Retro der Woche 41/2017

Zum Feiertag in der letzten Woche hatte ich eine Zwischendurch-Beweispartie des Australiers Peter Wong vorgestellt; heute möchte ich ein deutlich komplexeres Stück von ihm demonstrieren.

Peter beschäftigt sich besonders gern mit Tempospiel – und zumindest ich empfinde solche Aufgaben häufig als recht schwer zu lösen. Das liegt auch daran, dass man meist mit dem Üblichen Züge-Zählen nicht allzu weit kommt, dass auch die Tempomanöver gelegentlich nicht ganz einfach aus der Stellung abgeleitet werden können.

Peter Wong
The Problemist 1988, 3.-5. ehr. Erwähnung
Beweispartie in 21 Zügen (15+13)

 

Hier kommen wir offensichtlich mit reinem Züge zählen nicht allzu weit: Bei Weiß „sehen“ wir nun 3+0+0+0+3+1=7 Züge – genau ein Drittel der zu erwartenden Züge. Bei Schwarz schaut es schon etwas besser aus: 1+1+2+4+4+2=14 – genau doppelt so viele Züge wie bei Weiß, aber auch nur zwei Drittel aller geschehenen schwarzen Züge.

Da müssen wir also nach anderen Indizien schauen, und das ist ja häufig die Überlegung, welche Steine denn auf dem Brett fehlen.

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Konstruktionsturnier in Worms

Für das Schwalbe-Treffen in Worms hatte Bernd Schwarzkopf ein Konstruktionsturnier ausgeschrieben, das drei sehr interessante Aufgabenstellungen enthielt. Bernd wird darüber in der Schwalbe berichten, die Aufgaben will ich aber hier schon einmal ohne Lösung vorstellen, sodass auch die Nicht-Worms-Besucher schon mal ein wenig knobeln können.

(1) Frank Fiedler:
Konstruiere eine möglichst kurze Partie, in der eine Rochade, ein En-passant-Schlag und eine Bauernumwandlung vorkommen (Valladão) und einer dieser Züge mattsetzt.

(2) Werner Keym:
Konstruiere eine legale und möglichst ökonomische Stellung, in der nachweislich wD und wS Umwandlungssteine sind.

(3) Jens Guballa:
Füge zum wSf4 die Steine wK, sK, sD, 2 sT, 2 sL (auf unterschiedlichen Felderfarben), 2 sS so hinzu, dass eine legale Stellung entsteht, in der Weiß nach jedem schwarzen Zug mattsetzen kann.

Forderung (2) wurde dann während des Turniers etwas verändert: „Konstruiere eine legale und möglichst ökonomische Stellung, in der nachweisliche eine bestimmte wD und ein bestimmter wS Umwandlungssteine sind.“ Also sollten die beiden Umwandlungssteine eindeutig bestimmbar sein. Mit der ursprünglichen Formulierung war mir eine extrem sparsame Stellung gelungen, für die ich aber nur einen „Trost-Punkt“ bekommen habe. 🙂

Brückentag

Habt ihr heute, zwischen Wochenende und Feiertag, einen Brückentag? Dann habt ihr ja vielleicht Lust, euch zwischendurch eine kleine Beweispartie anzuschauen? Na, wenn die Diagrammstellung nicht zum lösen einlädt, dann weiß ich es nicht…

Peter Wong
Phénix 1993
Beweispartie in 6 Zügen, 2 Lösungen (14+14)

 

Viel Spaß beim Lösen!

Retro der Woche 40/2017

Beweispartien und klassische Auflöseaufgaben können unter dem Begriff „Hilfsspiel“ eingeordnet werden, da Weiß und Schwarz gemeinsam an der Erfüllung der Forderung mitwirken. Das schaut bei den „Verteidigungsrückzügern“ (VRZ) anders aus, wie schon der Name sagt:

Hier versucht ja Weiß, vor einer angegebenen Zügezahl eine Forderung im Vorwärtsspiel zu erfüllen: Meist ist dies ein Matt in einem Zug. Schwarz hingegen versucht sich dagegen zu verteidigen: Er nimmt (selbstverständlich nur legale) Züge zurück mit der Absicht, dass Weiß seine Forderung nicht erfüllen kann.

Bekanntlich gibt es mehrere Formen der Verteidigungsrückzüger, die sich darin unterscheiden, wie Schlagfälle realisiert werden. Die beiden klassischen Formen „Proca“ und „Høeg“, beide nach ihren Erfindern benannt, entstanden unabhängig voneinander quasi gleichzeitig: Niels Høeg hatte wohl ein paar Tage Vorsprung vor Zeno Proca.

Im Typ Proca entscheidet die ziehende Partei, ob ihr Zug ein Schlagfall war; in diesem Fall bestimmt sie auch die Art des geschlagenen Steins. Im Typ Høeg entscheidet über diese beiden Fragen jeweils die Gegenseite – ziemlich logisch, da Niels Høeg auch an „Retropartien“ dachte, die auf einem leeren Brett beginnen sollten.

Bei den Autoren ist der Proca-Typ deutlich beliebter, aber auch der Høeg-Typ bietet sehr viele interessante Aspekte; ich bin mir sicher, dass es dort noch viel zu erforschen gibt.

In der Frühzeit beschäftigten sich mit dem Høeg-Typ neben dem Erfinder besonders Thomas Rayner Dawson und sein Freund Charles Masson Fox; von letztem möchte ich heute ein (recht leicht zu verstehendes) Beispiel vorstellen.

Charles M. Fox
The Problemist FCS 1935
-3 & #1; VRZ Typ Høeg (7+13)

 

Schwarz hat noch alle acht Bauern auf dem Brett, er kann also bei einem von ihm bestimmten Schlagfall nur fehlende Steine einsetzen, da Umwandlungen ja ausgeschlossen sind; Weiß hingegen hat ziemlich freie Auswahl beim Einsetzen.

Wie könnte denn ein Vorwärts-Matt ausschauen? Man könnte an R b6-a7(X) und vor 1.b7# denken: Dazu müssten b7 und b8 gedeckt sowie a7 durch den Schlag nicht störend geblockt sein; Schwarz müsste also dazu gezwungen werden, auf a7 einen Läufer und keinen Turm einzusetzen.

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