zuletzt gezogen, R: 1.Te8*c8. Um Schwarz einen vorigen Zug zu geben, muss dieser Zug ein Schlag, und der muss dann Te8xD/Tc8 gewesen sein.

Nun gilt es festzustellen, ob Dame oder Turm das Schlagopfer war?!

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Unbekanntes Make&Take

Beim Make&Take funktionieren Schlagzüge anders als im normalen Schach, hier bestehen sie nämlich aus zwei Halbzügen: Zunächst macht der Schläger einen (nicht schlagenden) Zug so, wie das intendierte Schlagopfer zieht, um dann “normal”, nach seiner eigenen Gangart zu schlagen. Nach 1.g3 aus der Partieanfangsstellung kann Schwarz nun 1.– b7-g2xf1=S+ spielen: Der erste Halbzug ist der wie ein weißer Läufer, anschließend schlägt der Bauer und wandelt um.

Wieso ist das ein Schachgebot? Nun, der schwarze Springer bedroht via g2 (Sf1-g2 wie König) den weißen König (Sg2xe1). Das ist aber kein Matt, auch wenn natürlich Ke1xf1 unzulässig ist: Er muss ja einen Springerzug vorschalten! Aber es geht 2.K-g2xf1!

Die genauen Regeln auch z.B. für ep-Schläge findet ihr im Schwalbe-Märchenlexikon.

Bei den zwei kurzen Beweispartien von Stephan Dietrich, die ich euch heute zum Feiertag vorstellen möchte, kommt aber “erschwerend” hinzu, dass die Steine nicht bekannt sind: Es ist nur bekannt, wo Steine auf dem Brett stehen; Art und Farbe allerdings sind unbekannt.

Stephan Dietrich
Urdruck
Matt nach 2,5 Zügen, Make&Take (29)

 

Wir wissen, nach dem dritten weißen Zug ist der schwarze König matt. Gleichzeitig wissen wir, dass drei Schläge stattgefunden haben, denn es sind nur noch 29 Steine auf dem Brett.

Irgendwie haben wir sicher schnell den Verdacht, dass 1-c4 gespielt wurde, um den weißen Damenflügel zu öffnen, damit weiße Steine von dort (schnell, also schlagend…) zum schwarzen Königsflügen gelangen können.

In der Anmoderation hatten wir eben schon das kuriose Springerschach gegen den König gesehen — hast du eine Idee, wie man das zum Matt ausbauen könnte? Genau, stünde im Beispiel von oben noch ein schwarzer Läufer oder eine schwarze Dame auf h1, würde sie den Springer decken! Wieso? Weil nach 2.Kg2xf1 dann 2.– L/D-g2xf1 möglich wäre — also Matt.

Und damit haben wir schon beinahe die Lösung, wir müssen nur noch schauen, was mit [Bg7] passiert ist. Und dann sind wir auch schon fertig:

1.c2-c4 g7-g6 2.Lc1-c3xh8 g6-c2xd1=L 3 b2-g7xf8=S#.

Lösungsstellung
(15+14)

 

Warum hat Schwarz in einen Läufer umgewandelt? Nun, alle anderen Umwandlungen böten Schach…

 

Für euch zum Knobeln habe ich ein weiteres Stück ergänzt: Mit der gleichen Forderung, aber der zusätzlichen Bedingung “Platzwechselcirce”: Ein geschlagener Stein verschwindet nicht, sondern wird auf dem Feld wiedergeboren, von dem aus der “Schlger gerade gestartet war — Schläger und Opfer tauschen also die Platze. Bei Platzwechselcirce sähe der erste Schlag in der Lösung von oben so aus: 2.Lc1-c3xh8[sTc1]. Auch hierzu hilft das Märchenschachkexikon der Schwalbe weiter…

Stephan Dietrich
Urdruck 1.6.2020
Matt nach 2,5 Zügen, Make&Take, Platzwechselcirce (32 unbestimmte Steine)

 

 

Wenn ihr hier vermutet, dass die Klötze “außerhalb der Grundreihen” Springer sein könnten, dann liegt ihr, so viel sei verraten, zu 2/3 richtig…

Wie immer findet ihr hier die Lösung in etwa einer Woche, viel Spaß beim Lösen!

Ein wenig spät, aber immerhin…

Lösung

1.Sg1-f3 Sb8-c6 2.Sf3xc6[+sSf3]+ Ke8xc6[+wSe8] 3.Sb1-c3#
Matt durch Sc3, während Sf3 nur den Rosstäuscher gibt…

Retro der Woche 23/2020

Noch einmal möchte ich auf den Problemist Retro-Preisbericht für die Jahre 2017 und 2018 von Cedric Lytton zurückkommen, euch heute die erste ehrende Erwähnung der Abteilung „Beweispartien“ vorstellen.

