Retro der Woche 28/2026

Bleiben wir noch etwas in Frankreich, gehen wir im Preisbericht einfach ein Jahr zurück im Vergleich zum letzten Retro der Woche: Sehr viel Freude hatte ich daran, diesen Jahrgang zu richten!

Viel klassischer, direkter und einfacher kann die “Retro-Frage” zu unserer heutigen Auflöse-Aufgabe kaum lauten: Hier werden nicht beispielsweise durch irgendwelche Zug-Angaben zusätzliche Informationen gegeben, die für die Beantwortung der Frage erforderlich sind, hier wird einfach nach den Rochaderechten gefragt.

“Natürlich” beließ es Yoav Ben-Zvi nicht bei einer Phase, sondern fragt für insgesamt fünf Stellungen, die sich jeweils von der “benachbarten” um genau einen versetzten Stein unterscheiden: Spannend ist dann nicht allein die Suche nach den fünf Lösungen, sondern auch nach den Gründen, weshalb hier etwas geht oder nicht geht, was in der Nachbarstellung nicht geht oder geht.

Yoav Ben-Zvi
Phénix 2020, 2. Preis
Rochadestatus? b) sBb3>b4, c) ferner wBf4>Yb5, d) ferner sBc6>a7, e) ferner wBa3>a4 (13+13)

 

Heute möchte ich es einmal anders machen als sonst: Ich will keine Vorüberlegungen zu den einzelnen Stellung vorgeben, sondern euch motivieren, euch die Phasen selbst anzuschauen und zu lösen: Soo schwer sind die nicht!

Wenn ihr nun auf die Lösungen klickt, seht ihr die jeweilige Stellung im Diagramm und dann die Lösungs-Erläuterungen, die ich im Wesentlichen Hans Grubers Präsentation dieser Aufgabe in feenschach 268, das sich bereits im Druck befindet, entnommen habe.

Stellung a)

Yoav Ben-Zvi
Phénix 2020, 2. Preis
Rochadestatus? Stellung a) (13+13)

 

Alle fehlenden Steine sind durch Bauernschläge erklärt. Auf jeder Felderfarbe muss der erste geschlagene Stein ein Turm gewesen sein, und damit wart auch der allererste geschlagene Stein ein Turm. Es kann nicht sein, dass sowohl [Bd7] als auch [Bg2] einen Läufer schlugen, da beide weißfeldrigen Läufer erst durch diese Schläge befreit werden. Analog für [Bd2] und [Be7] und die schwarzfeldrigen Läufer. Aber es ist denkbar, dass [Ta1] und [Ta8] die geschlagenen Türme waren: a7-a5, Ta8-e3, d2xTe3, Ta1-c6, d7xTc6, Lc8-f3, g2xLf3, Lf1-b3, a4xLb3 sowie Lc1-d6, e7×Ld6, Lf8-f4, e3xLf4. Also sind noch beide Rochaden zulässig.

Stellung b)

Yoav Ben-Zvi
Phénix 2020, 2. Preis
Rochadestatus? Stellung b) (13+13)

 

Jetzt geht der Schlag auf b3 nicht mehr, der weißfeldrige wL könnte von [Ba7] allenfalls auf
b5 geschlagen werden (a7-a6xLb5). Dann kann [Ta8] aber nicht mehr erstes Schlagobjekt sein; dies ist daher einer der Türme von h1 oder h8. Die beiden Rochaden schließen einander also aus, nur genau eine ist noch möglich.

Stellung c)

Yoav Ben-Zvi
Phénix 2020, 2. Preis
Rochadestatus? Stellung c) (13+13)

 

Wenn der letzte Zug des wBb5 c4xb5 war, so wurde [Lf8] auf c3 geschlagen, also noch bevor [Lc1] geschlagen werden konnte. Also wurde ein Turm auf d6 geschlagen, das kann aber, da ja der [Lc1] noch nicht gezogen hatte, nur [Th1] sein. Also ist nur noch die schwarze Rochade zulässig.

Stellung d)

Yoav Ben-Zvi
Phénix 2020, 2. Preis
Rochadestatus? Stellung d) (13+13)

 

Damit der weißfeldrige wL geschlagen werden konnte, musste der sBd6 von e7 kommen, der sBb4von d7. Damit der schwarzfeldrige sL geschlagen werden konnte, begann der wBb5 mit d2xc3. [Ta8] konnte wegen [Lc8] nicht heraus, bevor [Bd7] erstmals schlug. Daher ist die schwarze Rochade unzulässig — und da es die weiße ebenso wie in c) auch ist, ist keine Rochade zulässig.

Stellung e)

Yoav Ben-Zvi
Phénix 2020, 2. Preis
Rochadestatus? Stellung e) (13+13)

 

Jetzt ist der [Ta1] frei, also kann Weiß noch rochieren, Schwarz wie in d) nicht.

Hans Gruber fasst seine Präsentation dieser Aufgabe zusammen: “Ein schönes, klassisches Ensemble mit allen fünf Kombinationsmöglichkeiten der Rochaderechte.” Ja, das finde ich auch!

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