Retro der Woche 29/2021

Und heute nun die Fortsetzung der Berichterstattung vom StrateGems 2018 Retroturnier, die ich im RdW 27/2021 und 28/2021 schon begonnen hatte. Kurios ist es ja schon, dass hier nun das dritte Stück mit „1.-2. Preis“ im selben Turnier auftaucht — das kommt natürlich von der Gruppenbildung, und in beiden Gruppen ging es halt mit geteilten Preisen los…

Silvio Baier & Roberto Osorio (nach Nicolas Dupont)
StrateGems 2018, 1.-2. Preis Beweispartie
Beweispartie in 32,5 Zügen (11+16)

 

Bei Weiß sind noch alle Mann an Bord, wobei ein Bauer seine Gattung gewechselt hat: drei weiße Springer, sieben weiße Bauern.

Bei Schwarz fehlen die Dame sowie [Ba7], [Bd7], [Be7] und [Bh7]. Bei Weiß sehen wir fünf Schlagfälle: axbxc7, dxc, exf und hxg3. Daran sehen wir auch gleich, dass die schwarzen Bauern allesamt (schlagfrei) umwandeln mussten, da Weiß ja noch alle 16 Steine hat.

Damit kennen wir nicht nur zwei, sondern bereits 22 schwarze Züge. Darüber hinaus muss Schwarz aktiv seine Dame geopfert haben, somit bleiben noch neun Züge übrig, um die vier Umwandlungssteine wieder loszuwerden. Theoretisch könnten Umwandlungssteine ja noch auf dem Brett stehen und damit die Originalsteine im Diagramm ersetzen (Phoenix-Thema). Das aber würde noch mehr schwarze Züge erfordern: für einen vierfachen Ceriani-Frolkin, den wir hier nun vermuten können, sind neun „Opfer-Züge“ schon recht sparsam.

Nun wollen wir die weißen Züge zählen: 4+2+3+4+4+15=32 — bleibt noch ein Zug frei. Stimmt das?? Nein, wir müssen einen Turmzug mehr zählen! Die „3“ setzt ja Ta1-a5 voraus, das aber kann nicht gespielt worden sein, da [Ba7] schlagfrei auf a1 umgewandelt haben muss. Also kommt wTa5 von h1, und wir haben vier Turmzüge — damit 33 weiße Züge!

Damit haben wir schon eine Menge herausbekommen, und nun gilt es „nur noch“ herauszufinden, wie Schwarz seine Umwandlungssteine wieder loswird.

Versucht nun einmal herauszufinden, in welche Figuren sich die Bauern verwandeln konnten bzw. mussten, und ihr werdet feststellen, dass ihr wirklich neun Züge der Umwandlungssteine benötigt. Nicht ganz richtig: Ihr könnt auch mit acht Zügen auskommen — dann aber muss sich die Originaldame auf b5 opfern, muss also selbst den gesparten Zug wieder verwenden. Wichtig ist bei diesen Überlegungen, auch an mögliche und unmögliche Schlag-Reihenfolgen zu denken („Welche Linie muss schon / noch geöffnet sein?“).

Ganz leicht ist das natürlich bei der hohen Zügezahl nicht, aber es lohnt sicherlich!

Lösung

Das ist natürlich große Klasse: Alle Schläge sind einheitlich und damit auch thematisch (Originaldame und vier Ceriani-Frolkin-Damen. Besonders gefallen mir die letzten beiden Umwandlungen und Opfer via d8 und c7.

Wer sich nun an dem weißen Umwandlungsspringer stört, dem schlage ich vor, dieses Thema ohne weißen Umwandlungsstein darzustellen!

3 thoughts on “Retro der Woche 29/2021

  1. Die Idee war erstmal, 2 Pronkins + 2 Ceriani-Frolkins – allesamt mit Damen einer Seite darzustellen. Diese Kombi gibt es schon, allerdings mit offensichtlichen Umwandlungsfiguren. Hier gelang das ohne und in perfekter Schlagökonomie = keine unthematischen Schlagzüge. Die ersten 30.0 Züge sind auch C+. Die weitere Testung ist wegen der weißen Turmstellung schwierig, denn die gängigen Prüfprogramme schließen die Strategien mit Ta1-a5 nicht aus. Die Zugfolge selbst ist eindeutig, andere Strategien sind aber nicht ausgeschlossen. Ich hatte gar nicht an den Schlag der zweiten Pronkindame gedacht, aber Roberto meinte, man kann doch „einfach“ die zweieinhalb Züge ankitten. Somit ist das Thema erweitert (also CF(d,d) & (TC&PR)(d,d)) und immer noch mit bestmöglicher Schlagökonomie dargestellt, nicht jedoch mit Partiesatzmaterial. 30 eindeutige Züge der Nichtthemaseite bei einem solchen Thema ohne Umwandlung hinzubekommen, dürfte mit einer Mount-Everest-Besteigung ohne Sauerstoff vergleichbar sein, 31 klappen 1-2mal, 32 oder 33 dann eben gar nicht mehr.

  2. Hallo Thomas,
    Du schreibst: „Besonders gefallen mir die letzten beiden Umwandlungen und Opfer via d8 und c7.“ Man sollte vielleicht ergänzen, daß damit auch noch zwei Pronkin-Damen dargestellt werden, die beide danach verschwinden. Das könnte man „Geister-Pronkins“ nennen…

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