Retro der Woche 24/2026

Gelegentlich hört man die Forderung, ein “normales” Retro-Informalturnier in mehrereGruppen aufzuteilen: etwa Beweispartien von Verteidigungsrückzügern zu trennen, zusätzlich klassische Auflöse-Aufgaben und “sonstige” Retros jeweils zusammenzufassen. Konsequenterweise müsste man das auch noch doppeln: ” orthodox” versus “Märchenbedingungen”. Dann wären wir bei acht Abteilungen.

Das können nicht einmal sinnvoll Zeitschriften mit großem Retro-Teil wie Die Schwalbe oder feenschach leisten, noch viel weniger solche, die über deutlich weniger Retro-Beiträge verfügen — außer man macht aus Jahresturnieren Jahrzehntturniere, aber das will sicher auch niemand.

Also bleibt meist keine andere Möglichkeit, als alle Retros gemeinsam zu richten. Und bei manchen Zeitschriften werden die dann auch noch den Märchenaufgaben zugeschlagen, so etwa in der finnischen Tehtäväniekka. Dort tun sich die Retros meist recht schwer gegen “gestandene” Märchenstücke, auch weil nicht alle Märchen-Richter sicher sind, wie sie die wenigen Retros in ihren Bericht aufnehmen und einreihen sollen.

Dass dies nicht bedeuten muss, dass dort wenige guten Aufgaben erscheinen, beweis der gerade veröffentlichte Märchenschach-Preisbericht 2023, in dem Richter Eddy van Beers unserem heutigen Retro der Woche den zweiten Preis zuerkannte.

Kostas Prentos
Tehtäväniekka 2023, 2. Preis Märchen & Retros
(-w-s& dann h#3 (10+14)

 

Weiß und Schwarz nehmen also jeweils einen Zug zurück, wonach ein “normales ” Hilfsmatt in drei Zügen folgen soll.

Schnell sieht man, dass die schwarze Bauernreihe c6-f3 von der b- bis e-Linie stammt; zusammen mit dem Doppelbauern auf der h-Linie und dem fehlenden [Lf1], der offensichtlich zu Hause geschlagen wurde, sind alle fehlenden weißen Steine erklärt.

Das wird mancher Löser gesehen haben, um dann verwundert zu erwarten, das Stück sei beliebig nebenlösig: Schwarz muss ja nur z.B. eine weiße Dame entschlagen, und das ist dann sicher in drei Zügen kaputt. Versuchen wir das einmal: Schwarz nimmt b7xDc6 zurück, und dann geht es beispielsweise weiter 1.Tac8 Dxc8 2.Td8 Th2 3.Kf8 Dxd8# — was haben wir dabei übersehen, wieso soll das nicht funktionieren?

Dafür scheuen wir uns nicht nur die schwarze Schlagbilanz an, sondern auch die weiße: Bei Schwarz fehlen zwei Steine; einer davon wurde durch bxc geschlagen. Und der andere? Um das zu erkennen, müssen wir uns noch fragen, was denn Schwarz mit seinen Bauern geschlagen haben kann? Neben dem [Lf1] noch Dame, den anderen Läufer, zwei Springer und [Ba2].

Halt, der kann ja gar nicht geschlagen worden sein, da alle Bauernschläge “nach Osten” erfolgten, und daher der westlichste Bauer nicht geschlagen werden konnte -zumindest nicht direkt. Er muss also als Umwandlungsstein geschlagen worden sein. Dazu muss er umgewandelt haben: auf b8, und dazu muss er über b7 gekommen sein. Dort aber kann er nicht den [Bb7] geschlagen haben, da der noch in der Bauernphalanx steckt. Also hat [Ba2] auf seinem Weg nach b7 nicht [Bb7] geschlagen; der muss schon vorher nach c6 geschlagen haben.

Und das bedeutet, dass Schwarz nun vor Entwandlung des [Ba2] auf b8 nicht b7xXc6 zurücknehmen darf — also besonders jetzt in Rahmen der Lösung nicht!

Also funktioniert die “Nebenlösungs-Idee” nicht, also müssen sich Weiß und Schwarz anders unterstützen. Und das wollt ihr jetzt sicherlich selbst herausbekommen?

Lösung

R: 1.0-0-0 0-0 & vor 1.0-0-0 0-0 2.Kb7 Tfb1+ 3.Ka6 Txa3#

Sehr witzig und elegant, dass nur das Rochade-Gewitter die Forderung erfüllt. Und da nimmt man auch in Kauf, dass die zweiten und dritten Züge nicht gerade herausragende Hilfsmatt-Strategie zeigen. Dennoch, wie ich finde, ein sehr reizvolles Stück, das gleichzeitig hübsche Werbung für Retroanalyse im Allgemeinen und Hilfsrückzüger im Besonderen macht.

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