Ein Cook bei Fuddled Men und ein Bug in Jacobi v0.6.6

Hinweise von Bernd Gräfrath (Mülheim/Ruhr)

In der Ausschreibung des 5. Retroblog-Thematurniers („Beweispartien mit Fuddled Men“) wurden sechs Beispiele als Illustrationen gebracht. Ich hatte sie alle mit Jacobi v0.6.6 getestet und auf dieser Grundlage für alle ein „C+“ angegeben. Nun hat mich François Labelle gerade darüber informiert, daß die Version v0.6.6 einen Bug hat, der dazu führt, daß ein Cook bei Illustration FM1 übersehen wurde. In dieser Version wurde die Rochade nicht erlaubt, obwohl der scheinbare Angreifer der Gegenseite noch „fuddled“ ist. Aber die folgende Lösung ist legal: 1.d4 Sh6 2.Lxh6 e5 3.dxe5 Ld6 4.Dxd6 0-0 5.Sd2 Te8 6.Dxc7 d5 7.0-0-0 Txe5 8.Lf4 Lg4 9.Kb1 Te3 10.Dxd8, denn die wDd6 verhindert nicht 4.– 0-0! Damit ist FM1 kaputt. Dieser Bug ist repariert in Jacobi v0.6.7 RC3: Diese Version findet den Cook (und gibt für die anderen fünf Beispiele zum Glück immer noch ein C+). Wie François schreibt, war das das erste Mal, daß aufgrund eines „C+“ von Jacobi ein dualistisches Problem als korrekt veröffentlicht wurde. Aber das wird jedem Prüfprogramm irgendwann passieren, und ich bin froh, daß es Jacobi gibt! Auch bei diesem Cook wird übrigens vorausgesetzt, daß nach der Rochade der beteiligte Turm nicht „fuddled“ ist (und so sieht es nicht nur Jacobi, sondern auch WinChloe).

English Summary

François Labelle has informed me that there is a bug in Jacobi v0.6.6 which made it overlook a cook in my problem FM1 (see the announcement of the Retroblog’s thematic tourney on proof games with Fuddled Men): 1.d4 Sh6 2.Bxh6 e5 3.dxe5 Bd6 4.Qxd6 0-0 5.Sd2 Re8 6.Qxc7 d5 7.0-0-0 Rxe5 8.Bf4 Bg4 9.Kb1 Re3 10.Qxd8. Jacobi v0.6.6 did not see that castling is allowed if the attacking piece is fuddled: The wQd6 does not prevent 4.– 0-0! This cook can be found by the latest version, Jacobi v0.6.7 RC3 (and the other five illustrations are still regarded as „C+“). This is the first time that a dualistic problem has been published after receiving a „C+“ from Jacobi!

Anmerkung von TB

Den erwähnten Release-Kandidaten könnt ihr finden, wenn ihr auf der Jacobi-Hauptseite nach unten scrollt. Bei solchen Vor-Versionen ist die Benutzung natürlich „stets auf eigene Gefahr, Eltern haften für ihre Kinder“, da neue Fehler nie ausgeschlossen werden können. Ihr solltet nach der Freigabe von v0.6.7 unbedingt auf die dann offizielle Version wechseln.

Jacobi

Jacobi ist ein neues Computer-Prüfprogramm speziell für Märchen-Beweispartien (aber auch noch eine Menge Anderes) und schließt damit eine echte Marktlücke, denn orthodoxe Beweispartien lassen sich ja bereits sehr gut mit Natch oder Euclide prüfen.

Autor François Labelle hat es vor wenigen Tagen im Internet zur Verfügung gestellt: Das Lösen erfolgt auf dem eigenen Rechner, die Benutzungsschnittstelle hingegen steht im Internet zur Verfügung. Die Benutzungsschnittstelle ist ein wenig gewöhnugnsbedürftig und orientiert sich etwa an Popeye. Besonders hervorzuheben ist der „PG demolition mode“, der aufgrund von Heuristiken zunächst die „gefährlichsten“ Abspiele sucht, um so möglichst schnell Nebenlösungen zu finden — gerade während des Kompositionsprozesses besonders praktisch, da zeitsparend.

Jacobi hat wie zu erwarten bereits erfolgreich „zugeschlagen“, so hat das Programm schon in seiner Betatest-Phase einige Märchenberweispartien gekocht, und auch von einem Komponisten habe ich den ersten „Erfolg“ beim Kochen einer bereits veröffentlichten Aufgabe mitgeteilt bekommen. Gleichzeitig kann er nun einige Aufgaben, an deren Korrektheit er nicht glauben wollte, mit dem Gütesiegel „C+ (Jacobi)“ versehen.

Probiert Jacobi einfach aus — es ist für Komponisten und Preisrichter sicherlich eine unschätzbare Hilfe!