Marek Kolčák & Michel Caillaud
The Problemist 2017-2018, 1. Ehrende Erwähnung
Beweispartie in 17,5 Zügen (14+15)

 

Da scheint nicht viel passiert zu sein: Von Weiß sind nur drei Bauernzüge sichtbar, bei Schwarz ein wenig mehr: dort sehen wir 1+0+3+3+2+2=11 Züge: Damit sind bei Schwarz sechs Züge offen, bei Weiß gar 15. Das hilft uns also erst einmal nicht allzu viel weiter – schauen wir also nach anderen Merkmalen, die uns vielleicht voran bringen beim Verständnis dieser Aufgabe:

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Retro der Woche 22/2020

Am „Andernach-Sonntag“ kann, nein: muss ich sicherlich ein Märchen-Retro präsentieren?!

Und da bietet sich der (einzige) Preis aus dem Problemist Retro-Preisbericht 2017-2018 an; am letzten Sonntag hatte ich den ersten Preis der Beweispartie-Abteilung aus diesem Bericht vorgestellt.

Thierry Le Gleuher
The Problemist 2017-2018, 1. Preis
Wo wurde [Bc2] geschlagen? Monochromes Schach (5+6)

 

Beim monochromen Schach müssen alle Züge auf derselben Felderfarbe enden, wo sie gestartet sind. Ein Springer kann daher nie ziehen, ein Bauer nur per Doppelschritt oder schlagend vorwärts kommen. Mit sehr wenig Material lassen sich da interessante Retroschlüsse ziehen, und Thierry ist der ausgewiesene Spezialist für monochromes Schach. Ich orientiere mich bei der Lösungsangabe an denen aus dem Bericht von Preisrichter Cedric Lytton, der das Stück als „eines der tiefsten je komponierten Monochrom-Probleme“ bezeichnet.

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Kein Andernach

Zum ersten Male seit 1974 ist das lange Christi-Himmelfahrt-Wochenende — Corona geschuldet — nicht gleichzeitig Andernach-Wochenende.

Viele von uns wären sonst jetzt auf dem Weg an den Rhein oder dort bereits eingetroffen, und da möchte ich euch für die nur “virtuelle Anreise”, also für zwischendurch, eine Märchen-Beweispartie zum Lösen anbieten. Der Autor ist auch ein regelmäßiger Andernach-Besucher.

Stephen Emmerson
The Problemist 2017-2018, 4. Lob
Beweispartie in 6,5 Zügen, Circe (14+16)

 

 

Viel Spaß damit; wie immer gibt es hier die Lösung in etwa einer Woche.

Und hier ist sie:

Lösung

1.a4 Sf6 2.a5 Se4 3.a6 Sxd2 4.Ta5 Sxa6[Ba2] 5.Dxd2[Sb8] Sb4 6.Kd1 Sc2 7.Kxc2[Sg8]

Hübscher “Wiedergeburts-Platzwechsel” der schwarzen Springer.

Retro der Woche 21/2020

Ende April hatte ich schon angekündigt, dass ich noch näher auf den im Märzheft des Problemist erschienenen Preisbericht zu den Retros der Jahre 2017 und 2018 eingehen werde. Beginnen wir heute mit dem ersten Preis der Abteilung „Beweispartien“.

Nicolas Dupont
The Problemist 2017-2018, 1. Preis
Beweispartie in 25,5 Zügen (15+13)

 

Gelegentlich gibt es ja Vorbehalte gegen Aufgaben mit sichtbaren Umwandlungssteinen. Die kann man mehr oder weniger intensiv bei der Bewertung etwa von Beweispartien einfließen lassen, dann natürlich meist im negativen Sinne („Umwandlungsfiguren sind Konstruktionserleichterungen“).

Bei dieser Aufgabe trifft der Vorwurf sicherlich nicht, denn bei einem Blick aufs Diagramm ahnt man bereits, dass die Umwandlungssteine hier nicht als Konstruktionserleichterung gedacht sind. Sie bilden im Gegenteil den wesentlichen Inhalt des Problems, sind also vollständig thematisch.

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11. WCCT

Erst hat es so lange gedauert, und dann ging es doch schneller als angekündigt: Die Ausschreibung zum 11. WCCT (World Chess Composition Tournament) ist heute veröffentlicht worden.

Der deutsche Captain Frank Reinhold wird noch eine spezielle Aufbereitung machen, worin dann auch die deutschen “Abteilungsleiter” und organisatorische Details bekannt gegeben werden. Ich kann aber bezüglich Retro schon verraten, dass ich wieder als Ansprechpartner und soweit erforderlich Koordinator zur Verfügung stehen werde. Wer also gern sich auf das Retro-Thema stürzen möchte, möge damit schon anfangen und sich gern bei mir melden.

Auch bei diesem WCCT wird Deutschland wieder die eingesandten Retros mit bewerten; wer gern mitrichten möchte, kann mir auch dazu schon Bescheid geben!