Vor fünf Jahren erschien der Preisbericht zum 17. Thematurnier von Phénix; das hatte sich der neuen Märchenbedingung “Breton” (Bretonisches Schach) gewidmet und war für alle Problemgattungen offen. Es zeigte sich, dass man mit dieser Bedingung, eigentlich eher einer Bedingungsfamilie, auch klasse Retros bauen kann.
Aber zuerst die Definition für Breton, entnommen dem Märchenschachlexikon der Schwalbe: “Als Teil eines Schlagzuges wird neben dem Schlagopfer ein Stein derselben Art der Partei des Schlagtäters vom Brett entfernt, sofern einer vorhanden ist. Stehen hierfür mehrere Steine zur Auswahl, entscheidet die Partei des Schlagtäters, welcher Stein entfernt wird.”
Bei unserer heutigen Aufgabe haben wir es mit Breton adverse zu tun: Hier verschwindet, wie man vermuten kann, zusätzlich ein Stein derselben Art der Partei des Schlagopfers.
Michel Caillaud (wer sonst?) steuerte für dieses Turnier das bestplatzierte Retro bei.
Phénix 17. Thematurnier 2021, 4. ehrende Erwähnung
Beweispartie in 26 Zügen, Breton advers (11+16)
Trotz der ganz neuen Märchenbedingung nicht allzu schwer zu lösen, finde ich — und das wollen wir uns nun anschauen, wie wir da vorgehen können.
Wie üblich schauen wir danach, was fehlt? Das sind bei Weiß vier Bauern sowie die Dame — und sichtbare weiße Züge; wir haben also eine weiße Homebase.
Bei Schwarz sind noch alle Mann an Bord, auffällig ist natürlich die Bauernstruktur, die zeigt, dass die schwarzen a- bis e-Bauern jeweils “nach Osten” geschlagen haben.
Und damit haben wir eigentlich das Problem schon ideenmäßig gelöst!
Wieso? Weil wir aufgrund der Bedingung wissen, dass jeweils nur “Singles” geschlagen wurden: Gäbe es vom Schlagopfer noch einen gleichartigen Stein auf dem Brett, wäre er verschwunden. Und damit ist klar, dass etwa b4-5-6 axb6 nicht möglich war: Alle fehlenden Steine wurden aktiv von den Bauern geschlagen; es kann also kein Stein auf Breton-advers-Art verschwunden sein.
Also müssen die fehlenden Bauern in Damen umgewandelt haben und sich anschließend schlagen lassen. Sogar die Reihenfolge der Umwandlungen können wir schon im Diagramm ablesen: Von rechts nach links, und die erste Schneise musste die weiße Dame schlagen, indem sie sich auf f6 aktiv geopfert hat.
Und wenn wir nun die uns schon bekannten Züge zählen, so sind das neben den vier Excelsiores noch D-?-f6 und jeweils ein Zug der Umwandlungsdamen auf ihr Opferfeld. und auch das ist schon klar?!
Dann wollt ihr doch mit diesem Wissen sicher nun euer erstes Breton-Retro selbst lösen?
Der “Kampf gegen die Bedingung” (Vermeiden von bretonischen Zusatz-Schlägen) führt hier zu einer höchst ökonomischen ierfach-Setzung der Ceriani-Frolkin-Damen — ein hübsches Werbestück für diese Bedingung, die in den letzten Jahren sehr schnell recht populär geworden ist.