Retro der Woche 06/2018

Nachdem ich in den letzten Tagen bereits ein wenig vom 10. WCCT berichtet hatte, will ich heute natürlich das Siegerstück vorstellen und dabei auch die Kommentare der Autoren und der richtenden Nationen verwenden. Schließlich haben wir es hier mit einer heute schon „historischen“ Beweispartie zu tun: Der ersten, die ein WCCT gewonnen hat.

Andrej Frolkin & Alexander Semenenko
10. WCCT, 1. Platz
Beweispartie in 23 Zügen (14+14)

 

Im Diagramm haben wir keine Doppelbauern, also keine offensichtlichen Bauernschläge. Bei Schwarz fehlen zwei Bauern, bei Weiß gleich drei, von denen einer offensichtlich in einen Turm umgewandelt hat. Das macht das Zählen der weißen Züge etwas einfacher: 2+2+5+2+2+9=22 — ein Zug ist noch frei. Hierbei habe ich sofort die fünf notwendigen Bauernzüge sowie einen zusätzlichen Turmzug eingerechnet.

Bei Schwarz sehen wir nur 1+2+0+2+0+2=7, wobei die ersten beiden Summenden für den Platzwechsel von König und Dame auch vertauscht werden können. Damit sind gleich 16 schwarze Züge noch frei!

Vielleicht können wir die weißen Züge schon genauer bestimmen?

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WCCT — ein paar Zahlen

Vorgestern hatte ich auf den gerade erschienenen Abschlussbericht zum 10. WCCT hingewiesen, heute möchte ich ein wenig das Ergebnis, natürlich besonders aus Retro-Sicht, betrachten: Schließlich hat es zum ersten Mal bei der „Mannschafts-Weltmeisterschaft“ eine Retro-Abteilung gegeben. Die WFCC Kommission war sich lange nicht sicher gewesen, ob sie dies „riskieren“ sollte: Es gab Vorbehalte, dass nur in wenigen Ländern Retroanalyse gepflegt werde. Zum Ausgleich hat man ein „Streichresultat“ eingeführt: Nur sieben der acht Abteilungen wurden für das Mannschaftsergebnis gewertet.

38 Länder haben am WCCT teilgenommen, bei dem Deutschland bekanntlich einen hervorragenden dritten Platz hinter Russland und der Ukraine belegte. Von denen haben 30 (!) auch für die Retro-Abteilung Aufgaben eingeschickt (zum Vergleich: 27 für die Studien-Abteilung, 28 für die Dreizüger, 31 für die Mehrzüger), das kann aus meiner Sicht nur als voller Erfolg gewertet werden!

Von den 20 bestplatzierten Ländern haben drei die Retros als Streichresultat gehabt — für mich überraschend auch Weltmeister Russland. Allerdings hätte ich bei Deutschland auch nicht unbedingt mit den Mehrzügern als Streich-Rubrik gerechnet … Andererseits war die Retro-Abteilung für fünf Länder (Frankreich, die Niederlande, Argentinien, Ungarn und Schweden) der stärkste Punktelieferant.

Die „Retro-Nationenwertung“ hat deutlich Frankreich gewonnen (muss ich die beiden Autoren nennen?) vor der Ukraine, Argentinien und Deutschland.

Ich hatte mich sehr gefreut, dass mein Themenvorschlag der Platzwechsel in klassischen Beweispartien angenommen worden war. Und im Nachhinein sehe ich auch meine Überlegungen zur Themenauswahl (nicht sehr einschränkend, erlaubt nicht so erfahrenen Komponisten Erfolgserlebnisse, lässt allerdings auch Spitzenprodukte zu) bestätigt. Nun hoffe ich nur, dass im Vorfeld des 11. WCCT erst gar keine Diskussionen mehr über die Retro-Abteilung entstehen.