Retro der Woche 39/2021

In seinem Retro-Preisbericht für den feenschach-Jahrgang 2019 setzte Andrej Frolkin drei Märchenretros auf die ersten Plätze, den ersten Preis haben wir uns hier in der letzten Woche ansehen können. Heute möchte ich euch das bestplatzierte orthodoxe Stück vorstellen.

Nein, das ist keine Beweispartie, sondern eine ganz klassische Auflöse-Aufgabe, und zwar aus dem Retro-Sonderlösungsturnier, das Gerald Ettl in feenschach-Heft 238 (XI-XII/2019) mit zwölf eigenen Urdrucken ausgeschrieben hatte; im Retro der Woche 16/2020 war ich auf dieses Turnier bereits eingegangen.

Gerald Ettl
feenschach 2019, 4. Preis
Löse auf! (16+13)

 

Weiß hat alle Mann an Bord, Schwarz kann also nicht geschlagen haben. Bei Schwarz hingegen fehlen drei Steine: ein Springer sowie [Ba7] und [Bf7]. All diese Steine wurden von weißen Bauern geschlagen: axb, dxc3 sowie gxf3.

Damit ist klar, dass [Ba7] umgewandelt haben muss, denn er konnte die a-Linie ja nicht verlassen, aber dort auch nicht geschlagen werden. Und deswegen können wir axb auch erst zurücknehmen, wenn der a-Bauer auf a1 entwandelt und sich schon wieder ein Stückchen zurückgezogen hat.

Das sind schon wichtige Überlegungen, aber wir müssen uns Gedanken machen, wie wir den großen Käfig im Norden auflösen können. Dabei müssen wir bedenken, dass Weiß zunächst seine [Lf1] und [Th1] nach Hause bringen muss, bevor er gxf3 zurücknehmen kann. In dem Käfig ist zunächst nur die weiße Dame zugfähig — sie benötigt aber dafür ein Schachschutz auf g5.

Dann kann man vorsichtig versuchen, der vorhandenen Platz im Nordosten so zu nutzen, dass Weiß Kf7-f6 zurücknehmen kann — dann erst ist Schwarz in der Lage, g7-g6 zurückzunehmen, woraufhin dann der Nordostknoten aufgelöst werden kann, wonach speziell die Heimkehren von [Lf1] und [Th1] möglich werden.

Aber vorher müssen wir uns noch um den Südwesten kümmern: Wir müssen nämlich einen schwarzen Stein auf c3 entschlagen, um Schwarz das Retropatt zu ersparen, nachdem er auf a1 entwandelt hat…

Das wollt ihr nun vielleicht selbst versuchen? Dabei müsst ihr vermeiden, dass eine Seite plötzlich Retropatt ist, dazu müsst ihr ein paar nette „Temposchöpfer“ finden, was aber auch nicht so schrecklich schwer sein sollte.

Lösung

R 1.Te3-d3 Ld2-e1 2.Te5-e3 Le1-d2+ 3.Tg5-e5 Dh6-g7 4.Ta5-g5 Dg7-h6+ 5.Ta1-a5 b2-b3 6.a2-a1=T b3-b4 7.a3-a2 a2xTb3! 8.Tb5-b3 h2-h3 9.Tg5-b5 Dh6-g7 10.Te5-g5 Dg7-h6+ 11.Te3-e5 Ld2-e1 12.a4-a3 usw.
Und nun können wir vorsichtig, wie oben angedeutet, den Nordosten auflösen, um die weißen Offiziere in den Südosten bringen zu können. Wenn wir dann Kf7-f6 zurücknehmen können, haben wir es im Prinzip geschafft.

Hier möcht ich noch die Kommentar zweier Löser zitieren:

Jakob Leck: „Schön trickreiche doppelte Nutzung eines Tempopendels und gar nicht so leicht zu sehen. Erst, wenn man auch noch mit der Dame pendelt, kann man sich ein Bauerntempo aufsparen. Der Retro-Phönix von b3 schreitet dann den Weg seines Vorgängers durch die Pendel zurück. Hübsch.“ Ja, „nebenbei“ haben wir hier einen Ceriani-Frolkin-Turm.

Manfred Rittirsch: „Sowohl der zu entwandelnde als auch der entschlagene originale Turm generieren, raffiniert durch die beiden ‚Dauerschachs‘ geführt, brav aus dem Nichts die Tempi für den bedürftigen Weißen.“

2 thoughts on “Retro der Woche 39/2021

  1. Here is an extended retroplay in standard notation (n. white retr. black retr.)
    R: 1… Te3-d3 2.Ld2-e1 Te5-e3 3.Le1-d2+ Tg5-e5 4.Dh6-g7 Ta5-g5 5.Dg7-h6+ Ta1-a5 6.b2-b3 a2-a1=T 7.b3-b4 a3-a2 8.a2xTb3! Tb5-b3 9.h2-h3 Tg5-b5 10.Dh6-g7 Te5-g5 11.Dg7-h6+ Te3-e5 12.Ld2-e1 a4-a3, and e.g. 13.Ta1-f1 a5-a4 14.Lc1-d2 Te5-e3 15.d2xSc3+ Tg5-e5 16.Dh6-g7 Sa4-c3 17.Tg7-f7, retract Sh8 to b8, 21… Dh8-g8 22.Kf7-f6 Te8-e7+, etc.

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