2026

Allen Retrofreunden wünsche ich
ein gutes und friedliches neues Jahr 2026!

Auch zu Beginn dieses neuen Jahres möchte ich wieder mit euch zusammen in der Geschichte der Retroanalyse 100 Jahre zurückblicken.

Zunächst sei daran erinnert, dass im Januar 1926 die erste Ausgabe des Problemist, der Zeitschrift der “British Chess Problem Society” erschien. Das ist nach der Schwalbe die zweite Zeitschrift einer Problemschachvereinigung, die nun schon ihren 100. Geburtstag feiern konnte — herzliche Glückwünsche dazu auf die Insel!

Und dann schauen wir wie im letzten Jahr wieder auf Funkschach, wo die Schwalbe auch im Jahr 1926 Unterschlupf finden konnte — nach dem weiteren Zusammenschluss mit dem Deutschen Wochenschach allerdings nicht mehr so exklusiv-großzügig wie bis Oktober 1925. Doch auch im Jahr 1926 erschienen weiter interessante Artikel, auch aus unserem Lieblings-Gebiet der Retroanalyse.

So erschien im Heft 44 (31.10.1926) auf Seite 660 ein kurzer Beitrag von Albrecht Brandis über Wenigsteiner-Hilfsrückzüger: Weiß und Schwarz nehmen einen Zug zurück, dann Hilfsmatt oder Hilfspatt in einem Zug. Das Rückspiel sollte aus zwei Entschlägen bestehen, das Vorwärtsspiel sollte schlagfrei gestaltet sein.

Eine der Beispielaufgaben bringe ich hier zum Aufwärmen im neuen Jahr:

Albrecht Brandis
Funkschach 31.10.1926
-1w – 1s, dann h=1 (1+2)

 

Wie üblich werde ich in etwa einer Woche hier die Lösung veröffentlichen.

 

 

Lösung

R: 1. Ke2xSe1! Lh1xDf3, dann 1. Sg2 Dg3=

Interessant, welche Diskussionen diese Aufgabe noch in der PDB (P1113144) hervorrief: So wies Andrew Buchanan darauf hin, dass Verführungen wie R: 1.Ke2-e1? Lg2xDf3+,Lg4xDf3+ dann 1.Lg2-h3,Lg4-h3 Dxh3= an “Dead Reckoning” (automatisches Remis bei zu geringem Material zum Mattsetzen) scheitern — also ein historisch erstes Beispiel für diese Regelung?

Daran hatte Albrecht Brandis (trotz gleicher Initialen!) sicher nicht gedacht; in seinem tabellarisch gehaltenen Beitrag zu Funkschach hatte er doppelten Entschlag im Rückspiel und schlagfreies Vorwärtsspiel explizit gefordert. Ein Blick in die PDB (A=’Brandis’ AND G=’Retro’) liefert auch alle 10 Aufgaben aus seinem Beitrag.

Aus dem Internet

Traditionell gibt es “zwischen den Jahren” (ein, wie ich finde, ziemlich blöder Begriff, denn eigentlich liegt dazwischen ja nicht mal eine Nanosekunde…) auf der englischen Seite von Chessbase wieder “Christmas Puzzles”. Los ging es am 25. Dezember mit einem Problem, das ihr sicher alle kennt — aber vielleicht die Variationen dazu nicht?

Schaut einfach auf die Startseite, dort sind die einzelnen Puzzles verlinkt.

Von Werner Keym stammt auch noch ein weiterer Lese-Hinweis (auch herzlichen Dank dafür, Werner!) auf einen Adventskalender der besonderen Art, der aber auch im Nachhinein noch zum intensiven Schmökern einlädt: Vom größten norwegischen Schachclub wurde jeden Tag ein Türchen präsentiert — denen nachzuspüren bietet großes Vergnügen, auch wenn es für Gewinnmöglichkeiten (ein von Gründer und Vorsitzendem Magnus Carlsen signiertes Schachbrett) langsam zeitlich recht eng wird …

Viel Spaß dabei!

FIDE Album 2019—2021

Schwere Literatur ist das, was vorgestern bei mir angekommen ist: Das neue FIDE -Album für die Jahre 2019 bis 2021 bringt 1.628 Gramm auf meine Küchenwaage — Vorsicht also, wer im Bett darin lesen/lösen möchte, dass es einem nicht auf die Nase fällt!

Das Album enthält auf 819 Seiten insgesamt 1840 Aufgaben, davon (nur) 77 Retros, die aus 9540 (bei den Retros: 376) Einsendungen ausgewählt wurden. In allen Alben seit 1914 sind damit 29354 Stücke erschienen, dabei führen immer noch die Zweizüger (5864). Drei der Retros wurden hier im Blog urgedruckt!

Die umfangreichsten Abteilungen in der neuen Ausgabe sind Fairies, Hilfsmatts und Selbstmatts mit 383, 362 bzw. 270 Aufgaben, die mit Abstand meisten Einsendungen (2447) kamen für die Hilfsmatts.

