Retro der Woche 25/2026

Immer wieder finde ich es interessant, auf welche verschiedene Arten Autoren in ihren Beweispartien verschiedene Themen verbinden oder ein Thema mit mehreren Steinen darstellen.

Da gibt es die Möglichkeit der einfarbigen Darstellung oder Verteilung des Themas auf Weiß und Schwarz. Da können Themen mit einer Steinart oder mit mehreren unterschiedlichen gezeigt werden, da können auch verschiedene Themen miteinander verbunden werden — auch da wieder über eine oder über zwei Farben, über gleiche oder verschiedene Steinarten.

Ein wahrer Meister darin, immer wieder interessante Kombinationen zu erfinden und aufs Brett zu zaubern, ist Silvio Baier. Von ihm möchte ich euch heute eine Beweispartie von ihm aus dem vierten Heft des 2025-er Jahrgangs von Probleemblad vorstellen.

Silvio Baier
Probleemblad 2025
Beweispartie in 26.5 Zügen (14+13)

 

Bei Silvio ist es nicht allzu schwer, darauf zu tippen, dass thematische Umwandlungen zentrale Bedeutung in der Aufgabe haben.

Daher will ich euch heute einladen, selbst erste Überlegungen zu möglichen Themen dieser Aufgabe anzustellen, bevor ihr weiterlest. Versucht dies so, wie wir es hier auf der Seite meist machen, also indem ihr sichtbare Züge zählt, vielleicht Reihenfolge-Abhängigkeiten identifiziert (etwa “X muss schon da stehen, bevor Y ziehen kann”) — besonders aber überlegt, welche fehlenden Steine wo geschlagen wurden. Dabei helfen natürlich Doppelbauern im Diagramm besonders, ebenso die Frage, was speziell mit fehlenden Bauern passiert sein kann: Geschlagen, umgewandelt? Was passiert dann nach der Umwandlung?

Und wenn ihr einige Fragen für euch beantwortet habt, könnt ihr euch auch an den ersten Löseversuch machen: Eine Menge wisst ihr schon, bevor ihr auch nur einen einzigen Zug gemacht habt!

Bei Weiß fehlen genau der a- und der e- oder h-Bauer, die beiden schwarzen Schläge erfolgten von der a- auf die b-Linie sowie von der b- auf die c-Linie. Bei Schwarz fehlen drei Bauern, und deren Schläge können durch die Doppelbauer-Struktur nicht erklärt werden. Nur ein schwarzer Bauer konnte direkt geschlagen werden: Das muss der [Bg7] sein, der von [Bh2] geschlagen wurde. Damit wissen wir, dass [Ba2] und [Bh2] auf a8 bzw. g8 umgewandelt haben müssen. Und da mit können auch die beiden anderen fehlenden schwarzen Bauern nicht direkt verschwunden sein, sondern müssen (mangels möglicher Schlagopfer selbst schlagfrei) auf e1 bzw. h1 umgewandelt haben.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Wurden nun Originalsteine geschlagen, die durch Umwandlung ersetzt wurden (Phönix-Thema und Abwandlungen) oder wurden die Umwandlungssteine selbst geschlagen (Ceriani-Frolkin-Thema und Abwandlungen). Oder haben wir hier womöglich eine Mischform vor uns?

Das wollt ihr nun sicherlich direkt selbst herausbekommen, bevor ihr nach der Lösung schielt?

Lösung


Hier haben wir also einen kompletten Mix: schwarze und weiße Umwandlungen — das wussten wir ja schon vorher — beide Themenfamilien bei Weiß und Schwarz vertreten, und das auch noch auf alle vier Umwandlungssteinarten verteilt: ein, wie ich finde, sehr hübscher Potpourri.

Aber die hohe Qualität der Aufgabe haben wir natürlich von Silvio erwartet …

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