Retro der Woche 40/2026

Ich komme noch einmal auf den Retro-Preisbericht von Phénix für das Jahr 2024 zurück: Nachdem wir in den Retros der Woche 36 und 37 bereits zwei Preisträger, ein klassisches Retro und eine Beweispartie, gesehen hatten, soll nun ein orthodoxer Verteidigungsrückzüger folgen. Wir erinnern uns: Schwarz versucht mit seiner (natürlich nur legaler) Rücknahme zu verhindern, dass Weiß nach der angegebenen Retro-Zügezahl sein Vorwärts-Ziel erreichen kann. Beim Typ Proca bestimmt jede Partei selbst, ob ihr Rücknahmezug einen Schlagfall darstellt und bestimmt auch den entschlafenen Stein — natürlich gilt auch hierfür die Legalität als Voraussetzung.

Joaquím Crusats
Phénix 2024, Spezialpreis
-9 & #1 VRZ Proca (12+8)

 

Sieben der acht fehlenden schwarzen Steine können im Diagramm direkt nachvollzogen werden: Es fehlt [Lf8], der offensichtlich zu Hause geschlagen wurde, und die weißen Bauern haben sechs Mal geschlagen — wie genau, können wir nicht erkennen. Aber z.B. könnte einer der Bauern auf der c-Linie von a2 kommen, und wBd6 von h2: Insgesamt sind für die weiße Bauernstruktur mindestens sechs Schläge erforderlich.

Müsste Schwarz nach einem Warte-Rückzug, z.B. R: 1.e2-e3 mit 1.– h7-h6 antworten, wären wir schon am Ende: R: 2.Sh6xTg8 & vor 1.Sf7# — aber Schwarz nimmt natürlich schlauer 1.– Kh7-h8 zurück.

Nun gilt es einen Weg zu finden, Schwarz genau zu der „schlechten“ Rücknahme zu zwingen.

Schwarz direkt daran zu hindern, einen Königszug zurückzunehmen, um damit die Rücknahme von h7-h6 zu erzwingen, ist kaum vorstellbar — aber vielleicht fällt uns die Zugwiederholungsregel ein? „Dreimal gleiche Stellung“ ist in der Partie auf Antrag remis; im Problemschach gilt die Regel aber automatisch, da ja niemand da ist, solch einen Antrag zu stellen. Das bedeutet, eine Stellung darf nicht zum dritten Male durch Rücknahme erreicht werden, da damit das Spiel beendet wäre, die nachfolgenden Züge also gar nicht mehr hätten gespielt werden können.

Wenn wir also Schwarz dazu zwingen können, vom Pendeln mit seinem König abzuweichen und dann den für ihn schädlichen Bauernzug zurücknehmen zu müssen, haben wir unser Ziel erreicht. Zum Pendeln kommen Bauernzug-Rücknahmen natürlich nicht in Frage; hier wäre R: 1.Kf2-e1 ein möglicher Pendelzug von Weiß: Er ist der einzige, der dem schwarzen Springer (oder dem schwarzen Turm) keinen freien Rückzug ermöglicht.

Das aber reicht noch nicht, denn nach dem Hin-und-Her-Pendeln könnte Schwarz behaupten, sein letzter Zug vor der Diagrammstellung sei Kh7-h8 gewesen — und dann muss Weiß das Pendeln abbrechen, und das hilft ihm gar nichts.

Also gilt es einen Vorplan zu finden, der dieses Argument erst gar nicht aufkommen lassen kann. Und der ist, finde ich, sehr attraktiv.

Sicherlich wollt ihr den selbst finden? Allzu schwer ist das nach unseren Vorübergegangen wohl gar nicht …

Lösung

R: 1.e5xLd6 Kh7-h8 2.f4xLe5 Kh8-h7 3.g3xLf4 Kh7-h8 4.h2xLg3 Lh4xXg3+ (diese Stellung müssen wir uns merken!) 5.Kf2-e1 Kh8-h7 6.Ke1-f2 Kh7-h8 (hier taucht sie zum zweiten Mal auf) 7.Kf2-e1 Kh8-h7 8.Ke1-f2 h7-h6 (nun brächte Kh7-h8 die Stellung zum dritten Male aufs Brett, und das ist wegen der Automatik der Zugwiederholungs-Regel nicht zulässig) 9.Sh6xTg8 & vor 1.Sf7#.

Das finde ich sehr hübsch und auch originell, eine Serie von Ceriani-Frolkin-Entschlägen als Vorplan zum entscheidenden Pendel zu nutzen.

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