Für zwischendurch (38)

Diagramm korrigiert!!

Habt ihr euch schon einmal mit „monochromem Schach“ beschäftigt? Dort sind nur Züge erlaubt und legal, deren Ausgangs- und Zielfeld von gleicher Farbe sind. Das gilt auch bei der Beurteilung von Matt und Patt. Damit ist z.B. die Stellung wKe1, sKe2 legal.

Diese Bedingung erlaubt unglaublich sparsame und gleichzeitig sehr tief gehende Retroanalysen, und mir macht sie sehr viel Spaß.

Ein einfaches Beispiel zum Hineindenken könnt ihr euch zwischendurch mal anschauen:

Raymond Smullyan
The Chess Mysteries of Sherlock Holmes 1979
Farbe des Bauern auf g3? Monochromes Schach (3+1+1)

 

So schwer dürfte das nicht sein — und wenn ihr monochromes Schach schon kennt, reicht wahrscheinlich ein Blick…

Retro der Woche 46/2017

Heute möchte ich gern wieder ein älteres klassisches Stück vorstellen, das wir noch „geschichtlich einordnen“ werden und das gar nicht so schwer zu lösen ist: Wenn ihr die Aufgabe nicht kennt, solltet ihr euch an der Lösung versuchen.

Boris Lurje & Nikita Plaksin
Ranok 1988, 1.-2.Preis
Löse die Stellung auf! (11+13)

 

Bei Weiß fehlen vier Bauern sowie der schwarzfeldrige Läufer, und das korrespondiert direkt mit den sichtbaren schwarzen Schlägen: b7xc6xd5xe4, f7xe6 sowie g7xLf6 — letzteres ergibt sich daraus, dass alle anderen schwarzen Schläge auf weißen Feldern stattfanden, wo natürlich [Lc1] nicht geschlagen werden konnte.

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Jakobi V0.2

Erst vor ein paar Tagen hatte ich auf die Freigabe des ersten Releases von Jakobi hingewiesen, des neuen Prüfprogramms von François Labelle speziell für Märchen-Beweispartien, da hat er schon eine neue Version (V0.2) veröffentlicht, die bekannt gewordene Fehler behebt, aber auch eine teilweise deutliche Beschleunigung des Programms mit sich bringt.

Es lohnt also, die Entwicklung dieses interessanten Programms weiter zu verfolgen!

Retro der Woche 45/2017

Roberto Osorio, der Probleemblad Retro-Sachbearbeiter, hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, gemeinsam mit Hans Gruber die Schwalbe-Retros 2018 zu richten. Dieses Team kann die Zusammenarbeit bereits bei den feenschach-Retros 2017 üben.

Von Roberto möchte ich heute ein schon etwas älteres Stück, das zu seiner Preisrichter-Amtszeit bereits 15 Jahre alt sein wird, vorführen: Es hat mich, als ich es zum ersten Mal sah, ziemlich beeindruckt.

Roberto Osorio
Problem Paradise 2003, 3. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 23,5 Zügen (9+15)

 

Mit dem Zählen der sichtbaren weißen Züge ist man schnell fertig; ein wenig hilfreicher sind da die schwarzen Züge: 4+2+4+2+3+5=20 — Es fehlen also „nur noch“ drei schwarze Züge.

Vielleicht kann ja eine genauere Betrachtung des Diagramms Hilfestellung geben, die möglicherweise zu identifizieren, zumindest die schwarzen Freiheiten weiter einzuschränken?

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Schlagschach-Wettbewerb

Kurz Erinnerung: Der Einsendeschluss zum Schlagschach-Konstruktionswettbewerb des Schachverbandes Württemberg (1. Preis: 100 Euro) ist am 30. November!

Die Ausschreibung habe ich hier im Blog im Mai veröffentlicht, ihr könnt also bequem noch einmal nachlesen.

Viel Spaß und Erfolg beim Endspurt!

Ach ja, und die neueste Ausgabe von “Problemschach für Tiger, Württembergs Ergänzung der mpk-Blätter” findet ihr auf der Website des Münchener Problemkreises.

Jacobi

Jacobi ist ein neues Computer-Prüfprogramm speziell für Märchen-Beweispartien (aber auch noch eine Menge Anderes) und schließt damit eine echte Marktlücke, denn orthodoxe Beweispartien lassen sich ja bereits sehr gut mit Natch oder Euclide prüfen.