Ich kann das neue Album nur wieder empfehlen: Nirgendwo gibt es solch eine breite Wiedergabe guter Aufgaben wie hier. Dafür ist allen an der Auswahl und Erstellung Beteiligten herzlich zu danken. Bei den Retros waren dies Direktor Vlaicu Crisan, die Richter Dmitry Baibikov, Silvio Baier und der zwischenzeitlich verstorbene Henrik Juel; den Index hat wieder Thierry Le Gleuher erstellt.

Natürlich werde ich hier noch auf die eine oder andere Aufgabe zurückkommen, aber persönlich freue ich mich schon besonders auf das Schmökern in der Studien-Abteilung …

Stelvio 4.1

Heute hat Reto Aschwanden eine neue Version von Stelvio veröffentlicht: Version 4.1 steht zum Download bereit.

Die neue Version enthält weitere Verbesserungen in der Strategieanalyse und damit potenziell eine weitere Beschleunigung der Prüfung speziell längerer Beweispartien, aber auch die Behebung eines “horrible bug”, der unter gewissen Umständen in Version 4.0 dazu führen konnte, dass eine Aufgabe fälschlich als korrekt ausgewiesen wurde.

Hintergründe und Empfehlungen, wie ihr damit umgehen könnt, gibt Reto speziell in der WhatsNew Datei — hier solltet ihr also unbedingt hineinschauen!

Loveday zum letzten?

Nachdem vor etwa anderthalb Jahren einige Beiträge von Ralf Binnewirtz zur Veröffentlichungsgeschichte des berühmten Indischen Problems für Aufsehen und Verwirrung gesorgt hatten, da schon vor 180 Jahren auf angegebene Datumsinformationen nicht unbedingt Verlass sein konnte, hat er sich des Themas noch einmal angenommen und auf der Geschichte-Seite einen (nun vielleicht endgültigen) Nach-Nachtrag veröffentlicht.

Für die Schachhistoriker sicherlich “Pflichtlektüre”.

Tolle Platzierungen

Update 11.7.2025:
Schaut auch nach dem Bericht des DSB!

Bei den Löseturnieren im Rahmen des WCCC in Alba Iulia gab es aus deutscher Sicht hervorragende Ergebnisse:

Nachdem es am ersten Tag der Löseweltmeisterwschaft (WCSC) nicht danach ausgeschaut hatte, schaffte es das deutsche Löseteam (Boris Tummes, Andreas Rein und Ronald Schäfer) noch aufs Treppchen, belegte hinter Seriensieger Polen und Litauen den großartigen dritten Platz.

Auf diesem Platz landete in der Einzelwertung auch Arno Zude hinter den beiden Polen Piotr Murdzia und Kacper Piorun; damit konnte er gleichzeitig seine Rating-Zahl um beinahe 70 Punkte verbessern.

Boris Tummes hat auch sehr erfolgreich am Retro- und am Märchenschach-Löseturnier teilgenommen, auch dort landete er jeweils auf Platz drei.

So wird Alba Iulia vielleicht als das Bronze-WCCC in die Geschichte der Schwalbe eingehen?!

Die detaillierten Ergebnisse und auch die zu lösenden Aufgaben dieser Wettbewerbe sowie des Open findet ihr auf der entsprechenden Resultate-Seite des WCCC.

3D-Schach lebt!

Das diesjährige Problemschachtreffen in Andernach stand ganz unter dem Zeichen “3D-Schach”. Aus guten Gründen, galt es doch einerseits René Jean Millour zu gedenken, der sich intensiv speziell mit Alice-Schach beschäftigt hatte — und gleichzeitig konnte daran erinnert werden, dass Gerhard W. Jensch dort beim ersten Andernach-Treffen 1975 sein Stereoschach vorgestellt hatte.

Ralf Binnewirtz hat nun seinen ersten Beitrag zu unserer Geschichte-Reihe aufgegriffen und das Thema “3D-Schach” weiter vertieft: Vielen Dank an Ralf dafür und euch allen viel Freude beim Lesen und studieren!

Stelvio 4.0

Nach längerer Zeit hat Reto Aschwanden heute eine neue Version von Stelvio veröffentlicht: Version 4.0 steht zum Download bereit.

Das Hochzählen der “Major Version” ist vollkommen berechtigt, es gibt viele Neuerungen. Die bedeutendste ist sicherlich, dass nun Prüfer-Angaben zu den von Stelvio verwendeten Strategien möglich sind. Damit verliert ein “korrekt”-Ergebnis natürlich das Prädikat “Computer-geprüft”. Heute schreibt man dafür ja gern HC+ (checked by human and computer).

Deshalb gilt meine Standard-Empfehlung Lest das Handbuch! bei dieser Version doppelt und dreifach!