Autor François Labelle hat es vor wenigen Tagen im Internet zur Verfügung gestellt: Das Lösen erfolgt auf dem eigenen Rechner, die Benutzungsschnittstelle hingegen steht im Internet zur Verfügung. Die Benutzungsschnittstelle ist ein wenig gewöhnugnsbedürftig und orientiert sich etwa an Popeye. Besonders hervorzuheben ist der “PG demolition mode”, der aufgrund von Heuristiken zunächst die “gefährlichsten” Abspiele sucht, um so möglichst schnell Nebenlösungen zu finden — gerade während des Kompositionsprozesses besonders praktisch, da zeitsparend.

Jacobi hat wie zu erwarten bereits erfolgreich “zugeschlagen”, so hat das Programm schon in seiner Betatest-Phase einige Märchenberweispartien gekocht, und auch von einem Komponisten habe ich den ersten “Erfolg” beim Kochen einer bereits veröffentlichten Aufgabe mitgeteilt bekommen. Gleichzeitig kann er nun einige Aufgaben, an deren Korrektheit er nicht glauben wollte, mit dem Gütesiegel “C+ (Jacobi)” versehen.

Probiert Jacobi einfach aus — es ist für Komponisten und Preisrichter sicherlich eine unschätzbare Hilfe!

Für zwischendurch (37)

Im letzten Retro der Woche hatte ich einen Hilfsretraktor vorgestellt, der eine Menge retroanalytische Überlegungen erforderte. Es geht aber auch anders, und solch ein Stück möchte ich heute vorstellen.

Es stammt übrigens von der Autorin des ersten Retro-Buches überhaupt: von Edith Elina Helen Baird, die 1907, also vor 110 Jahren, “The Twentieth Century Retractors” veröffentlichte. Der vollständige Titel lautet übrigens “The Twentieth Century Retractors, Chess Fantasies, and Letter Problems. Being a selesction of three hundres problems. By Mrs. W. J. Baird, Author of ‘Seven Hundred Chess Problems’, Enriched with Shakespearean Quotations”. Allein der Titel zeigt schon, dass dieses Buch auch von hohem bibliophilen Interesse ist.

Mrs. W. J. Baird
British Chess Magazine 1903
-(w & s), dann h#1 (2+2)

 

Weiß und Schwarz nehmen also einen Zug zurück, sodass ein Hilfsmatt in einem Zug möglich wird. Viel Spaß beim Lösen!

Retro der Woche 44/2017

Henry Anthony Adamson (21.01.1871 – 21.08.1941) war ein Autor, der sich im Umfeld des jüngeren Thomas Rayner Dawson (28.11.1889 – 16.12.1951) intensiv mit Retroanalyse beschäftigt hat, auch wenn sein „Output“ nicht riesig ist: Die PDB umfasst nur 21 Retros von ihm.

Adamson hat sich speziell mit „Hilfsretraktoren“ beschäftigt: es werden Züge zurückgenommen (Weiß und Schwarz kooperieren, wenn mehrere Züge zurückgenommen werden sollen), anschließend muss eine Vorwärtsforderung erfüllt werden. Bei den komplexen Retraktoren von Adamson gilt es dabei, die möglichen Lösungen retroanalytisch zu untermauern, bzw, auszuschließen. Ein reines Auflöse-Retro von Adamson findet ihr als Retro der Woche 52/2012.

Schauen wir uns nun einen seiner Hilfsretraktoren an:

Henry Adamson
The Fairy Chess Review 1938
Schwarz nimmt 1 Zug zurück, dann h#1 (15+13)

 

Der fehlende weiße Stein wurde mittels g7xf6 geschlagen, ferner sehen wir sofort zwei weiße Schlagfälle: dxe3 und hxg3. Auch den dritten können wir schnell klären, wenn wir betrachten, welcher weiße Stein fehlt: Das ist [Ba2], der aber nicht direkt auf f6 geschlagen werden konnte. Also musste er sich umwandeln, um entweder selbst geschlagen zu werden oder das Schlagopfer zu ersetzen. Als dritten weißen Schlag haben wir also axb7, damit sich [Ba2] auf b8 umwandeln konnte.

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